Die Peanuts - Linguistische Analyse ausgewählter Comicstrips um Sally Brown


Seminararbeit, 2006

26 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hintergründe

3. Textsortenanalyse Peanuts

4. Sally
4.1 Analyse der Witze um Sally
4.1.1 Daily-Strips
4.1.2 Sunday-Strip
4.2 Charakterisierung Sallys

5. Fazit

6. Literatur

1. Einleitung

Als der Comic-Zeichner Charles Monroe Schulz Anfang des Jahres 2000 starb, hinterließ er als Lebenswerk einen Comic-Strip, der als Erfolgreichster aller Zeiten gilt. In 50 Jahren schuf Schulz eine Comicserie, in der ausschließlich kleine Kinder handelnde Figuren waren.

Zunächst nannte Schulz diese Comicserie little Folks, doch als er wenig später bei der Agentur United Feature Syndicate unter Vertrag kam, wurde der Name zu Peanuts hin verändert, unter dem die Serie eine beispiellose Verbreitung in aller Welt fand. Im Jahre 2000 waren es weltweit 2600 Zeitungen, die täglich die Peanutsstrips um Charlie Brown, Snoopy, Lucy und Linus abdruckten.[1]

Zu den häufiger auftretenden Figuren Charlie Brown und Snoopy tritt eine relativ große Anzahl von Nebenfiguren[2]. Eine solche Figur ist Sally Brown, die kleine Schwester Charlie Browns, deren spezifischer Witz und Wesenseigenheiten im Kontext dieser Arbeit analysiert werden sollen. Die Figur „Sally“ ist in linguistischer Hinsicht interessant, da die Comicstrips mit ihr oft von Wortwitz geprägt sind. Sally ist eine Figur, die im Gegensatz zu den zentralen Charakteren Charlie Brown und dessen Hund Snoopy in wissenschaftlichen Abhandlungen eher zurücktritt. Dennoch ist sie eine Figur, die in ihren Äußerungen großes interpretatorisches Potential bietet.

Der Frage nach einem Sally-spezifischem Humor soll im Zuge der Witzanalysen in dieser Arbeit nachgegangen werden. Inwieweit geben die Witze um Sally weiteren Aufschluss auf ihre charakterlichen Eigenschaften? Zunächst soll kurz auf die Figur „Sally“ hingeführt werden, woraufhin anschließend elf ausgewählte Cartoons die komplexe, vielschichtige Gestaltung, mit der Schulz die Wesensarten seiner Peanutsfiguren entwickelt, eben am Beispiel der Sally-Strips näher verdeutlichen sollen. Als Grundlage dienen zehn Standard-Strips, aufgrund ihres täglichen Erscheinens auch „Daily-Strips“ genannt, sowie ein drei Comicstreifen umfassender und nach dem Tag seines Erscheinens benannter „Sunday-Strip“. Im Anschluss an die Witzanalysen der Sally-Cartoons soll eine Charakterisierung der Figur „Sally“ auf Grundlage der analytischen Erkenntnisse durchgeführt werden.

Zunächst jedoch, im Vorfeld der Witzanalysen, soll auf die „Peanuts“-Cartoons hingeführt werden. Die Hintergründe und Besonderheiten dieses außergewöhnlichen Comicstrips sollen in kurzen Ausführungen dargestellt werden.

Ebenso soll eingangs überprüft werden, ob es sich bei dem zu untersuchenden Material um eine Textsorte handelt. Inwieweit entsprechen die Peanutscomics, insbesondere in Form der meist äußerst kurzen Daily-Strips, den Kriterien der Textsortenanalyse und lassen sich im Rahmen einer linguistischen Analyse als textliche Grundlage bezeichnen?

