Mehr Chancengleichheit im französischen Bildungssystem? Anspruch und Wirklichkeit - Ein Vergleich mit der Bundesrepublik Deutschland


Hausarbeit, 2006
31 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Französische Bildungssystem
2.1 Institutioneller und organisatorischer Rahmen des gegenwärtigen Bildungssystems
2.2 Die Vorschule (école maternelle)
2.3 Die Grundschule (école primaire)
2.4 Die Sekundarstufe I (collège)
2.5 Die Sekundarstufe II
2.6 Die Hochschule

3 Das Bildungssystem der Bundesrepublik Deutschland
3.1 Institutioneller und organisatorischer Rahmen des gegenwärtigen Bildungssystems
3.2 Das Vorschulsystem
3.3 Die Grundschule (Primarstufe)
3.4 Die Sekundarstufen I und II
3.5 Die Berufs(aus)bildung
3.6 Das Hochschulwesen

4 Was ist Chancengleichheit?
4.1 Chancengleichheit in Frankreich
4.2 Chancengleichheit in der Bundesrepublik Deutschland

5 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis
Monographien
Internetquellen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Das französische Schulsystem

Abbildung 2: Das Schulsystem der Bundesrepublik Deutschland

1 Einleitung

In der vorliegenden Arbeit „Mehr Chancengleichheit in Frankreich? – Anspruch und Wirklichkeit. Ein Vergleich mit der Bundesrepublik Deutschland.“, ist die zentrale Frage, ob das französische Ganztagserziehungssystem mehr Chancengleichheit schaffen kann.

Dabei sind Fragen der Ganztagserziehung auch stets Fragen der Schulsysteme. Die Ergebnisse der PISA-Studien[1] haben gezeigt, dass im Vergleich zum europäischen Ausland Ganztagsschulsysteme überwiegend bessere Ergebnisse erzielen als das dominierende deutsche Halbtagsschulsystem: „Der Zusammenhang von sozialer Herkunft und Kompetenzerwerb ist in Deutschland besonders ausgeprägt“ (Smolka 2002, S. 7). Die Bertelsmann-Stiftung kommt zu folgendem Fazit: „Anderen Staaten gelingt es wesentlich besser – trotz ähnlicher Sozialstruktur der Bevölkerung –, die Auswirkungen der sozialen Herkunft zu begrenzen und ein insgesamt höheres Kompetenzniveau zu erreichen“ (Bertelsmann-Stiftung 2002, S. 3). In der aktuellen Diskussion ist das Thema Chancengleichheit im Bildungssystem daher wieder verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt.

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wird anhand eines Vergleichs des französischen Bildungssystems mit dem deutschen Bildungssystem deutlich gemacht, wie Anspruch und Wirklichkeit einer Ganztagserziehung aussehen. Die Wahl des französischen Systems wurde gezielt getroffen, da „Ganztagsschulen in Frankreich […] mit die längste Tradition in Europa“ (Veil 2002, S. 29) haben. Frankreich bietet eine scheinbare Chancengleichheit, weil es für alle Kinder während der Pflichtschulzeit lediglich ein Schulsystem – ein Einheitsschulsystem – anbietet. In der Bundesrepublik Deutschland hingegen gibt es kein einheitliches Schulsystem; zudem wird häufig die Kritik geäußert, die Dreigliedrigkeit des deutschen Schulsystems biete zu wenig Chancengleichheit.

Im ersten Kapitel dieser Arbeit wird das französische Bildungssystem in aller Ausführlichkeit beschrieben. Im daran anschließenden zweiten Kapitel wird das bundesdeutsche Bildungssystem dargestellt. In der Beschreibung der beiden Bildungssysteme wurden jedoch weder Privat- noch Sonderschulen berücksichtigt, da ihnen im weiteren Verlauf dieser Arbeit keine besondere Relevanz zukommt. Im dritten Kapitel wird vergleichend die Chancengleichheit in Frankreich und in der Bundesrepublik Deutschland dargestellt. Die kritische Abschlussbetrachtung beendet die Arbeit.

2 Das Französische Bildungssystem

2.1 Institutioneller und organisatorischer Rahmen des gegenwärtigen Bildungssystems

Frankreich ist eine zentralistisch organisierte Demokratie mit einem semi-präsidentiellen Regierungssystem. „Auf der Grundlage von Verfassung und Gesetzgebung liegt die zentrale Zuständigkeit für das Bildungswesen seit 1995 beim Minister für Bildung, Hochschulen, Forschung und Eingliederung in das Berufsleben“ (Schaub; Zenke 2002, S. 216).

