Die Entwicklung der Onlineangebote von ARD und Landesrundfunkanstalten


Hausarbeit, 2004

49 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Der Beginn öffentlich-rechtlicher Netzaktivitäten
2.1 Engagement im Bildschirmtext dem ersten Onlinedienst Deutschlands
2.2 Der Schritt ins World Wide Web (WWW)
2.3 Erste Onlineangebote der Rundfunkanstalten

3 ARD.de – Das Internetportal der ARD
3.1 Start der ARD-Webpräsenz – Ein föderales Durcheinander
3.2 Einrichtung eines Dachportals der ARD-Onlineangebote
3.3 Plan und Umsetzung der ARD-Verbundstrategie
3.4 Zusatzangebote der ARD im Internet
3.5 Nächste Schritte

4 Das Informationsportal der ARD – tagesschau.de
4.1 Das Angebot der ARD-aktuell im Netz
4.2 Tagesschau.de wird unabhängiges Nachrichtenangebot
4.3 Integration des Nachrichtenportals in den ARD-online-Verbund
4.4 Journalistische Quellen und Qualität der Tagesschau.de
4.5 Spezielle Angebote und Kooperationen der Tagesschau im Netz

5 BR-Online – Angebote der Landesrundfunkanstalten
5.1 Start des Internet-Pilotprojektes BR-online
5.2 BR-online wird zum Regionalportal

6 Finanzierung der ARD-Onlineangebote

7 Rechtlicher Rahmen für die Onlineangebote
7.1 Diskurs: Streit um die öffentlich rechtlichen Onlineangebote

8 Schlussbemerkung

Literatur

1 Einleitung

Knapp 10 Jahre sind seit der Entstehung öffentlich-rechtlicher Internetangebote vergangen. Das Internet ist in diesem Zeitraum zum „dritten elektronischen Massenmedium“[1] neben Radio und Fernsehen herangewachsen und ist dabei ökonomische, politische und gesellschaftliche Prozesse zu verändern.[2] Diese Veränderungen mitzugestalten und eine „kompetente Führungshilfe durch den Informationsdschungel des Internets“[3] zu sein, war von Beginn an das Ziel, dass sich die öffentlich-rechtlichen Anstalten gesetzt hatten. Ihr Auftrag war und ist die Grundversorgung der Bevölkerung mit Informationen, Bildung und Unterhaltung auch im World Wide Web (WWW) sicherzustellen und dabei die Vorteile dieses neuen, multimedial geprägten Mediums auszunutzen.[4]

Haben die Verantwortlichen und Redakteure diesen Auftrag erfüllt? Wie haben Sie ihre Angebote geordnet und welche Strukturen haben sich herausgebildet? Sind dabei bestimmte Entwicklungsschritte erkennbar? Und wie hat sich die Online-Kommunikation vom einstigen „Individual- und Abrufmedium weiter in Richtung Massenmedium“[5] entwickelt? All diese Fragen sollen in dieser Abhandlung beantwortet werden. Da eine Gesamtbetrachtung aller öffentlich-rechtlichen Angebote zu umfangreich wäre, liegt der Fokus beispielhaft auf der Entwicklung der Seite www.ard.de und deren Ausbau zur Dachdomain der ARD. Außerdem wird näher auf das Angebot der Tagesschau als Informationsportal und auf die Onlinedarstellung des Bayerischen Rundfunks BR-online als Beispiel für ein Regionalportal eingegangen.

Im Anschluss gibt die Abhandlung einen kurzen Überblick über die Finanzierung und den rechtlichen Rahmen der ARD-Onlineangebote. Dabei soll ein Blick auf die aktuelle Diskussion über die gebührenfinanzierten Internetangebote geworfen werden. Der Streit darüber, was die Öffentlich-Rechtlichen im Internet dürfen und was sie nicht dürfen, beschäftigt inzwischen sogar die Wettbewerbskommission in Brüssel.[6] Die Kritiker und ihre Argumente werden dabei näher vorgestellt.

