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Staat und Religion im Islam und deren Implikation in den politischen Prozess

Am Beispiel der islamischen Bewegungen in Marokko

Title: Staat und Religion im Islam und deren Implikation in den politischen Prozess

Diploma Thesis , 2007 , 126 Pages , Grade: 1

Autor:in: Mag. Stefan Svec (Author)

Politics - Region: Near East, Near Orient
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Summary Excerpt Details

Diese Arbeit behandelt die Stellung der islamistischen Bewegungen Al-Adl wa-l-Ihsâne (Gerechtigkeit und Spiritualität) und des PJD (Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung). Die dieser Arbeit zu Grunde liegende These ist folgende: In jedem Land dient die politische Klasse der Organisation der Beziehung zwischen Staat und Religion. Europas politische Klasse hat sich durch die Aufklärung verändert, jedoch bleiben religiöse Werte in den konservativen Parteien wichtig, wie etwa in Österreich in der christlich-sozialen ÖVP. In arabischen Ländern übernehmen gemäßigte Islamisten die Rolle der christlich-sozialen Parteien Europas, sofern man diesen Vergleich zulässt. Die Islamisten tragen dazu bei, die Beziehung Staat-Religion neu zu definieren, unter Wahrung der Rechte der Frauen, die einen starken Anteil etwa des PJDs ausmachen. Im Machtkampf zwischen König und seinem Makhzen auf der einen Seite sowie demokratischen Institutionen wie dem Parlament sowie der marokkanischen Zivilgesellschaft auf der anderen Seite scheint ein Mittelweg gefunden zu werden. Langsam beginnt der Beherrscher der Gläubigen seine religiöse Autorität mit den demokratischen Institutionen zu teilen, nachdem seine Reform des Moudawwanas ein politischer Alleingang gegen die radikalere Seite der Islamisten war. Die Vorgeschichte bildete die von der sozialistischen Regierung Youssoufis geplante Reform des Familienrechts, gegen welche die Islamisten fast eine Million Personen in Casablanca mobilisierten, während die Befürworter nur 200 000 in Rabat versammelten.
Gemäß Mohamed Darif ist der politische Islam in Marokko, dem Al-Adl und der PJD angehören, strikt zu trennen von der Salafiyya Jihâdiyya. Letztere sei eine terroristische und gewalttätige Strömung, die große Unterschiede zum politischen Islam aufweise. Diese seien ideologisch und strukturell. So akzeptieren Organisationen des politischen Islams das Konzept der Demokratie und der Partizipation. Auch Al-Adl tut dies, obwohl die Bewegung das politische System in der aktuellen Form ablehnt. Weiters verzichten diese Organisationen auf Gewalt zur Erreichung ihrer Ziele, die Salafiyya Jihâdiyya nicht. Diese sieht Gewalt als nötiges und probates Mittel zum Zweck, und dieser ist die Zerschlagung des Regimes. Einige Forscher sehen die Salafiyya Jihâdiyya nur als extremistischere Ausprägung des politischen Islam, ich teile diese Ansicht nicht, sondern schließe mich der Argumentation Mohamed Darifs an.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1.1. Problemfeld und Struktur der Arbeit

