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Deutung frühchristlicher Bodenmosaiken

Am Beispiel der Mosaiken unter dem Dom von Aquileia

Titel: Deutung frühchristlicher Bodenmosaiken

Hausarbeit , 2007 , 49 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Caroline Reusch (Autor:in)

Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In Aquileia in Oberitalien wurde unter dem Dom aus dem 11. Jahrhundert Anfang des 20. Jahrhunderts eine Kirchenanlage aus der Zeit um um und unmittelbar nach 313 n. Chr. ausgegraben. Zwei der drei Säle des Komplexes sind mit Bodenmosaiken ausgestattet, deren sehr guter Erhaltungszustand und vor allem deren Bildmotivik mit christlichen Inhalten – darunter Darstellungen der Jonasgeschichte – es erlauben, die frühmittelalterliche Kunst des Bodenmosaiks und dabei vor allem die frühe christliche Ikonographie an der Schnittstelle der Entwicklung von der 'heidnischen' Spätantike zum christlichen Frühmittelalter exemplarisch zu beleuchten. Die Mosaiken von Aquileia stehen stilistisch in der Tradition polychromer Bodenmosaiken, wie sie im 4. Jahrhundert n. Chr. im gesamten Gebiet des römischen Reichs in privaten und öffentlichen Gebäuden verbreitet waren. Im ersten Kapitel wird ein Überblick über die Entwicklung des römischen Bodenmosaiks bis zu diesem Zeitpunkt gegeben und gezeigt, wie sich diese Kunstform von der reinen Dekorationskunst hin zum „Gedankenträger“ entwickelte, was eine Voraussetzung für die Interpretation der Aquileia-Mosaiken im christlichen Sinn ist. Die besonderen Umstände der frühchristlichen Kunst vor dem Hintergrund des „Bilderverbots“ werden erläutert, aus denen heraus sich diese nach 313 rasch in eine eigene Richtung bewegte, die in die Kunst des Frühmittelalters mündet. Es folgt die Baugeschichte der Kirchenanlage von Aquileia – mit einem kurzen Exkurs über die Problematik der ursprünglichen Entstehung – und die Beschreibung der Mosaiken unter besonderer Berücksichtigung der Motive, die gemeinhin als christlich interpretiert werden. Die Problematik dieser Deutungen wird anhand der einzelnen Darstellungen und ihrem Kontext im gesamten Mosaik unter Einbeziehung der kontroversen Forschungen behandelt. In Kapitel 4 wird schließlich dieses Deutungsproblem unter Heranziehung anderer figürlicher Bodenmosaike aus frühchristlicher Zeit, namentlich den 'Oratorien' von Aquileia (Mosaiken von Privathäusern aus dem 4. Jahrhundert) und zweier Beispiele aus England, diskutiert. Dabei geht es auch um die Frage, inwieweit die christliche Interpretation bestimmter Motive Schlussfolgerungen zum Entstehungskontext eines Mosaiks rechtfertigt. Abschließend wird ein Ausblick auf die weitere Entwicklung des Bodenmosaiks im christlichen Kontext hin zum frühen Mittelalter gegeben.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das römische Bodenmosaik – Mosaiken als Gedankenträger

2.1. Vom Emblemmosaik zum römischen Schwarz-Weiß-Mosaik

2.2. Verbindung von Motiv und Raumfunktion

2.3. Das spätantike Bodenmosaik

2.4 Bodenmosaik im Kontext frühchristlicher Kunst

3. Die christliche Kultanlage unter dem Dom von Aquileia

3.1. Historische Einordnung

3.2 Baugeschichte

3.2.1 Das 'Ursprungs'-Problem

3.3 Die Mosaiken der Nordhalle

3.4 Die Mosaiken der Südhalle

3.4.1 Bildnisse

3.4.2 'Victoria Eucharistia'

3.4.3 Der 'Gute Hirte'

3.4.4 Hahn und Schildkröte

3.4.5. Das Meerbild

4. Die Deutungsproblematik frühchristlicher Mosaiken: Aquileia und Britannien

4.1. Die 'Oratorien' von Aquileia

4.2. Die Mosaiken von Frampton und Hinton St. Mary

5. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die frühchristlichen Bodenmosaiken der Kirchenanlage unter dem Dom von Aquileia, um zu klären, inwieweit diese als christlich motivierte Kunstwerke zu deuten sind oder ob sie auf paganen Traditionen basieren, die erst nachträglich eine christliche Umdeutung erfahren haben.