Auf Nutzerzahlen der Angebote wird wenn, dann nur vereinzelt eingegangen, da bis heute keine vergleichbaren Daten veröffentlicht werden. Die Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e. V. (IVW) misst nur die Besucher von Webseiten, die als Werbeträger gelten. Und dies gilt für die öffentlich-rechtlichen Angebote nicht.[7]

2 Der Beginn öffentlich-rechtlicher Netzaktivitäten

2.1 Engagement im Bildschirmtext dem ersten Onlinedienst Deutschlands

Den ersten Versuch in Deutschland einen Online-Dienst zu etablieren, startete die Deutsche Bundespost (später Deutsche Telekom AG) im Jahre 1983. Bildschirmtext (BTX) wurde dieses Angebot vom Anbieter genannt und dies war eine passende Bezeichnung. Denn mehr als die Möglichkeit Text und später statische Bilder abzurufen oder zu senden, die in vorgegebenen Masken integriert wurden, konnte mit diesem Angebot nicht geleistet werden. Die Technologie dieses Datenbanksystems war von Sam Fedida aus Großbritannien unter dem Namen Viewdata entwickelt worden. Telefon und Fernseher wurden benötigt, um diesen Dienst zu nutzen.[8] Die öffentlich-rechtlichen Anstalten und auch private Medienhäuser (z.B. FAZ -Archiv) beteiligten sich mit verschiedenen Angeboten am BTX. Die Tatsache, dass es mit Hilfe dieses neuen Mediums möglich war, Informationen von der Sendezeit unabhängig (also zeitsouverän) abrufbar zu machen und zu archivieren, war für die Redakteure interessant, da mit den bestehenden Übertragungsmöglichkeiten Radio und Fernsehen bisher nur flüchtige Informationen übertragen werden konnten. Vor allem die Angebote von Wissenschafts-, Wirtschafts- und Servicesendungen sowie mediumsbezogene Angebote nutzten die Möglichkeiten über diesen Weg ihre Inhalte zu verbreiten und waren beliebte Zieladressen der Abonnenten. Beispielhaft sollen hier der vom WDR produzierte Computer-Club und die Aktivitäten der WiSo -Redaktion des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) genannt werden.[9]

Statt der prognostizierten 3 Millionen Teilnehmer nutzten 1989 gerade 200.000 und 1993 erst 400.000 Abonnenten den inzwischen unter dem Namen Datex J firmierenden Dienst.[10] Die in das Gesamtprojekt BTX gesetzten Erwartungen wurden nicht erfüllt. Anders als in Frankreich, wo der Telétel -Dienst zu Spitzenzeiten über 6,5 Millionen Nutzer erreichte und bis zu 26.000 Dienstleistungen anbot[11], galt in Deutschland 1993 die „Einführung eines Online-Kommunikationssystems für private Nutzer [...] als gescheitert.“[12] Die Seitenerstellung über „bedienungsunfreundliche Buchstabencodes“[13] galt als nicht geeignet, größere Nutzerkreise zu erschließen.

2.2 Der Schritt ins World Wide Web (WWW)

Diese technischen Unzulänglichkeiten verschwanden Anfang der neunziger Jahre mit der zunehmenden Verbreitung des WWW und der Entwicklung kommerzieller Onlinedienste. Durch die Festlegung einheitlicher Standards und durch die Möglichkeit Bild-, Video- und Musikdaten zu komprimieren und damit grafische Benutzeroberflächen zu erzeugen, eröffneten der wachsenden Onlinegemeinde völlig neue Darstellungsformen. Mit der Entwicklung eines Webbrowsers 1993 konnten diese neuen Möglichkeiten ausgenutzt werden.[14] Die „Online-Welle“[15] schwappte nach kurzer Zeit von Amerika nach Europa und damit auch nach Deutschland über. Bereits im März 1992 hatte es in den USA eine erste Online-Radioübertragung gegeben. Nun war es neben dem Bereitstellen von Daten auch möglich Rundfunk online zu übertragen.[16]

2.3 Erste Onlineangebote der Rundfunkanstalten

Die neuen Möglichkeiten blieben den technisch interessierten Redakteuren der Sendeanstalten nicht verborgen. „Die zeitliche Unabhängigkeit und die Verknüpfung mehrerer bislang voneinander unabhängiger Medien“[17] war besonders geeignet, um das Medium Hörfunk zu ergänzen. Aber auch das Fernsehen wusste die neuen Möglichkeiten zu nutzen. Christian Schröter[18] und Karl Ewald[19] klassifizierten die Angebote der Rundfunksender zu diesem Zeitpunkt in drei verschiedene Typen: „gesamthausbezogene, programmbezogene sowie sendungsbezogene Online-Angebote.“[20] Eine beispielhafte Auswahl der öffentlich-rechtlichen Anstalten, die zu den Pionieren im Netz gehörten, soll hier kurz vorgestellt werden.

