Die Waldorfschule und die Grundlagen der Waldorfpädagogik Rudolf Steiners


Hausarbeit, 2007
43 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Person Rudolf Steiner

3. Grundlagen der Waldorfpädagogik
3.1. Die Rolle der Anthroposophie
3.2. Leib, Seele, Geist – das dreigliedrige Menschenbild
3.3. Die Jahrsiebte und die Viergliedrigkeit des Menschen
3.4. Die Lehre von den vier Temperamenten

4. Die Waldorfschule
4.1. Entstehung und Entwicklung
4.2. Ziele
4.3. Organisation
4.4. Die Schullaufbahn und das Leistungsprinzip
4.5. Lehrplan und Unterrichtsstruktur
4.6. Besonderheiten
4.6.1. Lehrbücher
4.6.2. Eurythmie
4.6.3. Kunst
4.6.4. Fremdsprachen
4.7. Die Rolle des Lehrers

5. Die Waldorfschule in der Kritik

6. Resümee

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Jahre 1919 wurde von Rudolf Steiner in Stuttgart die erste ,,Freie Waldorfschule" gegründet und damit der Grundstein für eine der weltweit größten nichtstaatlichen Erziehungs- und Bildungseinrichtungen gelegt. Im Jahre 1999 existierten somit bereits 770 Waldorfschulen weltweit, davon 574 in Europa. Der Schwerpunkt der Bewegung befindet sich nach wie vor in Deutschland. Die große Nachfrage und das damit verbundene rasche Wachstum der Bewegung gründet sich hauptsächlich auf Unzufriedenheit mit dem staatlichen Schulsystem gegenüber dem guten Ruf, den die Waldorfschule in der breiten Bevölkerung genießt. Kindgerechteres und lebensnäheres Lernen, weniger Leistungsdruck, intensive künstlerische und handwerkliche Förderung und das Leitziel einer ,,Erziehung zur Freiheit" motivieren eine Vielzahl von Eltern, ihr Kind an einer Waldorfschule anzumelden. Dem gegenüber steht heftige Kritik von erziehungswissenschaftlicher, konfessioneller und psychologischer Seite an der Pädagogik der Waldorfschule, die auf dem Menschen- und Weltbild ihres Begründers Rudolf Steiner aufbaut.

Ich konnte mir bereits einen persönlichen Eindruck einer Waldorfschule in einem halbjährigen Praktikum an einer Waldorfschule für Seelenpflegebedürftige Kinder verschaffen.

Auf diesem Hintergrund wollte ich mehr über die Anthroposophie und das Lernen und Unterrichten in einer Waldorfschule erfahren.

Zuvor hatte ich zwar schon von Waldorfschulen gehört, konnte mir jedoch nichts darunter vorstellen. Ich möchte daher mit meiner Arbeit einen objektiven Blick auf die Waldorfpädagogik und ihre Praxis in der Waldorfschule geben.

Zunächst werde ich Rudolf Steiner in einer kurzen Biographie darstellen, um einen Eindruck zu bekommen, wer Rudolf Steiner war. Anschließend möchte ich die Rolle der Anthroposophie erläutern, da sie ein Teil Steiners Pädagogik darstellt. Um diese Pädagogik genauer kennen- und verstehen zu lernen, sollte man sich zunächst einen Einblick in die anthroposophische Geisteswissenschaft verschaffen und sich mit dieser vertraut machen. Im weiteren Verlauf folgen weitere wichtige Grundlagen Steiners Pädagogik, wie das dreigliedrige Menschenbild, die anthroposophische Entwicklungslehre und die Temperamentenlehre.

