Die im Rahmen einer Zulassungsarbeit / Staatsexamensarbeit entstandene Untersuchung betrachtet neben einer kontrastiven Darstellung der französischen und englischen Phonetik und Phonologie die typischen Aussprachemerkmale französischer Sprecher im Englischen. Zur Ursachenbestimmung wird ein möglichst weiter Blickwinkel gewählt: neben nahe liegenden phonetisch-phonologischen Faktoren werden auch die psycholinguistischen und psychologischen Determinanten sowie insbesondere die Rolle der französischen Sprachpolitik diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
0 Vorbemerkungen
0.1 Vorgehensweise
0.2 Hinweise zur Transkription
1 Einleitung
2 Sprachpolitik: Sprachverteidigung in Frankreich
2.1 Fünf Etappen staatlicher Sprachlenkung
2.2 Frankophonie und Kulturerbe als Motive der Sprachverteidigung
2.3 Der hohe Stellenwert des Französischen
2.4 Rivalität und Kooperation: frankoamerikanische und frankobritische Beziehungen
2.5 Americanophobia und die Akzeptanz von Anglizismen und ihrer Ersatzwörter
3 Phoneme und Phone des Französischen und Englischen
3.1 Das französische und das englische Vokalsystem
3.1.1 Vokalismus des Französischen
3.1.1.1 Das Maximalsystem
3.1.1.2 Das Minimalsystem
3.1.2 Vokalismus des Englischen
3.1.2.1 Die Monophthonge des Englischen
3.1.2.2 Die Diphthonge des Englischen
3.2 Das französische und das englische Konsonantensystem
3.2.1 Konsonantismus des Französischen
3.2.1.1 Konsonantphoneme: Konsonanten und Halbkonsonanten (Halbvokale)
3.2.1.2 Phonementlehnung: der velare Nasalkonsonant /ŋ/
3.2.2 Konsonantismus des Englischen
3.3 Weitere Phoneme oder (Allo)phone des Französischen und Englischen
3.3.1 R-Allophone
3.3.2 L-Allophone
3.3.3 Der stimmlose palatale Frikativ [ç] und der stimmlose velare Frikativ [x]
3.3.4 Der stimmlose glottale Plosiv [ʔ]
4 Suprasegmentalia im Französischen und Englischen
4.1 Silbenstruktur
4.1.2 Liaison und Elision im Französischen
4.1.3 Liaison und Elision im Englischen
4.2 Akzent
4.2.1 Der Akzent im Französischen
4.2.2 Der Akzent im Englischen
4.2.2.1 Wortakzent
4.2.2.2 Satzakzent
4.3 Rhythmus im Französischen und Englischen: Französisch silbenzählend, Englisch akzentzählend?
4.4 Tonhöhe
4.4.1 Der Tonhöhenverlauf im Französischen
4.4.2 Der Tonhöhenverlauf im Englischen
5 Aussprachestandards
5.1 Französische Standardlautung: eine quasi-ubiquitäre Varietät in Frankreich?
5.2 Britisch-englische Standardlautung: Received Pronunciation, Estuary English – oder eine Illusion?
5.3 Die Bedeutsamkeit standardnaher Aussprache in einer Fremdsprache
6 Typische Aussprachemerkmale französischer Sprecher im Englischen
6.1 Vokale
6.1.1 Substitution
6.1.2 Nicht-Unterscheidung von Starkton- und Schwachtonformen
6.1.3 Monophthongisierung
6.1.4 Nasalierung
6.1.5 Gespanntheit
6.1.6 Hyperkorrektismen
6.2 Konsonanten
6.2.1 Substitution
6.2.2 Desonorisierung und Sonorisierung
6.2.3 Elision von /h/
6.2.4 /t/ und /d/ fr. dental statt engl. alveolar
6.2.5 Nicht-Unterscheidung zwischen [l] und [ɫ]
6.2.6 Nicht-Aspiration
6.2.7 Produktion von Geminaten
6.2.8 Interferenzen durch Ähnlichkeit mit dem Französischen
6.2.9 Suprasegmentalia
7 Psycholinguistische und psychologische Determinanten des L2-Aussprache-Erwerbs
7.1 Lerner-interne Determinanten
7.1.1 Perzeption, Produktion und Interferenz
7.1.2 Sprachangst
7.1.3 Alter
