Die Wahrnehmung der Türken in den französischen Reiseberichten aus dem Umfeld der diplomatischen Missionen des Botschafters Gabriel d’Aramon 1547 bis 1553

Estre en Pays infideles, fort estranges & barbare: mais le tout m’ha esté pour plaisir


Magisterarbeit, 2006
140 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung
Forschungsliteratur

I. Lilie und Halbmond
1.1 Herausbildung der französisch-osmanischen Freundschaft
1.1.1 Franz I. und Süleyman
1.1.2 Fortführung der Allianz unter Heinrich II
1.1.3 Reaktion der Öffentlichkeit
1.1.4 Die französisch-osmanische Allianz – „ une source de bonheur “?
1.2 Gabriel d’Aramon – französischer Botschafter an der Pforte und sein Gefolge
1.2.1 Kurzbiographie der Reisenden
Gabriel d’Aramon
Pierre Belon
Jean Chesneau
Jacques Gassot
Pierre Gilles
Nicolas de Nicolay
Guillaume Postel
André Thevet
1.2.2 1547-1553: Die Tour de Levant
1.3 Der Corpus Aramontin

II. Epistemologie in den französischen Reiseberichten
2.1 Der Reisebericht – Entwicklung einer Gattung und ihre Definitionsproblematik
2.2 Reiseliteratur und ihr Wahrheitsgehalt – das Prinzip der Autopsie
2.3 Alterität und ihre Wahrnehmung
2.4 Eigenes und Fremdes
2.5 Die Neugierde
2.6 Auf den Spuren der Antike
2.7 Strukturierung der Reiseberichte
2.8 Die Reiseberichte im Corpus Aramontin

III. Corpus Aramontin
3.1 Der Staat
3.1.1 Geschichte und Herkunft
3.1.2 Der Staatsapparat
Konstantinopel – Residenz des Sultans
Der Staatsapparat
Der Diwan
Die Justiz
Der Harem
3.1.3 Das Heer
Die Knabenlese
3.2 Die Religion
3.2.1 Der Islam
3.2.2 Die Gebetshäuser
3.2.3 „ Des quatre diverses religions des Turcs
3.2.4 Religiöse Toleranz
3.3 Sitten und Gebräuche
3.3.1 Das Wesen der Türken
3.3.2 Das alltägliche Leben – das antike Erbe
Die türkische Frau
Der Ehestand
Das Hammam
3.3.3 Die Sklavenhaltung
3.4 Das Türkenbild im Corpus Aramontin

Schluss

Bibliographie
Primärliteratur
Sekundärliteratur

Titelblatt: Jacques Gassot, Le Discours du Voyage de Venise a Constantinople, contenant la querele du grand Seigneur contre le Sophi: avec elegante description de plusieurs lieux, villes et Citez de la Grece & choses admirables en icelle, Paris 1550, S. 32v.

Einleitung

In Europa findet die Auseinandersetzung mit den Türken vor allem während der Türkenkriege statt, in deren Verlauf das Osmanische Reich seit dem späten 14. Jahrhundert seine Grenzen nach Westen verschiebt. Diesen militärischen Eroberungen steht ein breites Spektrum an Reaktionen in Westeuropa gegenüber, die die osmanische Expansion nicht nur als Gefährdung der betroffenen Territorien, sondern des gesamten Abendlandes interpretieren.[1] Besonders deutlich wird dies an der Eroberung Konstantinopels[2] unter Mehmed II. (1451-1481). Während zuvor noch ein Meer Islam und Christentum getrennt hat, ist durch die Eroberung diese geographische Grenze aufgehoben. Durch den Fall Konstantinopels 1453 und Granadas 1492 verschiebt sich somit das kulturelle und religiöse Aufeinandertreffen von Süd-West nach Süd-Ost.[3] Durch den Machtzuwachs muss das Osmanische Reich, welches zuvor noch vom Abendland als Nomadenstamm betrachtet wird, als ebenbürtig und später als Großmacht im europäischen Machtgefüge anerkannt werden. Diese Entwicklung wird dann im französisch-habsburgischen Antagonismus von den französischen Königen genutzt, um ihre Hegemonialansprüche in Italien zu realisieren.

Aus diesem politischen Kontext der französisch-osmanischen Allianz entstehen die sieben Reiseberichte aus dem Umfeld der diplomatischen Beziehungen des französischen Botschafters Gabriel d’Aramon.

Die Begegnungen des christlichen Abendlands mit dem Orient sind stets mit Krisen in politischer wie weltanschaulicher Hinsicht verbunden. Das zweifache Gefahrenmoment, die militärische und die religiöse Bedrohung, erscheinen zur Zeit der arabischen Invasion noch abwendbar durch eine doppelte Begründung des Kreuzzuges: als Heiliger Krieg gegen den Islam und als Verteidigung der weltlichen und politischen Ordnung der Christenheit.[4]

Im Verlauf dieser Auseinandersetzung haben sich in Europa bestimmte Bilder und Vorstellungen über die arabischen und dann türkischen Reiche gebildet.[5] Die aus der Bedrohung entstehende Literatur – die Turcica – kommentiert das Geschehen, rechtfertigt das Handeln der eigenen Partei und verurteilt den Gegner. Meist geschieht dies unter Zuhilfenahme von Stereotypen und Feindbildern. Das Türkenbild im 16. Jahrhundert besteht aber nicht nur aus Elementen zeitgenössischer Vorfälle, sondern resultiert auch aus dem traditionellen christlichen-islamischen Gegensatz. Dieser wird in den Kreuzzügen begründet und seit der Eroberung von Konstantinopel mit dem Türken verbunden. Schließlich spielt der kulturelle Gegensatz zwischen dem christlichen Europa und den Osmanen eine große Rolle.[6] Anders als die Reisenden in die Neue Welt lernen die Reisenden in das Osmanische Reich eine ihnen nicht unbekannte Welt kennen. Sie stehen mit ihren Vorurteilen und Erfahrungen in einer langen Tradition abendländischer Islam- und Türkenbildern.[7]

Dabei muss beachtet werden, dass in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts die Auseinandersetzung mit den Türken bereits hundert Jahre alt ist und daher verschiedene Stadien der Differenzierung durchlaufen hat. Seit den letzten zwei Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts wird allerdings die polemische und antimuslimische Kreuzzugsliteratur korrigiert und durch eine sich deskriptiv-historisch entwickelnde Literatur ergänzt.[8] Allerdings bleibt der mittelalterliche Kern bestehen, dem während der folgenden Epochen immer neue Eigenschaften hinzugefügt werden. Das Türkenbild wird in den französischen Reiseberichten jedoch nicht nur durch tradierte Vorstellungen wahrgenommen, sondern es entspringt auch einem humanistischen Ideal – der Entdeckung und Erforschung Gottesschöpfung – und spiegelt anthropologisches Interesse wider.

Darüber hinaus können die Feindbilder Aufschluss geben über konstitutive Elemente des politischen Denkens, die den Publizisten selbst, als auch dem Adressatenkreis eigen sind. Das Feindbild ist somit zugleich auch immer ein Selbstbild, das aus den jeweils gültigen kollektiven Werten und Erfahrungen erwächst und sie widerspiegelt.[9] Ferner hält sich das Abendland in der Türkengefahr selbst einen Spiegel vor, indem mittelalterliche Vorstellungen und frühneuzeitliche Realität und eine vielschichtige Instrumentalisierung der fiktiven wie realen Bedrohung durch kirchliche und weltliche Machthaber verschmelzen.[10]

Die Perhorreszierung des Türken ist ein Reflex der europäischen Furcht vor einer bis dahin unbekannten Macht, die nicht abgewehrt werden kann. Diese Furcht äussert sich dann auch durch die unbewusste Übertreibung der Grausamkeit des Feindes.[11]

Während im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation die Türkengefahr[12] als ein Bedrohungsfaktor in allen gesellschaftlichen Ständen benutzt und instrumentalisiert wird, um damit die Bereitschaft zur Zahlung von Steuern sowie den Gehorsam und das Vertrauen in die Obrigkeit zu fördern und letztlich die Stabilisierung der bestehenden politisch-sozialen Ordnung zu erreichen, ist dies in Frankreich wegen der Kooperation der Krone mit dem Osmanischen Reich nicht möglich und nicht nötig wegen der fehlenden territorialen Bedrohung.[13] Daher gibt es in Frankreich keine gezielte Förderung eines osmanischen Feindbildes durch die Obrigkeit und somit ist der Begriff einer ménace turque in der französischen Forschungsliteratur kaum vorhanden.[14]

Da sich diese Arbeit auf das Türkenbild in Frankreich bezieht und dort die Türkengefahr nicht instrumentalisiert wird[15] – abgesehen von den Kreuzzugsappellen, Türkenpredigten und Prozessionen zu Beginn der Herrschaft Franz’ I. (1515-1547) – kann im französischen Kontext nur von Türkengefahr gesprochen werden, wenn man sie als eine gefühlte Bedrohung[16]Türkenfurcht[17] – definiert, die aus einer nicht-christlichen expandierenden Übermacht resultiert, jedoch keine reelle territoriale Bedrohung darstellt.

Somit bestimmen drei Faktoren das Türkenbild: die expandierende und siegreiche Übermacht, der religiöse Gegensatz und das kulturelle Unverständnis sowie Unkenntnis.

Die Arbeit verfolgt auf diesem politischen Hintergrund das spezifische Ziel, die unterschiedlichen Einflüsse, Wahrnehmungsformen und Darstellungen des Türkenbildes in den französischen Reiseberichten aus dem Umfeld der diplomatischen Mission Gabriel d’Aramons herauszuarbeiten. Dabei sollen zuerst die politischen Rahmenbedingungen der französisch-osmanischen Allianz, das Türkenbild in Frankreich und der Verlauf der Gesandtschaft erörtert, sowie die Kurzbiographien der einzelnen Reisenden vorgestellt werden. Das darauffolgende Kapitel widmet sich der Gattung Reisenbericht und der Darstellung von Alterität im 16. Jahrhunderts. Nachdem der politische Rahmen sowie die Quellengrundlage geklärt sind, soll das vierte Kapitel das Türkenbild in den Reiseberichten anhand unterschiedlicher Themenfelder – Staat, Religion sowie Sitten und Gebräuche – erfassen und erläutern.

Forschungsliteratur

Das französische Türkenbild ist im Vergleich zum deutschen in der Forschung nicht so ausführlich behandelt worden. Maßgebliches Werk für das französische Türkenbild im 16. Jahrhundert ist die ausführliche Studie von Clarence Dana Rouillard, The Turk in French History[18]. Er widmet sich vor allem deskriptiv dem Türkenbild in allen schriftlichen Bereichen wie Flugschriften, diplomatischen Berichten, Reisebeschreibungen und Prosa, allerdings fehlen teilweise die analytischen Studien der Quellen, wie auch im Werk der Historikerin Yvelise Bernard, L’Orient du XVIe siècle à travers les récits des voyageurs français[19]. Detailliert gibt sie den Inhalt der Reiseberichte aus dem 16. Jahrhundert wieder und fügt Tabellen über den unterschiedlichen Informationsgehalt der Reiseberichte hinzu. Ausführliche Studien über die Gesandtschaft Gabriel Aramons sowie seiner Begleiter und ihren Reiseberichte enthält dagegen der Sammelband von den Historikern Jean Ceard und Jean-Claude Margolin, Voyager à la Renaissance[20]. Andreas Höfert widmet sich in seiner Studie Den Feind beschreiben, „Türkengefahr“ und europäisches Wissen über das Osmanische Reich[21] detailliert und ausführlich unter anderem zwei französischen Reiseberichten, allerdings liegt der Fokus der Arbeit im Bereich der Wissensvermittlung und ihrer Aufteilung in Episteme innerhalb der Reiseberichte.

Innerhalb der französischen wie auch deutschen Forschung über das Türkenbild – abgesehen von der Studie Bernard – ist es vor allem die Literaturwissenschaft, die sich mit Reiseberichten auseinandersetzt und sich dabei auf die Problematik der Alterität konzentriert[22]. Hier ragt vor allem die Dissertation von Frédéric Tinguely, L’écriture du Levant à la Renaissance[23] heraus. Tinguely widmet sich ausführlich und detailliert den Reiseberichten aus dem Umfeld der diplomatischen Mission von Gabriel d’Aramons und analysiert das Beschreibungsmuster und die Wahrnehmungsform der Reisenden. In diesen Kontext ist auch die Arbeit des Historikers Dominique Bertrand, Les Stratégies de Belon pour une représentation exotique[24] einzureihen. Ferner findet sich zum Türkenbild im 16. Jahrhundert noch die Arbeit von Michel Lésure, Les relations franco-ottomanes à l’épreuve des Guerres de Religion (1560-1594)[25] , die sich allerdings auf die Türkenpolemiken während der französischen Religionskriege konzentriert[26].

Über die französische Türkenpolitik ist das Opus von Ernest Charrière, Négociations de la France dans le Levant ou Correspondances, mémoires et actes diplomatiques[27] grundlegend, in welchem Berichte französischer Gesandter aus Venedig und Konstantinopel sowie entsprechende königliche Weisungen veröffentlicht, kommentiert und erläutet werden. Daneben befasst sich noch der Sammelband von Hâmit Batu, L’Empire Ottoman, la République de Turquie et la France[28] mit der französischen Türkenpolitik, verliert sich jedoch in heterogene Einzelstudien. Eine gute Übersicht und einführende Studie über die französische Türkenpolitik bieten die Aufsätze von Michael Hochedlinger, Die französisch-osmanische „Freundschaft“ 1525-1792[29] und Klaus Malettke, Die Vorstöße der Osmanen im 16. Jahrhundert aus französischer Sicht[30].