Nach dieser Einführung und dem Überblick der Pädagogik Rudolf Steiners komme ich anschließend auf die Waldorfschule zu sprechen. Zunächst berichte ich über die Entstehung und Entwicklung der Waldorfschulen in Deutschland und erläutere die Ziele der Schule, um im Folgenden aufzuzeigen, wie sich auf der Basis der Pädagogik Steiners, Unterricht und Erziehung gestalten. Um dies deutlich zu machen möchte ich auf die Organisation, die Schullaufbahn, das Leistungsprinzip und den Lehrplan und seine Unterrichtsstruktur der Waldorfschule eingehen. Diese Themen sollen einen möglichst objektiven Einblick in das Geschehen einer Waldorfschule geben. Besonderheiten, die man so an einer staatlichen Schule nicht wiederfindet, wie den Eurythmieunterricht, folgen dann im nächsten Abschnitt. Um einen vollständigen Blick über die Waldorfschule zu bekommen folgt dann die Rolle des Lehrers, die mir hier wichtig scheint sie als letzten Punkt zu erläutern.

Bevor ich dann zum Schlussteil meiner Arbeit komme, möchte ich einige Kritikpunkte der Waldorfschule deutlich machen. Ich möchte aufzeigen, welche Probleme bei dieser Pädagogik und Umsetzung Steiners auftreten können.

2. Zur Person Rudolf Steiner

Am 27. Februar 1861 wird Rudolf Josef Lorenz Steiner als erstes Kind der aus Niederösterreich stammenden Eheleute Franziska und Johann Steiner in Kraljevec (Österreich, heute Kroatien) geboren. Er hat zwei jüngere Geschwister: Leopoldine (1864-1927) und Gustav (1866-1941), der taubstumm geboren wurde.

Der Beruf des Vaters, zunächst Telegrafist, dann Stationsvorsteher bei der österreichischen Südbahn, veranlasst die Familie zu mehreren Wohnortwechseln. So wuchs Steiner in verschiedenen Orten Österreichs auf, ohne irgendwo Wurzeln zu schlagen. „Er galt als Einzelgänger und darüber hinaus sensibel.“[1]

Bereits im Grundschulalter beginnt der junge Steiner, sich neben dem Unterricht an einer Dorfschule mit Hilfe von Lehrbüchern selbst Wissen anzueignen .

In der Wiener Neustädter Oberrealschule schließt er 1879 die Schule mit dem Abitur mit Auszeichnung ab und studiert danach an der Technischen Hochschule in Wien, zunächst mit dem Ziel des Realschullehramtes. Seine Hauptfächer sind Mathematik, Physik, Botanik, Zoologie, Chemie, daneben Literatur, Geschichte und Philosophie.

Bereits in seiner Schulzeit sammelte Steiner erste praktische Pädagogische Erfahrungen als Nachhilfelehrer und während seiner Studentenjahre verdiente er sich seinen Lebensunterhalt als Hauslehrer in einer Wiener Kaufmannsfamilie. Zeit seines Lebens sollte ihn die Beschäftigung mit der Pädagogik nicht mehr loslassen. Nach seinem Studium arbeitet er als Erzieher eines zehnjährigen Kindes mit einem sogenannten „Wasserkopf“. Nach zwei Jahren kann der Junge, der zunächst als nicht schulfähig galt, in das Gymnasium aufgenommen werden und wurde später Arzt.

Neben seinem Studium und seiner Tätigkeit als Forscher und Autor übernimmt Steiner immer wieder die unterschiedlichsten pädagogischen Aufgaben. 1891 promoviert er zum Doktor der Philosophie an der Universität Rostock. In dieser Zeit entstehen mehrere philosophische und philosophiegeschichtliche Schriften, unter ihnen auch die „Philosophie der Freiheit“ von 1894, das zumeist als sein Hauptwerk angesehen wird. Von 1899 bis 1904 lehrt er an der Arbeiter- Bildungsschule in Berlin. Ab 1902 beginnt seine Vortragstätigkeit, zunächst innerhalb der Theosophischen Gesellschaft, die er zusammen mit der Schauspielerin Marie von Sievers, die 1914 seine zweite Frau wurde, gründete. 1906 begann Rudolf Steiner als Generalsekretär der deutschen Sektion der theosophischen Gesellschaft mit Vortragsreisen quer durch Europa. In dieser Zeit wendet sich Steiner sowohl der östlichen Esoterik der Theosophie als auch dem Christentum zu und erarbeitet in seiner sogenannten Anthroposophie eine esoterische, auf Erkenntnis gegründete Christologie.