Bildung bzw. Erziehung liegt somit in Frankreich in den Händen des zentralistischen Staates und nicht, wie in der Bundesrepublik (vgl. Kapitel 3), in den Händen der Bundesländer. Zwar ist Frankreich, das in 26 Regionen unterteilt ist, die sich wiederum aus 100 Départements zusammensetzen, ebenfalls föderalistisch strukturiert, allerdings existiert in Frankreich im Gegensatz zur Bundesrepublik Deutschland kein Bildungsföderalismus.

In Frankreich genießt Bildung traditionell einen hohen Stellenwert. Dies ist durch die historische Entwicklung des Landes zu begründen.[2] „Der hohe gesellschaftliche Stellenwert von Schule liegt […] im revolutionären Impetus des Gleichheitsprinzips (égalité) als Staatsmotto begründet. Bindeglied ist das meritokratische Prinzip (d.h. Allokation gesellschaftlicher Positionen durch – zunächst schulische – Leistung), das der Schule als […] Verteilerin sozialer Positionen eine eminente gesellschaftliche Bedeutung einräumt“ (Döbert 2002, S. 156).

In der weiteren Darstellung des französischen Bildungssystems wird deutlich, dass im Wesentlichen drei Merkmale auffallen:

1. die beruflichen Ausbildungsgänge sind zu einem beträchtlichen Teil in das Schulsystem eingebunden;
2. der Vorschulbereich ist vollständig in das Schulsystem integriert;
3. der Unterricht ist als Ganztagsunterricht konzipiert.

Die gesellschaftliche Bedeutung des französischen Bildungssystems findet seine Ratifikation im Bildungsgesetz vom 14. Juli 1989. Das Gesetz sieht vor, dass 80 Prozent eines Altersjahrgangs zum Abitur gelangen sollen (vgl. Döbert 2002, S. 156). Zudem ist es staatlich reglementiert, dass der Religionsunterricht strikt vom Schulunterricht getrennt wird (Laizismus). Diese Trennung existiert in Frankreich nicht erst seit de Bildungsgesetz von 1989, sondern schon seit vielen Jahrzehnten.

„Dem Schulsystem kommt also eine emotional stark verankerte symbolische Aufgabe zu: es soll die wesentlichen Integrationshilfen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt gewähren“ (Veil 2002, S. 30).

Das nationale französische Schulsystem (éducation nationale) gilt mit anderthalb Millionen Beschäftigten als das größte zentral gelenkte Staatsunternehmen der Welt. Das Bildungssystem hat für alle Schulen einheitliche Aufnahmekriterien, staatliche Prüfungen, sowie ein Einheitscurriculum.

Gegenwärtig gliedert sich das französische Bildungssystem in vier Stufen. Die Basis bildet die Vorschule (école maternelle). Diese ist nicht verpflichtend, denn „die Schulpflicht beginnt mit 6 und endet mit 16 Jahren“ (Kimmel; Utterwedde 2005, S. 124). Daran schließt sich die Primarstufe in Form der Grundschule (école primaire) an. Ab der fünften Klasse wechseln alle französischen Kinder an das collège, die Einheitsschule der Sekundarstufe I. Die vierte Stufe des französischen Bildungssystems bildet die Sekundarstufe II (vgl. Abbildung 1).

Mit dem Erwerb des Abiturs besteht in Frankreich genauso wie in der Bundesrepublik die Möglichkeit ein Hochschulstudium zu beginnen.

Abbildung 1: Das französische Schulsystem

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung 2004, S.31.

2.2 Die Vorschule (école maternelle)

Im Vordergrund der ganztägigen Vorschule (école maternelle), die es in schon seit dem Jahr 1887 gibt, steht der schulvorbereitende Charakter. Für die Kinder soll die Vorschule nicht nur ein Aufbewahrungsort sein, der die Betreuung der Kinder in den Fokus stellt.

„Die Vorschule gehört als eine nicht obligatorische Einrichtung zum allgemeinen Schulsystem, d. h., sie ist gebührenfrei. Eltern haben einen Rechtsanspruch auf „Einschulung" ihrer Kinder ab dem vollendeten dritten Lebensjahr und, falls genügend Plätze vorhanden sind, bereits ab dem vollendeten zweiten Lebensjahr, bis zum Schulbeginn mit sechs Jahren“ (Veil 2002, S. 31).