Somit ist das Türkenbild in den Reiseberichten aus dem Umfeld der diplomatischen Mission Aramons kaum erforscht, im Gegensatz zur Alterität und Wahrnehmungsart. Lediglich die Arbeit von Tinguely widmet sich also ausschließlich diesem Corpus von Reiseberichten.

I. Lilie und Halbmond

1.1 Herausbildung der französisch-osmanischen Freundschaft

1.1.1 Franz I. und Süleyman

Obwohl die osmanische Expansion eine gemeinsame Abwehrfront des Abendlandes herausfordert, verklingen alle Kreuzzugsappelle. Nationalstaatliche Ambitionen und dynastischer Ehrgeiz stehen an erster Stelle und führen zu territorialen Streitfragen. Frankreich befindet sich nach dem Ende des Hundertjährigen Krieges in einer Phase wachsender innerer Konsolidierung und territorialer Expansion. Demgegenüber stehen die Expansionsbestrebungen des Hauses Habsburg. Die Konkurrenz um die italienischen Besitzungen der Häuser Habsburg und Valois verdichtet sich schließlich im französisch-habsburgischen Antagonismus. In diesem Konfliktfeld ist die Türkengefahr in vielfältiger Weise eingebunden. Frankreich erkennt unter König Franz I. (1515-1547) die Möglichkeit, mit Hilfe der Osmanen im Mittelmeer[31] und in Ungarn Fronten gegen die monarchia universalis[32] des römisch-deutschen Kaisers Karls V. (1519-1556) zu bilden[33]. Die Sprengung der habsburgischen Klammer[34] wird ab 1519 Ziel der französischen Außenpolitik und begründet so die französisch-habsburgische Rivalität.[35]

Frankreich nimmt nach der Schlacht von Pavia 1525 und der Gefangennahme Franz’ I. direkten Kontakt mit Konstantinopel auf. Die Regentin Louise von Savoyen, die Königinmutter, sendet eine Delegation nach Konstantinopel, um Sultan Süleyman I. (1520-1566) zu veranlassen, in die österreichischen Besitzungen einzufallen und auf diese Weise die Freilassung ihres Sohnes zu bewirken. Allerdings wird die Delegation auf der Durchreise durch Bosnien getötet.

Nach dem Scheitern der ersten Delegation sendet der französische König Franz I. selbst eine Gesandtschaft unter der Leitung des ungarischen Adligen Johann Frangipani an den Sultan. Ziel ist es, Süleyman davon zu überzeugen, in Ungarn einzufallen, während Franz I. seinerseits den Kaiser angreift. Zwar entlässt Süleyman Frangipani reich beschenkt aber ohne eine konkrete Zusage:

Il n’est pas étonnant que des empereurs soient défaits et deviennent prisonniers. Prenez donc courage, et ne vous laissez pas abattre. Nos glorieux ancêtres et nos illustres aïeux (que Dieu illumine leur tombeau) n’ont jamais cessé de faire la guerre pour repousser l’ennemi et conquérir des pays.“[36]

Somit bleibt Franz I. nichts anderes übrig, als seine Freiheit 1526 durch den Frieden von Madrid zu erkaufen.[37]

Auch wenn die erste Kontaktaufnahme scheitert, wird somit die Basis für die französisch-osmanischen Beziehungen gelegt. Infolgedessen kann Franz I. 1528 die Freiheit der Glaubensausübung – also die Erhaltung der christlichen Kirchen in Jerusalem – vertraglich mit dem Sultan festlegen.[38]

L’amitié et l’affection qui existent entre ma glorieuse majesté et vous rendent vos désirs admissibles auprès de ma personne […]. Les lieux autres que la mosquée continueront de rester entre les mains des chrétiens; personne ne molestera sous notre équitable règne ceux qui y demeurent. Ils vivront tranquillement sous l’aile de notre protection, il leur sera permis de réparer leurs portes et leurs fenêtres, ils conserveront en toute sûreté les oratoires et établissements qu’ils occupent actuellement, sans que personne puisse les opprimer et les tourmenter d’aucune manière.“[39]

Die französischen Versuche, die osmanische Kriegsmaschinerie gegen die habsburgisch verwalteten Länder im Osten zu richten, erweisen sich jedoch als nachteilig für die französische Außenpolitik. Die Türkengefahr in Ungarn treibt die protestantischen Gegner des Kaisers in seine Armee und stärkt auf diese Weise die kaiserliche Position. Daher versucht Franz I., das osmanische Interesse auf Italien zu lenken. Zur Verteidigung der habsburgischen Besitzungen in Italien stünden die Reichsfürsten dem Kaiser nicht zur Seite.[40] So hat die Mission des Spanier Antonio Rincon[41] 1533 das Ziel, Süleyman von Angriffen auf Ungarn abzuhalten. Es wird vereinbart, dass der osmanische Feldherr Hayreddin Barbarossa[42] an die Küste Neapels und Afrikas geschickt wird. Hayreddin Barbarossa greift die Küste an und nimmt kurz darauf 1534 Tunis ein, welches ein Jahr später wieder vom Kaiser zurückerobert wird.

Als sich im Februar 1535 Frankreichs außenpolitische Lage verschlechtert[43], rüstet Franz I. die erste ordentliche Gesandtschaft zu Süleyman. Der Gesandte Jean de la Forest[44] wird beauftragt, den Sultan zu einem militärischen Vorgehen gegen die habsburgischen Positionen in Italien zu veranlassen. Ausdrücklich wird La Forest angewiesen, dem Sultan von eventuell beabsichtigen Vorstößen gegen den österreichischen Teil Ungarn abzuraten. Im darauffolgendem Jahr kommt es schließlich zur Unterzeichnung eines französisch-osmanischen Handelsvertrages – den sogenannten Kapitulationen[45].

Die Kapitulationen stehen in der Literatur für den eigentlichen Ausgangspunkt der Kooperation zwischen Halbmond und Lilie. Jedoch findet sich kein Beleg dafür in den Quellen. Vielmehr hat die jüngere Forschung den Verdacht erhärtet, dass es sich bei dem angeblichen Handelsabkommen von 1536 um eine historiographische Fehlinterpretation handelt. Fest steht, dass ein Entwurf gleich nach der Rückkehr Süleymans aus dem Perserkrieg 1528 vorlag, der den Handelsverträgen mit Genua und Venedig ähnelt.[46] Der Vertrag zwischen dem französischen König Karl XI. (1560-1574) und Sultan Selim II. (1566-1574), die erste Vereinbarung zwischen den beiden Mächten, deren Abschluss historisch belegt ist und die Sonderrechte der französischen Untertanen im Geiste des Entwurfs von 1536 enthält, stammt aus dem Jahre 1569. Jedoch kann man die dreißiger Jahre des 16. Jahrhunderts als den eigentlichen Beginn der französisch-osmanischen Beziehungen sehen und „ avec Jean de La Forêt, la présence d’un représentant diplomatique français auprès de la Porte devint effectivement permanente[47], ob es nun zu einer verträglichen Einigung kommt oder nicht.[48]

Der Handelsvertrag räumt Frankreich die Vorrangstellung vor jeder anderen christlichen Macht für den gesamten osmanischen Bereich ein, mit denen die Hohe Pforte Handelbeziehungen unterhält. Dies ist in seiner politischen Wirkung außergewöhnlich und unterscheidet sich von den vorherigen Verträgen zwischen Hoher Pforte und Abendland. Infolgedessen genießt der französische Botschafter als verantwortlicher Sprecher für den französischen Handel Vorrangstellung. Er ist für die französischen Kaufleute unmittelbar bei der Pforte bevollmächtigt und trägt die Gerichtsbarkeit über Franzosen in Zivil- und Strafdelikten.[49] Ungeachtet der schriftlichen Vereinbarungen zwischen der Hohen Pforte und Frankreich liegt das politische Gewicht jedoch in den mündlich getroffenen Abreden durch gegenseitige Gesandtschaften.

Das Zusammentreffen von Kaiser und König 1538 in Aigues-Mortes wird von der Hohen Pforte als Beginn einer neuen Entente zwischen Franz I. und Karl V. verstanden und verschlechtert selbstredend die Beziehung zwischen Lilie und Halbmond. Die gleiche Wirkung hat auch die Durchfahrt des Kaisers durch Frankreich zwischen November 1539 und Januar 1540 und sein Empfang in Fontainebleau. An den europäischen Höfen und in Konstantinopel wird berichtet, dass Karl V. Franz I. die byzantinische Kaiserkrone versprochen habe, und ein gemeinsamer Kreuzzug gegen den Erbfeind der Christenheit geplant sei.[50]

Kurz nach der Abreise Karls V. aus Frankreich häufen sich die Hinweise, dass die französisch-kaiserliche Entente wegen unüberbrückbarer Differenzen hinsichtlich einer definitiven Friedensregelung scheitert.[51] Franz I. beauftragt Rincon, die Beziehungen zur Hohen Pforte wieder zu intensivieren und der König bereitet sich auf einen weiteren Krieg gegen den Kaiser vor. In diese Kriegsvorbereitungen sind auch die französischen Bemühungen einzuordnen, den Sultan zu massiver Unterstützung Frankreichs zur See und zu Lande zu veranlassen[52].

Auslöser für den Krieg ist die Ermordung Rincons und dessen Begleiter in der Lombardei durch spanische Soldaten. Man vermutet, dass der Mordbefehl vom kaiserlichen Gouverneur stammt, was aber nicht bewiesen werden kann. Dennoch eignet sich der Mordfall Rincon als Vorwand zum Krieg, und Franz I. erklärt im Mai 1542 Karl V. den Krieg.[53] Der Baron Antoine Escalin des Aimars, Baron de la Garde[54], genannt capitain Polin, wird in Begleitung von Gabriel d’Aramon an die Pforte gesandt. Im darauffolgenden Jahr verlässt Baron de la Garde mit Hayreddin Barbarossa Konstantinopel, um sich in Marseille mit der französischen Flotte zu vereinen, während Aramon als französischer Gesandter in Konstantinopel bleibt[55].

Erfolgreich kann die vereinte Flotte Nizza erobern.[56] Franz I. hält die Seeaktivitäten im Spätherbst an und lässt die osmanische Flotte vom September 1543 bis Mai 1544 in Toulon überwintern. Um Konflikte mit der französischen Bevölkerung zu verhindern, befiehlt der König den Einwohnern, Toulon zu verlassen.

Als im Frieden von Crépy von 1544 die Voraussetzungen für eine dauerhafte Aussöhnung zwischen Frankreich und Habsburg geschaffen werden, kann die französische Diplomatie im Oktober 1545 erfolgreich einen Waffenstillstand zwischen dem Sultan und Kaiser vermitteln. Jedoch machen die Ansprüche Karls V. und Franz’ I. auf die italienischen Besitzungen den Friedensvertrag zunichte. So schickt Franz I. im Frühling 1547 Aramon nach Konstantinopel. Um der Gesandtschaft Aramons ein besonderes Gewicht zu verleihen, macht Kardinal von Tournon[57] den Vorschlag, die Gesandtschaft nicht nur aus politischen Gründen, sondern auch zur wissenschaftlichen Erforschung des Osmanischen Reiches zu entsenden. Daher wird Aramon vom Botaniker Piere Belon begleitet.

Aramon hat die Aufgabe erhalten, den Sultan zu einem Krieg gegen Ungarn, sowie zu einer Seeexpedition an die afrikanische Küste zu bewegen. Doch da sich Süleyman auf einen Krieg gegen Persien vorbereitet und einen Zweifrontenkrieg verhindern will, schliesst er einen fünfjährigen Waffenstillstand mit Ferdinand I. von Habsburg.

1.1.2 Die Fortführung der Allianz unter Heinrich II.

Bei der Thronbesteigung Heinrichs II. (1547-1559) sind die Beziehungen mit der Pforte bereits relativ gefestigt. In den ersten Jahren seiner Regierungszeit führt der König die Beziehungen nicht nur fort, sondern intensiviert sie. So sendet er kurz nach seiner Thronbesteigung den Gesandten François l’Agénois, Baron de Fumel[58]gentilhomme de la chambre du roi – , um die Weiterführung der Allianz zu garantieren. Als Süleyman sich im März 1548 gegen Persien wendet, wird Aramon beauftragt, dem Sultan zu folgen.[59] Im Sommer 1548 nimmt Süleyman Täbris und Van ein, die kurz zuvor von persischen Truppen besetzt wurden. Als die Türken ihr Winterquartier in Aleppo aufschlagen, besucht Aramon die Heiligen Stätten und Ägypten und kehrt im Januar 1550 nach Istanbul zurück.