Die erste öffentlich-rechtliche Sendeanstalt Deutschlands, die einen eigenen Gesamthausauftritt im Internet realisierte, war die Deutsche Welle (DW). Unter der Domain www.dwelle.de[21] ging der deutsche Auslandsrundfunk bereits im September 1994 online, um einen Service für alle an Deutschland interessierten Ausländer anzubieten. Im Angebot konnten aktuelle Nachrichten, Kommentare und Analysen aus Deutschland und der Welt und Programmhinweise zum Deutsche Welle TV und Radio abgerufen werden.[22]

Außergewöhnlich war, dass die Deutsche Welle schon zu dieser Zeit einen Real Audio Stream ihres Radioprogramms anbot. Damit war die Möglichkeit gegeben, über einen PC mit entsprechender Ausstattung weltweit das Radioprogramm der Deutschen Welle live zu hören. Dem kosmopolitischen Gedanken entsprechend wurden neben deutschsprachigen Meldungen auch Nachrichten in Spanisch, Englisch, Russisch, Arabisch und in Portugiesisch gesendet. Außerdem gab es einen Radiosprachkurs.[23]

Bei den programmbezogenen Onlineangeboten leistete das Jugendradio des Ostdeutschen Rundfunks Brandenburg Radio Fritz Pionierarbeit. Im Herbst 1994 startete der Sender seine Präsenz mit einer kleinen Mailbox und einer Fritz -Sektion im ZiffDavis- Forum von Compuserve. Das Angebot hatte damals den Charakter eines digitalen schwarzen Brettes mit dem Nutzer und Redakteure untereinander kommunizieren konnten. Bis zum Spätsommer 1995 wurde das Angebot jedoch von einer externen Firma betreut. Erst danach begann die Redaktion von Radio Fritz, Aktionen im Radioprogramm im WWW zu begleiten.[24] Neben der Bereitstellung von Chatrooms und Foren, konnten Nachrichten, Informationen rund um den Popsender und ein Real Audio Stream mit Archiv[25] abgerufen werden.

Ähnlich wie Radio Fritz unternahm auch der Südwestdeutsche Rundfunk (SWR) Anstrengungen im Internetbereich. Das Hörfunkprogramm SWF3 war bereits in der Mailboxcommunity des FIDO-Net unter dem Namen swr3.ger vertreten.[26]

Beide Sender verbindet der „unkonventionelle Entstehungskontext“[27] ihrer Onlineangebote. Die Initialzündung zum Engagement im Netz ging bei beiden nicht vom Veranstalter selbst aus, sondern wurde von außen herangetragen. Bei Radio Fritz realisierten besonders multimedial interessierte Mitarbeiter das Onlineangebot.[28] Aber nicht nur Mitarbeiter der Sender nutzten die Möglichkeiten des neu entstandenen Mediums. In dieser Zeit entwickelten sich eine Vielzahl privat initiierter und nicht offizieller Fanseiten. Anhänger von Sendern, Sendungen oder Akteuren stellten Kommentare und Fanseiten ins WWW. Dies war bei SWR3 der Fall, denn die oben genannte Mailbox-Community wurde von Hörern gegründet. Im Herbst 1994 entstand daraus im WWW die erste inoffizielle Fanseite an der Universität Karlsruhe, die später vom Sender übernommen wurde.[29]

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) und der Bayerische Rundfunk (BR) waren die ersten Landesrundfunkanstalten, die über ein gut aufgestelltes Gesamthaus-Onlineangebot verfügten. Letzterer kündigte bereits auf der Internationalen Funkausstellung 1995 den Start des Pilotprojektes BR-online an.[30] (mehr dazu in Kapitel 5)

