Der Punk als Jugendkultur zwischen Protest und Provokation


Vordiplomarbeit, 2007
31 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Jugendsubkulturen
2.1 Begriffsbestimmung von Subkulturen
2.2 Jugend und Funktion von Jugendkulturen

3. Punk - eine provokante, protestorientierte Jugendkultur
3.1 Historischer Überblick: Entstehung und Entwicklung des Punk
3.2 Punk als Jugendkultur
3.3 Der Stil „Punk“ – Mode und Lebensart
3.4 Punkmusik
3.5 Sind Punks politisch oder unpolitisch ?
3.5.1 Punks und Anarchismus
3.5.2 Punk als politische Provokation, am Beispiel der „Chaos- Tage“
3.6 Punks − Sexismus und Feminismus

4. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mit dem Begriff Punk werden häufig Gedanken wie Abfall, Müll, Alptraum aller Eltern, Schmutz, Arbeitslosigkeit und No Future etc. verbunden. Wer als Punk tituliert wird gilt als das „Allerletzte“, doch Punk ist mehr als diese Vorurteile, es ist eine Art von Selbstverwirklichung und Freiheit.

Ich habe mich in meiner Hausarbeit für das Thema Punk entschieden, weil mich diese Jugend(sub)kultur und alles was sie ausmacht sehr interessiert. Punk gilt ja seither als der Inbegriff einer rebellischen und provokanten Jugendkultur und genau darauf möchte ich in dieser Arbeit mein Hauptaugenmerk legen. In dieser Hausarbeit soll erörtert werden, was den Protest und Provokation dieser Jugendkultur ausmacht und wie die Punks ihren Frust an der Gesellschaft zum Ausdruck bringen. Zum besseren Verständnis, soll im zweiten Kapitel zunächst die Begriffsbestimmung von Subkulturen erfolgen. Der Begriff Jugend soll geklärt werden und wie sich die Jugend im Laufe der Zeit verändert hat, sowie welche Funktionen den jugendkulturellen Gruppen zukommt. Im dritten Kapitel gebe ich zuerst eine geschichtliche Perspektive zur Entstehung und Entwicklung des Punk, wobei ich mich aber hauptsächlich an England als Entstehungsland halte. Anschließend möchte ich speziell auf den Punkt, Punk als Jugendkultur eingehen. Hier soll geklärt werden, was Punk als Jugendkultur ausmacht und was die Jugendlichen an dieser Jugendkultur anzieht. Im Punkt 3.3 befasse ich mich speziell mit der Mode und dem Lebensstil Punk. Im nächsten Punkt komme ich auf die Musik zu sprechen, da die Musik ein wichtiger Bestandteil jeder Jugendkultur ist. Ich möchte somit klären, was das Charakteristische an der Punkmusik ist und was Sie von anderer Musik unterscheidet. Im Punkt 3.5 soll die Frage geklärt werden, ob Punks nun politisch oder eher unpolitisch orientiert sind. Ich werde erläutern, was Punks unter Anarchismus verstehen und wie sie ihn umsetzen wollen. Des Weiteren werde ich versuchen, am Beispiel der Chaos−Tage in Hannover den Protest und die politische Provokation der Punks zu klären. Als letztes möchte ich das Thema der Geschlechterfrage innerhalb der Punkszene näher beleuchten. Welche Stellung nehmen Frauen und Mädchen in der Szene ein?

2. Jugendsubkulturen

2.1 Begriffsbestimmung von Subkulturen

Rolf Schwendter gilt als einer der ersten Jugendforscher, der sich ausführlich mit Jugendsubkulturen und deren Definition beschäftigte. Er definiert Subkultur als „Teilkultur einer konkreten Gesellschaft, der sich in seinen Institutionen, Bräuchen, Werkzeugen, Normen, Wertordnungssystemen, Präferenzen, Be­dürfnissen usw. in einem wesentlichen Ausmaß von den herrschenden Instituti­onen etc. der jeweiligen Gesamtgesellschaft unterscheidet“ (Schwendter 1978, S.11).

Auch die Ende der 70er entstanden Definition von „Subkultur“ als ein Aspekt von Jugend des „Centre of Contemporary Cultural Studies“, scheint bis heute noch zutreffend zu sein. Demnach ist die „Kultur“ jene Ebene, auf der gesell­schaftliche Gruppen selbstständige Lebensformen entwickeln und ihrer sozialen und materiellen Lebenserfahrung eine Ausdrucksform verleihen. Kultur sei demnach die Art und Form, in der Gruppen das „Rohmaterial“ ihrer sozialen und materiellen Existenz bearbeiten (vgl. Müller-Wiegand 1998, S.35).

