Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der kulturellen Dichotomie Russlands respektive dem Antagonismus zwischen Moskau und Petersburg. Den ersten wichtigen Themenschwerpunkt bildet der Vergleich zwischen Moskau und Peterburg in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Hier wird vor allem die Bedeutung der beiden russischen Hauptstädte im zeitgenössischen Geistesleben Russlands sowie in der russischen Literatur des 19. Jahrhunderts untersucht.
Im Zentrum der Arbeit soll vor allem die Rolle der beiden Metropolen vor dem Hintergrund der Westler-Slavophile-Debatte an ausgewählten Beispielen aus der essayistischen Prosa unter folgenden Gesichtspunkten diskutiert werden: die Lage der beiden Hauptstädte im russischen Kulturraum, die Petersburger Mythologie, die Entstehung der beiden Hauptstädte sowie Peter I. und seine Reformpolitik. Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit ist vornehmlich auf die neugegründete Hauptstadt, Petersburg gerichtet.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Moskau und Petersburg in der ersten Hälfte 19. Jahrhundert
2. Petersburg im Spiegel der zeitgenössischen Kritik
3. Moskau und Petersburg im Zentrum der Westler - Slavophile-Debatte
4. Zur Gegenüberstellung der russischen Hauptstädte vor dem Hintergrund der Westler-Slavophile-Debatte
4.1. Gegenstände der Diskussion
4.1.1. Zur Lage der beiden Hauptstädte im russischen Kulturraum
4.1.2 Zur Petersburger Mythologie
4.1.3 Zur Entstehung der beiden Hauptstädte
4.1.4 Peter I. und seine Reformpolitik
5. Moskau und Petersburg im westlerischen und slavophilen Denken
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die kulturelle Dichotomie sowie den Antagonismus zwischen Moskau und St. Petersburg im 19. Jahrhundert, mit einem besonderen Schwerpunkt auf der Wahrnehmung dieser Hauptstädte im zeitgenössischen Geistesleben und der russischen Literatur vor dem Hintergrund der Westler-Slavophile-Debatte.
- Vergleich der russischen Metropolen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
- Analyse der Petersburger Mythologie und der Stadtgenese
- Diskussion der Rolle Peter I. und seiner Reformpolitik im Kontext der russischen Identitätssuche
- Gegenüberstellung der Wahrnehmung durch westlerische und slavophile Denker
Auszug aus dem Buch
4.1.1. Zur Lage der beiden Hauptstädte im russischen Kulturraum
„В самом деле, куда забросило русскую столицу – на край света.“29
Eine bedeutsame Rolle spielt in der Gegenüberstellung der russischen Hauptstädte vor dem Hintergrund der Westler-Slavophile-Debatte die Kritik an der geographischen Lage Petersburgs. Besonders ausführlich widmet sich K. S. Aksakov, eine der zentralen Gestalten der slavophilen Bewegung neben Chomjakov und Kireevskij, in Значение столицы, einer für den Herrscher bestimmten Abhandlung der Standortkritik der neuen Hauptstadt des Reiches.
Er bemängelt nicht nur, dass Peterburg außerhalb des russischen Reiches „на самом краю неизмеримого Русского государства, [...] не только не в средине государственного племени, не только не среди Русского народа, но совершенно вне его“, in dem kurz vorher erst eroberten Land „среди племени Финского, среди Чухонъ“30 erbaut worden ist, sondern bedauert darüber hinaus die geographische Lage des Standorts mit ihren ungünstigen klimatischen Verhältnissen: „Нашли пустынное и дикое место, где не было признаков не только русской, но и никакой народной жизни.“31 Darüber hinaus kritisiert Aksakov die Kluft zwischen Petersburg und Russland, die dadurch zustande kommt, dass die Hauptstadt Russlands sich außerhalb des russischen Volkes befindet: „столица России – за границей. Петербург не имеет с Россией никаких ни исторических, ни современных живых, связей.“32
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Gründung St. Petersburgs als künstliche, rationalistische Stadt durch Peter I. und die daraus resultierende kulturelle Opposition zum organisch gewachsenen, „heiligen“ Moskau.