3ARD.de – Das Internetportal der ARD

3.1 Start der ARD-Webpräsenz – Ein föderales Durcheinander

Die ersten Angebote der Anstalten erfüllten den Zweck der Hörer- und Zuschauerbindung.[32] Dies änderte sich im Jahre 1996. Weitere Landesrundfunkanstalten boten sehr vielfältige und qualitativ sehr unterschiedliche Netzauftritte an. Dabei sah die ARD 1996 in der Onlinekommunikation mehrere entwicklungsfähige Betätigungsfelder. Zum einen sollte das Netz als Recherche- und Kommunikationsmedium für die Mitarbeiter genutzt werden. Zum anderen war der Aufbau von Serviceangeboten zusätzlich zu Radio und Fernsehen geplant. Auch die Entwicklung neuer multimedialer Formate stellte ein wichtiges Anliegen dar. Vor allem jedoch hatten die ARD-Strategen den Plan ihre Internetangebote so auszurichten, dass ihnen eine Wegweiserfunktion im Netz zukam. Auf all diesen Betätigungsfeldern wurden die einzelnen Landesrundfunkanstalten aktiv. Neben den schon fast zum Standard gehörenden Nachrichten, dem programmbegleitenden Services von aktueller Hitparade bis zu Sendemanuskripten, Foren und Moderatorenportraits versuchten sich vor allem die größeren Landesrundfunkanstalten im Aufbau von neuen Formaten, die Internet und klassische Übertragung per Radio oder Fernsehen miteinander verflochten.[33] [31]

Einige Versuche neue Wege zu gehen, sollen hier kurz erläutert und vorgestellt werden. Experimentierfreudig zeigte sich der Südwestfunk (SWF) mit SWF-Elchbox. Mit diesem Rechercheprogramm in dem mehr als 15.000 Musiktitel gespeichert waren, konnte der interessierte Nutzer nach Autoren, Plattenzugehörigkeit und Liedtexten suchen. Eine andere Herangehensweise hatte der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) der zusätzlich das MDR-Medienhaus anbot. In diesem multimedialen Rundfunkgebäude präsentierte der Sender einen Einblick in die Realität einer Rundfunkanstalt. Eine interaktive Verknüpfung zwischen Radio und Internet ging der Süddeutsche Rundfunk (SDR) mit der Radioserie Codewort Larissa ein.[34]

Im Frühjahr 1996[35] ging die Seite der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD) mit der Domain www.ard.de online. Im Vergleich zu den teilweise sehr aufwendigen und kreativen Angeboten der Landesrundfunkanstalten, fehlte es dieser Seite an inhaltlicher Vielfalt. Einer der ersten Besucher der ARD-Homepage schrieb in das Gästebuch: “Die ARD-Homepage wird jetzt total attraktiv. Der erste Sender in Deutschland von dem ich weiß, daß er sein gesamtes Videotext-Angebot ins World Wide Web gestellt hat. Genial!“[36] Dieser ironische Kommentar zur Vielfältigkeit war zu Beginn des Angebotes eine berechtigte Kritik. Denn der versprochene „handfeste Mehrwert“[37] war zu Beginn nicht zu erkennen.

Durch die Vielzahl an Angeboten, deren Umfang sich Ende 1996 auf mehrere 1.000 Seiten ausgeweitet hatte, erreichte die ARD auf allen angebotenen Seiten eine Besucherzahl von 7,5 Millionen im Juni des Jahres.[38] Bis zum Jahresende verfügten alle Landesrund-funkanstalten, die meisten Gemeinschaftseinrichtungen der ARD und der Spartensender arte über ein Onlineangebot. (siehe Abbildung 1)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: aktualisierte Darstellung nach Schröter/Ewald(1996), S. 480f. und ABC der ARD <http://db.ard.de>

Die ARD hat sich für das Mitgestalten im Onlinebereich entschieden und sieht ihre Aufgabe darin, dass sich „zumindest ein Teil der Netze nicht nur zur multikulturellen Schnatterbox, sondern auch hierzulande zu einem ernstzunehmenden Kommunikations-instrument entwickelt.“[39] Von Beginn an gab es Bemühungen die föderale Struktur der ARD auch auf Medium Internet zu übertragen. Solche Anstrengungen waren jedoch anfänglich nicht erfolgreich, da eine starke zentrale Instanz und eine arbeitsteilige Grundordnung zwischen den Anstalten fehlte. Dadurch kam es in den ersten Jahren der Netzpräsenz zu einem „föderalen Durcheinander“.[40]