Die 1550/51 wieder anbrechende Phase akuter Spannungen zwischen Karl V. und Süleyman kommen den antihabsburgischen Plänen Heinrichs II. sehr entgegen. Nach dem es Karl V. gelungen ist, im September 1550 Mehdije an der nordafrikanischen Küste zu erobern, ordnet Heinrich II. an, den osmanischen Waffenstillstand mit Habsburg zu brechen.[60] Es ist wenig Überzeugungskraft nötig, Karls Angriffe auf Afrika als einen Friedensbruch zu definieren und den Sultan zu einem Angriff zu bewegen. So eilt Aramon 1551 im Auftrag Süleymans nach Frankreich, um den König von den Plänen des Sultans persönlich in Kenntnis zu setzen. Eine osmanische Flotte unter dem Kommando Turguds[61] wird sich gegen die italienische Küste wenden. Diese verlässt Konstantinopel im Mai 1551 und einen Monat später bricht Aramon mit zwei königlichen Galeeren von Marseille auf[62]. Am 1. August erreichen sie Malta. Auf Bitte des Johanniter- Großmeisters Juan d’Omédès (1536-1553) fährt der Botschafter nach Tripolis, um die Belagerung von Tripolis durch Turgud abzubrechen. In Tripolis angekommen, kann Aramon die Belagerung der Stadt nicht verhindern. Nachdem die Stadt am 14. August kapituliert, darf die Gesandtschaft Tripolis besichtigen. Ferner nimmt Aramon am Siegesbankett teil, um die gegenseitige Freilassung der Gefangenen zu erwirken. Nach Malta zurückgekehrt, beschuldigt Omédès Aramon der Kooperation bei der Einnahme Tripolis. Erst ein Brief Heinrichs II. an den Großmeister kann Aramon von den Beschuldigungen entlasten:

Nostre ambassadeur, en passant par Tripoli, où il estoit allé à vostre request, […] pour divertir l’armée turquesque de l’entreprise dudit Tripoli, avoit au contraire persuadé la prise de ladite place; […] de laquelle accusation, qui est une imposture et calomnie, vous pouvez mieux que nuls autres sçavoir ce qui en est.“[63]

Nachdem Tripolis in die Hände der Osmanen gefallen ist, macht sich der kaiserliche Flottenadmiral Andrea Doria mit sieben Galeeren nach Tripolis auf, um Aramon gefangenzunehmen. Jedoch kann Aramon entkommen und erreicht am 21. September 1551 Konstantinopel. Aramon folgt Süleyman in sein Winterquartier nach Adrianopel und versucht den Sultan davon zu überzeugen, erneut eine osmanische Flotte an die italienische Küste zu schicken[64]. Der Sultan willigt ein und in Anwesenheit von Aramon wird am 4. Juli 1552 Reggio eingenommen. Andere Städte wären vermutlich noch von den Türken eingenommen worden, wenn einerseits die französische Flotte unter dem Kommando von Kapitän Baron de la Garde eingetroffen und andererseits die osmanische Flotte nicht wieder zurückgeholt worden wäre, als ein neuer Aufmarsch gegen Persien geplant wird.[65] Aramon verlässt endgültig am 14. September 1553 das Osmanische Reich.

Der Rückzug Karls V. aus dem politischen Leben, die Trennung des Hauses Habsburg in eine spanische und eine österreichische Linie sowie der Frieden von Cateau-Cambrésis 1559 bringt die französisch-habsburgische Rivalität vorrübergehend zum Stillstand, während der Ausbruch der Religionskriege die Beziehungen zur Hohen Pforte fast zum Erliegen bringt.

1.1.3 Reaktion der Öffentlichkeit

Eine Bündnispolitik zwischen einer europäischen Macht und dem Osmanischen Reich ist im 16. Jahrhundert kein Novum. So haben bereits im ausgehenden 14. Jahrhundert italienische Klein- und Mittelstaaten die Osmanen in ihre inneren Rivalitäten einbezogen. Auch die italienischen Kaufmannsstaaten wie Genua 1453 und Venedig 1454 haben aus wirtschaftlichen Interessen mit den Osmanen nach einem modus vivendi Ausschau gehalten, um ihre Positionen aus byzantinischer Zeit aufrecht zu erhalten. Ebenso hat das Papsttum am Ende des 15. Jahrhunderts mit dem Osmanischen Reich Kontakt aufgenommen.[66] Auch das Handelsabkommen von 1511 zwischen dem französischen König Ludwig XII. (1498-1515) und den ägyptischen Mameluken zur Förderung des französischen Seehandels, weist auf den Wandel hin: Die Staatsräson steht an erster Stelle.[67]

Indem aber der rex christianissimus[68] die osmanische Expansion und militärische Stärke gegen Habsburg nützt, gerät er unter permanenten Rechtfertigungsdruck. Dieser Rechtfertigungsdruck resultiert aus dem Tatbestand, dass der französische König, nicht nur diplomatische Dauerbeziehungen mit dem wichtigsten Machtgebilde der islamischen Welt, also mit dem Erbfeind der Christenheit führt, sondern auch eine Kooperation pflegt, die gegen den Kaiser gerichtet ist.[69]

Zugleich erweist sich die französische Allianz mit dem Erbfeind als schwierig, da Frankreich sein Postulat als Verteidiger der Christenheit nicht aufgibt. Frankreich nimmt seit dem Mittelalter die Führungsrolle im Kampf gegen den Islam ein. Seit dem Fall von Akkon 1291 erhebt Frankreich weiterhin den Anspruch als Verteidiger der Christenheit. Auch gegen die allmählich in Europa fußfassenden Osmanen ist die französische Ritterschaft im Kreuzzug von Nikolpolis 1396 in vorderster Linie zu Felde gezogen. Ein Jahrhundert später heftet der französische König Karl VIII. (1483-1498) den Kreuzzugsgedanken und die Wiedervereinigung des östlichen Kaisertums bei seiner Neapelexpedition von 1494/95 auf seine Fahne.

Es ist allerdings vor allem Herzog Philipp III. der Gute von Burgund (1419-1467), der sich in die Kreuzzugstradition einreiht. Er schickt 1432 einen Kundschafter Bertrandon de la Broquière[70]conseillier et premier escuyer trenchant – des Herzogs in den Nahen Osten. Im Februar 1454 legt der Herzog auf dem Fasanenfest in Lille öffentlich ein Kreuzzugsgelübde – Vœu du Faisan – ab und schwört „ resister à la dampnable emprise du Grand Turc et des infidelles[71].

Trotz des Bedeutungsverlusts des Kreuzzugsgedankens zu Beginn des 16. Jahrhunderts findet er sich zu Beginn der Regierungszeit Franz’ I. wieder. Dies hängt mit den Türkenkreuzzugspläne Papst Leos X. (1513-1521) 1516/1517 zusammen. Kaiser Maximilian I. und Franz I. wetteifern um die Führungsrolle im Türkenkampf, um Stimmen für die Kaiserwahl 1519 sowie die Unterstützung des Heiligen Stuhls zu erlangen.[72] So erklärt der französische König:

la chose en ce monde que plus je désire; car dès l’eure que, moyennant la grâce de Dieu, fuce parvenu à la couronne de France et auparavant, ma vraye et naturelle inclinacion estoit, comme encores est, sans fiction ne dissimulacion, d’employer ma force et jeunesse à faire la guerre pour l’onneur et révérence de Dieu nostre saulveur contre les ennemys de sa foy.“[73]

Durch den Kreuzzugsaufruf Papst Leos X. in einer Bulle von 1516, die zwischen 1517 und 1518 in Frankreich verbreitet wird und die das Versprechen des Königs aufgreift gegen den Glaubensfeind zu kämpfen, wird das Bewusstsein einer Türkengefahr innerhalb der französischen Bevölkerung geschärft und lebendig gehalten. Die gleiche Rolle spielen auch die Maßnahmen Franz’ I.: Instruktionen für Türkenpredigten, Verteilung von Ablässen und Prozessionen.[74]

Somit wird zu Beginn der Regierungszeit Franz I.’ der Gedanke des Kreuzzugs gegen das Osmanische Reich propagiert, aber nach der Schlacht von Pavia 1525 wendet sich das Blatt. Der ehemalige Feind wird zum Alliierten gegen den habsburgischen Nachbarn[75]. Die Bündnispolitik zeigt, dass auf staatlicher Ebene die Gefahr und die Bedrohung nicht als prekär aufgefasst wird und der Kreuzzug an Bedeutung verloren hat. Die primäre Sorge der christlichen Herrscher geht weiterhin dahin, die eigenen Territorien vor den Expansionsbestrebungen ihrer Nachbarn zu schützen. Dabei ist für Frankreich ausschlaggebend, dass seine Gebiete – abgesehen von kleineren Zwischenfällen an seiner Mittelmeerküste – nicht vom Osmanischen Reich bedroht sind wie die österreichischen Territorien in Ungarn.

Es muss hier zwischen der offiziellen Stellungnahme – zumeist eine Verteidigung der königlichen Türkenpolitik – und der Sicht aus dem Kreis der Bevölkerung unterschieden werden. Die verbreitete Einstellung weicht in der französischen Bevölkerung nicht wesentlich von dem traditionell abendländischen Türkenbild einer totalen Perhorreszierung ab. In Frankreich wie im Reich wird das Türkenbild durch Nachrichten über die Greueltaten und Einfälle der Osmanen geformt.[76] So berichtet eine Flugschrift mit dem Titel S’ensuyent les faictz du chien insaciable du sang chrestien qui se nomme L’empereur de Turquie von 1526 über die Greueltaten der Osmanen bei der Schlacht von Mohács 1526. Das Interesse der französischen Bevölkerung richtet sich aber nicht nur auf militärische Ereignisse in Europa, sondern auch in Asien. So schildert eine Chronik von 1535 La preparation de l’armé du grant Turcq contre le Sophie, Roy de Perse. Ferner erscheinen in Paris, Lyon und Antwerpen mehrere Flugschriften, die von den Krieggeschehnissen zwischen dem Kaiser und der türkischen Flotte im Mittelmeer handeln, so zum Beispiel L’expedition et voyage de L’empereur Charles le quint en Affricque: contre la cité de Arges (Lyon 1542).[77]

Neben diesen Flugschriften tauchen Prophezeiungen auf, die das baldige Ende des Osmanischen Reichs voraussagen. Diese Prophezeiungen richten sich vor allem an ein breites Publikum und haben kein politisches Interesse. Das Ziel ist es, der Christenheit Hoffnung zu machen. „ Cette littérature a aidé le bon peuple chrétien à vivre avec le péril turc à l’horizon sans en être trop démoralisé[78]. Ferner werden Reiseberichte veröffentlicht, so die Peregrination von Nicole Huens (1508, 1517, 1600), 1519 erscheint das Petit Traicté de l’origine des Turcqz von Théodore Spandouyn oder Antoine Geuffroys Briefue description de la court du grant Turc in Paris 1542[79].

Das Interesse an der osmanischen Großmacht ist so groß, dass zwischen 1480 und 1609 in Frankreich „ deux fois plus de livres sur les Turcs et sur l’Empire turc, que sur l’Amérique[80] publiziert werden. Das Spektrum der Türkendrucke reicht dabei von Flugblättern mit den neuesten Nachrichten über Kriegsereignisse, Chroniken, Reise- und Pilgerberichten und theologischen Werken bis zu innerchristlichen Kampfschriften zwischen Kurie und Protestanten. Allerdings anders als in den Gebieten des Reiches ist die Diskussion in Frankreich zumeist nur akademisch.

Aufschlussreich für die Haltung der öffentlichen Meinung in Frankreich gegenüber der französisch-osmanischen Allianz ist, dass sich kaum jemand öffentlich zu diesem Bündnis bekennt. Die Allianz wird in der Öffentlichkeit sogar verneint.[81]

1533 hat der römisch-deutsche König Ferdinand I. mit dem Sultan einen Waffenstillstand geschlossen, der aber nicht im Interesse Franz I.’ ist. Daher führt Franz I. im gleichen Jahr Verhandlungen mit Hayreddin Barbarossa. Im Oktober 1534 landet daher in Marseille eine osmanische Gesandtschaft. Der Bevölkerung werden feindliche Äußerungen verboten, und die Gesandten können Marseille durchqueren „ commo si fosson en Constantinople[82]. Der französische Seemann Honoré de Valbelle notiert vier Jahre später im Mai 1538 über das Einlaufen dreier osmanischen Galeeren im Hafen von Marseille.

Leur venue ne me plaît point car ce sont méchantes gens et hors la foi. Ces galères étaient chargées de bonnes marchandises, lesquelles avaient été dérobées à de pauvres chrétiens, et avec cela, il y avait quantité de chrétiens, femmes et enfants, lesquels avaient été dérobés chez Génois et Espagnols. Dieu leur donne la grâce de s’échapper de leurs mains![83]

Auch die Überwinterung der osmanischen Flotte 1543/44 in Toulon wird von der betroffenen Bevölkerung mit mehr oder minder offen gezeigter Ablehnung hingenommen, da die Einladung auf Wunsch des Königs erfolgt:

après avoir entendu le contenu en aulcunes lettres patentes du roy nostre seigneur, […] par lesquelles est mandé et commandé à toutes personnes généralement dudict Thoulon, de desloger et vuider ladicte ville, personnes et biens tout incontinent, à poyne de la hard en désobéyssance.[84]

Ferner sollen die Bewohner die Stadt verlassen, so dass sie nicht „ demeurer et converse ensemble la nation turquesque[85].

Der Stadtrat von Toulon ergreift bei der Ankunft von Baron de La Garde die Gelegenheit, sich bei ihm über die Türken zu beschweren, über „ la gaste des olivierts, qui sont journallièrement mangés par les estrangiés[86]. Ein Augenzeuge berichtet über Toulon „ à veoir Tollon, on diroit estre Constantinople, chascun faisant son mestier et faict de marchandise turquesque avec grande police et justice[87].

Abgesehen von der Ermordung von osmanischen Soldaten in der Nähe von Castellet bei Apt am Luberon kommt es allerdings zu keinen Zwischenfällen. Der Vorfall wird schließlich von einer französisch-osmanischen Kommission untersucht und die Schuldigen werden inhaftiert.

