Die Darstellung von Liebesbeziehungen in Adolfo Bioy Casares' Erzählungssammlung "El gran Serafín"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Motive der Liebe in El gran Serafín
2.1 Männliche und weibliche Rollen und Rollenbilder
2.2 Liebe, Abenteuer und Betrug
2.3 Enttäuschung und Entzauberung

3 Veranschaulichung der Motive in den Erzählungen aus El gran Serafín
3.1 Confidencias de un lobo: das Abenteuer und seine Entzauberung
3.2 Ad porcos: die verpasste Chance auf Liebe
3.3 El don supremo: Liebe als Belohnung, Liebe und Rollenbilder
3.4 La tarde de un fauno: Liebe und Betrug, Liebe und Rollenbilder
3.5 Los milagros no se recuperan: heimliche Liebe mit tragischem Ausgang
3.6 El atajo: Eifersucht und Rache

4 Zusammenfassung

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In Adolfo Bioy Casares’ Sammlung phantastischer Erzählungen El gran Serafín beschäftigen sich sechs Texte besonders intensiv mit dem Thema Liebe: in Confidencias de un lobo geht es um die Liebe auf Reisen und das damit verbundene Gefühl von Abenteuer sowie um Täuschung und Enttäuschung. Ad porcos hat die verpasste Chance auf die Liebe des Lebens zum Inhalt. Diese Erzählung ist außerdem sehr reich an intertextuellen Verweisen auf beispielsweise den Faust-Mythos und beschäftigt sich auch mit dem Zusammenhang zwischen Liebe und Erzählen. In El don supremo wird die Liebe als automatisierte Entlohnung für männliche Bemühungen durch eine Frau dargestellt. La tarde de un fauno behandelt die Thematik von Liebe und Betrug sowie geschlechtstypische Rollenbilder. Los milagros no se recuperan handelt von einer heimlichen Liebesbeziehung, die unglücklich endet und El atajo setzt sich mit aggressiveren Aspekten der Liebe wie Begehren, Betrügen, Rache und Bestrafung auseinander. Die Liebe und ihre Auswirkungen auf das Leben des Menschen sind zwar nicht in allen dieser Erzählungen thematischer Schwerpunkt, es begegnen dem Leser doch in allen Erzählungen verschiedene Motive der Liebe, die für die Figuren zumeist mit schmerzvollen Erfahrungen verbunden sind. Hierbei ist vor allem auffällig, dass alle der beschriebenen Liebesbeziehungen unglücklich enden oder gar nicht erst die Möglichkeit einer Entwicklung erleben. Ebenfalls interessant ist die Art und Weise, wie der Autor in seinen Kurzgeschichten gewisse mit der Liebe verbundene Klischees verarbeitet: einige werden bedient, andere wiederum werden durchbrochen, wodurch eine ständige Leseraktivität gefordert ist. Hierin zeigt sich der kreative Umgang des Autors mit bedeutsamen und in der Literatur über Jahrhunderte immer wieder aufgegriffenen Motiven der Liebe und auch mit den damit verbundenen geschlechtsspezifischen Rollen und Rollenvorstellungen. Die Bedeutung der Liebe für die menschliche Reflexion, die eben dadurch zustande kommt, dass sie nicht nur seit jeher im Focus der Literatur steht, sondern auch nur allzu häufig Ursache und Wirkung menschlichen Denkens und Handelns ist, wird in El gran Serafín besonders hervorgehoben, indem, wie im Folgenden gezeigt werden soll, sich durch alle Texte Hin- und Verweise ziehen, die ein Verbindung zwischen Liebe und Erzählen und damit zwischen Liebe und Literatur, zwischen Liebe und Kunst herstellen. Denn es wird nicht nur die Liebe selbst zum Gegenstand gemacht, sondern auch die Tatsache, dass die Liebe, gerade die unerfüllte, enttäuschte Liebe immer wieder Anlass zum Erzählen gibt. Die Gründe hierfür liegen darin, dass die Liebe eines der letzten Phänomene zu sein scheint, die der Mensch auch mit der Wissenschaft nicht durch- und überschauen kann, weil sie nicht rational begründet und begründbar sind. Sie sind daher für den Menschen schwer bis kaum zu verstehen und beschäftigen ihn aus diesem Grunde umso mehr. Die Liebe und die mit ihr verbundenen Werte und Einstellungen werden nicht nur auf soziokulturellem Wege vermittelt, sie werden auch zu großen Teilen subjektiv wahrgenommen und müssen daher individuell er- und verarbeitet werden. Das Erzählen ist die häufig genutzte Möglichkeit eines Versuchs, eben dieses zu tun. In El gran Serafín finden sich zahlreiche intertextuelle Verweise auf solche literarisch bewährten Motive der Liebe, z.B. aus der Liebesdichtung, wie etwa die enttäuschte Liebe, die Unerreichbarkeit der angebeteten Frau, der Zusammenhang zwischen Liebe und Betrug und zwischen Liebe und Leidenschaft, gerade auch in dem Sinne, dass Liebe für den Menschen nicht nur großes Glück bedeuten, sondern auch schmerzvolle Folgen haben und Leid mit sich bringen kann. Ein weiteres häufiges Motiv ist die Sehnsucht nach dem Abenteuer und dem Reiz; die Liebe kann dem Menschen eben auf Grund ihrer Unfassbarkeit und Besonderheit vieles bieten, was er ohne sie nicht lebt und erlebt und so sucht der Mensch nach ihr. Ebenfalls auffällig ist die Tatsache, dass dem Leser bei Bioy Casares zahlreiche Motive, Figuren und Erzählungen von Figuren begegnen, die zumeist pessimistisch und deprimierend wirken. Die Liebe wird in allen Erzählungen in El gran Serafín als Anlass zum Schmerz und zum Leiden dargestellt, wenngleich die Figuren, sofern sie denn die Liebe überhaupt suchen, in ihr doch das Glück und nicht dessen Gegenteil zu finden hoffen.