Im Jahre 1998 befanden sich die Angebote der ARD inzwischen in der Ausbauphase. Anfänglich hatte diese den Charakter einer Baustelle, inzwischen war daraus ein „Werkstattcharakter“[41] geworden.[42] Trotz der Weiterentwicklung verstummten die kritischen Stimmen nicht. Udo Ulfkotte von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung kritisierte viele Homepages von TV-Sendern als „eine Ansammlung herzlos gestalteter Onlineauftritte.“[43]

3.2 Einrichtung eines Dachportals der ARD-Onlineangebote

Die Verantwortlichen der ARD nahmen diese Kritik ernst und überlegten deshalb seit längerem, wie die Onlineangebote schneller und besser verfügbar gemacht werden könnten. Ein erster Ansatz dazu war die Entscheidung der Landesrundfunkanstalten im Juli 1997 gewesen, die Onlineaktivitäten der ARD unter einer gemeinsamen Einstiegsadresse mit der Domain www.ard.de zu bündeln und zu vernetzen.[44]

Deshalb mussten Entscheidungen getroffen werden, die die Organisation der ARD im Bereich Online betrafen. Am 30. Juni 1998 beschloss die Intendantenkonferenz auf einer Sitzung in München die ARD-Dachdomain und die ARD-Online-Koordination[45] zum 1. Januar 1999 beim Südwestrundfunk (SWR) in Baden-Banden anzusiedeln. Der WDR, der SWF (später SWR) sowie die Programmdirektion Erstes Deutsches Fernsehen hatten sich um die Führung dieser Abteilung beworben.[46] Mit diesem Beschluss entschieden sich die Intendanten auch für das Onlinekonzept der Badener. Kernpunkte dieses Entwurfs zur Überarbeitung des ARD.de-Angebotes waren eine Verbesserung der Navigation, um schnell und zielgerichtet durch das Angebot zu führen. Die Kooperation mit der Firma SUN, die schon seit Beginn des WWW -Engagements der ARD technisches Know-how zur Verfügung stellte, wurde verlängert.[47] Bisher standen diese Neuerungen jedoch erst auf dem Papier fest und es sollte noch fast ein Jahr bis zu deren Umsetzung dauern.

Die Wirklichkeit sah zu diesem Zeitpunkt noch anders aus. Die Vielzahl des ARD-Angebotes erschloss sich bisher über die Seiten der Landesrundfunkanstalten und nicht über die Dachadresse. War das WWW im Jahr 1996 noch durch drei Arten von Internetangeboten charakterisiert, konnte diese Typologie im Jahr 1998 durch die themenbezogenen, zielgruppenbetonten und technologieerprobenden Internetangebote ergänzt werden. Drei Hauptbestandteile konnten bei den öffentlich-rechtlichen Angeboten identifiziert werden: Informationen zu Hörfunk- und Fernsehprogramm, Unternehmens-kommunikation und Spezialangebote, wie Videoabrufe und Zusatzseiten zu Großereig-nissen oder Themenkomplexen.[48] Zu den General-Interest-Angeboten sind Special-Interest-Seiten hinzugefügt worden. Die verschiedenen Auftritte zeichneten sich weiterhin durch große Differenzen in Inhalt und Umfang aus, was unter anderem daran lag, dass die jeweiligen Betreiber dem Engagement einen unterschiedlichen strategischen Stellenwert beimaßen.[49]

Insgesamt waren die Anstrengungen bis dato nicht ausreichend, um mit den Internetangeboten der Marktführer, z.B. Spiegel-Online[50] mitzuhalten. Der Erkenntnis nach dem Erfolg versprechenden Start „in letzter Zeit etwas abgehängt beim Internet“[51] zu sein, folgten nun massive Anstrengungen diesen Missstand zu beheben.

