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Zwei Auffassungen von Geschichtsphilosophie: Benedetto Croce und Friedrich Nietzsche

Titel: Zwei Auffassungen von Geschichtsphilosophie: Benedetto Croce und Friedrich Nietzsche

Magisterarbeit , 2005 , 78 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Franziska Bollow (Autor:in)

Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
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So gesehen rückt Croces Text wenn auch nicht im Ton, so doch in der Gedankenbewegung in die Nähe von Nietzsches zweiter »Unzeitgemässer Betrachtung« (1874), die eine der großen Etappe auf dem Selbstbewußtwerdungsprozeß des Historismus darstellt.

Dieses Zitat soll den Ausgangspunkt meiner Betrachtungen bilden. Ich möchte diese These aber erweitern und beweisen, dass nicht nur diese frühe Akademieabhandlung den Ausführungen Nietzsches ähnlich ist, sondern auch in Croces geschichtsphilosophischem Hauptwerk „Die Geschichte als Gedanke und als Tat“ Parallelen mit dieser Schrift Nietzsches zu finden sind.
Diese von Fellmann aufgestellte und von mir erweiterte These stellt eine gewisse Neuerung in der geschichtsphilosophischen Forschung dar.
Ziel dieser Arbeit ist es nun, diese bekannten Theorien und Thesen beiseite zu lassen und sich einer neuen Interpretation zu widmen. Deren Grundlage soll darin bestehen, die Geschichtsphilosophie Benedetto Croces mit der Friedrich Nietzsches zu vergleichen und herauszufinden, was beiden Konzepten gemein ist, und daraus zu schlussfolgern, was das für die Geschichte der Geschichtsphilosophie bedeutet.
Der zweite Teil dieser Arbeit widmet sich der Frage, wie die Erkenntnisse des ersten Teils in einen aktuellen Bezug gestellt werden können. Ich werde dabei überprüfen, wie sich beide Arbeiten in das Konzept einer postmodernen Geschichtsphilosophie einbringen lassen und welche Relevanz sie für aktuelle Konzepte haben. Mein Interesse gilt dabei der Frage, welche Bedeutung die strukturellen Entwürfe und Erkenntnisse Croces und Nietzsches haben und wie diese in aktuellen Konzepten Verwendung finden. Dabei werde ich mich von der Frage leiten lassen, in wieweit Benedetto Croce und Friedrich Nietzsche soweit ins Konzept der Postmodernisten eingegangen sind, das sie selbst als postmodern bezeichnet werden können.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Problemstellung und Relevanz des Themas

Aufbau der Arbeit und Grenzen des Themas

Erster Teil: Die Geschichtsphilosophie Friedrich Nietzsches und Benedetto Croces im Vergleich

1.1 Friedrich Nietzsche: „Vom Nutzen und Nachtheil der Historie für das Leben“

1.1.1 Umstände der Entstehung des Werkes

1.1.2 Inhalte und Kernpunkte des Werkes

1.1.2.1 Drei Arten der Geschichtsbetrachtung

a) Monumentale Geschichtsschreibung:

b) Antiquarische Geschichtsschreibung:

c) Kritische Geschichtsschreibung

1.1.2.2 Bildungskritik und Objektivität in der Geschichte

1.1.2.3 Geschichte als Kunst

1.1.2.4 Nietzsches Abgrenzung von Hegel

1.2 Benedetto Croce: „Die Geschichte als Gedanke und als Tat“ und „Die Geschichte auf den allgemeinen Begriff der Kunst gebracht“

