Auch heute kann man im Melting Pot USA immer noch nicht von ei-ner Gleichberechtigung der verschiedenen ethnischen Bevölkerungsgrup-pen ausgehen. Diskriminierung ist zwar nicht mehr gesetzlich verankert, aber in den Köpfen der Bevölkerung immer noch präsent. Doch warum ist es so schwer, rassistische Klischees zu überwinden? Einen entscheidenden Einfluss kann man der Repräsentation der Afroamerikaner in den Medien zuschreiben, die sich aufbauend auf die erste Unterhaltungsform, der Minstrel Show, in denen Afroamerikaner thematisiert wurden, noch heute vorgefertigten Bildern über deren Eigenschaften und Lebensweisen bedie-nen.
Im folgenden Aufsatz soll gezeigt werden, warum die Darstellung von Stereotypen immer wieder verlangt wird und welche Bedeutung und Konse-quenzen das für die Afroamerikanische Bevölkerung in den USA hat. Dazu soll in einer Neubewertung der Minstrel Shows stattfinden, in der nach sozi-alen Aspekten der Aufführungen für Darsteller und Publikum gesucht wird. Außerdem wird gezeigt, dass sie der Ausgangspunkt für rassistische Kli-schees sind, auf welche im Film und Fernsehen seither immer wieder zu-rückgegriffen wurde. Ein historischer Abriss der Darstellung von Afroameri-kanern in den Medien soll diese These beispielhaft belegen. Abschließend wird anhand des Films Bamboozled (2000) vom Regisseur Spike Lee ein Versuch gezeigt, wie mit dieser Problematik kritisch umgegangen wird und belegt, dass die Minstrel Show auch noch im 21. Jahrhundert existiert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Minstrel Shows als erste afroamerikanische Unterhaltungsform
2.1 Entstehung und Entwicklung
2.1.1 Entwicklungsgeschichte
2.1.2 Struktur
2.1.3 Black Minstrels
2.1.4 Ursachen für den Erfolg
2.1.5 Exkurs: Soziale Aspekte der Minstrel Shows
2.2 Das Erbe der Minstrel Shows
2.2.1 Neubewertung der Minstrel Shows
2.2.2 Einfluss auf die mediale Repräsentation und Wahrnehmung von Afroamerikanern
3 Darstellung von Afroamerikanern in der US-amerikanischen Medienlandschaft
3.1 Stereotypen im US-amerikanischen Film
3.1.1 Zip Coon und Sambo
3.1.2 Die Picaninnies
3.1.3 Uncle Tom
3.1.4 Frauenfiguren
3.2 Darstellung von Afroamerikanern im Fernsehen
3.2.1 Die Anfänge bis 1960
3.2.2 1960 bis 1980
3.2.3 1980 bis 2000
3.3 Die Minstrel Show im 21. Jahrhundert
4 Bamboozled als Minstrel Show des 21. Jahrhunderts
4.1 Satire als massentaugliche Kritik?
4.1.1 Inhalt des Films
4.1.2 Satirische Charaktere
4.1.3 Bamboozled als Minstrel Show des 21. Jahrhunderts
4.2 Spike Lees Intention
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen Wurzeln und die anhaltende Präsenz rassistischer Stereotypen in der US-amerikanischen Unterhaltungsindustrie. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die aus den Minstrel Shows stammenden Klischees die mediale Repräsentation von Afroamerikanern bis heute prägen und wie der Film Bamboozled diese Problematik durch Satire kritisch reflektiert.
- Historische Entwicklung und sozio-kulturelle Bedeutung der Minstrel Shows.
- Analyse medialer Stereotypen in Film und Fernsehen (u.a. Sambo, Picaninny, Mammy).
- Kritische Untersuchung der Repräsentation schwarzer Darsteller im Wandel der Zeit.
- Dekonstruktion der Unterhaltungsindustrie mittels Spike Lees Film Bamboozled.
- Reflexion über die Schwierigkeit, rassistische Muster im Mainstream-Medium zu durchbrechen.
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Zip Coon und Sambo
Die dominierenden Bilder von Afroamerikanern in der US-amerikanischen Medienlandschaft werden auf die Darstellung in den Minstrel Shows des 19. Jahrhunderts zurückgeführt. Diese Stereotypen sollen im folgenden Kapitel genauer beschrieben werden.