Der Startschuss zum Ausbau der ARD.de-Seite zur Dachdomain fiel Ende 1999.[52] Das Jahr 2000 und die ersten Monate des Jahres 2001 waren nicht nur bei der ARD.de-Redaktion, sondern in fast allen Rundfunkhäusern geprägt von organisatorischen Veränderungen.[53] Erklärtes Ziel war der Ausbau der Seiten zu attraktiven und wettbewerbsfähigen Angeboten. Außerdem sollten Strategien für Portale entwickelt und deren Finanzierung sichergestellt werden.[54] Nach der Überarbeitung wurde die Onlinewelt der ARD nun über das Portal ARD.de erschlossen. Ab diesem Zeitpunkt wurden die Unterangebote von tagesschau.de, das-erste.de, sportschau.de, ard-digital.de sowie die Angebote der Korres-pondentenwelt und des ARD-Hauptstadtstudios der Dachdomain zugeordnet.[55] Die Portalseite selbst zeigte eine andere Struktur. Die Inhalte waren nicht mehr nach Sendungen oder Einrichtungen sortiert, sondern folgten einer inhaltsorientierten Konzeption.[56] Dies ermöglichte ausgewählte Onlineinhalte der Landesrundfunkanstalten und Gemeinschaftseinrichtungen auf sechs thematisch gegliederten Ressortseiten abrufbar zu machen. Diese Ressorts teilten sich in Information, Ratgeber, Unterhaltung, Kultur, Sport und Kinder auf.[57] Zusätzlich wurde unter www.sportschau.de die Online-Sportberichterstattung der ARD realisiert. Dieses Angebot lag im Verantwortungsbereich des Westdeutschen Rundfunks.[58] Seit 2000 ist auch die Chronik der ARD – ein multimediales Register zur Geschichte der Arbeitsgemeinschaft vertreten. Mit der Neustrukturierung von ARD.de konnten mehr als 150.000 Seiten über die Einstiegsadresse erschlossen werden. Dies blieb auch den Nutzern nicht verborgen, die im Jahr 2000 dreimal so oft auf dieses Angebot zugriffen als im Vorjahr.[59]

Auch der Aufbau professioneller Strukturen machte Fortschritte. So beschloss die ARD formale Anforderungen für die Übernahme von Beiträgen der Landesrundfunkanstalten, um die Internetangebote qualitätsverbunden zu standardisieren. Hatte es zunächst wegen personeller und finanzieller Engpässe bei den Landesrundfunkanstalten Probleme gegeben, so fand man nun eine veränderte Situation vor.[60] Bis auf zwei Ausnahmen waren die Onlinebereiche inzwischen in Hauptabteilungen organisiert, die direkt den Intendanzen unterstanden. Damit war eine Voraussetzung für den Aufbau professioneller Angebote geschaffen.[61]

Im ersten Jahr des neuen Jahrhunderts unternahm die ARD somit große Anstrengungen um seine Internetangebote durchzustrukturieren und neu zu positionieren. Die Überarbeitung lief ab diesem Zeitpunkt arbeitsbegleitend ab, denn die Vorgabe über ein konkurrenz-fähiges Internetangebot zu verfügen, wurde ab diesem Zeitpunkt zur Pflicht. Im ARD-Jahrbuch heißt es dazu:„Eines ist klar: Online-Auftritte sind ein must geworden. Zuschauer und Zuhörer erwarten sie von ihren Rundfunkanstalten.“[62] Besonders vorausschauende Vertreter der ARD planten deshalb die Onlineaktivitäten zu einer dritten gleichwertigen Programmsäule neben Fernsehen und Radio auszubauen.[63]

3.3 Plan und Umsetzung der ARD-Verbundstrategie

Für die Gesamtausrichtung der ARD-Internetangebote wurde das Projekt ARD.online beim Saarländischen Rundfunk (SR) im Juni 2000 unter Leitung von Fritz Raff gestartet. ARD.online trat an, um die Angebote zu optimieren, eine ARD-Verbundstrategie zu entwickeln und die jüngere Zielgruppe für die Angebote zu gewinnen.[64] Die Adresse www.ard.de sollte Einstiegsplattfom für die gesamten Onlineangebote aller Online-angebote der Gemeinschaftseinrichtungen und der Landesrundfunkanstalten werden. Das Angebot von das-erste.de sollte beibehalten und tagesschau.de ausgebaut werden. Vor allem den Internetseiten der Landesrundfunkanstalten sollten so neue Publikations- und Verbreitungsmöglichkeiten eröffnet werden.[65] Durch eine Bündelung der Angebote sollten Synergieeffekte ausgenutzt werden.[66] Die Internetangebote der Landesrundfunkanstalten waren seit 1996 zu Regionalportalen mit Public Service Charakter ausgebaut worden.[67] „Überall in der ARD wird gekocht, geturnt, rechtsberaten, getestet, informiert und analysiert – und das auf hohem Niveau, dabei aber völlig unabhängig. Das ist ein Riesenpotenzial“[68] sagte Sönke Vaihinger[69]. Auch die multimedialen Bildungsangebote der ARD[70] erfreuten sich einem regen Interesse.[71]