Die Grundthese der Jugendkultursoziologen besagt, dass Subkulturen bzw. Ju­gendkulturen eine Übergangserscheinung zur Erwachsenenwelt seien, die über kurz oder lang in die Gesellschaft integriert werden würden (vgl. Schwendter 1978, S.29).

Dieter Baacke zum Beispiel plädiert dafür, den Begriff „Subkultur“ heute nicht mehr zu verwenden, da der Begriff „suggeriert, es handele sich um kulturelle Sphären, die unterhalb der akzeptierten elitären Kultur liegen − von teilweise zweifelhaftem Wert und jedenfalls einem irgendwie unteren Bereich zugehörig. Diese Deutung entspricht nicht den Tatsachen − wenn sie zwar häufig vertreten wird – und sollte vermieden werden“ (Baacke 1999, S.133). Laut Baacke geht die Subkultur-Theorie weiterhin davon aus, dass einzelne Subkulturen genau lokalisierbar seien. So zum Beispiel in einer bestimmten sozialen Schicht, oder auch durch politische Gesinnungen.

Dass dies aber nicht immer zutrifft, ver­sucht er am Beispiel der Punks zu erläutern, indem er Punks wie folgt be­schreibt: „Sie sind weder „links“ noch „rechts“ oder sie sind teils kommerziell, teils unabhängig, insgesamt keinem Raster einzuordnen“ (Baacke 1999, S.134). Zu dieser Aussage, werde ich noch in den nächsten Kapiteln Stellung nehmen.

Doch ein wesentliches Element der Definition von „Subkultur“ sei jedoch, so Baacke, weiterhin haltbar, nämlich die Betonung der Eigenständigkeit kultureller Systeme. Eine Betonung dieser Tatsache impliziert, dass „kulturell“ hier nicht als Überbau-Phänomen gedeutet wird, sondern als ein spezifischer Habitus, der bis in die Motive ökonomischer Lebenssicherung und politischer Selbstveror­tung hineinreicht (vgl. Baacke 1999, S.134).

Für meine weiteren Ausführungen, werde ich auch den Begriff Jugendkulturen verwenden, da mir dies passender erscheint.

2.2 Jugend und Funktion von Jugendkulturen

Bevor ich nun zur Funktion von Jugendkulturen komme, möchte ich kurz den Begriff Jugend definieren und aufzeigen, wie sich die heutige Jugend verändert hat, um die Funktion jugendkultureller Gruppen besser darstellen zu können. Laut dem Lexikon ist Jugend, „ein Wachstumsabschnitt bis zur Reife eines Lebe­wesens, beim Menschen die Phase der körperlichen und geistigen Ent­wicklung zwischen Kindheit und abgeschlossener Pubertät, aber auch des Be­ginns der Herauslösung des einzelnen aus der Familie und der Einflussnahme der Arbeitswelt auf die Entwicklung des jugendlichen Selbstverständnisses“ (Lexikon Bassermann 1991, S.336). Um seriös und gehaltvoll über Jugendkulturen und Jugendphänomene zu spre­chen, ist der Blick notwendigerweise auf die veränderten gesellschaftskulturellen Bedingungen, Verschiebungen und Wandlungen des Aufwachsens und des Lebens zu richten.

Wobei immer wieder auf den Wandel der Jugendphase hingewiesen wird (vgl. Müller-Wiegand 1998, S.30).

Bei diesem Aspekt wird von den vielfältigen gesellschaftlichen Veränderungen und einem gesellschaftlichen Strukturwandel der letzten Jahrzehnte gesprochen. Sowie auf eine fortschreitende Individualisierung der sozialen Verhältnisse, der „Brüchigkeit“ familiärer Beziehungen und der Erosion traditioneller Lebens- und Normkonzepte hingewiesen. Dies deutet darauf hin, dass die Jugendphase heute zu einem eigen­ständigen Lebensabschnitt geworden ist und die traditionellen Schemata von Jugend als Übergang von der Kindheit zum Erwachsenenalter verloren gegangen sind (vgl. Müller-Wiegand 1998, S. 30 f.). Auf der einen Seite besteht bei den Jugendlichen eine frühere soziokulturelle Verselbstständigung durch Ablösung und Abgrenzung von traditionellen Werten, familiären Bedingungen oder Neuorientierungen in Peer-Groups. Anderer­seits verlängert sich auch die finanzielle bzw. ökonomische Abhängigkeit durch längere Schul- und Ausbildungszeiten, was ja zwangsläufig eine längere Unterstützung durch die Eltern bedeutet. Das beinhaltet, dass sich ältere Jugendliche in einer historisch neuen Lebenskonstellation befinden: „sie sind soziokulturell selbstständig − ökonomisch abhängig“ (vgl. Müller-Wiegand 1998, S.31).

