Immer wieder gibt es TV-Shows oder Bücher, die zu Bestsellern werden, die ihre Attraktivität daraus beziehen, dass sie mit den Unterschieden zwischen den Geschlechtern spielen, diese deutlich hervorheben, und den Zuschauern und Lesern mehr als überdeutlich zeigen, zu welcher Geschlechtsgruppe sie gehören und welche Differenzen zur anderen Geschlechtsgruppe bestehen. Dazu werden Eigenschaften, Eigenheiten und Stereotypen der jeweiligen Geschlechter aufgezeigt und oftmals karikiert.
Das Motto scheint zu funktionieren. Die Shows und die Bücher sind ein wahrer Erfolg. Jeder Person scheinen die Unterschiede zwischen den Geschlechtern, auch ohne die TV – Shows und Bücher, allgegenwärtig, sie werden aber oft unhinterfragt hingenommen. Doch woher stammen diese geschlechtsspezifischen Unterschiede eigentlich? Wieso verhalten sich Männer und Frauen so oft so unterschiedlich? Sind die Unterschiede angeboren, also in unseren Genen festgeschrieben, oder werden sie anerzogen, lernen wir sie und werden wir somit damit von der Gesellschaft geprägt?
Die Sozialisation, und die geschlechtsspezifische Sozialisation im Speziellen, zeigt, dass die Unterschiede, die die Geschlechter im Laufe ihrer Leben aufzeigen, nicht von Natur aus bestehen, sondern durch einen langen Prozess angeeignet werden. Hier soll nun versucht werden, die geschlechtsspezifische Sozialisation und deren Wirkungsweise zu verdeutlichen und zu zeigen, dass gerade durch diese die geschlechtsspezifischen Unterschiede hervorgebracht werden und mit ihrer Hilfe diese Differenzen erklärt werden können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sozialisation
3. Die geschlechtsspezifische Sozialisation
3.1. Grundlegende Informationen
3.2. Die gesellschaftsspezifische Sozialisation als gesellschaftsabhängiger Prozess
3.3. Geschlechtsidentität
3.4. Erwartungen und Verhalten als Produkt der geschlechtsspezifischen Sozialisation
3.5. Selbstsozialisation
3.6. Arten der Sozialisation
3.7. Beispiele der geschlechtsspezifischen Sozialisation
3.7.1. Eltern und Familie
3.7.2. Schule
4. Geschlechtsspezifische Sozialisation: Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Prozess der geschlechtsspezifischen Sozialisation und analysiert, wie durch gesellschaftliche Prägung Unterschiede zwischen den Geschlechtern entstehen und verfestigt werden.
- Theoretische Grundlagen des Sozialisationsbegriffs
- Entstehung der Geschlechtsidentität und Selbstsozialisation
- Die Rolle von Eltern und Familie als Sozialisationsinstanzen
- Einfluss der Schule auf geschlechtsspezifische Rollenbilder
- Kritische Reflexion über die Zukunft von Geschlechterrollen
Auszug aus dem Buch
3.7.1. Eltern und Familie
Die Familie und die Eltern im speziellen stellen für die Jungen und Mädchen die erste und zugleich wichtigste Instanz der Sozialisation, und somit auch der geschlechtsspezifischen Sozialisation dar. Nicht nur werden dem Kind durch sein Eltern Werte und Normen vorgelebt, die das Kind zumindest für eine gewisse Phase seines Lebens als universal gültig annimmt und verinnerlicht, auch wird das Kind gleichzeitig mit Geschlechtsmustern vertraut, die sein ganzes Leben prägen werden. Vor allem die geschlechtliche Arbeitsteilung zwischen den Eltern tritt hierbei in den Vordergrund und wird vom Kind als Basis der Tätigkeiten verstanden, welche ein Kind ausüben kann oder darf.
