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Zur Kommunikationslosigkeit in Georg Büchners „Woyzeck“

Die Sprachlosigkeit der Hauptfigur im Gegensatz zu den „sprechenden“ epischen Formen des Dramas

Titel: Zur Kommunikationslosigkeit in Georg Büchners „Woyzeck“

Hausarbeit , 2007 , 21 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Sebastian Göb (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Georg Büchners Drama „Woyzeck“ gehört gegenwärtig zu den bedeutensten Werken der deutschen Literatur.
In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, nach den Gründen für die Attraktivität dieses Stücks, welches „nur“ als ungeordnetes Fragment von ihm hinterlassen wurde.
Während des Lesens fällt zum einen auf, wie zerrissen das Stück in formaler Hinsicht ist, aber auch, wie wenig die Menschen erfolgreich im Sinne einer Verständigung miteinander sprechen. Außerdem wird deutlich, dass das Drama immer wieder von Formen unterbrochen wird, die sich in ihren Merkmalen vom Dramatischen deutlich abheben. Es ist ungewöhnlich, dass es Bereiche gibt, die augenscheinlich mit der Handlung wenig bis gar nichts zu tun haben.
Mit meiner Arbeit versuche ich diesen beiden Auffälligkeiten nachzugehen und zu analysieren, inwieweit zwischen ihnen Zusammenhänge bestehen. Es wird somit in der Arbeit auch aufgezeigt, welche Bedeutung für die Attraktivität des Werkes das Zusammenwirken der beiden stilistischen Besonderheiten hat.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Problemstellung und Struktur der Arbeit

1.1 Problemstellung der Arbeit

1.2. Struktur der Arbeit

2. Büchner und sein Werk

2.1 Büchners Biographie in Hinsicht auf sein politisches Wirken

2.2 Büchners Gesamtwerk

2.3 Das Fragment „Woyzeck“

2.4 Das dichterische Selbstverständnis Büchners

3. Analyse der sprachlichen Kommunikation in ausgewählten Einzelszenen

3.1 Kommunikationsversuche zwischen Woyzeck und Marie

3.2 Kommunikationsversuche zwischen Woyzeck und dem Hauptmann

3.3 Kommunikationsversuche zwischen Woyzeck und dem Doctor

3.4 Kommunikationsversuche zwischen Woyzeck und Andres beziehungsweise dem Tambourmajor

3.5 Zusammenfassung der Ergebnisse

4. „Undramatische“ Selbstinterpretation des Dramas

4.1 Rede des Marktschreiers

4.2 Die Predigt des Handwerkburschens

4.3 Das Märchen der Großmutter

5. Schlussbemerkung bzw. Fazit

6. Bibliographie

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Diese Arbeit untersucht die Gründe für die Attraktivität von Georg Büchners Dramenfragment „Woyzeck“, wobei der Fokus auf der formalen Zerrissenheit des Stücks sowie der ausgeprägten Kommunikationslosigkeit der Hauptfigur liegt. Ziel der Analyse ist es, Zusammenhänge zwischen diesen stilistischen Besonderheiten aufzuzeigen und zu ergründen, wie Büchner durch das Einfügen „fremder“ Gattungsformen das Sprachvakuum seines Protagonisten überwindet und seine gesellschaftskritische Intention verdeutlicht.

  • Analyse der sprachlichen Defizite und Kommunikationsversuche Woyzecks in verschiedenen Schlüsselszenen.
  • Untersuchung der sozialen und politischen Hintergründe in Büchners Zeit, die sein dichterisches Schaffen prägten.
  • Betrachtung von „undramatischen“ Formen wie Reden, Predigten und Märchen als Mittel der Interpretation.
  • Deutung der Rolle von Nebenfiguren wie Hauptmann, Doctor und Tambourmajor in Bezug auf Woyzecks Isolation.
  • Reflektion über Büchners Selbstverständnis als gesellschaftskritischer Autor und die Darstellung des Individuums am Rande der Gesellschaft.

Auszug aus dem Buch

3.1 Kommunikationsversuche zwischen Woyzeck und Marie

Betrachtet man die im Drama „Woyzeck“ verwendete Sprache, so stellt man fest, dass der Sprachstil (hier: Soziolekt) in Abhängigkeit vom Stand und damit vom Bildungsgrad der jeweiligen Person steht. Ebenso wie die anderen Vertreter seines Standes benutzt Woyzeck eine einfache, seinem Bildungsgrad entsprechende Umgangssprache; die Sprache ist also der Spiegel einer sozialen Realität.

Woyzeck ist absolut unfähig sich auszudrücken. Seine Artikulationsversuche erscheinen rudimentär, es wird keine klare Botschaft übermittelt. Woyzecks Sprachstil ist überwiegend parataktisch, d.h. selbstständige Hauptsätze werden aneinandergereiht. Nebensätze sind selten zu finden, dies impliziert eine eher pragmatische Redensart. Die Sprachlosigkeit Woyzecks zeigt sich zum einen in einer eminenten Stummheit, d.h. einer fortlaufenden Wortkargheit. Zum anderen ist hiermit auch die Unfähigkeit zu Kommunizieren gemeint, die daher auftritt, da Woyzeck und seine Gesprächspartner aneinander vorbei reden.