Allerdings wird nicht nur Verachtung und Missgunst gegenüber den Fremden empfunden. Baron de la Garde schreibt bewundernd über die osmanische Armee in Toulon „ Jamais armée ne vesquist plus estroictement ny avec meilleur ordre que ceste là.“[88]

Hat schon das offensichtliche Zusammengehen des französischen Königs mit dem Sultan verbreitet Kritik in Europa provoziert, so wird die Stationierung der osmanischen Flotte im französischen Mittelmeerhafen als ein unerhörter Vorgang empfunden. Die Anwesenheit der osmanischen Armee in Toulon führt dazu, dass in Bern Tanz, Lieder und Volksbelustigung untersagt werden, um ein gottgefälliges Leben zu führen.[89] In dem Trialogue ou ambassade du Roy François I en Enfer (1544) soll ein Gesandter Franz’ I. den Teufel um Hilfe bitten gegen seine Feinde. Der Teufel verlangt aber im Gegenzug Geiseln. Doch wird am Wort des Königs gezweifelt, da er bereits Gott und die Menschen betrogen habe, warum soll er auch nicht den Teufel betrügen.[90]

Der Reformator der romanischen Schweiz Guillaume Farel schreibt am 30. Mai 1544 an Calvin:

Debarqués en France, les Turcs ont la liberté d’observer toutes leurs pratiques impies, tandis que nos amis les hommes qui connaissent la vraie piété qui recherchent uniquement la gloire du Christ, sont non seulement empêché de célébrer son culte, mais persécutés de la façon la plus cruelle et cele dans le royaume et sous l’autorité de celui qu’on appelle le roi Très Chrestien![91]

Karl V. ersucht Papst Paul III. (1534-1549), Franz I. als Feind der Christenheit zu verurteilen. Auf das mehrfache Verlangen des Kaisers hin rügt Paul III. öffentlich das Türkenbündnis des französischen Königs.[92]

Für Pierre de Bourdeille Abt von Brantôme[93] besteht die Allianz zwar aus „ ce grand Roy [Franz I.] estoit bon et miséricordieux, et l’autre [Süleyman] estoit un tyran et cruel[94] und beklagt

le Roy François […] appeller et emprunter les forces du Grand Sultan Solyman […]; ce qui lui redonda à reproche d’appeller un chien pour deffaire le chrestien […] au lieu qu’auparavant de chrestien à chrestien, la guerre en estoit beaucoup plus douce et honneste. Si ne sçauroit-on blasmer le Roy, que l’alliance avec le Turc aye fait des grands maux à la chrestienté[95].

Jedoch verteidigt Brantôme die Beziehungen zum Osmanischen Reich, da

quand il n’y en auroit d’autre, que d’avoir conservé le Saint Sépulcre et l’église latine de Jérusalem, que le grand Sultan voulut une fois faire du tout abbattre, ruiner, et en abolir et deffendre les voeux qui s’y font tous les ans, ce que le Roy empescha pas ses prieres, solliocitations et ambassades, c’est un très-grand et signalé service pour toute la chrestienté.“[96]

Der französische Gesandte Jean de Montluc[97] berichtet über die Fahrt mit Hayreddin Barbarossa nach Konstantinopel 1536, dass er von Hayreddin Barbarossa „ pour tout le chemin il m’a traicté tant honnorablement qu’il n’est possible de plus[98]. Sehr drastisch äussert sich dagegen der französische Botschafter Jean Cavenac de La Vigne, der sich seit 1557 in Konstantinopel aufhält. In seinen Berichten spricht er fast ständig von hündischen Barbaren. Er beklagt sich über die Arroganz des Sultans, der sich wie ein Esel benehme: „ Le Grand Seigneur, qui est superbe et opiniastre comme le diable, et fantastique comme un mulet[99]. Er ist überzeugt, dass der Sultan es allein dem französischen König zu verdanken hat, wenn er Ofen und andere wichtige Festungen in Ungarn besitzt. Außerdem schätzt La Vigne, dass die Christenheit die Osmanen innerhalb eines Sommers nach Asien zurückzudrängen könne, da

ils n’ont ordre ny discipline aulcune, et n’ont accreu et conservé leur empire que par les dissentions de chrestiens, lesquels en un esté, quand ils se voudroient accorder avec moins de force qu’on ne pense, sont bastans de les ruiner et chasser de tous ces païs jusques en Asie.[100]

Die französische Diplomatie nützt angesichts der wachsenden Kritik an der französisch-osmanischen Kooperation alle Möglichkeiten, um den Beschuldigungen entgegenzutreten und die Politik des Königs zu rechtfertigen.

Der Memoirenschreiber und Marschall von Frankreich, Blaise de Lasseran de Massencoure, Seigneur de Montluc (1500-1577), Bischof von Valence, verteidigt die Allianz als eine Notwendigkeit, um sich gegen den Kaiser zu wehren:

Tous les princes chrestienes qui soustenoint le party de l’Empereur faisont grand cas de ce que le Roy nostre maistre avoict employé le Turc à son secours: mais contre son ennemy on peult de tous bois fere flesches. Quant à moy, si je pouvais appeler tous les esprits des enfers pour rompre la teste à mon ennemy, qui me veult rompre la mienne, je le ferois de bon cœur: Dieu me le pardoint![101]

Auch sein Bruder stellt die Allianz vor dem venezianischen Senat 1544 als eine Notwendigkeit dar:

le Roy, sans prédjudice du nom et de l’honneur de Très Chrestien, a accepté les forces qui lui ont esté envoyées par le Grand Turc; […] ce secours a esté plus utile que dommageable à la Chrestienté. […] c’est que le majesté du Roy, non pour ambition de dominer, non pour se venger des injures receues, non pour s’investir du bien d’autruy, non pour recouvrer ce qu’injustement luy a esté usurpé, mais seullement a retenu ce secours pour se deffendre, […] pour deffendre son royaume, lequel l’Empereur, de tousjours, avec des violences ouvertes, avec des cautelles secrettes, avec des intelligences des trahisons, contre toute raison et justice, a cerché de ruyner.“[102]

Ferner fügt er ein Beispiel von der kaiserlichen Plünderung in Italien hinzu, um damit die Vorwürfe gegen die Allianz abzuschwächen.

y a seullement quelques mois que les Tudesques, qui disoint aller à Carignan fere leurs pasques, […] qui avoint si vilainement taché l’honneur de voz subjects et si meschamment pillé leur bien, desployarent une partie de leur rage contre les esglises, coupant avec ung grand vitupère et mespris de la religion chrestienne, les oreilles, le nez et les bras des crucifix et des aultres images qui représentoint les saincts qui sont au ciel.“[103]

Eine weitere Gelegenheit zur Verteidigung der französischen Politik bietet der Reichstag von Nürnberg. Franz I. wendet sich in einem Schreiben vom 9. Januar 1543 an die Reichsstände, um sich gegen die kaiserlichen Anschuldigungen und Vorwürfe zu verteidigen. Kein christlicher Fürst sei von der „ alliance ou société avec le Turc[104] ausgeschlossen. Franz I. beklagt sich über die Angriffe auf sein Königreich „ Vous sçavez aves quelle fureur et violence il se jeta sur le royaume de France, et n’y a personne de vous qui n’ait ouy réciter la cruelle et abominable entreprise qui avoit esté faicte contre moy[105] und über die Ermordung seines Botschafters Rincon durch Soldaten des Kaisers. Ferner wirft Franz I. dem Kaiser vor „ qu’il n’y a pas d’autres que l’empereur Charles qui ait attiré contre les chrestines les Turcs, qui sont comme enragez de l’outrage qu’ils ont receu[106].

Trotz der Verteidigung der französischen Politik wird Franz I. auf dem Reichstag zum Feind der Christenheit erklärt. Man solle ihm den Ehrentitel christianissimus absprechen.[107]

Der innerfranzösischen Kritik tritt eine 1544 veröffentlichten Schrift Apologie en défense, pour le Roy, fondée sur texte d’évangile, contre ses ennemys & calumniateurs entgegen, in welcher der Autor den französischen König mit einem kranken Mann vergleicht, der von seinen Ministern beraubt wird und im Türken seinen guten Samariter gefunden habe, der ihm auch gegen die Machenschaften Karls V. zur Seite stehe.[108]

Bei allem Geschick der französischen Diplomatie und der königlichen Publizistik, die Kooperation mit den Osmanen als durch die politischen Verhältnisse im Kampf gegen das Haus Habsburg erzwungenes Mittel darzustellen, lassen die Verteidigungs- und Rechtfertigungsbemühungen auf französischer Seite ein gewisses Unbehagen erkennen.

Man hat sehr wohl das Gefühl, eine mit den Interessen der Christenheit nicht konforme Politik zu betreiben, und macht sich Sorgen um die Reaktionen, die diese Politik in Europa auslöst. So empfindet Frankreich die raren Gesandtschaften des Sultans am Königshof als peinliche Belästigung.[109]

Wird man meinungsbildend oder -beeinflussend tätig, so ausschließlich in defensiver Weise zur Abwehr von Anschuldigungen und militanten Verurteilungen des umstrittenen Türkenbündnisses, das zudem seit den Religionskriegen zum beliebten Aufhänger innerfranzösischer Polemik wird.[110] Dies zeigt sich an der ansteigenden Zahl der überlieferten Schriften, die die Türken in Polemiken thematisieren. Von katholischer wie von protestantischer Seite wird das Argument verwendet, dass die gegnerische Konfession der türkischen Religion ähnelt. So wird nach der Bartholomäusnacht dem französischen König vorgeworfen, er verhalte sich wie ein tyrannischer Sultan[111]. Englische Theologen prägen schließlich am Ende des 16. Jahrhunderts für die protestantische wie auch katholische Seite die Begriffe calvinoturcismus und turcopapismus.[112] Der Türke dient daher in den französischen konfessionellen Auseinandersetzungen im wesentlichen als eine Argumentationshilfe.

Indessen ist nicht zu leugnen, dass die französische Krone im 16. Jahrhundert gegen alle konkreten Bemühungen der europäischen Fürsten und Mächte eine gewisse Distanz zur Abwehr der Türkengefahr wahrt. Das schliesst aber nicht aus, dass französische Untertanen offen am aktiven Kampf gegen die Osmanen teilnehmen. So besteht ein großer Teil des Johanniterordens, der gegen die Osmanen und ihre nordafrikanischen Satelliten im Mittelmeer kämpft, aus französischen Untertanen. Umgekehrt dient der Orden als Ausbildungsstätte für angehende französische Marineoffiziere. Die starke Beteiligung französischer Adliger an Seeunternehmungen des Ordens gegen die Osmanen belastet selbstredend die französisch-osmanische Kooperation.

Insgesamt gesehen bringt die französische Krone das psychisch-taktische Kunststück fertig, mit dem Sultan mehr oder minder freundschaftlichen Kontakt zu halten, ohne aber die konventionelle Türkenfeindlichkeit aufzugeben, und ohne auf den ideellen Anspruch auf die führende Rolle im Falle eines Kreuzzuges gegen das Osmanische Reich zu verzichten.

1.1.4 Die französisch-osmanische Allianz – „ une source de bonheur “ ?

Hier stellt sich nun die Frage nach der Natur dieser Kooperation: Handelt es sich um eine Allianz, eine Freundschaft oder eine Zweckgemeinschaft, die sich gegen das Haus Habsburg richtet? Zwar berufen sich beide Seiten stets auf die „ amitié [...] source de bonheur[113][114], doch ruht diese Kooperation auf wackligen Beinen. Eine festgeschriebene französisch-osmanische Allianz besteht entgegen einer bis in die Gegenwart weit verbreiteten Annahme weder im 16. Jahrhundert noch zu einem späteren Zeitpunkt. Für eine tiefgehende Freundschaft und gegenseitiges Vertrauen zwischen Lilie und Halbmond fehlt jenes Fundament, das die Überbrückung der kulturell-religiösen Kluft und eine Vermeidung der resultierenden Missverständnisse ermöglicht hätte. Es liegt auch nicht in der Absicht der französischen Politik, eng mit den Osmanen zusammenzuarbeiten. Vielmehr richten sich die französischen Bemühungen in Konstantinopel darauf, den expansiven Drang der Pforte kurzfristig bei Bedarf für die eigenen Zwecke nutzbar zu machen und verstärkt in das Duell mit dem Hause Habsburg einzubinden. Ferner wäre es verfehlt anzunehmen, dass der Sultan sich bereitwillig zu uneigennützigen Erfüllungsgehilfen französischer Interessen machen lässt. Vielmehr ist zu konstatieren, dass auch die Hohe Pforte die Beziehungen zum französischen König als Instrument zur Realisierung ihrer Ambitionen nutzt.[115] Eine Verbindung mit Frankreich kann für die Durchsetzung osmanischer Interessen nützlich sein und durch den allerchristlichsten König hat die Hohe Pforte einen mächtigen und einflussreichen Gesprächspartner innerhalb der Christenheit sowie militärische Stützpunkte im westlichen Mittelmeerraum.

Der Erfolg der französischen Krone im Kampf gegen das Haus Habsburg hat eine deutliche Reduzierung der Aktivitäten der französischen Diplomatie in Konstantinopel zur Folge. So ist es verständlich, dass die Hohe Pforte auf die Versuche Frankreichs, zu einem dauerhaften Ausgleich mit der Casa de Austria zu gelangen, mit Misstrauen reagiert. Damit erklärt sich das permanente Auf und Ab in den französisch-osmanischen Beziehungen, einmal durch die sich fast ständig verändernden politischen Rahmenbedingungen, zum anderen durch die vom Kaiser betriebene Propaganda gegen die Kooperation des französischen Königs mit dem Erbfeind der Christenheit am Hof Franz I.[116]

Eine wichtige Rolle im wiederholten Scheitern der Türkenpolitik des rex christianissimus spielt auch nicht zuletzt die gewaltige Distanz zwischen dem Mutterland und der Vertretung am Goldenen Horn sowie die mangelhafte Koordinierung der beiden Wirkungskreise. Im 16. und 17. Jahrhundert sind die Nachrichtenverbindungen katastrophal[117].

Ferner erschweren die Fragen des Zeremoniells und Protokolls Verhandlungen und Gespräche. Falsch interpretierte Fragen der Etikette können den Dialog lahmlegen. Selbst Frankreich bleibt als Alliierter vom Druck des Zeremoniells nicht verschont, auch wenn die französischen Botschafter unter Berufung auf die alte Freundschaft eine bevorzugte Position in Konstantinopel haben: den Vortritt vor allen anderen Diplomaten und das Anrecht auf den Kaisertitel[118]. Allerdings führen die französischen Botschafter wie ihre Kollegen mit Pestepidemien oder Brandkatastrophen ein nicht immer erfreuliches Leben im Gesandtschaftsviertel von Petra-Galata. Überdies sind Solidarität und Zusammengehörigkeitsgefühl unter den abendländischen Diplomaten auf Grund der Rivalitäten und Vorrangstreitigkeiten gering.[119]

Wenn der französische König Franz I. und seine Nachfolger sich mit den Osmanen verständigen, um die Habsburger in die Flanke zu treffen, dann bedeutet das, dass Frankreich die osmanische Gefahr nicht ernstlich fürchtet und folglich auch nicht das Gefühl hat, Verrat an der Christenheit zu üben, wobei ein Unbehagen dabei bestehen bleibt.[120] Ferner ist die französisch-osmanische Freundschaft auch Ausdruck für einen Wandel in der Sichtweise des Abendlandes auf den Islam.