1.2. Forschungsziel und Forschungsfragen

1.3. Methode

1.4. Zur Umschrift des Arabischen sowie Zitieren im Allgemeinen

1.5. Definition des Begriffes Islamismus

2. Erster Teil: Historischer Einstig; Gesellschaft und Politik in Marokko

2.1. Kurze historische Einführung

2.1.1. Von den Idrissiden zu den Alawiden

2.1.2. Die Zeit des beginnenden Protektorats

2.1.3. Das Erbe des arabisch-muslimischen Nationalismus

2.1.4. Das unabhängige Marokko: Das Vermächtnis Hassans II.

2.1.5. Die ersten Jahre der Herrschaft Mohammeds VI.

2.2. Die Gesellschaft des heutigen Marokkos

2.2.1. Bildung und Analphabetismus

2.2.2. Meinungs-, Versammlungs- und Pressefreiheit

2.2.3. Zivilgesellschaft in Marokko

2.3. Das politische System Marokkos unter Mohammed VI.

2.3.1. Die schwierige Klassifizierung des politischen Systems Marokkos

2.3.2. Die „offizielle“ Seite des marokkanischen Machtgefüges: Konstitution und Gewaltenteilung

2.3.3. Die „inoffizielle“ Seite des marokkanischen Machtgefüges: Der Makhzen

2.3.4. Die Bay`a, der Treueid

2.3.5. Die marokkanische Parteienlandschaft

2.3.6. Wahlen

3. Zweiter Teil: Politik und Islam - theoretische Konzepte, historische Entwicklung in Marokko und Überblick

3.1. Ideologen des politischen Islams – der Salafismus und radikale Ideen

3.1.1. Hassan al-Banna

3.1.2. Abdelkader Awda

3.1.3. Abu ala Mawdûdi

3.1.4. Sayyed Qutb

3.2. Kritik von Theorie und Praxis der radikalen islamistischen Ideologie – Bedeutung der Scharia

3.3. Konzepte moderaterer islamistischer Denker

3.4. Der Islam und politische Akteure in der historischen Entwicklung Marokkos

3.2.1. Der Islam, politische Akteure und Strömungen auf dem Weg vom Protektorat in die Unabhängigkeit

3.2.2. Die Evolution der legitimierenden Funktion der Ulama

3.5. Die Entstehung des politischen Islams in Marokko

3.6. Zusammenfassung: Das weite Feld der islamischen Bewegungen im heutigen Marokko im Überblick

4. Dritter Teil: Al-Adl und der PJD - Geschichte, Ideologie und Struktur

4.1. Al-Adl wa-l-Ihsane (Gerechtigkeit und Spiritualität)

4.1.1. Einleitung

4.1.2. Historische Entwicklung

4.1.3. Positionierung im politischen System

4.1.4. Ideologie und politisches Programm Al-Adls

4.1.5. Struktur der Bewegung

4.2. Parti de la Justice et du Développement (Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung)

4.2.1. Einleitung

4.2.2. Entstehung und Historische Entwicklung

4.2.3. Positionierung im politischen System

4.2.4. Ideologie und Programm der Partei und der Bewegung dahinter

4.2.5. Struktur und Organisation der Partei

4.3. Komparative Aspekte Al-Adl – PJD

4.3.1. Stellung im politischen System

4.3.2. Politischer Einfluss bzw. politisches Gewicht

4.3.3. Ideologisches Konzept

4.3.4. Organisation

4.3.5. Politische Strategie

4.3.6. Politische Ziele

4.3.7. Stellung zu Scharia

4.3.8. Gewaltverzicht

4.3.9. Position in Bezug auf Gleichstellung von Mann und Frau

4.3.10. Positionierung in Bezug auf Menschrechte und Religionsfreiheit

4.3.11. Wie sehen einander die Bewegungen?

4.4. Querverbindungen zwischen Al-Adl und dem PJD

5. Vierter Teil: Al-Adl und PJD in der politischen Praxis

5.1. Politische Strategien der islamistischen Bewegungen

5.1.1. Politische Strategien islamistischer Bewegungen im Allgemeinen

5.1.2. Die politische Strategie Al-Adls

5.1.3. Die politische Strategie des Tandems PJD / MUR

5.2. Strategien des „Palasts“

5.3. Möglichkeiten der politischen Einflussnahme der beiden Bewegungen

5.4. Die Islamisten in der politischen Praxis im Spiegel der Medien sowie Stellungnahmen in Interviews

5.4.1. 16.Mai 2003: Die Anschläge von Casablanca

5.4.2. Die Reform des Moudawwana

5.4.3. Zeittafel moralisierender Stellungnahmen aus den Reihen des PJD

5.4.4. Alkoholmissbrauch

5.4.5. Bekleidungsvorschriften: Kopftuch und freizügige Badekleidung

5.5. Gründe für das Erstarken der Islamisten

6. Konklusion

Zielsetzung und Themen

Ziel der Arbeit ist die Untersuchung der islamistischen Bewegungen in Marokko und deren Rolle im politischen Prozess, wobei insbesondere die Differenzierung zwischen verschiedenen Strömungen und deren Ideologien im Vordergrund steht. Die Arbeit analysiert, inwieweit gemäßigte islamistische Bewegungen in einem weitgehend säkularen arabischen System politischen Einfluss ausüben können und welche Ursachen für deren Erstarken verantwortlich sind.