1912/13 kam es zum Bruch mit der theosophischen Gesellschaft und damit zur Gründung der Anthroposophischen Gesellschaft in Berlin. In Dornach bei Basel, unter Rudolf Steiners Leitung und der Mitarbeit zahlreicher Künstler aus verschiedenen Ländern, wird eine Tagungsstätte für die neugegründete Anthroposophischen Gesellschaft erbaut, das sogenannte Goetheanum. Es ist ein plastisch-organisch in Holz gestalteter Doppelkuppelbau dessen entscheidenden statischen Berechnungen von Steiner selbst ausgeführt werden und als Zentrum der anthroposophischen Bewegung, eine Freie Hochschule für Geisteswissenschaft, genutzt werden sollte.

Nach intensiven Vorbereitungen wird im Herbst 1919 in Stuttgart die erste Freie Waldorfschule als einheitliche Volks- und Höhere Schule eröffnet. Die Schirmherrschaft nimmt der Direktor der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik, Emil Molt, wahr. Die Leitung wird Rudolf Steiner übertragen, der diese bis zu seinem Tod 1925 innehat. In pädagogischen Kursen werden Lehrer durch ihn auf ihre Aufgabe vorbereitet.

Am 30. März 1925 stirbt Rudolf Steiner in Dornach bei Basel.

3. Grundlagen der Waldorfpädagogik

3.1. Die Rolle der Anthroposophie

(griechisch: antropas- der Mensch; Sophia- die Weisheit)

Um die Pädagogik von Steiner genauer kennen- und verstehen zu lernen, sollte man sich zunächst einen Einblick in die anthroposophische Geisteswissenschaft verschaffen und sich mit dieser vertraut machen, da diese ein Teil Steiners Pädagogik darstellt.

Die Anthroposophie, die Weisheit des Menschen, wurde von Rudolf Steiner begründet und ist eine Anregung für den Menschen, seine Aufmerksamkeit auf Übersinnliche und geistige Phänomene zu richten. „Sie ist eine Erkenntnislehre, eine Sicht vom Menschen, die ihn als Angehörigen zweier Welten versteht.“[2] Hierzu hat Rudolf Steiner selbst eine Definition gegeben: „Anthroposophie ist ein Erkenntnisweg, der das Geistige im Menschenwesen zum Geistigen im Weltall führen möchte.“[3]

Steiner will kein abgeschlossenes weltanschauliches System, keine Ideologie geben, sondern Wege zur eigenen Erfahrung öffnen.

Anthroposophie antwortet auf das Bedürfnis des Menschen, ein von Bewusstheit gestaltetes Verhältnis zur übersinnlichen, d.h. zur nicht durch die menschlichen Sinne erfahrbaren Welt zu gewinnen. Dabei soll die Anthroposophie als ein Erkenntnisweg, nicht als endgültige Lehre betrachtet werden, auf dem der Mensch seine Wahrnehmungs- und Erfahrungsmöglichkeiten erweitern kann und soll auf diese Weise Antwort auf wichtige Lebensfragen geben.

Nach der Anthroposophie, lebt der Mensch mit seinem Körper in der irdischen Welt und ohne etwas von ihr zu wissen, mit seiner Seele und seinem Geist in der geistigen Welt, die als eine höhere Welt angesehen wird als die irdische Welt. „Steiner fordert nun, dass der moderne Mensch zur Bewältigung der Probleme seines vom Materialismus geprägten Lebens diese geistige Welt kennen lernen muss, der er ja auch angehört; dass er es lernen muss, aus der Einsicht und der Erkenntnis jener geistigen Welt heraus seine Handlungen und Entscheidungen zu bestimmen.“[4]

Die Impulse, die von der Anthroposophie ausgehen, umfassen unterschiedliche Lebensbereiche wie zum Beispiel die Pädagogik, die Heilpädagogik, die anthroposophische Medizin, die biologisch-dynamische Landwirtschaft und andere Bereiche, die breite Anerkennung gefunden haben.