Die einstmals eher auf eine zielgerichtete Zukunftsplanung orientierte Jugendpha­se, ist heute eher einer breiten Gegenwartsorientierung gewichen. Herkömmliche „Lebensläufe“, im Sinne von Schule, Ausbildung, Berufstätigkeit, Heirat und Familie, haben für viele Jugendliche ihre Sinnhaftigkeit verloren. So spricht man auch von einer „Aufweichung“ traditioneller Lebensprägungen (Si­mon 1995, S.61 in: Müller-Wiegand 1998 S.32). Diese Veränderungen und Tendenzen, bergen für Jugendliche Chancen und Risiken in sich.

Die Individua­lisierung meint nach Thiersch, nicht nur die Verbesserung von Wahlmöglichkeiten und Optionen, sondern erhält auch eine herausfordernde Dimension der Neuorientierung durch die Tatsache, dass tradierte Normen und Werte als verhaltensanleitende Muster geschwächt oder nicht mehr relevant sind. Auch der Bedeutungsverlust von Sozialisationsinstanzen wie Schule, Familie, Bildung usw. trägt hierzu bei. „Jugendliche müssen heutzutage selbst zum `Regisseur` ihrer Verhältnisse werden (vgl. Thiersch 1992, S.69 in: Müller-Wiegand 1998, S.32).

Nun möchte ich zur Funktion von jugendkulturellen Gruppen kommen.

Auf dem Hintergrund des Kompetenzverlustes traditioneller Sozialisationsinstanzen, erhält die jugendkulturelle Gruppe eine bedeutende Aufgabe.

Jugendliche binden sich weniger an traditionelle Vereine oder Verbände. Sie organisieren sich immer weniger in Sportvereinen und Jugendverbänden (vgl. Müller-Wiegand 1998, S.36), was darauf hinweisen könnte, dass Vereine und Verbände nicht mehr angemessen auf die Bedürfnisse der Jugendlichen reagieren.

Aufgrund der „Brüchigkeit“ der „Lebensläufe“ der Jugendlichen, befinden sie sich heute mehr den je in einem „Balanceakt“. „Und in diesem Identitätsbildung­sprozess von Orientierung und Sinnfindung sind Lern− und Erfahrungsfelder notwendig, die Experimente und Suchbewegungen zulassen“ (Müller-Wiegand 1998, S.36). Da die Jugendlichen diese Orientierung in Vereinen und Verbän­den nicht mehr vorfinden, bekommen jugendkulturelle Gruppen zunehmende Relevanz. So können in ihnen nach innen Zugehörigkeit und nach außen Grenzlinien markiert werden. Sie dienen also als „Rahmen“, um eigene Einstel­lungen, Deutungen und Sichtweisen deutlich nach außen zu artikulieren, oder um auf gesellschaftliche Missstände hinzuweisen (vgl. Müller-Wiegand, S.37).

So kann man also abschließend sagen, dass jugendkulturellen Gruppen eine wichtige Sozialisationsfunktion zukommt. Die Gruppe gibt Sicherheit, schafft Solidarität und ein Wir-Gefühl. Doch vor allem bietet die Gruppe den Erfah­rungs- und Selbsterprobungsraum, der als wesentlicher Beitrag zur Identitätsentwicklung angesehen werden kann (vgl. Müller-Wiegand 1998, S.38).

3. Punk - eine provokante, protestorientierte Jugendkultur

3.1 Historischer Überblick: Entstehung und Entwicklung des Punk

In der Regel wird die Punkkultur mit England, speziell mit London in Verbindung gebracht. Obwohl ebenfalls Einflüsse von Musikern aus der Kunstszene Neu-Yorks wesentlich zur Entwicklung beitrugen.

Der Ursprung des „modernen“ Punks liegt in den späten 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Vorreiter dieser Zeit waren Gruppen wie: „The Stooges“, „Ramones“, „The Sonics“ oder „The Velvet Underground“, deren einfacher Sound die Musikwelt aufhorchen ließ.

