Gewaltverhältnisse und Gewalthandlungen, die größtenteils von Männern/Jungen ausgehen, gehören in unserer heutigen Gesellschaft zum Alltag und stellen ein großes Problem dar.
Jungen sind in unserer Gesellschaft unvereinbaren gesellschaftlichen Erwartungen und widersprüchlichen Verhaltensmaßregeln ausgesetzt. Unter diesen Vorraussetzungen ein stabiles Selbstwertgefühl und ein positives Selbstbild zu entwickeln ist nicht leicht.
Ein Aspekt der mich besonders interessiert, ist der Zusammenhang von Gewalt und männlicher Sozialisation, männlicher Identität, widersprüchlichen Verhaltensmaßregeln und Bildern von Männlichkeit, mit denen sich Jugendliche und Erwachsene auseinander setzen und die sich mit der Zeit stark gewandelt haben. Ein weiterer interessanter Aspekt ist die Jungenarbeit, die männliche Gewalt reduzieren und männliche Konflikte thematisieren soll.
Aus meinen Interessen und Überlegungen an und zu diesem Thema ergeben sich zwei zentrale Fragestellungen für die folgende Arbeit:
1.) Wie hat sich das Verständnis des Begriffs „Männlichkeit“ gewandelt und welche Zusammenhänge gibt es zwischen Männlichkeit und Gewalt?
2.) In wie fern unterstützt die Jungenarbeit die Jungen in ihrer Entwicklung und wie beugt sie männlicher Gewalt und ihren Ursachen vor?
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung in das Thema
2. Definition „Männlichkeit“
2. 1. Wandlung des Begriffs „Männlichkeit“
2.2. Konflikte der Männer/ Jungen, die mit dem Männlichkeitsverständnis verbunden sind
2. 3. Zwischenfazit
3. Jungenarbeit
3. 1. Ziele der Jungenarbeit
3. 2. Methoden der Jungenarbeit
3. 3. Institutionalisierung an den Schulen
3. 4. Zwischenfazit
4. Fazit
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenfelder
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen gesellschaftlich konstruierten Männlichkeitsbildern und der Entstehung von Gewalt bei Jungen sowie die Möglichkeiten der Jungenarbeit, dieser Entwicklung durch Identitätsreflexion und Gewaltprävention entgegenzuwirken.
- Wandel und Konstruktion des Männlichkeitsbegriffs
- Zusammenhänge zwischen Männlichkeit und Gewaltbereitschaft
- Herausforderungen der männlichen Identitätsfindung
- Methodische Ansätze der patriarchatskritischen Jungenarbeit
- Bedeutung der Jungenarbeit im schulischen Kontext
Auszug aus dem Buch
2. Definition „Männlichkeit“
„Männlichkeit umfasst kulturell dem Manne zugeschriebene Eigenschaften, die jedoch sozialem Wandel unterliegen [...] und mit den biologisch männlichen Merkmalen als verbunden angesehen werden [...].“
Die im westlichen Kulturkreis dem „Männlichen“ dominierenden unausgesprochenen oder ausgesprochenen zugeschriebenen Charakteristika sind: Mut, Abenteuerlust (vs. weiblich: Zaghaftigkeit, Furchtsamkeit), (Körper-) Kraft (also Kampflust, Grobheit vs. weiblich: Friedfertigkeit), Dominanz (vs. weiblich: Fügsamkeit), Selbstbeherrschung (vs. weiblich: Warmherzigkeit), technische Gaben (vs. weiblich: soziale Kompetenzen), Rationalismus (vs. weiblich: konkretes Fühlen) und Gewaltbereitschaft.
Seit den Publikationen des australischen Soziologen Robert W. Connell spricht die aktuelle Geschlechterforschung jedoch von Männlichkeit in der Mehrzahl: d. h. von Männlichkeiten. Connell wies durch kulturelle und historische Analysen nach, dass es nicht nur eine, sondern viele Ausprägungen von Männlichkeit gibt, die auch in ein und der selben Kultur gleichzeitig existieren können.
Jene, die in einer Kultur als vorherrschend akzeptiert wird, wird hegemoniale Männlichkeit genannt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung in das Thema: Die Einleitung thematisiert die Problematik männlicher Gewalt und stellt die zentralen Forschungsfragen zur Wandlung des Männlichkeitsbegriffs und der Funktion von Jungenarbeit.
2. Definition „Männlichkeit“: Dieses Kapitel erläutert Männlichkeit als soziokulturelle Konstruktion und diskutiert den Wandel von tradierten Rollenbildern sowie die daraus resultierenden Konflikte für Jungen und Männer.
3. Jungenarbeit: Der Hauptteil definiert Ziele und Methoden der Jungenarbeit, insbesondere vor dem Hintergrund einer patriarchatskritischen Pädagogik und ihrer Institutionalisierung im schulischen Alltag.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Jungenarbeit durch die kritische Reflexion von Identitätsbildern einen wesentlichen Beitrag zur Gewaltprävention und zur Entwicklung sozialer Kompetenzen leisten kann.
5. Literaturverzeichnis: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Internetquellen.
Schlüsselwörter
Männlichkeit, Jungenarbeit, Gewalt, Geschlechterforschung, hegemoniale Männlichkeit, patriarchatskritisch, Identitätsfindung, Rollenkonflikt, Sozialisation, Geschlechterrolle, Gender Studies, Gewaltprävention, Identitätskrise, soziale Konstruktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Zusammenhang zwischen traditionellen Männlichkeitsvorstellungen und der Gewaltbereitschaft von Jungen und wie pädagogische Konzepte hier helfend eingreifen können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen gehören die soziokulturelle Konstruktion von Geschlecht, die Auswirkungen patriarchaler Männlichkeitsbilder sowie die Methoden und Ziele einer geschlechterreflektierten Jungenarbeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Jungen durch die reflektierte Auseinandersetzung mit ihrer Identität von gesellschaftlichem Erwartungsdruck entlastet und vor gewalttätigen Verhaltensmustern geschützt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse sowie auf die Auswertung bestehender Konzepte der geschlechtsspezifischen Pädagogik, unter anderem basierend auf den Ansätzen von Robert W. Connell.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Definition von Männlichkeit, der Analyse der daraus resultierenden Rollenkonflikte sowie einer detaillierten Beschreibung der patriarchatskritischen Jungenarbeit und deren praktischer Umsetzung an Schulen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Männlichkeit, Jungenarbeit, Gewaltprävention, Identitätsfindung und patriarchatskritische Ansätze definiert.
Warum wird in der Arbeit das „Innehalten“ als Methode betont?
Das Prinzip des „Innehaltens“ dient dazu, dem unüberlegten, impulsiven Handeln der Jungen entgegenzuwirken und Raum für die Reflexion eigener Gefühle, Probleme und Handlungsalternativen zu schaffen.
Welche Rolle spielen Schulen bei der Institutionalisierung der Jungenarbeit?
Schulen bieten einen strukturierten Rahmen, in dem Jungenarbeit durch geschulte Lehrkräfte dauerhaft begleitet werden kann, um gezielt auf die spezifischen Bedürfnisse der Schüler einzugehen und soziale Kompetenzen zu fördern.
- Quote paper
- Corinna Walte (Author), 2006, Männlichkeit und Gewalt - Konzepte für die Jungenarbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76439