Wer in Europa also nicht direkt von der Türkengefahr betroffen ist, bleibt unbeeindruckt. Wer empfindet die Türkengefahr als Bedrohung? Vor allem und konkret die Bevölkerung, die mit der osmanischen Gewalt in Berührung gekommen sind. Die Krisengebiete in der Auseinandersetzung am Ende des 15. Jahrhunderts und während des ganzen 16. Jahrhunderts sind die italienischen Küsten, die Grenzländer des Reiches und Südspanien. In diesen drei Gebieten ist die Furcht vor den Osmanen lebendig und real, und nicht nur durch Flugschriften oder Predigten propagiert.[121]

1.2 Gabriel d’Aramon – französischer Botschafter an der Pforte und sein Gefolge

1.2.1 Kurzbiographie der Reisenden

Gabriel d’Aramon

Gabriel d’Aramon wird 1508 in Nîmes geboren. Am 6. Januar 1526 heiratet Aramon in Nîmes Dauphine de Montcalm. Aramon nimmt als Kommandant an den Feldzügen des französischen Königs in der Provence 1537 und Piemont 1537/38 teil.

Bei seiner Rückkehr nach Nîmes sind Aramons Ländereien aufgekauft worden und versucht sie durch Gewalt wieder zurück zu bekommen. Dies hat zur Folge, dass Aramon am 15. August 1540 verbannt wird. Zwei Jahre später am 14. Oktober 1542 erhält Aramon einen königlichen Vergebungsbrief, jedoch werden ihm seine Ländereien nicht zurückerstattet. Aramon zieht sich nach Venedig zurück. Dort wird er im August 1541 von Guillaume Pellicier, Bischof von Maguelonne, dem französischen Botschafter in Venedig, auf verschiedene Missionen geschickt[122]. Im gleichen Jahr, am 20. November, wird Aramon als Kurier an den französischen Hof geschickt und 1543 begleitet Aramon Baron de la Garde nach Konstantinopel geschickt. Der Friedensschluss von Crépy 1544 bringt Aramon in Konstantinopel in eine prekäre Lage. Daher bittet er den französischen König, zurückkehren zu dürfen, doch erhält er keine Antwort vom König, während der Sultan ihn nicht gehen lassen will. So gibt er vor, die Bäder von Nikäa besichtigen zu wollen und kann so heimlich nach Ragusa flüchten. In Frankreich angekommen wird er vom König zum maître d’hôtel und ein Jahr später zum Botschafter ernannt.

1547 wird Aramon erneut in das Osmanische Reich geschickt. Sein Dienst als Botschafter endet 1553 mit seinem Antrag auf Rückkehr aus gesundheitlichen Gründen. Aramon zieht sich in die Provence zurück und erhält als Dank für seine Arbeit die beiden königlichen Galeeren, die ihm der König 1551 zur Verfügung gestellt hat. Im darauffolgendem Jahr stirbt Aramon.[123]

Pierre Belon

Der Botaniker Belon hält sich vom Frühjahr 1547 bis 1549 im Osmanischen Reich auf. Primäres Ziel seiner Reise ist es, die Flora und Fauna zu erforschen.

Belon wird um 1516/17 in Haut-Maine in der Gemeinde Oise geboren. 1538 tritt Belon als Apotheker in die Dienste von René Du Bellay, Bischof von Mans[124]. Zwei Jahre später begibt sich Belon nach Wittenberg, um dort den Botanikvorlesungen von Valerius Cordius zu folgen. Ferner hat er Gelegenheit, Martin Luther kennenzulernen. Von dort unternimmt Belon zwei Reisen, um die deutschen und böhmischen Böden und Pflanzen zu studieren.

1542 erhält Belon eine Stelle als Apotheker beim Kardinal von Tournon in Paris, der ihn 1542 als Diplomaten nach Bremen, nach Augsburg und 1543 in die Schweiz schickt. In Genf lernt er Calvin kennen, wird aber für sechs Monate wegen konfessioneller Streitigkeiten gefangen genommen. Nach seiner Freilassung begleitet Belon seinen ehemaligen Lehrer Cordius 1544 nach Italien. Nach dessen Tod im September bereist Belon Padua und Venedig, um die dortige Botanik zu studieren. Nach Frankreich zurückkehrt, beschliesst Belon eine Übersetzung von Paracelsus anzufertigen. Dafür will er an die beschriebenen Orte gehen, um die Pflanzen der griechischen Botaniker zu identifizieren.

Belon verdankt es Kardinal von Tournon, dass er sich als Forscher der Gesandtschaft Aramons anschliessen darf. Nach seiner Rückkehr 1550 lässt sich Belon – durch die Vermittlung des Kardinals von Tournon – in der Abtei Saint-Germain-des-Prés nieder, um dort an seinen Werken arbeiten zu können. Währenddessen unternimmt er noch zwei Reisen nach England, um sich dort der Vogelkunde zu widmen. Ferner schreibt er sich als Medizinstudent im Collège de médicine in Paris ein und beendet sein Studium im Mai 1560 mit der Licence.

1553 erscheinen Les Observations de plusieurs singularitez et choses memorables trouvées en Grece, Asie, Iudée, Egypte, Arabie, & autres pays estranges[125]. Während der Schaffensperiode von 1550 bis 1555 entstehen die meisten Schriften Belons, die hauptsächlich von der Fisch-, Vogel- und Pflanzenkunde handeln[126].

1557 begibt sich Belon in die Auvergne, in die Dauphiné und in die Schweiz, um die dortigen Nadelbäume zu studieren, und reist im darauffolgendem Jahr erneut nach Italien, um die botanischen Gärten zu besuchen. Im gleichen Jahr 1558 schlägt er dem König Methoden zur Akklimatisierung der Steineiche, Terpentin, Johannisbrotbaum, Platanen, Mohn und anderen Pflanzen vor in seinem Werk Les Remonstrances sur le défault du labour et culture des plantes et de la cognoissance d’icelle, contenant la manière d’affranchir et apprivoisir les arbres sauvages[127].

Bei der Thronbesteigung Franz’ II. 1559 schliesst sich Belon den Katholiken an. 1562 flieht er aus Lyon, das von Calvinisten belagert wird. Er folgt dem König zu der Belagerung Rouens und kehrt schließlich wieder nach Paris zurück. Im April 1565 wird Belon im Bois de Boulogne tot aufgefunden. Ob es Raubmord oder politisches Attentat war, wird nie geklärt.[128]

Seine vergleichenden Untersuchungen zwischen einem Menschen- und einem Vogelskelett bringen Belon den Ruf als Vater der vergleichenden Anatomie ein. Ferner ist Belon einer der ersten, der in seinen Herbarien ein Ordnungssystem einführt. Die Werke Belons sind vor allem von einem naturwissenschaftlichen Geist geprägt. So handelt ein großer Teil der Observations von Flora und Fauna im Osmanischen Reich.

Sein Werk ist in drei Bücher unterteilt, die sich an der Reiseroute orientieren: Griechenland, Kleinasien, Ägypten, Palästina und Syrien. Das erste Buch handelt von seiner Reise im Frühjahr 1547 nach Konstantinopel über Kreta, Lemnos, den Berg Athos, Saloniki, Makedonien, Thrakien und endet mit der Beschreibung der Hauptstadt, die Belon im April 1547 erreicht. Das zweite Buch widmet sich der Reise nach Ägypten über Chios und Rhodos, der Besteigung des Sinai, der Durchquerung Palästinas und Syriens und endet mit der Ankunft in Kleinasien am Taurusgebirge im Winter 1547. Das dritte Buch beschreibt „ la maniere de vivre des gents en Turquie [und] le faulx prophete Mahomet[129]. Dabei berichtet Belon nicht nur von den Türken, sondern auch von den Armeniern, Christen und Juden, die er bei seiner Reise durch Kleinasien im Frühjahr 1548 beobachten konnte. Ferner finden sich darin Bilder von exotischen Tieren und Pflanzen.

Dank der Protektion des Kardinals von Tournon muss sich Belon nicht um existentielle Fragen wie den täglichen Broterwerb kümmern und kann sich ungestört seiner Forschung widmen.

Jean Chesneau

Der Intendant Aramons hält sich vom Frühjahr 1547 bis Januar 1555 im Osmanischen Reich auf. Chesneau stammt aus einer Familie aus Chauvigny und wird um 1520 geboren. Im Dezember 1546 hält sich Chesneau am Hof von Follembray auf. Dort kann er sich der Gesandtschaft Aramons als dessen Intendant und Historiograph anschliessen.

Nach Aramons Rückkehr nach Frankreich bleibt Chesneau bis 1555 in Konstantinopel. In Frankreich wird Chesneau von der Herzogin René de France[130] in Ferrara als maître d’hôtel und schließlich als der Intendant ihrer Finanzen eingestellt. Nach dem Tod des Herzogs von Ferrara 1559 eskortiert Chesneau die Witwe nach Frankreich und dient ihr als Schatzverwalter in Montargis[131]. Unter dem Schutz der Gräfin wird Chesneau im Mai 1573 in den Adelsstand erhoben zum „ noble seigneur messire Jehan de Chesneau, chevallier de l’ordre du Roi, seigneur de Clerbaudière et de Mez-le-Maréchal, maître d’hôtel et conseiller ordinaire en la maison de Madame la duchesse de Ferrare[132].

1566 schreibt Chesneau seinen Reisebericht. Der Reisebericht bleibt jedoch bis ins 18. Jahrhundert unveröffentlicht. Charles Schefer hat sechs Manuskripte – fünf in der Bibliothèque Nationale und eines in der Biblitohèque de l’Arsenal in Paris – gefunden[133]. Das Manuskript der Bibliothèque d’Arsenal veröffentlicht Schefer 1887 unter dem Titel Le Voyage de Monsieur d’Aramon – Ambassadeur pour le Roy en Levant[134].

Das Werk ist anhand des Itinerars strukturiert und in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil berichtet über die Fahrt von Venedig nach Konstantinopel 1547. Der zweite Teil widmet sich dem Persienzug Süleymans vom Sommer 1548 bis Frühjahr 1549, sowie der Tour de Levant des Botschafters von Juni 1549 bis Januar 1550 und endet mit der Rückreise Chesneaus nach Frankreich 1555. Der Reisebericht Chesneaus ist im Vergleich zu Jacques Gassots detaillierter[135], da er sich nicht nur dem Persienfeldzug, sondern auch der restlichen Reise widmet. Allerdings liegt Chesneaus Interesse nicht darin, einen diplomatischen Bericht zu schreiben, sondern darin, das Erlebte widerzugeben und über Kuriositäten zu berichten.[136]

Jacques Gassot

Der Gesandte Heinrichs II. Gassot trifft im Januar 1548 in Konstantinopel ein und verlässt das Osmanische Reich 1550. Er schliesst sich Aramon und Chesneau an, die Süleyman auf seinem Persienfeldzug begleiten.

Gassot wird 1525 in Bourges/Berry geboren. Nach einem Studium der Mathematik und Geschichte tritt er in die Dienste der französischen Königin Eleonore von Österreich, für die er 1546 eine Pilgerfahrt ins Heilige Land unternimmt. Nach seiner Rückkehr wird er 1547 erneut im Auftrag Heinrichs II. nach Konstantinopel geschickt.

Als er 1550 nach Frankreich zurückkehrt, erhält er den Titel Commissaire extraordinnaire des guerres – außerordentlicher Kriegskommissar. Zwei Jahre später wird Gassot vom Kardinal von Tournon nach Ferrara gesendet, um sich um die Befestigungsanlagen der Stadt zu kümmern.

Nach seiner Rückkehr wird er Schatzmeister des Grafen von Alençon, François de France. 1564 befindet sich Gassot wieder in Bourges und wird Schöffe, daraufhin Bürgermeister. Gassot stirbt am 10. Oktober 1585.[137]

Gassot hinterlässt über seine Reise den Discours du Voyage de Venise à Constantinople, contenant la querele du grand Seigneur contre le Sophi: avec elegante description de plusieurs lieux, villes et citez de la Grece & choses admirables en icelle[138]. Der Reisebericht besteht aus zwei Briefen an Jacques Tiboust, escuier, Seigneur de Quantilly, Notaire & Secretaire du Roy[139]. Darin beschreibt er seine Reise nach Konstantinopel. Gassot trifft im Januar 1548 in Konstantinopel ein und hält sich bis Mai 1548 in der Hauptstadt auf. Während dem fünfmonatigen Aufenthalt hat er sich „ fort estudié et enquis de toutes choses singulieres, notables[140] so zum Beispiel über den Serail, die Hagia Sofia, das Hippodrom oder den Sklavenmarkt. Daraufhin folgt die Schilderung des Persienfeldzuges Süleymans vom Sommer 1548 bis zum Frühling 1549. Der Bericht endet mit der Ankunft im Winterquartier des Sultans in Aleppo am 22. November 1549. Gassot trifft im Januar 1550 wieder in Konstantinopel ein und kehrt im gleichen Jahr nach Frankreich zurück.