Wichtige Themen der Anthroposophie sind die zusammenhängende Entwicklung von Mensch und Kosmos, Entwicklungsgesetzte im menschlichen Lebenslauf, vorgeburtliche und nachtodliche Daseinsformen und der Wiederverkörperung – der Reinkarnation. Diese Themen sollen allerdings nicht an die Schüler der Waldorfschule vermittelt werden, da sie den Anspruch an sich stellt, „freie“ Schule und keine Weltanschauungsschule zu sein. Vielmehr stellt der anthroposophische Erkenntnisweg eine Voraussetzung für den Pädagogen zur Erfüllung seiner erzieherischen Aufgabe vor dem Hintergrund der dadurch gewonnenen Menschenkenntnis dar und eröffnet ihm somit Methoden zu demnach angemessener Unterrichtsgestaltung und pädagogischen Maßnahmen. Demnach begründet sich für die Waldorfschule in Erkenntnissen aus der Anthroposophie Rudolf Steiners, wie der Mensch zu unterrichten und zu erziehen ist. Einige wichtige anthroposophische Grundlagen der Waldorfpädagogik sollen daher im Folgenden kurz beschrieben werden.

3.2. Leib, Seele, Geist – das dreigliedrige Menschenbild

Aus anthroposophischer Sicht besteht der Mensch aus den drei Wesensgliedern Leib, Seele und Geist. Der dem Menschen bei der Geburt gegebene Leib unterliegt den Gesetzen der Vererbung; er ist das Glied, über welches sich dem Menschen Umwelteindrücke offenbaren, und welches ihn zu einem Teil der materiellen Welt macht.

Die Seele hingegen unterliegt den Gesetzen des selbstgeschaffenen Schicksals (Karma), in ihr bewahren sich Wirkungen der Taten und Erlebnisse früherer Leben, wodurch sie die Beziehung des Menschen zur jetzt erlebten Umwelt, Gefühle verbunden mit Eindrücken, über viele leibliche Lebenszeiten hinweg gestaltet.

Das Ewige in jedem Menschen wird als der Geist bezeichnet, er verkörpert sich aus dem übersinnlichen Dasein in den menschlichen Leib und kann (und darf) nicht geformt und verändert werden; über den Geist bietet sich dem Menschen die Möglichkeit übersinnlicher Wahrnehmung und tieferer Erkenntnis.

Nun gründet sich nach waldorfpädagogischem Verständnis die geistige Beweglichkeit des Menschen in seiner körperlichen und seelischen Beweglichkeit. Daraus ergibt sich für den Lehrer die Aufgabe, die Wesensglieder Körper und Seele in ihren Ausdrucksmöglichkeiten zu fördern und sie damit gewissermaßen zu geeigneten Instrumenten auszubilden, mit denen der Geist frei schalten und walten kann, anstatt von ihnen in seiner Entfaltung behindert zu werden. Mit der Verwirklichung dieses Anspruchs wird das Leitziel „Erziehung zur Freiheit“ verfolgt. Auf dieses Ziel hin ist ein großer Teil des Unterrichts an der Waldorfschule ausgerichtet – besonders künstlerische Betätigung, Sprachübungen, Handwerk und Eurythmie dienen primär der Entwicklungsförderung der Wesensglieder Körper und Seele und somit der Entfaltung des Geistes. Das bedeutet zugleich, dass der Unterricht, nicht nur in den oben genannten Fächern, weniger auf den bloßen Erwerb fachspezifischer Kenntnisse ausgerichtet ist, sondern in erster Linie stets in einem Lebenszusammenhang stehen soll, um auch für den Schüler als Person profitabel zu sein. Vor diesem Hintergrund erhebt die Waldorfpädagogik auch den Anspruch, eine ganzheitliche Pädagogik zu sein, indem sie eben über die Vermittlung von Fachkenntnissen hinaus das gesamte Wesen des Schülers gleichmäßig fördern will.