  • Entwicklung des römischen Bodenmosaiks vom Emblemmosaik zum spätantiken Stil.
  • Analyse der Baugeschichte und des Mosaikschmucks der theodorianischen Anlage in Aquileia.
  • Diskussion der Deutungsproblematik anhand spezifischer Ikonographien (Jonas-Geschichte, 'Guter Hirte', 'Victoria').
  • Vergleichende Betrachtung frühchristlicher Mosaikfundstellen in Aquileia und der Provinz Britannien (Frampton, Hinton St. Mary).
  • Reflexion über die Vereinbarkeit heidnischer Bildsprache und christlicher Symbolik in der Spätantike.

Auszug aus dem Buch

3.4.5. Das Meerbild

Das größte Mosaikfeld der Südhalle, Feld I, erstreckt sich über die ganze Breite des Raumes am östlichen Ende der Halle. Dieses Mosaik ist das einzige der Südhalle, welches nicht dem 'compartmental style' entspricht, also durch die Strukturierung durch geometrische Motive beherrscht wird, sondern eine zusammenhängende großformatige Bildkomposition darstellt.

Es handelt sich um ein Meerbild, ein Bildtyp also, der, wie eingangs erwähnt, in der römischen Mosaikkunst eine lange Tradition hat.

Der weiße Hintergrund steht für das Wasser, das durch horizontale Linien aus dunklen tesserae als solches gekennzeichnet und strukturiert wird. In den Wellen tummeln sich auf engem Raum die verschiedensten Fische und Meerestiere, meist waagrecht eingelassen und damit der Ausrichtung des Mosaiks für einen Betrachter mit Blickrichtung nach Osten entsprechend. Fünf Boote schwimmen in diesem Meer, in ihnen sitzen und stehen geflügelte Putti, die mit Netzten und Angeln dem Fischfang nachgehen. Am unteren (westlichen Rand) und in der südwestlichen unteren Ecke sind noch zwei angedeutete Inselchen eingefügt, auf denen ein Putto und eine männliche Gestalt ohne Flügel mit Angeln beschäftigt sind, jeder mit einem Korb für die gefangenen Fische neben sich auf dem Boden.

Innerhalb des Meerbildes spielt sich die Jonasgeschichte in 3 Szenen ab: Jonas wird von einem Boot aus ins Meer geworfen, wo ihn der Fisch hier in Gestalt eines Seedrachen, sofort verschlingt; weiter rechts sehen wir, wie Jonas an Land gespien wird und gleich in der nächsten Szene unter der Kürbislaube ruht. Die drei Bilder gliedern sich unauffällig in die Meeres- und Fischfangszenerie ein, sie sind weder größer als die Booten mit den Anglern, noch axial angeordnet oder auf andere Art und weise hervorgehoben.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Forschungsthema der frühchristlichen Mosaiken unter dem Dom von Aquileia ein und thematisiert die Schwierigkeiten der zeitlichen und stilistischen Einordnung zwischen Spätantike und Frühmittelalter.

2. Das römische Bodenmosaik – Mosaiken als Gedankenträger: Dieses Kapitel zeichnet die stilistische Entwicklung vom hellenistischen Emblemmosaik zum flächigen monochromen und später polychromen Mosaik nach und erläutert die zunehmende Verbindung von Motiv und Raumfunktion.