2 Motive der Liebe in El gran Serafín

Alle genannten Erzählungen aus der Erzählungssammlung El gran Serafín verarbeiten bestimmte (literarische) Motive der Liebe. Im Einzelnen soll auf diese in den jeweiligen Kapiteln eingegangen werden. An dieser Stelle sollen zunächst nur rasch erkennbare Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Darstellung von Liebesbeziehungen und Rollenvorstellungen aufgezeigt werden. Der Umgang mit den eben erwähnten Motiven variiert von Erzählung zu Erzählung sehr stark, so dass in einigen Erzählungen Motive der Liebe parodiert und verfremdet werden und somit die Erwartungen des Lesers durchbrechen; in anderen Erzählungen wiederum werden bestimmte Motive beibehalten. Jedoch werden zugleich schon bei einer ersten Lektüre gewisse Parallelen in nahezu allen Erzählungen erkennbar. So sind beispielweise fast alle Erzählungen, bis auf eine Ausnahme, aus einer dominant männlichen Perspektive verfasst. Die weiblichen Protagonistinnen lassen sich fast alle in das Bild einer blonden, hellhäutigen Frau von besonderer und eigener Schönheit und mit europäischem Hintergrund einordnen.

Ebenfalls auffällig ist, dass keine der in El gran Serafín beschriebenen Liebesgeschichten ein gutes Ende nimmt. Denn jede der Beziehungen hat ihre Problematik, ihre negativen, schwierigen und teilweise konfusen äußeren Umstände und ihren Schmerz.

Ein weiterer sehr wichtiger Aspekt der Darstellung von Liebesbeziehungen ist auch der Reichtum aller Texte an Metakommentaren und auch vielen intertextuellen Hinweisen zur Liebe. Den Erzählungen, die ja zumeist mehrere Handlungsebenen und unterschiedliche Erzählinstanzen haben, sind häufig Metakommentare zwischen geschaltet. Der Leser muss hier kombinieren und die Hinweise des Erzählers entschlüsseln können.

Si dentro de algunos años quiero imaginar a Margot, la memoria, fatalmente selectiva, omitirá alguna circunstancia molesta […] pero, antes de entrar de lleno en la historia galante que la concierne, permítaseme unas breves consideraciones morales. Primero la verdad, después el amor.

(El don supremo *, S. 269)

Der Erzähler zeigt sich dann, auf einer anderen Ebene, als vom erlebenden Ich der Vergangenheit distanzierte erzählende Instanz und verschafft sich so die Möglichkeit, zu kommentieren und damit sich selbst wie dem Leser das Wesen der Liebe greifbarer zu machen.

Im Folgenden sollen die zentralen Motive der Liebe, die in den Erzählungen aus El gran Serafín verarbeitet werden, dargestellt und der jeweilige Umgang mit eben diesen Motiven veranschaulicht und deutlich gemacht werden. Dies alles soll wiederum unter dem Aspekt des Zusammenhangs zwischen Liebe, Erzählen, Literatur, Kunst und Gesellschaft betrachtet werden.

2.1 Männliche und weibliche Rollen und Rollenbilder

In jeder Gesellschaft bestehen spezifische männliche und weibliche Rollenvorstellungen und Rollenbilder, welche zumeist stereotyp und klischeehaft sind. Allerdings gibt es viele unterschiedliche und mitunter auch einander entegegengesetzte und widersprechende Klischees. In El gran Serafín ist es besonders interessant zu beobachten, wie durch den spielerischen Umgang mit diesen Rollenbildern Neuartiges, Anderes geschaffen wird: denn werden Aspekte derartiger Rollenvorstellungen in einigen Erzählungen bestätigt und bestärkt, so

werden andere, z.T. sogar in der gleichen Erzählung umgekehrt und verfremdet. Der Leser ist somit stets aufs Neue gefordert, denn jedes Bild wird auf eine andere Weise verarbeitet.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Darstellung von Liebesbeziehungen in Adolfo Bioy Casares' Erzählungssammlung "El gran Serafín"
Hochschule
Universität Mannheim  (Romanisches Seminar)
Veranstaltung
Hauptseminar
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
19
Katalognummer
V77216
ISBN (eBook)
9783638812337
Dateigröße
405 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Arbeit ohne Sekundärliteratur - Anm. der Red.
Schlagworte
Darstellung, Liebesbeziehungen, Adolfo, Bioy, Casares, Erzählungssammlung, Serafín, Hauptseminar
Arbeit zitieren
Eva Fernández Ammann (Autor), 2004, Die Darstellung von Liebesbeziehungen in Adolfo Bioy Casares' Erzählungssammlung "El gran Serafín", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77216

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