3.3. Die Jahrsiebte und die Viergliedrigkeit des Menschen

Neben der Orientierung an einer ganzheitlichen Förderung des Schülers geht der Waldorflehrplan besonders auf die Entwicklung des Menschen nach anthroposophischem Verständnis ein. Das bedeutet, dass sowohl die Form als auch der Inhalt des Unterrichts an die Folgenden beschriebenen Entwicklungsstufen angepasst sind. Um die Entfaltung der nach und nach zu Tage tretenden Leiber angemessen zu fördern, verlangt jedes Jahrsiebt eine bestimmte pädagogische Haltung des Erziehers.

In der Theorie von Steiner gibt es zwei psychologische Erscheinungen, welche die Hauptwendepunkte in der Entwicklung bilden: der Zahnwechsel und die Geschlechtsreife.

Er geht von einer Viergliedrigkeit des Menschen aus, die in ihrem Zusammenwirken den besonderen Charakter des Menschen prägen, wobei der erwachsene Mensch vier Wesensglieder hat, die alle sieben Jahre nacheinander geboren werden:

Der physische Leib, der Ätherleib, der Astralleib und das Ich.

Viergliedrigkeit benennt Rudolf Steiner es deshalb, weil der Zusammenhang zu den vier Elementarzuständen (fest, flüssig, gasförmig, wärmehaft) und den vier Naturreichen (Tier, Mensch, Pflanze, Mineralien) gebildet werden muss.

Das erste Jahrsiebt, das sich bis zum Alter von sieben Jahren streckt, beginnt mit der Geburt des Kindes. Dies ist der Anfang des physischen Lebens auf der Welt. Ein unreifer materieller Körper muss nun geformt und gefestigt werden.

„Im ersten Jahrsiebt ahmen Kinder mit ihrer Leiblichkeit nach, und alles, was sich am Kinde an Entwicklungs- oder Lernprozessen vollziehen soll, muss als Anregung in seine räumliche Umgebung gebracht werden, so dass es leiblich nachgeahmt werden kann.“[5]

Das Kind lernt also in dieser Phase durch Nachahmung, weshalb der Erzieher darauf achten muss, dass in der Gegenwart des Kindes nur das geschieht, was von ihm nachgeahmt werden darf.

Der Erzieher muss sich seiner Wirkung bewusst sein und sein Verhalten ständig reflektieren, beobachten und eventuell korrigieren.

Das Kind hat bis zu seinem 7. Lebensjahr nur den physischen Leib, der das Wollen und die unbewussten Antriebe lenkt.

Das, was für eine materialistische Auffassung des Menschenbildes der eigentliche, einzige Leib ist, wird von den Anthroposophen der physische Leib genannt.

Steiner formuliert: „Das, was die Sinnesbeobachtung am Menschen kennen lernt und was die materialistische Lebensauffassung als das Einzige im Wesen des Menschen gelten lassen will, ist für die geistige Erforschung nur ein Teil, ein Glied der Menschennatur, nämlich sein physischer Leib.“[6]

Der physische Leib unterliegt denselben Gesetzen des physischen Lebens, er setzt sich aus den selben Stoffen und Kräften zusammen, wie die übrige leblose Welt und besteht aus organisch-mineralischen Stoffen, in welche der Leib des Menschen nach dem Tod zerfällt.

Dieser Teil des Menschen unterliegt den physikalischen Gesetzen.

Im zweiten Jahrsiebt, welche die Phase zwischen sieben und vierzehn Jahren bestimmt, steht die Beendigung des Zahnwechsels im Vordergrund, das Kind ist Schulreif und der Ätherleib wird geboren.