Im Februar 2001 präsentierte die ARD-Online-Koordination seine Pläne für eine Neustrukturierung zum Onlineportal. Dieses Portal sollte unter dem Dach der ARD.de-Domain neben den Zusatzportalen tagesschau.de und das-erste.de weitere themenbezogene Portale (früher inhaltliche Ressorts) vereinheitlichen.[72] Im Juni des Jahres stimmten die Intendanten den finanziellen Plänen zur Umsetzung der Verbundstrategie zu. Jedoch wurden vorerst nur die Dachdomain, die Tagesschau-Seite und das Ratgeberportal aufgebaut. Die Entwicklung der Portale Sport und Börse mussten verschoben werden.[73] Die ARD tat gut daran neuerliche Anstrengungen auf dem Onlinesektor zu unternehmen, denn verglichen mit privatwirtschaftlichen Angeboten - wie Spiegel-Online oder www.rtl.de – waren ihre Angebote in der Nutzergunst weit abgeschlagen.[74]

Das neue ARD-Portal wurde am 24.August 2001 auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin mit neuer zweigeteilter Masternavigation und neuem Layout in Dienst gestellt.[75] Die herausgestellten Portale tagesschau.de und das-erste.de waren in der Kopfzeile verlinkt, inhaltlich und gestalterisch jedoch weiterhin selbständig. Die Rubriken der Navigation waren nun Information, Sport, Ratgeber, Unterhaltung, Kultur, Sport und Radio/Fernsehen.[76] In der Fußleiste jeder ARD.de-Seite fanden sich direkte Links zu den Landesrundfunkanstalten und auch unter den von ihnen zugelieferten Inhalten. Im Laufe der Zeit sollten außerdem Archivfunktion und Themenpakete erarbeitet werden. Die ARD war dem Ziel ihre Onlineangebote als „erste Adresse im Informationsbereich“[77] zu etablieren einen großen Schritt näher gekommen. Eine moderne Struktur mit klarer Hierarchie der Angebote war nun entstanden. Vor allem bei der Aufgabenabstimmung, dem Programmaustausch und dem Quellenmaterialeinkauf schöpften die verschiedenen Abteilungen ihr Synergiepotential bei weitem nicht aus.[78]

[...]


[1] Goldhammer / Zerdick (2001), S. 11.

[2] Vgl. ECC (2004), S.19.

[3] Tief, Rainer (1996), S.51.

[4] Vgl. ebenda, S. 50.

[5] Ewald / Gscheitle / Schröter (1998), S.2.

[6] Vgl. Doetz (24.4.2003), S.3 ff.

[7] Vgl. IVW(2003), S.1.

[8] Nachzulesen bei Spehr, Michael (2002), S.71.

[9] Vgl. Schröter / Ewald (1996), S.478.

[10] Vgl. Zimmer, Jochen (1995), S.476f.

[11] Schweizerischer Wissenschaftsrat (1998), S.2.

[12] Vgl. Zimmer, Jochen (1995), S.476.

[13] Ebenda.

[14] Vgl. Breunig, Christian (2003), S.385.

[15] Zimmer, Jochen (1995), S476.

[16] Vgl. ECC (1997), S.333.

[17] Tillmann, Herbert (1996), S.171 (im Interview).

[18] Zur dieser Zeit bei der Medienforschung und Unternehmensplanung des SWR.

[19] Von SWF3.online.

[20] Schröter/Ewald (1996), S.479.

[21] Heute: http://www.dw-world.de , obwohl noch über die alte Adresse erreichbar.

[22] Vgl. Schröter Schröter/Ewald (1996), S.478 ff.

[23] Vgl. Tief, Rainer (1996), S.51f.

[24] Vgl. Fritz -online-Archiv unter: http://web.archive.org/web/19980118224711/www.fritz.de/archiv/1994/index.htm.

[25] Erst seit Herbst 1997.

[26] Vgl.Schröter / Ewald (1996), S.484.

[27] Ebenda, S.479.

[28] Vgl. ebenda.

