Die Unabhängigkeit: Gab es ein Nationalbewusstsein oder Patriotismus in Peru?

Eine Untersuchung des 'Mercurio Peruano' und der Nationalhymne Perus


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Unabhängigkeit: Gab es ein Nationalbewusstsein oder Patriotismus in Peru?
2.1 Nation, Nationalbewusstsein, Patriotismus Eine Begriffsklärung
2.2 Der Mercurio Peruano
2.3 Die Nationalhymne Perus
2.4 Das Ende der kolonialen Epoche und Peru eine Nation?

3. Literaturverzeichnis

Anlage: Himno Nacional del Perú

Authentizitätserklärung

1. Einleitung

Als im Jahre 1824 die Schlacht von Ayacucho die faktische Abtrennung Lateinamerikas von Spanien[1] bewirkte und Bolívar (nach San Martín) sozusagen im zweiten Anlauf die Unabhängigkeit Perus als letzter noch spanischer Herrschaft unterstellter Region der Neuen Welt besiegelte, hatte diese bereits viele Jahre innerer Unruhen hinter sich, die durch eine lange Reihe verschiedener Rebellionen und Aufstände hervorgerufen worden waren. Die sich daraus ergebende Frage hinsichtlich des eigentlichen Ursprungs der Abspaltung Perus von der spanischen Herrschaft ist in der Geschichtsschreibung kontrovers diskutiert worden: Kam die Revolution von innen, aus Kräften der eigenen Bevölkerung, oder wurde die Unabhängigkeit Peru von außen gebracht? Die Interpretationen der politischen Vorgänge des beginnenden 19. Jahrhunderts in und um das Land basieren dabei auf verschiedenen Ansätzen. Der Historiker Klarén vereint in seinen Betrachtungen zu diesem Bereich drei Richtungen: die traditionelle bzw. patriotische Sichtweise, die des indigenen Nationalismus und drittens die marxistische Schule der Historiker hinter Bonilla und Spalding, in seinen beiden Hypothesen bezüglich eines vorliegenden Nationalismus’ bzw. Interventionalismus’.[2] Abgesehen von den unter der Bourbonenherrschaft auftretenden, vielfältigen Veränderungen in der spanischen und peruanischen Bevölkerung, die zweifelsohne eine entscheidende Rolle bei der Unabhängigkeit spielten[3], stellt die Klärung der Frage nach der Existenz eines Nationalbewusstseins, eines gewissen Patriotismus’ in der Bevölkerung des Peru des angehenden 19. Jahrhunderts eine ebenso wichtige, wenn nicht gar die wichtigste, Grundlage für derartige Untersuchungen dar. Schließlich liegt hierin der Schlüssel zu einer möglichen Unabhängigkeit von innen: nicht die wirtschaftlichen oder politischen Ereignisse einer Zeit bewirken ihre Veränderung, sondern das Bewusstsein, mit dem die Menschen sie aufnehmen und die expansive Fähigkeit der Kräfte, in die sie es umwandeln. Denn die größte Motivation, sich aus einer (ungeliebten) Situation zu befreien, sind die eigene Überzeugung und der Mut, für diese auch einzustehen, in größerem Umfang besehen: braucht eine Revolution zum nachhaltigen Gelingen einen weit reichenden Kämpfergeist und ein Nationalbewusstsein, das ein möglichst einheitliches Ziel verfolgt.

Ob es im Peru zu Zeiten der Unabhängigkeitsbewegungen ein solches Nationalbewusstsein bzw. eine Art Patriotismus gegeben haben kann, bzw. welches Bild man sich davon anhand verschiedenen zeitgenössischen Materials machen kann, soll in der vorliegenden Hausarbeit auf der Grundlage der peruanischen Nationalhymne und des Mercurio Peruano, einer der wichtigsten peruanischen Zeitungen der Aufklärungszeit, vor dem Hintergrund historischer Fakten diskutiert werden.

2. Die Unabhängigkeit:

Gab es ein Nationalbewusstsein oder Patriotismus in Peru?

Um Schlüsse über die Art bzw. das generelle das Vorliegen eines Nationalbewusstseins oder Patriotismus’ im Peru des beginnenden 19. Jahrhunderts ziehen zu können, ist zunächst einmal eine genaue Klärung dieser Begriffe, wie sie im folgenden verwendet werden sollen, vorzunehmen.