Pierre Gilles

Pierre Gilles wird 1490 in Albi geboren. Sein Interesse an der Fischkunde führt ihn 1533 nach Spanien, Italien und an die französische Mittelmeerküste. 1544 wird er von Franz I. in das Osmanische Reich geschickt, um griechische Manuskripte für die königliche Bibliothek zu erwerben. Jedoch im Osmanischen Reich angekommen, erhält Gilles keine finanzielle Unterstützung mehr. Um seinen Lebensunterhalt zu sichern, dient er in der Armee des Sultans. Nach seinem Freikauf aus der Armee durch seinen Schirmherrn, den französischen Diplomaten und Kardinal Georges d’Armagnac[141], begleitet er Aramon auf seiner Tour de Levant. Die restlichen fünf Jahre nach seiner Ankunft in Konstantinopel liegen im dunklen. Er soll mehrere Jahre in Djerba als Gefangener verbracht haben, ferner findet man Spuren von ihm in Rom, wo er sich mit dem Kardinal Armagnac trifft. Gassot stirbt 1555 in Rom.[142]

Über seinen Aufenthalt im Orient hinterlässt Gilles De topographia Constantionpoleos et de illius antiquitatibus libri IV und De Bosporo Thracio libri III (Lyon 1561)[143]. Dabei konzentrieren sich Gilles’ Werk – der einzige in Latein verfasste Bericht – vor allem auf das klassisch-antike Konstantinopel, bei denen die Osmanen kaum erwähnt werden. Daher kann Gilles Reisebericht im Kontext der Türkenwahrnehmung keine größere Beachtung finden und außer acht gelassen werden.

Nicolas de Nicolay

Der königliche Geograph Nicolay begleitet von Sommer 1551 bis Sommer 1552 Aramon auf seiner diplomatischen Reise nach Algier, Tripolis, Malta und schließlich Konstantinopel. Er soll dem Botschafter bei den Verhandlungen unterstützen, sowie über die Befestigungsanlagen der Osmanen Bericht erstatten.[144]

Nicolas de Nicolay, Seigneur d’Arfeuille et de Bel-Air, wird 1517 in der Dauphiné, in Grave-en-Oisans in den Alpen geboren und erhält seine Ausbildung sowie Zeichenunterricht in Lyon. 1542 heiratet Nicolay Jeanne de Steultinck, die Witwe des Gouverneurs von Utrecht. Im selben Jahr schliesst sich Nicolay der königlichen Belagerung von Perpignan und ein Jahr später 1543 der Belagerung von Nizza an. Während der nächsten fünfzehn bis sechzehn Jahre bereist er Deutschland, Dänemark, Schweden, England, Schottland und Spanien. Dabei ist der Anlass der Reisen stets politischer Natur.

1546 begleitet Nicolay Lord Dudley nach England. Lord Dudley ist nach Frankreich für die Friedensverhandlungen zwischen Heinrich VIII. und Franz I. gekommen, die am 7. Juli in Ardres geschlossen worden sind. Zusammen bereisen sie England und Schottland, wobei sich Nicolay Karten von König James V. über Schottland aneignen kann[145] und diese dem französischen Botschafter in London, Odet de Selve[146], überreicht. Ferner informiert Nicolay den Botschafter über die englischen Pläne gegen Schottland. Am 30. Juni 1547 liefert Nicolay der französischen Flotte Information zur Belagerung und Einnahme Saint Andrews.

1550 schickt Heinrich II. Nicolay auf die Gesandtschaft Aramons mit, um als königlicher Kartograph ein Inventar aller Befestigungen des Osmanischen Reiches zu erstellen, sowie dem Botschafter bei seinen diplomatischen Aufgaben zu assistieren.

Als Nicolay nach Frankreich zurückkehrt, wird er zum Geographen und Kammerdiener des Königs ernannt und arbeitet an Werken über die Schiffahrt[147].

1567 trägt Katharina von Medici Nicolay auf, Karten über das französische Königreich anzufertigen. Jedoch kann Nicolay dieses Unternehmen nicht beenden. 1567 stellt er den Teil über Berry[148] fertig, 1569/70 über Bourbonnais[149] und 1573 für Lyon und Beaujolais[150]. Darin beschreibt er die Natur, Fruchtbarkeit, Grenzen, Verlauf der Flüsse, die Wälder der Region und erstellt einen Index über die Messen, Märkte, Gemeinden, Justiz, Länderein der Abteien und Stadtpläne.

Nicolay verbringt seine restlichen Lebensjahre in Bourbonnais, auf seinem Gut – d’Arfeuille und Bel-Air. Der Geograph des Königs stirbt am 25. Juni 1583 in Paris.[151]

Les quatre permiers livres des navigations et pérégrinations orientales erscheint 1567[152] Allerdings hat Nicolay das königliche Privileg bereits am 9. März 1555 erhalten und die Stiche sind bereits ein Jahr später fertiggestellt[153]. Der Zeitraum von zwölf Jahren zwischen königlichem Privileg und Veröffentlichung zeigt, dass der König nicht daran interessiert ist, die Anwesenheit eines französischen Botschafters bei der osmanischen Belagerung von Tripolis publik zu machen.[154]

Die Navigations sind kein homogenes Werk. Die ersten beiden Bücher verfolgen den chronologischen Verlauf der Reise von Marseille Mai 1551, Algier, Teddela, Bone, Tripolis, Cérigo, Chios, Myton, Gallipoli, Konstantinopel September 1551 nach Adrianopel Winter 1551 bis Mai 1552, dabei wird die Rückreise nicht erwähnt. Die zwei darauffolgenden Bücher sind thematisch und nach Nationalitäten aufgebaut. Sie behandeln den osmanischen Staat, die Religion und die Sitten der Türken, Armenier, Juden, Christen und Perser.

[...]


[1] Almut Höfert, Den Feind beschreiben, „Türkengefahr“ und europäisches Wissen über das Osmanische Reich 1450 – 1600, Frankfurt am Main 2003, S. 3.

[2] Die Osmanen gliedern mit Konstantinopel nicht nur eine strategisch, sondern auch eine psychologische wichtige Festung in ihr Reich ein: Mit dem Fall der Stadt, die seit dem 7. Jahrhundert immer wieder erfolgreich arabische und türkische Belagerungen abgewehrt hat, ist die letzte Insel des oströmischen Reichs aus der politischen Landschaft getilgt worden, und das Patriarchat von Konstantinopel steht nun unter muslimischer Herrschaft. Konstantinopel trägt nicht nur eine religiöse Bedeutung, es hat auch eine geo-politische und wirtschaftliche Funktion: die Stadt am Bosporus kontrolliert den Seehandel zwischen Schwarzen Meer und Mittelmeer sowie zwischen Balkan und Kleinasien. Vgl.: Almut Höfert, Das Fremde durch die Brille des Eigenen: Das mittelalterliche Erbe im europäischen Türkenbild der Renaissance, Istanbul 1995, S. 5.

[3] Daniel Goffman, The Ottoman Empire and Early Modern Europe, Cambridge 2002, S.12ff.

[4] Cornelia Kleinogel, Exotik-Erotik. Zur Geschichte des Türkenbildes in der deutschen Literatur der frühen Neuzeit (1453-1800), Frankfurt am Main, S. 5f.

[5] Höfert, Das Fremde durch die Brille des Eigenen, S. 3.

[6] Klaus Malettke, Die Vorstöße der Osmanen im 16. Jahrhundert aus französischer Sicht; in: Bodo Guthmüller (Hg.), Europa und die Türken in der Renaissance, Tübingen 2000, S. 55.

[7] Höfert, Das Fremde durch die Brille des Eigenen, S. 3.

[8] Winfried Schulze, Reich und Türkengefahr im späten 16. Jahrhundert, Studien zu den politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen einer äußeren Bedrohung, München 1978, S. 53.

[9] Franz Bosbach (Hg.), Feindbilder: die Darstellung des Gegners in der politischen Publizistik des Mittelalters und der Neuzeit, Köln 1992, Vorwort des Herausgebers S. 11.

[10] Höfert, Das Fremde durch die Brille des Eigenen, S. 7.

[11] Schulze, Reich und Türkengefahr, S. 57.

[12] In der Studie Winfried Schulze über Reich und Türkengefahr im späten 16. Jahrhundert wird der Begriff Türkengefahr als eine zentrale analytische Kategorie verwendet und zu einem etablierten Terminus in der deutschsprachigen Forschung. Schulze gebraucht diesen Begriff, um einen Kommunikationsprozess zu bezeichnen, durch welchen die osmanische Bedrohung allen Bevölkerungsgruppen vermittelt wird. Schulze, Reich und Türkengefahr, S. 46.

[13] Ebd. Malettke, Die Vorstöße der Osmanen, S. 393.

[14] Höfert, Den Feind beschreiben, S. 51.

[15] Ferner fällt bei der Herausbildung der Wahrnehmung der Türkengefahr die Erfindung des Buchdruckes stark ins Gewicht. Durch die möglich gewordene mechanische Vervielfältigung von Schriften können Informationen in einem bisher unbekannten Ausmaß verbreitet werden. Es entsteht eine neue Öffentlichkeit, in der der Türke rezipiert und instrumentalisiert wird. Höfert, Das Fremde durch die Brille des Eigenen, S. 7.

[16] Im Vergleich zu den habsburgischen Territorien ist Frankreich von kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Osmanen verschont, da es kein unmittelbarer Nachbar des Osmanischen Reichs ist.

[17] Schulze, Reich und Türkengefahr, S. 52.

[18] Clarence Dana Rouillard, The Turk in French History, Thought, and Literature (1520-1660), Paris 1940, [Repr. New York 1973].

[19] Yvelise Bernard, L’Orient du XVIe siècle à travers les récits des voyageurs français: Regards portés sur la société musulmane, Paris 1988.

[20] Jean Ceard/ Jean-Claude Margolin (Hg.), Voyager à la Renaissance, Paris 1987.

[21] Almut Höfert, Den Feind beschreiben, „Türkengefahr“ und europäisches Wissen über das Osmanische Reich 1450 – 1600, Frankfurt am Main 2003.

[22] Justin Stagl, Eine Geschichte der Neugierde – Die Kunst des Reisens 1550-1800, Weimar 2002. Peter Brenner (Hg.), Der Reisebericht – Die Entwicklung einer Gattung in der deutschen Literatur, Frankfurt am Main 1989. Geoffroy Atkinson, Les nouveaux horizons de la Renaissance française, Genf 1969. Friedrich Wolfzettel, Le discours du voyageur – Pour une histoire littéraire du récit du voyage en France, du Moyen Âge au XVIIIe siècle, Paris 1996.

[23] Frédéric Tinguely, L’écriture du Levant à la Renaissance – Enquête sur les voyageurs français dans l’Empire de Soliman le Magnifique, Genf 2000.

[24] Dominique Bertrand, Les Stratégies de Belon pour une représentation exotique; in: Nouvelle Revue du XVIe siècle N° 11, Paris 1993, S. 5-17.

[25] Michel Lésure, Les relations franco-ottomanes à l’épreuve des Guerres de Religion (1560-1594); in: Hâmit Batu (Hg.), L’Empire Ottoman, la République de Turquie et la France, Istanbul 1986, Seite 37-57.

[26] Daneben gibt es eine ausführliche Literatur, die sich mit dem französischen Türkenbild im 17. und 18. Jahrhundert auseinandersetzt, so der Essay von François Billacois, Le Turc: Image mentale et mythe politique dans la France début du XVIIme siècle; in: Revue de psychologie des peuples, Bd. 21 (1966), S. 233-246, Hélène Desmet-Grégoire, Le Divan Magique. L’Orient turc en France au XVIIIe siècle, Paris 1980.

[27] Ernest Charrière, Négociations de la France dans le Levant ou Correspondances, mémoires et actes diplomatiques, Bd. 1-4, Paris 1848-1860.

[28] Hâmit Batu (Hg.), L’Empire Ottoman, la République de Turquie et la France, Istanbul 1986.

[29] Michael Hochedlinger, Die französisch-osmanische „Freundschaft“ 1525-1792 – Element antihabsburgischer Politik, Gleichgewichtsinstrument, Prestigeunternehmen – Aufriß eines Problems; in: Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung Bd.102 (1994), S. 108-164.

[30] Klaus Malettke, Die Vorstöße der Osmanen im 16. Jahrhundert aus französischer Sicht; in: Bodo Guthmüller (Hg.), Europa und die Türken in der Renaissance, Tübingen 2000, S. 373-394.

[31] Durch das Aufleben der französischen Wirtschaft nach dem Hundertjährigen Krieg gewinnt der Levantehandel an Bedeutung, zumal seit 1481 mit Marseille durch das Anjou-Erbe ein wichtiger Mittelmeerhafen zu Frankreich gekommen ist.

[32] Die Universalmonarchie basiert auf rechtlich-theologischen Abhandlungen. Sie beansprucht die Herrschaft über den ganzen Erdkreis, sowie die Bewahrung des Frieden, der Ruhe und der Ordnung als Garant der menschlichen Gemeinschaft. Träger der Universalmonarchie ist der Kaiser, doch werden solche Ansprüche auch für den französischen König erhoben. Zudem dient der Kaiser als Verteidiger der Christenheit, worunter vor allem der Schutz und Krieg gegen den Türken verstanden wird. Die Universalmonarchie dient vor allem zu Beginn des 16. Jahrhunderts als Argumentationshilfe. Der Kaiser tritt als alleiniger Herrscher über alle Herrscher auf und ist Garant der Einheit der Menschen, zumindest der Christen. Franz Bosbach, Monarchia Universalis – Ein politischer Leitbegriff der frühen Neuzeit, Göttingen 1988, S. 39-50.

[33] Auch die protestantischen Reichsfürsten nutzen die Türkengefahr zur Stabilisierung ihrer gefährdeten Position im Reich. Vgl.: Malettke, Die Vorstöße der Osmanen, S. 374.

[34] Frankreich grenzt im Süden, Osten und Westen an habsburgische Territorien an.

[35] Höfert, Den Feind beschreiben, S. 99f.