1.2.1 Umstände der Entstehung der Werke

a) Die Geschichte auf den allgemeinen Begriff der Kunst gebracht

b) Die Geschichte als Gedanke und als Tat

1.2.2 Croces literarisches Frühwerk „Die Geschichte auf den allgemeinen Begriff der Kunst gebracht“

1.2.2.1 Der Kunstbegriff

1.2.2.2 Geschichte und Kunst

1.2.3 Croces philosophisches Spätwerk „Die Geschichte als Gedanke und als Tat“

1.2.3.1 Der Begriff des Historismus

1.2.3.2 Kritik an der Geschichtsschreibung

1.2.3.3 Vier negative Varianten des Historismus

a) „antiquarischer“ Historismus

b) Historismus contra mathematisch-naturwissenschaftliches Erkenntnisideal

c) Historizismus

d) Geschichte als Gegenwartsflucht

1.2.3.4 Croces Kritik an Ranke und Burckhardt

1.2.3.5 Die neue Rolle der Philosophie als Methodologie der Geschichte

1.3 Direkter Vergleich

1.3.1 Formales

1.3.1.1 Der Hintergrund

1.3.1.2 Die Perspektive

1.3.2 Inhaltliches

1.3.2.1 Gemeinsamkeiten

a) Geschichte und Kunst

b) Die Kritik an Hegel

c) Das Postulat einer lebendigen Geschichte

1.3.2.2 Unterschiede

a) Freiheit

b) Der Ausweg aus der Krise

1.4 Zwischenbilanz

Zweiter Teil: Die Geschichtsphilosophie Friedrich Nietzsches und Benedetto Croces im Spiegel der Postmoderne

2.1 Das Konzept der Narrativität

2.1.1 Der Begriff der postmodernen Narrativität

2.1.2 Arten der Narrativität in der Geschichtsschreibung

2.1.3 Der Umgang mit dem Konzept der Narrativität

2.2 Postmoderne Geschichtsdebatte

2.2.1 Hayden White und die Kritik an der Geschichtsphilosophie des 19. Jahrhunderts

2.2.1 »Auch Klio dichtet« - Ein postmoderner Kunstansatz

2.2.2 Wissenschaftliche Diskussion

2.2.2.1 David Carr, U.S.A.

2.2.2.2 Reinhart Koselleck, Deutschland

2.3 Schlussfolgerungen

Fazit

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die geschichtsphilosophischen Ansätze von Friedrich Nietzsche und Benedetto Croce, um deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede sowie ihre Relevanz für eine postmoderne Geschichtsphilosophie zu erarbeiten. Dabei steht die Forschungsfrage im Vordergrund, inwieweit diese Denker als Wegbereiter der postmodernen Geschichtsschreibung verstanden werden können und welche Rolle dabei ihr jeweiliges Verständnis von Narrativität und Geschichte als Kunst spielt.

  • Vergleichende Analyse der Geschichtsphilosophie von Nietzsche und Croce.
  • Untersuchung der Krise der Geschichtswissenschaft im 19. Jahrhundert.
  • Rolle der Narrativität in modernen und postmodernen Geschichtstheorien.
  • Kritische Auseinandersetzung mit der Geschichtsphilosophie Hegels.
  • Beziehung zwischen Geschichte, Kunst und dem Leben.

Auszug aus dem Buch

1.1.2.1 Drei Arten der Geschichtsbetrachtung

Nietzsche beginnt an dieser Stelle mit seiner berühmt gewordenen Unterscheidung drei er Arten der Geschichtsschreibung:

a) Monumentale Geschichtsschreibung:

Ein monumentaler Geschichtsschreiber interessiert sich für die großen Zusammenhänge der Geschichte. Er sammelt diese „großartigen“ Fakten und befreit sie von allem „Dreck“ des Niederen Die Vorbilder seines Handeln sind Menschen wie Cäsar, Napleon oder Bismarck. Nietzsche warnt aber auch vor den Gefahren einer derartigen Geschichtsschreibung, die Vergangenheit werde sublimiert und die schlechten und niederen Teile einfach vergessen oder unter den Teppich gekehrt. Böse Geister hätten monumentale Historie benutzt, um die Geschichte zu verdrehen, Kriege zu rechtfertigen und die Massen nach ihrem Gutdünken zu beeinflussen. Sollte diese monumentale Geschichtsschreibung aber in die Hände der „Ohnmächtigen Untätigen“ gelangen? Nietzsche entwirft folgendes Szenario:

„Denen wird der Weg verlegt; denen wird die Luft verfinstert, wenn man ein halb begriffe nes Monument irgendeiner grossen Vergangenheit götzendienerisch und mit rechter Beflis senheit umtanzt, als ob man sagen wollte: »Seht das ist die wahre und wirkliche Kunst: was gehen Euch die Werdenden und Wollenden an?«“

Zusammenfassung der Kapitel

1.1 Friedrich Nietzsche: „Vom Nutzen und Nachtheil der Historie für das Leben“: Der Abschnitt beleuchtet die Entstehungsgeschichte des Werkes sowie dessen zentrale Thesen, insbesondere die Bildungskritik und die Abgrenzung von hegelscher Geschichtsauffassung.