  • Analyse der historischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen für den Islamismus in Marokko.
  • Vergleichende Untersuchung der Bewegungen Al-Adl wa-l-Ihsane und Parti de la Justice et du Développement (PJD).
  • Untersuchung der politischen Strategien und des Einflusses dieser Akteure im marokkanischen Machtgefüge (Palast vs. Zivilgesellschaft).
  • Evaluation des Verhältnisses von Religion, Staat, Demokratie und Menschenrechten aus islamistischer Sicht.

Auszug aus dem Buch

2.1.2. Die Zeit des beginnenden Protektorats

Im Jahr 1912 wurde Marokko der Protektoratsvertrag aufgezwungen, nach einer Dekade starken diplomatischen und militärischen Drucks. Das Land wurde in zwei Zonen unterteilt, die nördliche Region des Rifgebirges und der südliche Teil, die heutige Westsahara, fielen Spanien zu. Zentralmarokko, also der Löwenanteil, wurde französisches Protektorat.

Die Befriedung des französischen Gebiets sollte mehr als zwanzig Jahre dauern, bis zur Unterwerfung der letzten Stämme im hohen Atlas im Jahr 1934. General Lyautey verwaltete das französische Protektorat von 1912 bis 1925. Er veranlasste die Absetzung von Moulay Hafid und die Einsetzung dessen Bruders Moulay Youssef. Die Stellung des Sultans als weltliche und religiöse Autorität gewährleistete die Legitimität des Protektorats, obwohl der Sultan nur eine rein formelle Autorität hatte. Alle Entscheidungen die Verwaltung betreffend wurden von General Lyautey getroffen, der eine komplette Reorganisation des Makhzen durchführte. Er setzte einen Großwesir ein, dem vier Minister unterstanden. Dieser hieß Mohammed al-Moqri, und er sollte seinen Posten während der gesamten Protektoratszeit behalten. Parallel zum traditionellen Makhzen schuf Lyautey eine strikt französische Verwaltung. Über Algerien kamen massiv „Pieds-noirs“, französische Siedler, sowie Militärangehörige nach Marokko.

Zu Revolten kam es schon bald, und zwar von 1921 bis 1926, im Rifgebirge in Spanisch Marokko. Abdelkrim al-Khattabi führte in einer Revolte religiösen Charakters etwa 20 000 Kämpfer und gründete die „Republik des Rifs“. Spanien und Frankreich mobilisierten insgesamt 800 000 erfahrene Soldaten, die schon im ersten Weltkrieg im Einsatz waren, um den Aufstand niederzuschlagen. Der Islam schien den Marokkanern als identitätsstiftendes und einigendes Mittel eines effektiven Widerstands gegen die herrschenden Christen. Einerseits waren hier die traditionellen sufischen Strömungen sowie der Heiligenkult, die Marabût, von Bedeutung, andererseits der aus dem „Orient“ importierte Salafismus.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in das Problemfeld der islamischen Erneuerungsbewegung und Darlegung der methodischen Struktur der Arbeit.

Erster Teil: Historischer Einstig; Gesellschaft und Politik in Marokko: Historischer Überblick über die marokkanische Monarchie, die heutige gesellschaftliche Lage und die Analyse des politischen Systems unter Mohammed VI.

Zweiter Teil: Politik und Islam - theoretische Konzepte, historische Entwicklung in Marokko und Überblick: Theoretische Auseinandersetzung mit Ideologen des politischen Islams und historischen Strömungen sowie der Rolle des Islams in der Entwicklung Marokkos.