[36] Brief Süleyman an Franz I., (1526); in: Ernest Charrière, Négociations de la France dans le Levant ou Correspondances, mémoires et actes diplomatiques, Paris 1848, Bd. 1, S. 117f.

[37] Ferenc Majoros/ Bernd Rill, Das Osmanische Reich (1300-1922), Die Geschichte einer Großmacht, Graz 1994, S. 56f.

[38] Majoros, Das Osmanische Reich, S. 239.

[39] Brief Süleyman an Franz I. (1528); in: Charrière, Négociations, Bd. 1, S. 130f.

[40] Malettke, Die Vorstöße der Osmanen, S. 379f.

[41] Der Spanier Antonio Rincon wird in Medina del Campo geboren, dient in der spanischen Armee in Italien. Er tritt in die Dienste Franz I. und wird 1522 bis 1524 als Botschafter nach Polen und Ungarn geschickt. 1528 wird Rincon zum chevalier de l’ordre de Saint-Michel, chambellan und Ratgeber des Königs ernannt. Vgl.: Jean-Louis Bacqué-Grammont, Représentant permanents de la France en Turquie (1536-1991) et de la Turquie en France (1797-1991), Istanbul 1991, S. 1f.

[42] Hayreddin Barbarossa (1466-1546) wird in Lesbos geboren und ist der Sohn einer Griechin und eines Janitscharen. 1518 errichtet Hayreddin Barbarossa in Algier eine Art Korsarenstaat. 1534 erhält er von Süleyman die Würde des Beglerbegs der Provinz Algerien und wird zugleich Admiral der osmanischen Flotte. Ferner wird ihm die Aufgabe der Reorganisation der osmanischen Flotte übertragen. Er stirbt am 7. Juli 1546. Vgl.: Andreas Rieger, Die Seeaktivitäten der muslimischen Beutefahrer als Bestandteil der staatlichen Flotte während der osmanischen Expansion im Mittelmeer im 15. und 16. Jahrhundert, Berlin 1994, S. 118, 133, 143. Majoros, Das Osmanische Reich, S. 38.

[43] Nach dem Tod Francesco Sforzas brechen die Streitigkeiten um das Herzogtum Mailand zwischen Franz I. und Karl V. wieder aus.

[44] Der Abt von Saint-Pierre-le-Vif-de-Sens und Ritter des Johanniterordens in Jerusalem wird von Guillaume Postel begleitet, der für die königliche Bibliothek griechische und hebräische Manuskripte kaufen soll.

[45] So bezeichnet man einen Katalog von Sonderrechten, welche die Osmanen den Untertanen europäischer Mächte auf ihrem Territorium vertraglich einräumen und der sich nicht von den mittelalterlichen Sarazenenverträgen mit den christlichen Staaten unterscheidet. Kapitulationen werden wiederholt mit Frankreich, später auch mit England, Holland und anderen europäischen Staaten vereinbart. Hierbei versteht man keine Kapitulation im üblichen Sinn, sondern es handelt sich hier um einen neutralen Begriff, weil er nur die redaktionelle Einleitung einer Urkunde in Kapitel bezeichnet. Majoros, Das Osmanische Reich, S. 57.

[46] Bereits 1523 gibt es einen Kapitulationsvertrag, der aber nicht mehr als ein Entwurf ist. André Bourde, Frankreich vom Ende des Hundertjährigen Krieges bis zum Beginn der Selbstherrschaft Ludwigs XIV. (1453-1661); in: Josef Engel (Hg.), Handbuch der europäischen Geschichte, Bd. 3: Die Entstehung des neuzeitlichen Europas, Stuttgart 1971, S. 756. — Dabei soll der Vertrag zwischen Süleyman und Franz I. nur auf Lebensdauer der Regenten gültig sein. Alfred von Overbeck, Die Kapitulationen des Osmanischen Reiches, Breslaus 1917, S.7.

[47] Jean-Louis Bacqué-Grammont, L’apogée de l’Empire ottoman: les événements (1512-1606); in: Robert Mantran (Hg.), Histoire de l’Empire Ottoman, Paris 1989, S. 152.

[48] Malettke, Die Vorstöße der Osmanen, S. 380.

[49] Josef Engel, Von der spätmittelalterlichen respublica christiana zum Mächte-Europa der Neuzeit; in: Josef Engel (Hg.), Handbuch der europäischen Geschichte, Bd. 3: Die Entstehung des neuzeitlichen Europa, Stuttgart 1971, S. 283.Overbeck, Die Kapitulationen des Osmanischen Reiches, S.8.

[50] Carl Göllner, Turcica – Die Türkenfrage in der öffentlichen Meinung Europas im 16. Jahrhundert, Bd. 3, Baden-Baden 1978, S. 116.

[51] Mailand wird dem Infanten Philipp von Habsburg übertragen.

[52] Die osmanische Flotte ist für Frankreich besonders wichtig, da 1528 die genuesische Kriegsflotte unter Andrea Doria (1466-1560) auf die kaiserliche Seite gewechselt hat. Frankreich hat damit nicht nur seinen militärischen Rückhalt, sondern auch den Schutz für seine Handelsschiffe verloren. Vgl.: Engel, Von der spätmittelalterlichen respublica christiana zum Mächte-Europa der Neuzeit, S. 282. — Die Abstimmungsschwierigkeiten und das gegenseitige Misstrauen lassen das militärische Zusammenwirken der französischen und osmanischen Flotte letzten Endes zu bloßen Episoden werden. Hochedlinger, Die französisch-osmanische „Freundschaft“ 1525-1792 – Element antihabsburgischer Politik, Gleichgewichtsinstrument, Prestigeunternehmen – Aufriß eines Problems; in: Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung Bd.102 (1994), S. 117.

[53] Majoros, Das Osmanische Reich, S. 138.

[54] Antoine Escalin des Aimars, Baron de la Garde (1497/98-1578) beginnt seine Militärkarriere 1520 und dient als Kommandant in Piemont 1537. Nach dem Tod von Rincon wird er zum procureur général und zum Botschafter an der Hohen Pforte ernannt. 1543 ist er Leutnant der französischen Flotte der Levante und ein Jahr später zum Ratgeber des Königs. Auch unter Heinrich II. dient Baron de la Garde als Leutnant der französischen Flotte. Vgl.: Roman d’Amat, Escalin des Aimars; in: Jules Balteau (Hg.), Dictionnaire de Biographie française, Bd. 11, Paris 1970, Spalte 1408-1411.

[55] Aramon kehrt 1546 nach Frankreich zurück.

[56] 1524 und 1536 fallen die französischen Truppen in das Herzogtum Savoyen ein, müssen es aber beim Friedensschluss von Crépy 1544 an Habsburg zurückgeben. Nach der französischen Eroberung Nizzas bleibt das Herzogtum Savoyen bis zum Friedensschluss von Cateau-Cambrésis 1559 unter französischer Herrschaft.

[57] François de Tournon (1489-1562) Erzbischof von Embrun 1517, Bourges 1526, Auch 1538 und Lyon 1551-1562 wird 1530 zum Kardinal ernannt. Er verhandelt die Freilassung des Königs 1525 sowie dessen Kinder. Er dient Franz I. und Heinrich II. als Ratgeber und Diplomat. Er engagiert sich auf katholischer Seite gegen die Reformation und unterstützt die Niederlassung der Jesuiten in Frankreich.

[58] François, Seigneur de la Chaussade, Baron de Fumel († 1562) wird vom französischen König Heinrich II. zum Botschafter ernannt. Von Konstantinopel aus bereist Baron de Fumel in Begleitung von Belon das Osmanische Reich und kehrt 1549 nach Frankreich zurück.

[59] Clarence Dana Rouillard, The Turk in French History, Thought, and Literature (1520-1660), Paris 1940 [Repr. New York 1973], S. 123f.

[60] Malettke, Die Vorstöße der Osmanen, S. 382ff.

[61] Turgud (1543-1565), Führer der nordafrikanischen Flotteneinheit, wählt die Insel Djerba als seinen Amtsitz. Turgud wird wahrscheinlich um 1500 als Sohn muslimischer Eltern auf Rhodos geboren. 1539 gerät er in Gefangenschaft Dorias und verbringt vier Jahre auf der Ruderbank einer Galeere. Nach seiner Freilassung wird er die rechte Hand Hayreddin Barbarossas. Vgl.: Rieger, Die Seeaktivitäten, S. 148f.

[62] Aramon und der königliche Geograph und Agent Nicolas de Nicolay verlassen Ende Mai 1551 Fontainebleau und machen einen Zwischenstopp in Avignon, um der Frau Aramons einen Besuch abzustatten, die der Botschafter seit sechs Jahren nicht mehr gesehen hat. Jedoch reisen sie nach fünf Tagen weiter. Allerdings verhindert eine Krankheit des Botschafters die Abfahrt der Gesandtschaft.

[63] Brief Heinrichs II. an den Großmeister (1551); in: Charrière, Négociations, Bd. 2, Paris 1850, S. 161.

[64] Stéphane Yérasimos, Les relations franco-ottomanes et la prise de Tripolis en 1551; in: Gilles Veinstein, Soliman le Magnifique et son temps, Paris 1992, S. 536-542.

[65] Charles Schefer (Hg.), Jean Chesneau, Le Voyage de Monsieur d’Aramon – Ambassadeur pour le Roy en Levant, Genf 1970, Vorwort des Herausgebers S. 47ff.

[66] Hochedlinger, Die französisch-osmanische „Freundschaft“, S. 114. — Papst Innozenz VIII. (1484-1492) und Papst Alexander VI. (1492-1503) halten Jem, den Bruder des Sultans Bayezid II. (1481-1512), gegen eine Pension gefangen. Ferner schlägt Alexander VI. dem Sultan vor, seinen Bruder für 300.000 Dukaten hinrichten zu lassen, doch bevor es zu einer vertraglichen Einigung kommt, stirbt Jem 1495 in Neapel. Vgl.: Rouillard, The Turk in French History, S. 29. Höfert, Den Feind beschreiben, S. 100.

[67] Bourde, Frankreich vom Ende des Hundertjährigen Krieges bis zum Beginn der Selbstherrschaft Ludwigs XIV, S. 743.

[68] Seit Philipp dem Schönen (1285-1314) führen die französischen Könige den Titel rex christianissimus. Ferner versteht sich Frankreich als die älteste Tochter der Kirche. Vgl.: Günter Vogler, Europas Aufbruch in die Neuzeit 1500-1650, Stuttgart 2003, S. 129.

[69] Malettke, Die Vorstöße der Osmanen, S. 376f.

[70] Charles Schefer, (Hg.), Le Voyage d’Outremer de Bertrandon de la Broquière – premier écuyer tranchant et conseiller de Philippe le Bon, Duc der Bourgogne, Paris 1972, S.1f.

[71] Chronique de l’abbaye de Floresse, Brüssel 1848, VIII, S. 171. Hier zitiert nach Rouillard, The Turk in French History, S. 22. — Zwar schickt der Herzog 1462 Papst Pius II. (1458-1464) eine Flotte und eine Armee, um ihn bei seinem Kreuzzug zu unterstützen, ohne sich aber selbst am Kreuzzug zu beteiligen.

[72] Hochedlinger, Die französisch-osmanische „Freundschaft“, S. 114.

[73] Franz I. an den König von Navarra (14. Dezember 1515); in: Charrière, Négociations, Bd. 1, S. 129ff.

[74] Rouillard, The Turk in French History, S. 35.

[75] Wobei 1538 in Aigues-Mortes zwischen Franz I. und Karl V. erneut Kreuzzugspläne geschmiedet werden.

[76] Hochedlinger, Die französisch-osmanische „Freundschaft“, S. 111.

[77] Rouillard, The Turk in French History, S. 65ff.

[78] Marcel Bataillon, Mythe et connaissance de la Turquie en Occident au milieur du XVIe siècle; in: Agostino Pertusi (Hg.), Venezia e l’oriente fra tardo medioevo e rinascimento, Venedig 1966, S. 470.

[79] Ferner erscheint 1540 in Paris der Reisebericht von Christoph Richer Des Coustumes et manieres de vivre des Turcs und zwei Jahre später von Bertrand de La Borderie Le Discours du voyage de Constantinople, envoyé dudict lieu à une damoyselle francoyse, Lyon 1542.

[80] Geoffroy Atkinson, Les nouveaux horizons de la Renaissance française, Genf 1969, S. 10.

[81] Göllner, Turcica, Bd. 3, S. 111.

[82] Journal manuscrit d’Honoré de Valbelle, Bibl. | Méjanes, S. 393f. Hier zitiert nach Rouillard, The Turk in French History, S. 110.

[83] Jean-Pierre Brancourt, L’esprit de croisade au siècle de Descartes, S. 64. Hier zitiert nach Malettke, Vorstöße der Osmanen, S.388.

[84] Extraits des registres des délibérations du conseil de la ville de Toulon; in: Charrière, Négociations, Bd. 1, S. 567.

[85] Ebd., S. 573.

[86] Ebd., S. 570.

[87] Ebd., S. 563.

[88] Charles Bourel de La Roncière, Histoire de la marine française, III, S. 386. Hier zitiert nach Rouillard, The Turk in French History, S. 121.

[89] Ebd., S. 127f.

[90] Göllner, Turcica, Bd.3, S. 129.

[91] Calendar of Lettres, Despatches and State Papers, S. 37. Hier zitiert nach Göllner, Turcica, Bd. 3, S. 129.

[92] Göllner, Turcica, Bd. 3, S. 130f.

[93] Pierre de Bourdeille (1540-1614) wächst am Hof der Königin von Navarra auf. 1555 wird er Abt von Brantôme und begleitet Maria Stuart 1561 nach Schottland. Er tritt dem Johanniterorden bei und beendet 1574 seine Militärkarriere. 1583 beginnt er seine Memoiren zu verfassen, die aber erst 1665 veröffentlicht werden. Vgl.: Roman d’Amat, Brantôme, Pierre de Bourdeille; in: Jules Balteau (Hg.), Dictionnaire de Biographie française, Bd. 7, Paris 1956, Spalte 1540ff.