1.2 Benedetto Croce: „Die Geschichte als Gedanke und als Tat“ und „Die Geschichte auf den allgemeinen Begriff der Kunst gebracht“: Hier werden Croces Ansätze zur Geschichte als Kunst und seine spätere Theorie des Historismus analysiert, wobei besonders seine methodologische Kritik an anderen Historikern im Fokus steht.

1.3 Direkter Vergleich: Dieses Kapitel stellt die formalen und inhaltlichen Parallelen sowie Gegensätze der beiden Philosophen gegenüber, insbesondere im Hinblick auf das Postulat einer lebendigen Geschichte.

2.1 Das Konzept der Narrativität: Der Autor führt hier in die postmoderne Debatte ein, indem er den Begriff der Narrativität definiert und deren Bedeutung für die moderne Geschichtsforschung untersucht.

2.2 Postmoderne Geschichtsdebatte: Dieses Kapitel analysiert Hayden Whites Ansatz der Metageschichte und diskutiert dessen Einordnung der Geschichtsphilosophie des 19. Jahrhunderts sowie kritische Reaktionen von David Carr und Reinhart Koselleck.

Schlüsselwörter

Geschichtsphilosophie, Friedrich Nietzsche, Benedetto Croce, Historismus, Narrativität, Postmoderne, Hayden White, Geschichtsschreibung, Bildungskritik, G.W.F. Hegel, Geschichtstheorie, Narrativer Konstruktivismus, Historik, Objektivität, Kunstbegriff.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit vergleicht die geschichtsphilosophischen Ansätze von Friedrich Nietzsche und Benedetto Croce und prüft deren Bezug zur postmodernen Geschichtstheorie.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Themen gehören die Krise der Geschichtswissenschaft im 19. Jahrhundert, die Rolle der Narrativität, das Verhältnis von Geschichte zur Kunst sowie die Kritik am hegelscher Geschichtsverständnis.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit möchte beweisen, dass Nietzsche und Croce Parallelen in ihren geschichtsphilosophischen Ansätzen aufweisen, und untersuchen, ob sie als Wegbereiter für postmoderne Konzepte gelten können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine vergleichende, textorientierte Analyse der Primärquellen von Nietzsche und Croce vorgenommen, ergänzt durch einen Transfer auf aktuelle postmoderne Theoriedebatten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Werke von Nietzsche und Croce, vergleicht diese direkt miteinander und führt anschließend den Diskurs um die postmoderne Narrativität mit Vertretern wie Hayden White ein.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe umfassen Geschichtsphilosophie, Narrativität, Historismus, Postmoderne und das Verhältnis von Historie zur Kunst.

Welche Rolle spielt Hayden White in dieser Untersuchung?

Hayden White dient als Brücke zum postmodernen Verständnis von Geschichte, wobei seine Theorie der Tropen und Plotstrukturen zur Einordnung der Geschichtsphilosophie des 19. Jahrhunderts herangezogen wird.

Welches Fazit zieht die Autorin zu Nietzsche und Croce als Postmodernisten?

Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass Nietzsche und Croce keine Postmodernisten im engeren Sinne sind, jedoch als essenzielle Wegbereiter und Erneuerer ihrer Zeit betrachtet werden müssen.

Ende der Leseprobe aus 78 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Zwei Auffassungen von Geschichtsphilosophie: Benedetto Croce und Friedrich Nietzsche
Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
1,0
Autor
Franziska Bollow (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2005
Seiten
78
Katalognummer
V75067
ISBN (eBook)
9783638689861
ISBN (Buch)
9783638695114
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zwei Auffassungen Geschichtsphilosophie Benedetto Croce Friedrich Nietzsche
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Franziska Bollow (Autor:in), 2005, Zwei Auffassungen von Geschichtsphilosophie: Benedetto Croce und Friedrich Nietzsche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75067
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Leseprobe aus  78  Seiten
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