Dritter Teil: Al-Adl und der PJD - Geschichte, Ideologie und Struktur: Detaillierte Fallanalyse der Organisationen Al-Adl wa-l-Ihsane und PJD inklusive komparativer Aspekte ihrer Ideologien und Strukturen.

Vierter Teil: Al-Adl und PJD in der politischen Praxis: Analyse der politischen Strategien und Einflussmöglichkeiten beider Bewegungen sowie ihre Wahrnehmung in Medien und Gesellschaft.

Konklusion: Synthese der Ergebnisse und Bestätigung der Hypothese über die wachsende Bedeutung islamistischer Akteure im marokkanischen politischen System.

Schlüsselwörter

Marokko, Islamismus, Politischer Islam, Monarchie, Al-Adl, PJD, Makhzen, Scharia, Demokratisierung, Zivilgesellschaft, Reformen, Marokkanische Politik, Religion und Staat, Wahlabstimmung, Gesellschaft der Kontraste

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Entwicklung und den politischen Einfluss islamischer Bewegungen in Marokko, mit einem Fokus auf die beiden bedeutenden Organisationen Al-Adl wa-l-Ihsane und den PJD.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der marokkanischen Monarchie, das politische Machtgefüge (inklusive des Makhzen), die Ideologien des politischen Islams sowie die Strategien moderater und radikaler islamistischer Bewegungen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Das Hauptziel ist es, den realen Einfluss gemäßigter islamistischer Bewegungen im politischen Prozess Marokkos zu analysieren und aufzuzeigen, warum diese Bewegungen im Kontext der sozialen und politischen Gegebenheiten an Bedeutung gewinnen.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Die Arbeit basiert auf einer Kombination aus Literaturanalyse, einer Medienanalyse der marokkanischen Zeitschriften „Le Journal“ und „Telquel“ sowie qualitativen Interviews mit Mitgliedern und Experten der untersuchten Bewegungen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse, eine theoretische Einordnung des politischen Islams, eine detaillierte Untersuchung der Organisation, Ideologie und Strategien von Al-Adl und dem PJD sowie deren Interaktion mit dem marokkanischen Staat.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte sind Marokko, Islamismus, Monarchie, Al-Adl, PJD, Scharia, politische Strategie, gesellschaftlicher Wandel und der Makhzen.

Welche Rolle spielt der sogenannte „Makhzen“ in der politischen Praxis?

Der Makhzen beschreibt das informelle Geflecht aus Machtstrukturen, Verwaltung und den Vertrauten des Königs, welches das offizielle politische System des Landes durchdringt und kontrolliert.

Wie unterscheidet sich die politische Strategie von Al-Adl zu der des PJD?

Während der PJD eine parlamentarische Strategie der Partizipation verfolgt und sich in das politische System integriert hat, positioniert sich Al-Adl als oppositionelle Kraft außerhalb des Systems und verweigert die offizielle Partizipation, setzt jedoch auf Demonstrationen und gesellschaftliche Bildungsarbeit.

Wie bewertet der Autor das Erstarken des Islamismus in Marokko?

Der Autor sieht das Erstarken als Folge der sozialen Misere, der Korruption und der mangelnden Glaubwürdigkeit etablierter Parteien, wobei der Islam als Garant für Gerechtigkeit und soziale Stabilität wahrgenommen wird.

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Details

Title
Staat und Religion im Islam und deren Implikation in den politischen Prozess
Subtitle
Am Beispiel der islamischen Bewegungen in Marokko
College
University of Vienna  (Institut für Politikwissenschaft)
Grade
1
Author
Mag. Stefan Svec (Author)
Publication Year
2007
Pages
126
Catalog Number
V75586
ISBN (eBook)
9783638716574
ISBN (Book)
9783638720403
Language
German
Tags
Staat Religion Islam Beispiel Bewegungen Marokko Implikation Prozess
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mag. Stefan Svec (Author), 2007, Staat und Religion im Islam und deren Implikation in den politischen Prozess, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75586
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