[94] Pierre de Bourdeille de Brantôme, Vies des hommes illustres françois; in: Œuvres du Seigneur de Brantôme, Bd. 5, Paris 1587 [Repr. 1787], S. 183.

[95] Ebd., Bd. 4, S. 270.

[96] Ebd.

[97] Der Dominikaner Jean de Montluc (1508-1579), der Bruder vom Marechal Blaise de Montluc ist als Diplomat in Irland, Polen, Italien, England, Schottland und Deutschland tätig, sowie im Osmanischen Reich 1536 und 1545. 1553 wird er zum Bischof von Valence und Die ernannt. Nach dem Tod Heinrichs II. wird er der Ratgeber Katharina von Medicis. Bacqué-Grammont, Représentants permanents de la France en Turquie, S. 6.

[98] Brief Jean de Montluc an den Kardinal Jean du Bellay (1536); in: Charrière, Négociations, Bd. 1, S. 328.

[99] Brief de Jean La Vigne an den Bischof von Lovède (8. Juni 1557); in: Charrière, Négociations, Bd. 2, S. 397.

[100] Ebd.

[101] Alphonse de Ruble (Hg.), C ommentaires et Lettres de Blaise de Monluc, Maréchal de France, Bd. 1, Paris 1864, Bd. 1, S. 143.

[102] Ebd., S. 151.

[103] Ebd., S. 149.

[104] Brief Franz I. an den Reichstag von Nürnberg (9. Januar 1543); in: Charrière Négociations, Bd. 1, S. 559.

[105] Ebd., S. 559.

[106] Brief Franz I. an den Reichstag von Nürnberg (9. Januar 1543); in: Charrière Négociations, Bd. 1, S. 560.

[107] Göllner, Turcica, Bd. 3, S. 132.

[108] Höfert, Den Feind beschreiben, S. 102. Göllner, Turcica, Bd. 3, S. 130.

[109] Malettke, Die Vorstöße der Osmanen, S. 392f.

[110] Hochedlinger, Die französisch-osmanische „Freundschaft“, S. 111f.

[111] 1576 erscheint in Orleans eine Flugschrift mit dem Titel La France – Turquie, c’est à dire conseils et moyens tenus par les ennemis de la Couronne de France, pour reduire le royaume en tel estat que la Tyranie Turquesque. Hier zitiert nach Rouillard, The Turk in French History, S. 414.

[112] Michel Lésure, Les relations franco-ottomanes à l’épreuve des Guerres de Religion (1560-1594); in: Hâmit Batu (Hg.), L’Empire Ottoman, la République de Turquie et la France, Istanbul 1986, S. 39f.

[113] Brief Süleyman an Franz I. (1528); in: Charrière, Négociations, Bd. 1, Paris 1848, S. 130.

[114] Ebd.

[115] Malettke, Die Vorstöße der Osmanen, S. 378.

[116] Ebd., S. 378f.

[117] Für das 16. und frühe 17. Jahrhundert ist Venedig die Nachrichtendrehscheibe für den Levanteraum, über die auch die französische Korrespondenz mit Konstantinopel abgewickelt wird. Erst im Laufe des 18. Jahrhunderts reduziert sich die Übermittlungsdauer von ursprünglich zwei bis vier Monaten auf etwa dreißig Tage. Hochedlinger, Die französisch-osmanische „Freundschaft“, S. 110.

[118] Der römische deutsche Kaiser erhält 1606 im Frieden von Zsitva Torok und der russische Zar 1774 den Kaisertitel am osmanischen Hof.

[119] Hochedlinger, Die französisch-osmanische „Freundschaft“, S. 112.

[120] Jean Delumeau, Angst im Abendland – Die Geschichte kollektiver Ängste im Europa des 14. bis 18. Jahrhunderts, Bd. 2, Hamburg 1985, S. 401.

[121] Ebd., S. 402.

[122] Neben Missionen, die Aramon für den französischen Botschafter in Venedig erfüllt, beteiligt sich Aramon an einer italienischen Koranübersetzung. Der Herausgeber Andrea Arrivabene bezeichnet sich selbst als „ l’illustrissimo signor Gabriel de Luves dr d’Aramon, consegliere della Maesta Christianissima et ambasciator aporesso il signor Turco “. Hier zitiert nach Schefer, Chesneau, Le Voyage, Vorwort des Herausgebers S. 4.

[123] Amat, Aramon, Spalte 219ff.

[124] René du Bellay (1500-1546), Bischof von Mans seit 1535 lässt den ersten botanischen Garten in Frankreich in seinem Schloß Touvoie in Savigné-l’Evêque anlegen. Fernand Letessier, Vie et survivance de Pierre Belon; in: Actes du colloque Renaissance Classicisme du Mains, Le Mans 1971, S. 108.

[125] Die Arbeit stützt sich hier auf der Erstausgabe von 1553. Weitere Auflagen erscheinen in Paris 1554, 1555, 1588, 1605; Anvers 1555; 1579 wird eine lateinische Übersetzung publiziert. Der Schriftsteller René-François Chateaubriand (1768-1848) besitzt eine Ausgabe der Observations zur Vorbereitung seiner Itinérar de Paris à Jésursalem 1811.

[126] L’Histoire naturelle des estranges poissons marins avec la vraie peincture et description du Dauphin, Paris 1551; De admirabili operum antiquorum et rerum suspiciendarum præstantia, Paris 1553, De aquatilibus Libri duo, cum eiconibus ad vivam ipsorum effigiem, quoad ejus fieri potuit expressis, Paris 1553. Eine französische Übersetzung La nature et diversité des poisons, avec leurs pourtraicts représentez au plus près du naturel, erscheint 1555 und eine lateinische 1558; L’Histoire de la nature des oyseaux, avec leurs descriptions et naïfs, Paris 1555. Portraits d’oyseaux animaux, serpens, herbes, arbres, hommes et femmes d’Arabie et Egypte … Le tout enrichy de Quatrains pour plus facile cognoissance des Oyseaux et autres Portraits, Paris 1557.

[127] 1589 erscheint eine Ausgabe in Latein und 1605 wird das Werk erneut publiziert.

[128] Roman d’Amat, Pierre Belon; in: Jules Balteau (Hg.), Dictionnaire de Biographie française, Bd. 5, Paris 1951, Spalte 1382f. Höfert, Den Feind beschreiben, S. 220f. Letessier, Vie et survivance de Pierre Belon, S. 107-128.

[129] Pierre Belon, Les Observations de plusieurs singularitez et choses memorables trouvées en Grece, Asie, Iudée, Egypte, Arabie, & autres pays estranges, Paris 1553, III, S. 169v.

[130] Renée de France (1510-1574), die Tochter des französischen Königs Ludwigs XII. und Annes von Bretagne heiratet 1528 den Herzog von Ferrara. Nach dem Tod ihres Mannes 1559 kehrt sie ein Jahr später nach Frankreich zurück.

[131] Roman d’Amat, Chesneau, Jean; in: Jules Balteau (Hg.), Dictionnaire de Biographie française, Bd. 8, Paris 1959, Spalte 1038.

[132] Hier zitiert nach Schefer, Chesneau, Le Voyage, Vorwort des Herausgebers S. 58.

[133] Ferner gibt es noch Veröffentlichungen in den Jahren 1759 und 1838.

[134] In der Arbeit wird die Neuauflage von 1970 in Genf verwendet.

[135] Chesneau stützt sich bei seinem Reisebericht vor allem auf die Arbeit von Gassot und übernimmt viele Passagen von seinem ehemaligen Reisegefährten.

[136] Friedrich Wolfzettel, Le discours du voyageur – Pour une histoire littéraire du récit du voyage en France, du Moyen Âge au XVIIIe siècle, Paris 1996, S. 63.

[137] Henri Blémont, Gassot de Deffens (Jacques); in: Jules Balteau (Hg.), Dictionnaire de Biographie française, Bd. 15, Paris 1982, Spalte 632.

[138] In der Arbeit wird die Erstauflage von 1550 verwendet.

[139] Eine zweite Ausgabe erscheint 1606 durch Francois Jacquin und eine dritte 1684 unter dem Titel Lettre écrite d’Alep en Surie par Jacques Gassot sieur de Deffens à Jacques Thoboust, sieur de Quantilly ... contenant son voyage de Venise à Constantinople, de là à Tauriz en Perse et son retour audict Alep in Bourges.

[140] Jacques Gassot, Le Discours du Voyage de Venise a Constantinople, contenant la querele du grand Seigneur contre le Sophi: avec elegante description de plusieurs lieux, villes et citez de la Grece & choses admirables en icelle, Paris 1550, S. 9r.

[141] Georges Armagnac (1500-1585) wächst am Hof von Marguerite von Navarra auf. 1530 wird Armagnac zum Bischof von Rodez ernannt. 1536 bis 1538 ist er französischer Botschafter in der Republik Venedig. 1544 wird er zum Kardinal. Vgl.: Ronny Baier, Armagnac, Georges; in: Biographisch-bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. 22, Nordhausen 2003, Spalte 39-41.

[142] A. Tétry, Gilles (Pierre); in: Jules Balteau (Hg.), Dictionnaire de Biographie française, Bd. 16, Paris 1985, Spalte 45f. Christian Jacob, Le voyage de Pierre Gilles et la tradition des géographes grecs mineurs; in: Ceard/ Margolin (Hg.), Voyager à la Renaissance, S. 65-85.

[143] Weitere Auflagen erscheinen 1632, 1699 und 1711 in Leiden. Aus Gilles’ Feder stammen noch: Lexicon graecolatinum, 1532; Divi Theodoreti epicopi Cyrensis explanationes in duodecim prophetas, 1533 u.a.

[144] Marie-Christine Gomez-Géraud/ Stéphane Yérasimos (Hg.), Dans l’Empire de Soliman le Magnifique – Nicolas de Nicolay, Paris 1989, S. 17.

[145] La navigation du roy d’Ecosse Jacques cinquiesme du nom autour de son royaume et isles Hebrides et Orchades soulz la conduicte d’Alexandre Lindsay excellent pilote escossois, Paris 1583.

[146] Odet de Selve (1504-1563) wird als französischer Gesandter 1550 nach England geschickt. Nach seiner Rückkehr wird er auf weitere Missionen nach Venedig und Rom geschickt.

[147] Double d’une missive envoyée par le seigneur Nicolas Nicolai, géographe du roi, à monseigneur du Ruys, vice-baillif de Vienne, contenant le discours de la guerre faite par le roi Henri II pour le recouvrement du pays de Boulonnais en l’an 1549, 1550 Lyon; L’art de naviguer de maistre Pierre de Medine, Lyon 1554 – übersetzt aus dem Kastillianischen ins Französische. Dieses Werk wird während des 16. Jahrhundert mehrmals neu publiziert und erscheint noch einmal im 17. Jahrhundert.

[148] Description générale du païs et duché de Berry et du diocèse de Bourges avec les cartes géographiques dudict païs, Paris 1567.

[149] Description générale du pays et duché Bourbonnais faite en l’année, Paris 1566.

[150] Généralle description de l’antique et célèbre cité de Lyon, du païs de Lyonnais et du Beaujolais selon l’assiette, limites et confins d’iceux païs, 1573 Paris.

[151] Robert Barroux, Arfeuille, Nicolas de Nicolay, sieur D’; in: Jules Balteau (Hg.), Dictionnaire de Biographie française, Bd. 3, Paris 1939, Spalte 494-503.

[152] Nicolay möchte noch einen zweiten Band schreiben über die Rückkehr aus dem Osmanischen Reich nach Frankreich, doch bleibt es nur ein Projekt. — Die Arbeit stützt sich hier auf der Ausgabe von 1576 in Averns erschienen und neuaufgelegt von Marie-Christine Gomez-Géraud/ Stéphane Yérasimos (Hg.), Dans l’Empire de Soliman le Magnifique – Nicolas de Nicolay, Paris 1989. Eine weitere Edition erscheint 1576 in Anvers: Les navigations, pérégrinations et voyages faicts en la Turquie, sowie 1586 in Antwerpen: Discours et Histoire veritable des Naviagtions. 1572 und 1576 wird es ins Deutsche übersetzt, 1585 ins Englische, 1576 ins Flämische und 1576, 1577 und 1580 ins Italienische.

[153] 1586 übernimmt Abraham de Bruyn die Stiche für sein Habits de diverses nations und 1590 der Venezianer Vecellio. Francois de Mézéray übernimmt die Stiche für seine Histoire générale des Turcs 1650 und 1662. Die Wiederaufnahme der Bilder Nicolays belegt den archetypischen Charakter der Repräsentationen der Türken.

[154] Robert Barroux, Nicolaï d’Arfeuille – Agent secret, géographe et dessinateur (1517-1583); in: Revue d’histoire diplomatique, Jg. 51, Paris 1937, S. 94.

Ende der Leseprobe aus 140 Seiten

Details

Titel
Die Wahrnehmung der Türken in den französischen Reiseberichten aus dem Umfeld der diplomatischen Missionen des Botschafters Gabriel d’Aramon 1547 bis 1553
Untertitel
Estre en Pays infideles, fort estranges & barbare: mais le tout m’ha esté pour plaisir
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Geschichte)
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
140
Katalognummer
V76821
ISBN (eBook)
9783638736763
ISBN (Buch)
9783638903752
Dateigröße
1128 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wahrnehmung, Türken, Reiseberichten, Umfeld, Missionen, Botschafters, Gabriel
Arbeit zitieren
M.A. Maria Glotzbach (Autor), 2006, Die Wahrnehmung der Türken in den französischen Reiseberichten aus dem Umfeld der diplomatischen Missionen des Botschafters Gabriel d’Aramon 1547 bis 1553, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76821

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