Ewige Anleihen als Finanzierungsinstrument


Hausarbeit, 2007

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

INHALT

1. Einleitung

2. Grundlagen
2.1 Anleihen
2.2 Ewige Anleihen

3. Ausgestaltungsmerkmale von ewigen Anleihen
3.1 Laufzeit
3.2 Kündigung
3.3 Verzinsung
3.4 Erfolgsabhängigkeit
3.5 Nachrangigkeit

4. Kritische Beurteilung aus der Sicht der Emittenten

5. Kritische Beurteilung aus der Sicht der Investoren

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Für die Herstellung von Gütern werden Produktionsfaktoren, wie Arbeit, Kapital und Boden benötigt, die grundsätzlich finanziert werden müssen. Bedingt durch die zeitliche Divergenz aus Kapitalbedarf und Kapitalrückfluss aus dem operativen Umsatzprozess entsteht ein Finanzierungsbedarf, der entweder durch Eigenkapital respektive durch Fremdkapital gedeckt werden muss. Darüber hinaus nimmt die Wachstumsfähigkeit von Unternehmen im nationalen und internationalen Vergleich eine entscheidende Rolle ein, um auf dem Markt bestehen zu können.

An diesen beiden vorgenannten Schnittstellten setzt die betriebswirtschaftliche Finanzierung ein.

Unter Finanzierung wird die Beschaffung und Bereitstellung finanzieller Mittel verstanden.1 Die Finanzierung von Unternehmensprozessen kann aus Eigenkapital sowie aus Fremdkapital erfolgen. Die Bewertung von Unternehmen durch die Kreditinstitute auf der Grundlage von Basel II hat eine restriktive klassische Kreditvergabe, was die Gewährung von Darlehen betrifft, zur Folge. Dies trifft insbesondere auf deutsche Unternehmen zu, die im internationalen Vergleich eine geringe Eigenkapitalquote besitzen. Somit ist eine alternative Form der Kapitalaufbringung in Form einer Kreditfinanzierung unumgänglich.

Das klassische Instrument der langfristigen Kreditfinanzierung stellt die Anleihe dar.2

Die Dynamik der Finanzmärkte hat dazu geführt, dass immer differenziertere Finanzinstrumente eingesetzt werden. Ein Finanzierungsinstrument ist ein Vertrag, durch den eine Vertragspartei einen finanziellen Vermögenswert (financial asset), die andere Vertragspartei eine finanzielle Verbindlichkeit (financial liability) respektive ein Eigenkapitalinstrument (equity instrument) erhält. Die ewige Anleihe stellt eine innovative Form eines Finanzierungsinstruments dar.3

2. Grundlagen

2.1 Anleihen

Unter einer Anleihe wird ein langfristiger Kredit, der durch die Ausgabe von Schuldverschreibungen am Kapitalmarkt aufgenommen wird, verstanden.4 Im angelsächsischen Raum werden Anleihen als “Bonds“ bezeichnet.5

Anleihen stellen neben den Schuldscheindarlehen und langfristigen Krediten eine Form der langfristigen Kreditfinanzierung dar.6 Eine Anleihe lautet über einen Gesamtbetrag einer Emission und wird in Teilschuldverschreibungen in kleiner Stückelung über den anonymen Kapitalmarkt (Börse) langfristig kreditfinanziert.7 Durch Ausgabe von Anleihen beschaffen sich die jeweiligen Emittenten langfristige Finanzierungsmittel (Fremdkapital).

Bei Anleihen handelt es sich um Schuldverschreibungen, somit um verbriefte Kredite. Es handelt sich um verzinsliche Wertpapiere, die eine Geldforderung des Investors gegenüber dem Emittenten der Schuldverschreibung darstellen.8 Schuldscheinverschreibungen sind Wertpapiere, die in der Regel über den anonymen Kapitalmarkt (Börse) gehandelt werden. Der Inhaber einer Teilschuldverschreibung kann ohne die Einwilligung des Emittenten diese an der Börse veräußern und hat somit die Möglichkeit, sein eingesetztes Kapital frühzeitig zurückzuerhalten.9

Nach der Rechtsstellung des Emittenten unterscheidet man zwischen Anleihen und Obligationen.

Hier wird differenziert zwischen Anleihen (Schuldverschreibungen des Bundes und der Länder sowie von öffentlich- rechtlichen Körperschaften wie z. B. Treuhandgesellschaften) und Obligationen (Schuldverschreibungen privater Unternehmen und Banken).