Der Zahnwechsel ist ein Zeichen dafür, dass die Gestaltungskräfte nicht mehr zur Leibesgestaltung benötigt werden, sonder frei für Vorstellungs- und Gedächtnisbildung. „Er ermöglicht das Fühlen, d.h., erst jetzt kann das Kind richtig traurig sein oder wirklich froh und geschautes kann zu inneren Bildern verarbeitet werden.“[7]

Der Ätherleib ist die innerste Hülle des physischen Leibes. Er ist nach Steiner „nicht mehr der Wahrnehmung, sondern nur der Einbildungskraft zugänglich.“[8]

In diesem Abschnitt soll eine, vom Kind selbst gesuchte Autorität unmittelbare Anschauung liefern, an der der junge Mensch Gewissen, Gewohnheiten und Neigungen durch Nachfolge herausbilden kann.

Das Kind lernt Vorstellungen zu bilden, welche sich in ihm tief einprägen. Beispielsweise nimmt das Kind in dieser Phase Schriftzeichen als Form wahr, kennt jedoch ihre Bedeutung nicht.

Es kann noch nicht mit abstraktem Wissen umgehen, sondern braucht Hilfe und Unterstützung durch Einbettung der Geschichten in bildlicher und künstlerischer Gestaltung.

Im dritten Jahrsiebt, von vierzehn bis einundzwanzig Jahren, wird der Astralleib, verbunden mit der Pubertät, geboren. Jetzt erzeugt die Seele Denken und Bewusstsein. Eigene Urteilskraft wird gebildet.

„Der Leib ist Träger von Schmerz und Lust, von Trieb, Begierde und Leidenschaft.“[9] Die vorangegangene innere Harmonie wird nun zerstört, damit der Jugendliche sich als Individualist sehen kann. Nur so kann er zu einer selbst geschaffenen Harmonie gelangen und ein persönliches Innenleben bilden. Der Mensch ist nun reif genug sich ein eigenes Urteil zu bilden und selbstständiger zu werden. Jetzt erst wird der Erzieher zum eigentlichen Lehrer.

Wissensvermittlung ist nun als solches möglich. Das Kind fordert das, was der Lehrer an Wissen selbst gelernt hat und kann geistig Erkennen. Seine Leistung tritt stärker in den Vordergrund und es möchte intellektuelle Kräfte zum Ausdruck bringen und vergleichen.

Die Ersten drei Jahrsiebte kann man folglich charakterisieren:

„Nachahmung im Leiblichen, im Seelischen, im Geistigen; ohne Dressur, weil es Nachahmung ist, ohne Angst, weil die Erziehung Anregung ist, die nachgeahmt werden kann. Das individualisiert zugleich, denn Nachahmen stammt aus der eigenen Kraft des Kindes, aus seiner selbstständigen Lerntätigkeit, und die ist individuell verschieden. Es vollzieht sich durch diese Art der Pädagogik eine Individualisierung der Kinder dadurch, dass das Lernen zum rechten Entwicklungszeitpunkt die Eigenkräfte des Kindes oder des Jugendlichen durch die zu erfolgenden Anregungen hervorlockt, und das lässt den Schüler bzw. das Kind sich in Freiheit entwickeln. “[10]

[...]


[1] Kayser, Wagemann, 1993, S.7

[2] Gratenau, 1985, S.13

[3] Kiersch, 1976, S.12

[4] Gratenau, 1985, S.13

[5] Hellmich, Teigeler (Hrsg.), 1999, S.182

[6] Steiner, R.: Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft, S.10; zitiert nach: Kayser, Wagemann, 1993, S.12

[7] Gratenau, 1985, S.16

[8] Kayser, Wagemann, 1993, S.13

[9] Kayser, Wagemann, 1993, S.13

[10] Hellmich, Teigeler (Hrsg.), 1999, S.183

Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
Die Waldorfschule und die Grundlagen der Waldorfpädagogik Rudolf Steiners
Hochschule
Evangelische Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
43
Katalognummer
V77539
ISBN (eBook)
9783638829014
Dateigröße
572 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Waldorfschule, Grundlagen, Waldorfpädagogik, Rudolf, Steiners, Thema Waldorf-Pädagogik
Arbeit zitieren
Lena Mareike Klasse (Autor), 2007, Die Waldorfschule und die Grundlagen der Waldorfpädagogik Rudolf Steiners, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77539

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