7.1.4 Motivation
7.1.5 Fossilierung
7.1.6 Biologische und meta- bzw. außersprachliche Faktoren
7.2 Lerner-externe Determinanten
7.2.1 Soziales Umfeld
7.2.2 Input und intake
7.2.3 Pädagogische Faktoren und gesteuerter Spracherwerb
8 Zusammenfassung
A Anhang
A 1 Der velare Nasalkonsonant /ŋ/ in echten und scheinbaren Anglizismen
A 1.1 /ŋ/ im Französischen in Entlehnungen aus dem Englischen
A 1.2 /ŋ/ in Pseudoanglizismen
A 1.3 Weitere Beispiele für Anglizismen mit -ing
A 1.4 Frequenz von -ing
A 1.5 Produktivität von {-ing}
A 1.6 Aussprache
A 1.7 Distributionsbeschränkung
A 1.8 Phonemstatus
A 2 Text und Fragebogen
A 3 Transkription des Textes in englischer Standardlautung
A 4 Starkton- und Schwachtonformen im Englischen
A 5 Formanten des Englischen und Französischen
A 6 Überblick über die Informanten
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die typischen Aussprachemerkmale von französischen Sprechern in der englischen Sprache. Das primäre Ziel ist es, die phonologischen und psycholinguistischen Ursachen für die beim Zweitspracherwerb auftretenden Ausspracheschwierigkeiten zu identifizieren, wobei auch der kulturell-sprachpolitische Hintergrund in Frankreich berücksichtigt wird.
- Sprachpolitische Rahmenbedingungen und die "Angst vor dem Englischen" (Americanophobia)
- Kontrastive Analyse des phonologischen Inventars (Vokalsysteme und Konsonantensysteme)
- Suprasegmentale Unterschiede (Silbenstruktur, Akzentuierung, Rhythmus, Tonhöhe)
- Psycholinguistische Faktoren des Zweitspracherwerbs (Transfer, Motivation, Input, soziale Faktoren)
- Empirische Untersuchung anhand von 25 französischen Informanten
Auszug aus dem Buch
2.1 Fünf Etappen staatlicher Sprachlenkung
Es gibt in Frankreich eine lange und andauernde Tradition der Sprachpflege und Sprachverteidigung. Seit über 450 Jahren hat der Staat ein wachsames Auge auf die Sprache in seinem Land. Trabant (2001) resümiert fünf Etappen französischer Sprachpolitik.
Mit der ersten sprachregelnden Staatsaktion im Jahre 1539, der Ordonnance de Villers-Cotterêts, bestimmt François I. 1539, dass nicht mehr das Lateinische, sondern die Volkssprache in der Verwaltung und in Gerichtsakten verwendet soll. Das Französische dringt damit „in eine Diskurswelt, die bis dahin vom Lateinischen besetzt war“ (Trabant 2001: 10).
1635 wird auf Veranlassen Richelieus die Académie française gegründet, die die Reinheit der Sprache vor schädlichen Einflüssen sichern soll und bis heute eine gewichtige Rolle in der Sprachpflege Frankreichs spielt. Die Sprechweise des Hofes und der guten Schriftsteller wird zum bon usage erklärt (cf. Braselmann 1999: 4).
Als Fortsetzung der königlichen Politik von Villers-Cotterêts verbieten 1789 die Revolutionäre der französischen Revolution die Verwendung anderer Sprachen als das Französische in staatlichen Akten. Man konzipiert eine Schulpolitik, um die Erlernung des Französischen zu fördern (nur ein Drittel des Volkes spricht zu dem Zeitpunkt Französisch; nur ein Sechstel kann es schreiben). Erst 150 Jahre später ist dieser Prozess abgeschlossen: Die Franzosen sprechen Französisch. Und schon beginnt auch die sogenannte „Krise“ des Französischen: „der Rückgang der Weltgeltung des Französischen zugunsten des Englischen und das Eindringen englischer Wörter ins Französische“ (Trabant 2001: 11).