Schuldverschreibungen sind dadurch gekennzeichnet, dass der einzelne Kreditgeber dem Emittenten unbekannt ist. Der Emittent verpflichtet sich in einer Schuldverschreibung zur Rückzahlung des aufgenommenen Geldbetrages in der Regel mit dem Nominalbetrag. Die Laufzeit von Anleihen variiert entsprechend der Bedürfnisse des Emittenten sowie der aktuellen Kapitalmarktlage. Demnach kann die Laufzeit von Anleihen extrem unterschiedlich konstruiert werden. Es existieren Anleihen mit einer minimalen Laufzeit von zwei Monaten. Im Gegensatz existieren Anleihen mit einer Laufzeit von 100 Jahren. Die durchschnittliche Schuldverschreibung liegt z. Zt. zwischen acht und 15 Jahren. Die Schuldverschreibungen haben sehr hohe einmalige Kosten in Höhe von bis zu fünf Prozent des Nennbetrags.10

Die meisten Anleihen haben Kupons, die periodengerechte Zinszahlungen garantieren. Darüber hinaus existiert die Form des Nullkupons bei den sog. Zerobonds. Bei dieser Form gibt es keine periodengerechte Zinszahlungen, sondern das Kapital und sämtliche Zinsen werden am Ende der Laufzeit des Investments an den Investor gezahlt.11

Die Anleihebewertung, also der theoretische Preis einer Anleihe kann, mit dem Barwert aller zukünftigen Zahlungen berechnet werden, die dem Inhaber zufliesen werden. Anleihehändler verwenden mitunter denselben Diskontierungszinssatz für alle Cash Flows, die einer Anleihe zugrunde liegen. Ein genauerer Ansatz besteht allerdings darin, für jeden Cash Flow eine eigene Spot Rate anzusetzen.12

Die Anleihe wird als risikoarme Anlageform gesehen. Dementsprechend liegen sowohl das Risiko als auch die Rendite deutlich unter den entsprechenden Zahlen von Aktien.13

Dem Inhaber von Anleihen werden ausschließlich vertraglich zugesicherte Zahlungsströme versprochen.14 Hier ist insbesondere hervorzuheben, dass der Anleiheninhaber im Gegensatz zum Aktionär keine Dividendenansprüche, keine Teilnahmerechte sowie Stimmrechte an der Hauptversammlung, keine Auskunftsrechte durch den Vorstand, keine Bezugsrechte neuer Aktien sowie keine Rechte im Fall der Auflösung der Gesellschaft am Liquidationserlös hat.15 Der Inhaber von Anleihen partizipiert nicht, wie beispielsweise ein Aktionär am Unternehmenserfolg.16

2.2 Ewige Anleihe

Auf dem Finanzmarkt existieren bereits Anleihen mit einer sehr langen Laufzeit, wie z. B. eine 50-jährige Anleihe der französischen Regierung aus dem Jahr 2005 oder beispielsweise eine 100-jährige Anleihe des Bayerkonzerns aus dem Jahr 2006.17

Weiter existiert als relative Sonderform von Anleihen auf dem Kapitalmarkt die ewige Anleihe als innovative Form unter den festverzinslichen Wertpapieren. Die ewige Anleihe kann auch als (ewige) Hybridanleihe, fortwährende Anleihe, equity credit, constant maturity swaps oder perpetual bond bezeichnet werden.18

Emittenten von ewigen Anleihen sind beispielsweise die Industrieunternehmen, wie die Südzucker AG, der Energieerzeuger Vattenfall, der Allianzkonzern, der Bayerkonzern, die Henkel KGaA sowie die TUI.19

[...]


1 Vgl. Übelhör, Matthias/Warns, Christian: 2003, S. 13.

2 Vgl. Perridon, Louis/Steiner, Manfred: 2002, S. 404. 3

3 Vgl. Bellavite-Hövermann,Yvette; Menn, Bernd-Joachim; Viethen, Werner: 2006, S. 3.

4 Vgl. Corsten, Hans: 2002, S. 61.

5 Vgl. Schredelseker, Klaus: 2002, S. 97.

6 Vgl. Perridon, Louis;Steiner, Manfred: 2004, S. 404.

7 Vgl. Perridon, Louis;Steiner, Manfred: 2004, S. 185.

8 Vgl. Schredelseker, Klaus: 2002, S. 114.

9 Vgl. Corsten, Hans: 2002, S. 677.

10 Vgl. Kruschwitz, Lutz/Decker, Rolf/Röhrs, Michael: 2002, S. 189.

11 Vgl. Hull, John: 2006, S. 114.

12 Vgl. Hull, John: 2006, S. 114.

13 Vgl. Schredelseker, Klaus: 2002, S. 98.

14 Vgl. Schredelseker, Klaus: 2002, S. 97.

15 Vgl. Corsten, Hans: 2002, S. 36.

16 Vgl. Vater, Hendrik: 2006, S. 45.

17 Vgl. Hübner, Gerd: 2007, S. 17.

18 Vgl. Vater, Hendrik: 2006, S. 44.

19 Vgl. Vater, Hendrik: 2006, S. 52.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Ewige Anleihen als Finanzierungsinstrument
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
17
Katalognummer
V77726
ISBN (eBook)
9783638822046
Dateigröße
374 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ewige, Anleihen, Finanzierungsinstrument
Arbeit zitieren
Daniel Jesse (Autor), 2007, Ewige Anleihen als Finanzierungsinstrument, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77726

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