2.1 Nation, Nationalbewusstsein, Patriotismus. Eine Begriffsklärung

Unser heutiges (europäisches) Verständnis von einer Nation hat seinen Ursprung noch in den Entwicklungen der französischen Revolution. Bezog sich der Bedeutungsinhalt dieses Begriffes bis dahin auf eine privilegierte „Adelsnation“, füllte er sich Ende des 18. Jahrhunderts mit dem Bild einer „Bürgernation“, deren Grundlage neben einer einheitlichen Sprache, Herkunft, und gegebenenfalls Religion innerhalb der Bevölkerung existierende, kollektive Erfahrungshintergründe, Gefühle und Denk- und Lebensweisen bildeten.[4]

Das Bewusstsein oder Gefühl der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Nation durch verbindende, „objektiv gegebene Faktoren [, wie] z.ÿB. gemeinsame Abstammung, Sprache, Religion, Kultur und Geschichte [, ] oder subjektiv-gedankliche Orientierungen [, wie] übereinstimmende Weltbilder, Rechts-, Staats- und Gesellschaftsauffassungen“ definiert den Begriff des Nationalbewusstseins. Wenn auch im Laufe der Geschichte oft genug zu zweifelhaftem Nationalismus übersteigert, kann „Nationalbewusstsein“ mithin das gesunde, „erwachende Selbstbewusstsein einer Nation [bezeichnen,] mit dem Bestreben, einen eigenen Staat zu bilden“, dessen Entwicklung besonders „im Zeichen der Entkolonialisierung […] zu einer notwendigen Voraussetzung für die politische, sozioökonomische und kulturelle Entwicklung von Staaten der Dritten Welt [wurde]“.[5]

Patriotismus hingegen ist eher durch die „Wertschätzung von Symbolen und historisch bedeutsamen Ereignissen sowie dem Respekt vor Institutionen und Personen, die der staatlichen Integration dienen, verbunden mit Dienst- und Opferbereitschaft“ gekennzeichnet und bezieht sich auf die auf staatliche Traditionen gerichtete „Vaterlandsliebe, die Verehrung, Hingabe und gefühlsmäßige Bindung an Traditionen und Gemeinschaft des eigenen Volkes“.[6] Ein Patriot identifiziert sich mit seinem Land, „ohne dadurch eine Abwertung anderer Völker und Nationen implizieren zu wollen“[7].

[...]


[1] Bakewell, Peter, A History of Latin America. Empires and Sequels 1450 – 1930, Oxford: Blackwell Publishers, 1997, S. 391 u. 397.

[2] Klarén, Peter Flindell, Peru : society and nationhood in the Andes, New York: Oxford University Press, 2000, S. 121f.

[3] Vgl. Bonilla, Heraclio u. Karen Spalding, “La independencia en el Perú: las palabras y los hechos“, in: Heraclio Bonilla. u. a., La independencia en el Perú, Lima: Instituto de Estudios Peruanos, 1972, S. 75 und O’Phelan Godoy, Scarlett, “El mito de la independencia concedida”, in: Alberto Flores Galindo (Hg.), Independencia y revolución (1780-1840), Bd. 2, Lima: Industrial Gráfica, 1987, S. 197.

[4] Vgl. Der Brockhaus in Text und Bild Edition 2002. Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus 2002.

[5] Vgl. ebd..

[6] Vgl. ebd..

[7] „Patriotismus.“ In: Wikipedia. Die freie Enzyklopädie. [aktualisiert am 23.02.2007]. http://de.wikipedia.org/wiki/Emanzipation [27.02.2007].

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Unabhängigkeit: Gab es ein Nationalbewusstsein oder Patriotismus in Peru?
Untertitel
Eine Untersuchung des 'Mercurio Peruano' und der Nationalhymne Perus
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Veranstaltung
Hauptseminar: Las independencias hispanoamericanas 1808-1825
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V74653
ISBN (eBook)
9783638809108
ISBN (Buch)
9783640972302
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine sehr gelungene Analyse eines wichtigen Themas der peruanischen Geschichte.
Schlagworte
Unabhängigkeit, Nationalbewusstsein, Patriotismus, Peru, Hauptseminar
Arbeit zitieren
Anja Wedekind (Autor), 2007, Die Unabhängigkeit: Gab es ein Nationalbewusstsein oder Patriotismus in Peru?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74653

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