Zusammenfassung der Kapitel
0 Vorbemerkungen: Einleitung in die persönliche Motivation und die methodische Herangehensweise der Arbeit.
1 Einleitung: Aufzeigen der globalen Dominanz des Englischen und der Schwierigkeiten französischer Lerner im Zweitspracherwerb.
2 Sprachpolitik: Sprachverteidigung in Frankreich: Analyse der historischen und gegenwärtigen sprachpolitischen Maßnahmen zum Schutz des Französischen gegen den Einfluss des Englischen.
3 Phoneme und Phone des Französischen und Englischen: Kontrastive Untersuchung der Vokal- und Konsonantensysteme beider Sprachen.
4 Suprasegmentalia im Französischen und Englischen: Analyse von Akzent, Rhythmus und Tonhöhe im Vergleich.
5 Aussprachestandards: Diskussion über die Normen der Standardaussprache im Englischen und Französischen.
6 Typische Aussprachemerkmale französischer Sprecher im Englischen: Detaillierte Auflistung häufiger Aussprachefehler bei Vokalen und Konsonanten durch französische Muttersprachler.
7 Psycholinguistische und psychologische Determinanten des L2-Aussprache-Erwerbs: Untersuchung der Faktoren, die den Zweitspracherwerb beeinflussen, wie Motivation, Alter und soziale Umgebung.
8 Zusammenfassung: Resümee der Untersuchungsergebnisse und Bestätigung des negativen Transfers durch die Erstsprache.
Schlüsselwörter
Französisch, Englisch, Aussprachemerkmale, Sprachpolitik, Phonologie, Psycholinguistik, Anglizismen, Kontrastive Linguistik, Zweitspracherwerb, Suprasegmentalia, Phonetik, Interferenz, Standardlautung, Sprachpflege, Sprachverteidigung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die typischen Aussprachehürden, auf die französische Muttersprachler beim Erlernen der englischen Sprache stoßen, und untersucht die zugrunde liegenden linguistischen und psycholinguistischen Ursachen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Sprachpolitik Frankreichs, einem detaillierten phonetischen Vergleich beider Sprachen, der Analyse von Aussprachefehlern und den psychologischen Determinanten des Zweitspracherwerbs.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die spezifischen Interferenzen zwischen der französischen Erstsprache (L1) und der englischen Zielsprache (L2) aufzudecken, um ein besseres Verständnis für die Ausspracheprobleme französischer Lerner zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine vorrangig qualitative Analyse, die auf einer Auswertung von Sprachaufnahmen von 25 französischen Informanten sowie einer umfangreichen Literaturrecherche basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine kontrastive phonetische Analyse, die Untersuchung suprasegmentaler Merkmale (Rhythmus, Intonation) und eine systematische Kategorisierung typischer Substitutionsfehler bei Vokalen und Konsonanten.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Sprachpolitik, Phonologie, Kontrastive Linguistik, Interferenzen, L2-Aussprache-Erwerb und Psycholinguistik.
Warum spielt die französische Sprachpolitik in dieser Arbeit eine Rolle?
Die Sprachpolitik ist entscheidend, um den kulturellen Hintergrund und die (oft abwehrende) Einstellung vieler Franzosen gegenüber dem Englischen zu verstehen, was wiederum den Spracherwerb und die Motivation beeinflusst.
Gibt es spezifische Aussprachemerkmale, die im Englischen durch Franzosen häufig fehlerhaft realisiert werden?
Ja, insbesondere die Substitution von englischen Vokalphonemen, die Nicht-Unterscheidung von Stark- und Schwachtonformen, die Elision von /h/ und Schwierigkeiten bei den interdentalen Frikativen /θ/ und /ð/ sind prägnante Beispiele.
- Arbeit zitieren
- Thomas Heim (Autor:in), 2006, Typische Aussprachemerkmale französischer Sprecher im Englischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76576