Diese freiwillige Einschulung der Kinder in die Vorschule hat sich in den vergangenen Jahren zu einer sozialen Norm entwickelt. Im Jahr 2002 besuchten 90 Prozent der Dreijährigen und etwa 20 Prozent der Zweijährigen die école maternelle (vgl. ebd.). Zudem weisen die Besucherquoten bezogen auf die soziale und ethnische Herkunft der Kinder nur geringe Unterschiede auf. Das heißt, dass Kinder aus allen Bevölkerungsschichten Vorschulen besuchen. Auch gibt es keine Unterschiede bezüglich der räumlichen Disparitäten: Vorschulen gibt es sowohl in den französischen Ballungszentren (z. B. der Großraum Paris), als auch in den ländlich geprägten Gegenden.

Wie bereits erwähnt, wird dem französischen Bildungssystem, und der Vorschule im Besonderen, eine große gesellschaftliche Wertschätzung zuteil. Das spiegelt sich unter anderem auch in der Ausbildung des Erzieherpersonals wider: „Seit […]1923 sollen nur noch ausgebildete Volksschullehrerinnen (institutrices) mit den Schwerpunkten "Vorschulpädagogik, Kinderpflege und Hygiene" eingestellt werden“ (Veil 2002, S. 32). Wie alle Beschäftigten im Bildungswesen unterstehen die Lehrerinnen dem Bildungsministerium.

Dabei hat die école maternelle eine dreifache Aufgabe: Erziehung, Vorbereitung auf das Lernen sowie die Aufbewahrung der Kinder.

Die Rolle, die Aufgaben und Ziele der Vorschule haben sich seit ihrer Gründung nur marginal verändert: Gegenwärtig steht der Bildungsaspekt, die Vermittlung kultureller Techniken (Sprachentwicklung) und die Kommunikation im Vordergrund.

Die Kinder, die sich in Gruppen mit insgesamt 25 Kindern befinden, sollen durch Heranführung an Lernmethoden, nicht durch Lerninhalte auf die Grund- und Sekundarschule (‚große Schule’) vorbereitet werden. Die gesellschaftliche Erwartung an die Vorschule ist die Herstellung von Chancengleichheit, indem z. B. familiale Defizite mit der vorschulischen Erziehung kompensiert werden sollen. Mit diesem gesellschaftlichen Anspruch gegenüber Kindern im Vorschulalter nimmt Frankreich in Europa eine Vorreiterrolle ein. Eine Besonderheit im Vorschulbereich ist, dass für den Bau, die Unterhaltung und das Einstellen von Hilfspersonal der Vorschulen nicht das Bildungsministerium, sondern die jeweilige Kommune verantwortlich ist.

2.3 Die Grundschule (école primaire)

Die fünfjährige Grundschule beginnt für alle französischen Kinder mit dem sechsten Lebensjahr und hat zum Ziel, dass für alle Schüler[3] eine kulturelle Mindestausstattung gewährleistet wird und Grundfähigkeiten in den Kulturtechniken (Lesen, Schreiben, Rechnen) vermittelt wird. Zudem soll die Grundschule auf das Sekundarschulwesen vorbereiten. Seit dem Schuljahr 1998/1999 ist zudem eine Fremdsprache obligatorisch.

Die Grundschule ist in zwei Stufen gegliedert: Die erste Stufe, die das Erlernen von Grundfähigkeiten zum Ziel hat, beginnt bereits mit der obersten Gruppe der école maternelle bzw. mit der Vorklasse und „umfasst die Klassen 1 und 2 der Primarschule“ (Schaub; Zenke 2002, S. 218). Die daran anschließende Stufe dient in erster Linie zur Wissensvertiefung und zur Vorbereitung auf das collège, die gemeinsamen Sekundarstufe I. Diese Stufe umfasst die verbliebenen Klassen drei bis fünf der Grundschule.

Zu Orientierungszwecken werden zu Beginn und am Ende der letzten Stufe landesweite Evaluationen durchgeführt. „Für jeden Schüler wird ein Schulberichtsheft (livret scolaire) geführt, das den Eltern regelmäßig vorgelegt wird. In ihm werden die Ergebnisse der kontinuierlichen Leistungsbeurteilung, die Lernfortschritte u. a. wichtige Daten der Lerngeschichte des Schülers eingetragen“ (Schaub; Zenke 2002, S. 218). Die Grundschule endet für alle französischen Kinder mit dem automatischen Übergang in die Sekundarstufe I Dabei wird weder eine Abschlussprüfung durchgeführt, noch ein Abschlusszeugnis ausgestellt, dass eine Versetzung möglicherweise verhindern könnte.