Besonders im Verhältnis zu Marie wird die gestörte Kommunikation deutlich, da beide nicht befähigt sind, ein ernsthaftes Gespräch zu führen. Woyzeck schafft es nicht, seine Gefühle für Marie in Worte zu fassen, seine Verlustängste zu artikulieren, denn ihm fehlen dazu die verbalen Möglichkeiten. In der Szene „Die Stadt“ ist Woyzeck gezwungen, Maries Kommunikationsversuche unerwidert zu lassen. Er erscheint getrieben und in Hektik, Woyzeck ignoriert die Fragen seiner Geliebten, denn er muss zum „Verles“ antreten, ansonsten hätte er Repressionsmaßnahmen zu befürchten. Dieses Beispiel verdeutlicht den enormen (Zeit-) Druck welcher auf Woyzeck lastet. Er bleibt einsilbig und die Verknappung seiner Aussagen implizieren seine Gehetztheit ( „Kann nit. Muss zum Verles.“). In dieser Szene wird klar, dass Woyzecks sprachliche Einfalt auch zu einem großen Teil mit seiner Verzweiflung und mit der Angst vor seinen Vorgesetzten in Verbindung zu setzen ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Problemstellung und Struktur der Arbeit: Einführung in die Thematik der Sprachlosigkeit und formalen Zerrissenheit des Dramas sowie Darlegung der methodischen Vorgehensweise.

2. Büchner und sein Werk: Analyse von Büchners biographischem Kontext, seiner politischen Haltung und dem dichterischen Selbstverständnis, die für das Verständnis des „Woyzeck“ essenziell sind.

3. Analyse der sprachlichen Kommunikation in ausgewählten Einzelszenen: Detaillierte Untersuchung der gescheiterten Dialoge zwischen Woyzeck und seinen zentralen Bezugspersonen (Marie, Hauptmann, Doctor, Andres).

4. „Undramatische“ Selbstinterpretation des Dramas: Analyse von eingefügten Gattungsformen wie der Marktschreier-Rede, der Handwerker-Predigt und des Märchens als Instrumente der Autor-Intention.

5. Schlussbemerkung bzw. Fazit: Zusammenführung der Ergebnisse, die bestätigt, dass Büchner durch die Verbindung von dramatischer Handlung und fremden Formen eine tiefgreifende Gesellschaftskritik übt.

6. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Georg Büchner, Woyzeck, Kommunikationslosigkeit, Sprachlosigkeit, Dramenfragment, Sozialkritik, Pauperismus, Literaturwissenschaft, Realismus, Sprachstil, Soziolekt, Gesellschaft, Entfremdung, Existenzialismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das Drama „Woyzeck“ von Georg Büchner unter dem spezifischen Aspekt der Kommunikationslosigkeit der Hauptfigur im Gegensatz zu den konventionellen epischen Formen des Dramas.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zu den zentralen Themen gehören die soziale Determiniertheit des Protagonisten, die Unfähigkeit zum Dialog in einer hierarchischen Gesellschaft und die Bedeutung nicht-dramatischer Einschübe für die Aussage des Stücks.

Welches ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Die Arbeit analysiert, wie die formale Zerrissenheit und die Sprachnot Woyzecks zusammenwirken und inwieweit das Einfügen fremder Gattungsformen dazu dient, die gesellschaftskritische Intention des Autors trotz fehlender Kommunikation zu transportieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?

Es wird eine kommunikationswissenschaftliche Analyse ausgewählter Einzelszenen sowie eine Interpretation spezifischer Gattungsformen (Rede, Predigt, Märchen) angewandt, gestützt auf literaturwissenschaftliche Forschungsliteratur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der zwischenmenschlichen Kommunikationsversuche Woyzecks sowie eine Untersuchung der sogenannten „undramatischen“ Formen, die als Reflexionsraum für den Autor fungieren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Woyzeck, Sprachlosigkeit, Gesellschaftskritik, Kommunikationsanalyse, Pauperismus und Büchners dichterisches Selbstverständnis.

Warum wird das Märchen der Großmutter als „Antimärchen“ bezeichnet?

Das Märchen bricht mit den Erwartungen des klassischen Grimmschen Märchens, da es keine Erlösung bietet und das Schicksal der Hauptfigur mit einer trostlosen, verfallenen Weltsicht verknüpft.

Welche Rolle spielt der „Doctor“ in der Kommunikationsanalyse?

Der Doctor wird als Gegenspieler analysiert, der Woyzeck nicht als Menschen behandelt, sondern als Versuchsobjekt missbraucht und dessen eigene fachsprachliche Ausdrucksweise ebenfalls eine Form der Kommunikationsverweigerung darstellt.

Wie beeinflusst der militärische Drill die Sprachfähigkeit der Soldaten?

Die Arbeit zeigt auf, dass der militärische Zwang und die hierarchische Struktur zu einer „psychischen Mechanisierung“ führen, die die Fähigkeit zur persönlichen Kommunikation deformiert und auch bei Andres eine Sprachverarmung bewirkt.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Zur Kommunikationslosigkeit in Georg Büchners „Woyzeck“
Untertitel
Die Sprachlosigkeit der Hauptfigur im Gegensatz zu den „sprechenden“ epischen Formen des Dramas
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,0
Autor
Sebastian Göb (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
21
Katalognummer
V76166
ISBN (eBook)
9783638798426
ISBN (Buch)
9783638797573
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kommunikationslosigkeit Georg Büchners
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sebastian Göb (Autor:in), 2007, Zur Kommunikationslosigkeit in Georg Büchners „Woyzeck“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76166
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  21  Seiten
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