Doch wirkliche Aufmerksamkeit, erlangte der Punk jedoch erst durch die Londoner Band „Sex Pistols“. Diese Band provozierte schon 1976 die britische Gesellschaft mit ihren „bissigen“ Texten. Die Musiker der Band sprachen im britischen Fernsehen das Wort „Fuck“ aus, fügten zum Queen-Jubiläum 1977 ihrem Song „God save the Queen− the fascist regime“ den Satz „no future for you“ zu. Oder sie präsentierten sich in London öffentlich mit Hakenkreuz- T-Shirts (vgl. Geiling 2000, S.168), was bei der Gesellschaft eine beabsichtigte Schockierung auslöste.

Die Entstehung der Punkkultur muss allerdings auf dem Hintergrund der gesamten wirtschaftlichen und sozialen Situation, Jugendlicher in England betrachtet werden. Welche infolge einschneidender Rezession und steigender Jugendarbeitslosigkeit, eine Sinn- und Perspektivlosigkeit mit sich führte. Viele Jugendliche fanden nach ihrer Ausbildung keine Arbeit. Hauptsächlich davon betroffen, waren Jugendliche aus der Arbeiterklasse und aus Städten wie London, Liverpool oder Manchester. Es existierte kein ausgereiftes Sozialsystem, es saßen viele der Jugendlichen auf der Straße. So entstand der Hass gegen die Gesellschaft. Es entwickelte sich der Anfang eines Stils, der den Jugendlichen die Gelegenheit bot, ihre Wut öffentlich zu präsentieren und „herauszuschreien“. Wut beispielsweise über Isolation und Langeweile, Ausweglosigkeit, Ohnmachtsgefühle oder Perspektivlosigkeit.

„No Future“, eine Textzeile aus der Hymne der „Sex Pistols“, wurde zum Motto dieser verunsicherten Jugendlichen (vgl. Müller-Wiegand 1998, S.44). Sie versuchten mit „Müll“ behängend, gegen die konventionellen Wertevorstellungen der britischen Industriegesellschaft anzukämpfen. Denn in genau dieser Gesellschaft, wurde den arbeitslosen Jugendlichen, die Rolle eines Versagers zugeordnet.

Die bürgerlichen Welt, die auch schon Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre eine funktionierende, leistungsorientierte Jugend als Leitbild transportierte, reagierte entsetzt auf Jugendliche, die nicht Schönheit und Gesundheit repräsentieren wollten. Diese Jugend, wollte mit ihrer eigenen „Hässlichkeit“ und „Verkommenheit“ der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten.

Zusätzlich zu der gesellschaftlichen Situation, kam es in England zu einer Kommerzialisierung der gesamten Musikbranche. Platten und Konzertkarten waren teuer, so dass viele Jugendliche es sich nicht leisten konnten und somit ausgeschlossen wurden. Ein weiterer Aspekt war, dass die Musiktexte, der zu der Zeit angesagten Bands wie „Rolling Stones“, „Led Zeppelin“ usw. kaum der Realität dieser Jugendlichen entsprachen. Diese Bands, waren meilenweit von ihrem Publikum entfernt, denn sie fuhren „dicke“ Autos und führten ein pompöses Leben. Somit entwickelte sich Punk aus der „No Future-Stimmung" heraus und bot den Jugendlichen eine Ausdrucksform von Protest gegen die Zunahme staatlicher „Unterdrückung“ und Einschränkungen, sowie dem Leistungsgedanken und allgemeinen Missständen innerhalb der Gesellschaft. Punk bot eine Möglichkeit zur Alltagsbewältigung. Ob in Modefragen, Musik oder Alltagsethik der Jugendlichen, überall stand Dilletantismus vor Perfektion, Schäbigkeit vor Snobismus, Anarchie statt Ein− und Unterordnung und „No Future“ vor Karrieregedanken (vgl. Müller−Wiegand 1998, S.45).

[...]

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Der Punk als Jugendkultur zwischen Protest und Provokation
Hochschule
Hochschule Magdeburg-Stendal; Standort Magdeburg  (Hochschule Magdeburg-Stendal)
Veranstaltung
Jugend und Subkultur
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
31
Katalognummer
V77443
ISBN (eBook)
9783638817721
ISBN (Buch)
9783638818032
Dateigröße
578 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Punk, Entstehung, Jugendkultur, Protest, Provokation, Jugend, Subkultur
Arbeit zitieren
Stephanie Jörk (Autor), 2007, Der Punk als Jugendkultur zwischen Protest und Provokation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77443

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