2.4 Die Sekundarstufe I (collège)

Das collège in seiner heutigen Form besteht erst seit dem Jahr 1977. Damals hatte es sich die französische Regierung zum Ziel gemacht, ein ganztägiges Einheitsschulsystem im Bereich der Sekundarstufe I zu schaffen um eine größere Chancengleichheit für alle Kinder herzustellen.

Das französische Bildungsministerium sieht für die Sekundarstufe I vor, dass der Bildungsauftrag für das collège eine Eigenständigkeit gegenüber der Grundschule und der Sekundarstufe II hat. Das pädagogische Grundwissen, das die Schüler dort erwerben, soll ihnen Allgemeinbildung vermitteln, die es ihnen ermöglicht Wissen und Kompetenzen einer gemeinsamen (französischen) Kultur zu erwerben (vgl. Kimmel; Utterwedde 2005, S. 126).

Das collège ist für alle elf- bis sechzehnjährigen Franzosen (gesetzliche Schulpflicht) verpflichtend. Neben dem angesprochenen Bildungsauftrag, hat das collège das Ziel die soziale Integration der Schüler zu fördern und sie auf die berufliche Alltagswelt vorzubereiten.

Das collège, welches in mehrere Stufen gegliedert ist, beginnt mit der sechsten Klasse, der so genannte Beobachtungs- und Anpassungsstufe (cycle d’adaptation). In dieser Phase findet ein undifferenzierter Unterricht statt.

Die einzige Differenzierung besteht aus drei Stunden Förderunterricht, der sich auf die Muttersprache, die Fremdsprache (Englisch, Deutsch oder Spanisch) und auf die Mathematik verteilt. Während dieser Klasse werden die Schüler „an die neuen Arbeitsformen und Lernansprüche der Sekundarstufe I (konsequenter Fachunterricht, Fachlehrerprinzip)“ (Döbert 2002, S. 167) herangeführt. Die Klassen sieben und acht bilden eine zweijährige Vertiefungsstufe oder Mittelstufe (cycle central). Während dieser Phase werden Lehr- und Lerninhalte vertieft, und den Schülern wird die Möglichkeit eingeräumt ihren weiteren schulischen Werdegang entsprechend ihren Neigungen selbst zu gestalten. Klasse neun bildet die Orientierungsstufe (cycle d’orientation). Hier können die Schüler konkret ihren weiteren Bildungsplan entwerfen und sich dementsprechend spezialisieren.

Das collège endet mit dem Abgangszeugnis: Diplôme national du brevet. „Es gibt drei Typen des Diploms, die für die Wahl des weiteren Bildungsweges von Bedeutung sind: den allgemein bildenden (Collège), den technikorientierten (Technologique) und den berufsvorbereitenden Abschlusstyp (Professionelle)“ (Schaub; Zenke 2002, S. 218).

Schüler, die keinen Abschluss am collège erwerben, haben die Möglichkeit in einem Lehrvorbereitungsjahr ihre Schulpflicht zu erfüllen um anschließend in eine ungelernte oder angelernte Arbeit einzutreten.

2.5 Die Sekundarstufe II

In Frankreich endet mit der Sekundarstufe I die Pflichtschulzeit, so dass die Sekundarstufe II lediglich ein möglicher Bildungsweg ist, der den Jugendlichen offen steht. Dabei haben die Schüler die Wahl zwischen mehreren Bildungsgängen: zum einen können sie an das allgemein bildende und das technische Lycée (Lycées d’enseignement général et technologique) wechseln. Dort haben sie die Möglichkeit innerhalb von „drei Schuljahren zur allgemeinen Hochschulreife (Baccalauréat général), zur technischen Hochschulreife (Baccalauréat technologique) oder zum Techniker-Diplom (Brevet de technicien), mit dem i.d.R. die Aufnahme einer Berufstätigkeit verbunden ist“ (Schaub; Zenke 2002, S. 218), zu gelangen. Das Baccalauréat befähigt zur Aufnahme eines Hochschulstudiums an einer Universität.