1. Moskau und Petersburg in der ersten Hälfte 19. Jahrhundert: Dieses Kapitel beleuchtet den Beginn der literarischen Rivalität zwischen den beiden Städten, insbesondere durch die Werke A. S. Puškins, der den Statusverlust Moskaus gegenüber der neuen imperialen Hauptstadt beschreibt.
2. Petersburg im Spiegel der zeitgenössischen Kritik: Hier wird untersucht, wie Schriftsteller wie N. V. Gogol’ das Bild St. Petersburgs als „charakterlose“ und trügerische Stadt in der russischen Literatur des 19. Jahrhunderts prägten.
3. Moskau und Petersburg im Zentrum der Westler - Slavophile-Debatte: Dieses Kapitel stellt die Suche Russlands nach seiner kulturellen Identität dar und wie die Polarität der beiden Städte zum Kernpunkt der intellektuellen Auseinandersetzung zwischen Westlern und Slavophilen wurde.
4. Zur Gegenüberstellung der russischen Hauptstädte vor dem Hintergrund der Westler-Slavophile-Debatte: Das Kapitel analysiert detailliert die Kritik an der Geographie, der Entstehung und der Symbolik St. Petersburgs sowie die konträren Bewertungen der Reformpolitik Peters I.
5. Moskau und Petersburg im westlerischen und slavophilen Denken: Zusammenfassend wird hier dargelegt, dass die beiden Weltanschauungen divergierende Verhältnisse zu den Metropolen pflegen, wobei Petersburg für die einen den Fortschritt und für die anderen den Bruch mit der russischen Seele symbolisiert.
Fazit: Das Fazit stellt fest, dass der Gegensatz zwischen den Städten eine fundamentale Bedeutung für die russische Kulturgeschichte hat, wobei eine Synthese beider Pole als idealer Ausweg diskutiert wird.
Schlüsselwörter
St. Petersburg, Moskau, Westler, Slavophile, Russland, Kulturgeschichte, Puškin, Gogol’, Identität, Geistesleben, Urbanität, Dichotomie, Peter I., Literatur, Mythologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die kulturelle und geistesgeschichtliche Rivalität zwischen den russischen Hauptstädten Moskau und St. Petersburg im 19. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die literarische Wahrnehmung der beiden Städte, die Westler-Slavophile-Debatte sowie die Kritik an der Gründung und Reformpolitik Peters I.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Rolle der beiden Metropolen im Kontext der russischen Suche nach einer nationalen Identität im 19. Jahrhundert herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine geistesgeschichtliche Analyse, die primär auf die Auswertung essayistischer Prosa und theoretischer Schriften jener Zeit gestützt ist.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die geographische Lage der Städte, die Entstehung der Petersburger Mythologie und den Kontrast zwischen dem organischen Moskau und dem geplanten Petersburg.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kulturelle Dichotomie, Westler, Slavophile, St. Petersburg, Moskau, Identität und russische Literatur.
Warum wird Petersburg oft als „charakterlose“ Stadt bezeichnet?
Dies ist ein in der zeitgenössischen Literatur häufiges Motiv, das sich auf den als künstlich empfundenen, nicht aus der russischen Tradition gewachsenen Charakter der Stadt bezieht.
Wie bewerten die Slavophilen die Reformen Peters I.?
Sie lehnen die Reformen als radikalen Bruch mit der russischen Seele, der Orthodoxie und den organischen Lebensformen des Volkes entschieden ab.
Welchen Ausweg schlägt Belinskij vor?
Belinskij plädiert für eine Auflösung der starren Opposition durch eine Synthese, in der beide Städte ihre besten Eigenschaften vereinen.
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- Anonym (Author), 2004, Kulturelle Dichotomie Russlands: Moskau vs. Petersburg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74097