[29] Vgl. ebenda, S.484.

[30] Vgl. FAZ (26.8.1995), S.16.

[31] Schreibweise nach Impressum der ARD.de (http://www.ard.de/home/-/id=1888/5sp8sa/index.html).

[32] Vgl. Zimmer, Jochen (1995), S.484.

[33] Vgl. Tief, Rainer (1996), S. 51.

[34] Vgl. ebenda.

[35] Offizieller Start erst ab 28.August 1996 auf der CeBIT in Hannover.

[36] Premer, Uwe (28.08.1996) per Mail.

[37] Tief, Rainer (1996), S.52.

[38] Vgl. ebenda S. 53 und S.55.

[39] Tief, Rainer (1996), S. 56.

[40] Siegle, Jochen (1998), S. 62f.

[41] Ewald / Gscheitle / Schröter (1998), S.516.

[42] Vgl. ebenda.

[43] Ulfkotte, Udo (2.05.1999), S.36.

[44] Vgl. Funkkorrespondenz (1998), S. 15.

[45] Eigenständiger Beraterstab für WWW-Bereich, der Gemeinschaftsangebote und LRA beim Ausbau unterstützen sollte.

[46] ARD-Jahrbuch (1999), S.180.

[47] Vgl. Funkkorrespondenz (1998), S. 15.

[48] Ewald/Gscheitle/Schröter (1998), S. 508 ff.

[49] Vgl. ebenda S. 516.

[50] Mehr Infos dazu unter: http://www.spiegel.de/netzwelt/0,1518,k-5567,00.html (9.11.2004).

[51] Rebenstock, Frank(6.04.2001), S.1 Zitat Fritz Pleitgen.

[52] [ARD.de](2004) „Dachportal von ARD Online – ARD.de“.

[53] Vgl. Schmidt, Heidi (2001), S.22.

[54] Vgl. [ARD Jahrbuch] (2001), S.180.

[55] Vgl. Schmidt, Heidi (2001), S.18.

[56] Vgl. Vaihinger, Sönke (2000), S.88.

[57] Vgl. Schmidt, Heidi (2001), S.18.

[58] Vgl. Schmidt, Heidi (2001), S.23.

[59] Vgl. Vaihinger, Sönke (2000), S.88.

[60] Vgl. ebenda S.89.

[61] Vgl. Schmidt, Heidi (2001), S.22.

[62] Schmidt, Heidi (2001), S.19.

[63] Vgl. dazu Pleitgen, Fritz (2000), S.1 f. und [epd medien] (52/2000) S.16 f.

[64] Vgl. [Fernseh-Informationen](2002), S. 8 oder auch Vaihinger, Sönke (2000), S.91.

[65] Vgl. [ARD Jahrbuch] (2001), S.180.

[66] Vgl. [Funkkorrespondenz] (2001), S.21.

[67] Vgl. Schmidt, Heidi (2001), S.19.

[68] Prothmann, Hardy (2001), S.64.

[69] Redaktionsleiter der ARD.de-Redaktion.

[70] Siehe: http://www.br-alpha.de (BR), http://www.lernzeit (SWR), http://www.kindernetz.de (WDR).

[71] Vgl. Schmidt, Heidi (2001), S.19.

[72] Vgl. Prothmann, Hardy (2001), S.64.

[73] Vgl. [ARD-Jahrbuch](2002), S.159.

[74] Vgl. [FAZ] (27.9.2001), S.29.

[75] Vgl. Reuther, Oliver et al. (2001), S.18.

[76] Vgl. Prothmann, Hardy (2001), S.64.

[77] [Fernseh-Informationen] (2001), S.7

[78] Vgl. Raff, Fritz (2002), S.118

Ende der Leseprobe aus 49 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung der Onlineangebote von ARD und Landesrundfunkanstalten
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaften)
Veranstaltung
Seminar Öffentlich-rechtlicher Rundfunk und das Internet
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
49
Katalognummer
V77330
ISBN (eBook)
9783638823029
ISBN (Buch)
9783638824453
Dateigröße
2111 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklung, Onlineangebote, Landesrundfunkanstalten, Seminar, Rundfunk, Internet
Arbeit zitieren
Christian Schlippes (Autor), 2004, Die Entwicklung der Onlineangebote von ARD und Landesrundfunkanstalten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77330

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