Dabei orientiert sich das Kind an den Rollen, die von den Eltern vorgelebt, ausgeübt und eingenommen werden. Diese wiederum dienen als Beispiel für das Kind, wie Männer und Frauen sich verhalten. So ist auch zu beobachten, dass Mädchen später einmal eher Tätigkeiten ausüben, welche sie auch bei der Mutter beobachten konnten und als weiblich gelten, und Jungen zu Tätigkeiten, welche bereits beim Vater zu sehen waren und als männlich gelten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Allgegenwärtigkeit von Geschlechterstereotypen und stellt die grundlegende Frage, ob diese Unterschiede angeboren sind oder durch gesellschaftliche Sozialisation erlernt werden.
2. Sozialisation: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Sozialisation als Prozess der Identifikation mit der Umwelt und Anpassung an gesellschaftliche Normen zur Entwicklung eines handlungsfähigen Individuums.
3. Die geschlechtsspezifische Sozialisation: Hier wird analysiert, wie Geschlechteridentität durch lebenslange Interaktion mit der Umwelt konstruiert wird und welche Bedeutung diese Prozesse für die Verfestigung von Geschlechtsunterschieden haben.
4. Geschlechtsspezifische Sozialisation: Zusammenfassung und Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse über den Sozialisationsprozess zusammen und diskutiert mögliche zukünftige Entwicklungen hinsichtlich aufbrechender klassischer Geschlechterrollen.
Schlüsselwörter
Geschlechtsspezifische Sozialisation, Sozialisationsinstanzen, Geschlechtsidentität, Geschlechterrollen, Stereotype, Selbstsozialisation, doing gender, Körpersozialisation, emotionale Sozialisation, Erziehung, Familie, Schule, Geschlechtspolarität, Persönlichkeitsentwicklung, Normen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie gesellschaftliche Einflüsse dazu beitragen, dass Kinder unterschiedliche geschlechtsspezifische Eigenschaften und Verhaltensweisen erlernen und verinnerlichen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der Geschlechtsidentität, den Sozialisationsinstanzen Familie und Schule sowie der internen Selbstsozialisation von Individuen.
Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?
Die zentrale Frage ist, inwieweit geschlechtsspezifische Unterschiede auf angeborene Faktoren zurückzuführen sind oder als lebenslanger, durch die Gesellschaft geprägter Sozialisationsprozess verstanden werden müssen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine theoretische Analyse bestehender Literatur und Forschungsergebnisse zur Sozialisationsforschung, um die Wirkungsweise geschlechtsspezifischer Prägung zu verdeutlichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen der Sozialisation insbesondere die Instanzen Elternhaus und Schule sowie Prozesse wie die Körpersozialisation und das Konzept des "doing gender" detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Text am besten?
Zu den prägenden Begriffen zählen Geschlechtsspezifische Sozialisation, Geschlechtsidentität, Rollenbilder, Sozialisationsinstanzen, Stereotype und Persönlichkeitsentwicklung.
Warum spielt die Schule eine so entscheidende Rolle für die Sozialisation?
Die Schule verfestigt durch ihre Strukturen, wie die Geschlechtertrennung im Sportunterricht oder die Darstellung in Lehrbüchern, bestehende Geschlechterklüfte und Stereotype.
Wie beeinflusst die Erziehung durch Eltern das spätere Geschlechtsbewusstsein?
Eltern vermitteln Werte, Normen und Verhaltensweisen oft unbewusst durch ihr eigenes Vorbild und die geschlechtliche Arbeitsteilung, was das Kind als universell gültig verinnerlicht.
Was bedeutet das Konzept des "doing gender" im Kontext der Arbeit?
Es beschreibt das Phänomen der Selbstsozialisation, bei dem Jungen und Mädchen beginnen, ihr eigenes Verhalten aktiv an den gesellschaftlich erwarteten geschlechtstypischen Eigenschaften auszurichten.
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- Tobias Burgthaler (Author), 2006, Geschlechtsspezifische Sozialisation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74573