Eine weitere Option, die zur Sekundarstufe II zählt, ist das berufsbildende Lycée (Lycée professionnel). Dort können Schüler innerhalb von zwei Schuljahren den Berufsbefähigungsnachweis (CAP = certificat d’aptitude professionelle) oder das Abschlusszeugnis der mittleren beruflichen Sekundarbildung (BEP = brevet d’études professionnelles) erwerben. Das CAP entspricht einem bundesdeutschen Facharbeiter- bzw. Gesellenbrief und ist die Grundlage zur Ausübung eines Berufes. Das BEP ist mit dem Abschluss einer Berufsfachschule zu vergleichen. „Nach dem Erwerb des BEP führen zwei weitere Schuljahre in dem berufsbildenden Lycée zur beruflichen Hochschulreife (Baccalauréat professionnel). Im Unterschied zum technischen Baccalauréat […] ist das berufliche Baccalauréat ein berufsqualifizierender Abschluss, der unmittelbar in das Berufsleben führt, aber auch zur Aufnahme eines Studiums berechtigt“ (Schaub; Zenke 2002, S. 219).

Neben den genannten Bildungswegen in der Sekundarstufe II gibt es in Frankreich ähnlich wie in der BRD Ausbildungen bzw. Lehren im dualen System (Betrieb/ Ausbildungszentrum), die zu einem berufsqualifizierenden Abschluss führen. Das sei an dieser Stelle der Vollständigkeit halber erwähnt.

2.6 Die Hochschule

Der französische Hochschulbereich bietet eine Vielzahl von Einrichtungen und diversen Unübersichtlichkeiten bezüglich der Zuständigkeit. Deswegen sei an dieser Stelle nur kurz erwähnt, dass es neben den Universitäten mit verschiedenen Kurz- und Langzeitstudiengängen, Universitätsinstitute mit speziellen berufsqualifizierenden Studiengängen, sowie die Grandes Écoles (Eliteuniversitäten) gibt.

3 Das Bildungssystem der Bundesrepublik Deutschland

3.1 Institutioneller und organisatorischer Rahmen des gegenwärtigen Bildungssystems

Im Gegensatz zu Frankreich liegt die Kompetenz über die Ausgestaltung des Schulwesens in der Bundesrepublik Deutschland auf der Länder- (‚Kulturhoheit’ der Länder) und nicht auf der Zentralebene. Dieser im Grundgesetz festgelegte Bildungsföderalismus führt dazu, dass sich in Deutschland nicht mal zwei Bundesländer mit identischem Schulwesen finden lassen. Die Konferenz der Kultusminister und -senatoren (KMK) ist die einzige zentralstaatliche Ebene, um Standards und einheitliche Vereinbarungen zu treffen. Allerdings ist sie ein „zahnloser Tiger“ (Rösner 1999, S. 140 ff.), wenn es um strukturelle Fragen des Bildungswesens geht, da sie keinerlei legislative Rechte hat. Der Bildungsforscher Dr. Ernst Rösner fasst die Problematik wie folgt zusammen: „Das Schulsystem in Deutschland durchschauen nur Experten. Argwöhnisch wachen die Länder über ihre Hoheit bei der Gestaltung ihres Schulsystems. Die Folge: So viele Bundesländer, so viele Varianten des Schulwesens. Uneinheitlichkeit im Umfang der Schulzeiten, Eigensinn bei der Wahl der Begriffe und eine kaum überschaubare Vielfalt von Strukturen“ (Rösner 1999, Einband).

[...]


[1] Programme for International Student Assessment (PISA). Von der „Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“ (OECD) durchgeführte internationale und nationale (als PISA-E) Schulleistungsuntersuchung, die seit dem Jahr 2000 im dreijährigen Turnus durchgeführt wird.

[2] An dieser Stelle sei kurz die Französische Revolution im Jahr 1789 genannt, die den Umbruch von der Monarchie zur demokratischen Republik markierte. Eine weitere historische Einordnung und Betrachtung ist an dieser Stelle allerdings nicht möglich, da sie zum Einen keine wesentliche Relevanz für den weiteren Verlauf der Arbeit hat, und zum Anderen den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde

[3] Die männlichen Bezeichnungen sollen im Folgenden auch die weiblichen Bezeichnungen zur besseren Lesbarkeit einschließen.

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Mehr Chancengleichheit im französischen Bildungssystem? Anspruch und Wirklichkeit - Ein Vergleich mit der Bundesrepublik Deutschland
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
2,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
31
Katalognummer
V75570
ISBN (eBook)
9783638800587
ISBN (Buch)
9783638803175
Dateigröße
546 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Chancengleichheit, Bildungssystem, Vergleich, Bundesrepublik, Deutschland, Frankreich, BRD, Vergleichende Bildungsforschung
Arbeit zitieren
Oliver Neumann (Autor), 2006, Mehr Chancengleichheit im französischen Bildungssystem? Anspruch und Wirklichkeit - Ein Vergleich mit der Bundesrepublik Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75570

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