3. Die christliche Kultanlage unter dem Dom von Aquileia: Das Hauptkapitel widmet sich der Baugeschichte und der detaillierten Mosaikanalyse der theodorianischen Anlage, wobei insbesondere die ikonographische Interpretation der Darstellungen in Nord- und Südhalle kritisch hinterfragt wird.

4. Die Deutungsproblematik frühchristlicher Mosaiken: Aquileia und Britannien: Hier werden die gegensätzlichen Forschungsansätze diskutiert und durch einen Vergleich mit den britischen Mosaiken von Frampton und Hinton St. Mary in einen breiteren spätantiken Kontext gestellt.

5. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass die Mosaiken von Aquileia vermutlich primär aus der antiken Tradition gewachsene Bilderwelten sind, die durch gezielte, teils nachträgliche Einfügungen erst im christlichen Kontext ihre spezifische religiöse Bedeutung erhielten.

Schlüsselwörter

Frühchristliche Kunst, Bodenmosaik, Aquileia, Theodorus, Jonasgeschichte, Spätantike, Ikonographie, compartmental style, paganer Ursprung, Christusmonogramm, Victoria, Guter Hirte, Interpretatio christiana, Mosaikwerkstätten, Antike.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die frühchristlichen Bodenmosaiken der sogenannten theodorianischen Anlage unter dem Dom von Aquileia hinsichtlich ihrer Entstehungsgeschichte und ihrer Deutung als christliche Bildwerke.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen die stilistische Entwicklung des römischen Bodenmosaiks, die Baugeschichte der Kirchenanlage von Aquileia sowie die kontroverse kunsthistorische Debatte über die ursprüngliche (christliche versus pagane) Bedeutung der Mosaikmotive.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist eine kritische Überprüfung der Einordnung dieser Mosaiken als "christliche Kunst" und die Beantwortung der Frage, ob eine christliche Umdeutung antiker Bildmotive in einer Übergangszeit stattfand.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit stützt sich auf eine kunsthistorische Analyse der stilistischen Merkmale, den Vergleich mit anderen spätantiken Mosaikfunden und eine kritische Auseinandersetzung mit der bisherigen Forschungsliteratur.

Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die Mosaikfelder der Nord- und Südhalle, beleuchtet Inschriften (wie die Theodorus-Inschrift) und ikonographische Motive wie den "Guten Hirten" oder die Jonas-Szenen.

Wodurch zeichnet sich die Arbeit aus?

Besonders sind die kritische Distanz zur einheitlichen christlichen Interpretation und der Einbezug vergleichbarer britischer Mosaikbeispiele (Frampton, Hinton St. Mary) hervorzuheben.

Welche Bedeutung hat die Theodorus-Inschrift für die Forschung?

Die Inschrift gilt traditionell als Beleg für die christliche Stiftung unter Bischof Theodorus, wird jedoch in der Arbeit aufgrund ihrer abweichenden Schräglage und Einbettung im Mosaik als mögliche nachträgliche Einfügung diskutiert.

Wie bewertet die Autorin die Jonas-Darstellungen?

Die Autorin deutet die Jonas-Szenen als einen wahrscheinlichen, nachträglichen christlichen Eingriff in ein ursprünglich neutrales oder pagan geprägtes Meeresmosaik, da die kompositorische Anordnung auf eine nachträgliche Einfügung hindeutet.

Ende der Leseprobe aus 49 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Deutung frühchristlicher Bodenmosaiken
Untertitel
Am Beispiel der Mosaiken unter dem Dom von Aquileia
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für Europäische Kunstgeschichte)
Veranstaltung
Oberseminar "Frühmittelalterliche Kunst im Adriaraum"
Note
1,3
Autor
Caroline Reusch (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
49
Katalognummer
V77018
ISBN (eBook)
9783638825405
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutung Bodenmosaiken Oberseminar Frühmittelalterliche Kunst Adriaraum
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Caroline Reusch (Autor:in), 2007, Deutung frühchristlicher Bodenmosaiken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77018
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Leseprobe aus  49  Seiten
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