Das „Museum of Racist Memorablia“ der Ferris State University liefert dazu einen ausführlichen Überblick. Neben dem bereits erwähnten Jim Crow wird vor allem die Figur des Zip Coon immer wieder karikiert. Coon ist eine Kurzform von „raccoon“, also Waschbär. Zip Coon ist der faule, ängstliche, nutzlose und dumme Clown. Er wurde oft mit jungen, aufmüpfigen Sklaven identifiziert, der zwar mit seiner Situation unzufrieden war, aber zu faul, dagegen Widerstand zu leisten. Er gibt den Frauenhelden und Dandy.
Eine ähnlich kindliche Art liefert die Figur des Sambo. Im Gegensatz zum Coon ist der allerdings völlig unselbstständig und ein loyaler und gehorsamer Sklave, der seine untergeordnete und unmenschliche Situation akzeptierte. Bei den werden aber Eigenschaften wir Dummheit, Faulheit und Nutzlosigkeit nachgesagt, was sie zu den am meisten erniedrigten Figuren machte. In einer Umfrage zu ethnischen Stereotypen aus dem Jahr 1933 an der Princeton Universität wurden Schwarze hauptsächlich diese Merkmale von weißen Studenten zugeschrieben, die selber fast nie Kontakt mit Afroamerikanern hatten. Diese Umfrage wurde 1951 wiederholt. Am Ergebnis änderte sich nichts.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung legt den Fokus auf die Problematik der Repräsentation afroamerikanischer Künstler in den Medien und definiert das Ziel, die historische Kontinuität rassistischer Stereotypen zu untersuchen.
2 Minstrel Shows als erste afroamerikanische Unterhaltungsform: Dieses Kapitel analysiert die Entstehung der Minstrel Shows im 19. Jahrhundert sowie deren sozialen und kulturellen Einfluss auf die mediale Wahrnehmung von Afroamerikanern.
3 Darstellung von Afroamerikanern in der US-amerikanischen Medienlandschaft: Hier werden die zentralen Stereotypen im Film und im Fernsehen detailliert beschrieben und ihre Auswirkungen auf das gesellschaftliche Bild von Schwarzen aufgezeigt.
4 Bamboozled als Minstrel Show des 21. Jahrhunderts: Anhand des Films von Spike Lee wird diskutiert, ob und wie Satire genutzt werden kann, um rassistische Mechanismen in der Unterhaltungsindustrie offenzulegen.
5 Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass rassistische Klischees tief in den Köpfen verankert sind und hinterfragt die Möglichkeiten, diese durch mediale Reflexion aufzubrechen.
Schlüsselwörter
Minstrel Shows, Rassismus, Stereotypen, Afroamerikaner, Medienlandschaft, Bamboozled, Spike Lee, Blackface, Sambo, Picaninny, Uncle Tom, Unterhaltungsindustrie, Satire, Repräsentation, Cultural Studies.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung und die Beständigkeit rassistischer Stereotypen in US-amerikanischen Unterhaltungsmedien, ausgehend von den klassischen Minstrel Shows bis hin zu zeitgenössischen Filmproduktionen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Schwerpunkten zählen die Entstehung von Blackface-Darstellungen, die Entwicklung spezifischer Karikaturen wie Sambo oder Mammy und deren Einfluss auf die Darstellung von Minderheiten im Film und Fernsehen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt danach, warum rassistische Klischees trotz gesellschaftlichen Wandels in den Medien präsent bleiben und wie moderne Regisseure wie Spike Lee versuchen, diese durch den Einsatz von Satire kritisch zu dekonstruieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine medienhistorische und kulturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die historische Sekundärliteratur mit einer narrativen und inhaltlichen Filmanalyse von Spike Lees Bamboozled verknüpft.
Was behandelt der Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung der Minstrel-Tradition, eine Typologie rassistischer Filmstereotypen und eine detaillierte Fallstudie zu Spike Lees satirischer Auseinandersetzung mit der Branche.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Minstrel Shows, Rassismus, Stereotypen, Medienkritik und Repräsentation definieren.
Inwiefern ist Spike Lees Film Bamboozled eine Metafiktion?
Der Film reflektiert seine eigene Beschaffenheit als Minstrel Show, indem er zeigt, wie die Medienlandschaft des 21. Jahrhunderts durch stereotype Charaktere und wirtschaftliche Interessen weiterhin rassistische Klischees reproduziert.
Warum wird die Satire in Bamboozled teilweise als missverständlich kritisiert?
Kritiker bemängeln, dass die komplexe satirische Absicht von Spike Lee, der sich selbst der rassistischen Stereotypen bedient, von einem unvorbereiteten Massenpublikum falsch verstanden oder als bloße Effekthascherei wahrgenommen werden kann.
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- Nicole Lau (Author), 2007, Die Darstellung von Afroamerikanern in der US-amerikanischen Medienlandschaft , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76673