2. Hintergründe

Charles Monroe Schulz ‚produzierte’ pro Woche 6 Daily Strips und einen Sunday Strip. Auf diese Weise gelang es ihm, bereits im Jahre 1975, ungefähr zur Halbzeit der Peanuts-Anthologie, die bemerkenswerte Anzahl von etwa 10 000 Comicstrips herausgebracht zu haben. Dabei entwickelte er zeitlebens die Peanuts-Strips von ihrer Witzstruktur, über das Zeichnen bis zum Lettering in Eigenarbeit. Er beschäftigte niemals weitere Zeichner oder Gagschreiber.[3]

Seine anfänglich mit glattem Strich gezeichneten kindlich-possierlichen Figuren veränderten sich im Laufe der Zeit zu eigenwilligen, profilierten Typen.[4]

Schulz zeichnete seine Peanuts-Cartoons meist mit Feder.[5] Die Daily-Strips sind ausschließlich schwarz-weiß, die Sonntagsstrips teilweise nachkoloriert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Charakteristische Kopfform und die Kopf-Rumpf-Relation bei Charlie Brown, Snoopy, Woodstock

Sein von ihm zentral angewandtes graphisches Stilmittel, das zur Kennzeichnung seines Comicstrips diente und den Wiedererkennungseffekt durch den Leser bewirken sollte, sind die überproportionalen Köpfe seiner Figuren und deren charakteristische Form.[6]

Bei den Tierfiguren Snoopy und insbesondere bei Woodstock weicht die Form von der der Kinderfiguren ab. Das Größenverhältnis ist im Vergleich zu den Kinderfiguren extremer. Bei den Vogelfiguren kann man gar von einem Verhältnis 4:1 zwischen Kopf- und Rumpfgröße sprechen. Schon durch die Darstellung der unverhältnismäßigen Körperproportionen seiner Figuren liefert Schulz eine Grundlage der Komik seiner Figuren.

Aufgrund der Darstellung übergroßer Köpfe gelingt es Schulz, das Minenspiel der Figuren ins Zentrum zu rücken. Die verbale und mimische Aussage der Figuren steht durch die Überbetonung des Gesichts im Zentrum der Comicstrips. Auch in der Darstellung der Augenpartie, der Münder und der gesamten Körperhaltung hat Schulz einen eigenen Stil entwickelt, der seine Figuren sichtbar von denen anderer Comicserien abhebt.[7]

Schulz entwickelte eine neue Form der Figuren- und Hintergrundzeichnung. Sein gleichförmiger[8], vor allem aber sparsamer Zeichenstil und eher angedeutete Raumzeichen (Gras, Büsche) machten es ihm erst möglich, die Peanutszeichnungen wirklich ohne fremde Hilfe anzufertigen.[9]

Die Rede der Kinderfiguren wird fast ausschließlich in Sprechblasen wiedergegeben. Zur Ausdrucksweise der Tierfiguren entwickelte Schulz einen spezifischen Darstellungsstil:[10] Snoopys Rede, die Rede seines Bruders Spike oder anderer, seltener auftretender Beagles wird immer durch Denkblasen wiedergegeben. Woodstock und andere Vogelfiguren sprechen in gewöhnlichen Sprechblasen, allerdings ist das Gezwitscher durch kleine nebeneinander angeordnete vertikale Striche dargestellt. Meist nimmt Snoopy die Rolle des Übersetzers ein, um das von Woodstock Gesagte dem Leser zu vermitteln. Die Figurenrede der Peanuts wird von Schulz immer durch handschriftliche Majuskelgrapheme, Striche oder Symbole wiedergegeben. Entsprechend wird dieser handschriftliche Stil auch in der deutschen Übersetzung angewendet. Bemerkenswert ist das seltener genutzte Stilmittel, das Schulz gebraucht, um geschriebene Texte seiner Figuren für den Leser deutlich zu machen. Je nachdem, ob Snoopy Schreibmaschine schreibt, Sally ihre Hausaufgaben anfertigt oder Charlie Brown einen Brief an seinen „Pen-Pal“ schmiert, die Schreibweise der Figuren wird jeweils figurenspezifisch[11], in der oberen Bildhälfte dargestellt.

Insbesondere die zentralen Peanutsfiguren besitzen besonders ausgeformte Wesenszüge:

Gegenüber dem nach Anerkennung strebenden, doch von Selbstzweifel und Frustrationen durch ständiges Scheitern gekennzeichneten Figur Charlie Brown steht dessen hedonistischer Hund Snoopy, der in seiner großen Einbildungskraft einen sorglosen Gegenpol darstellt.[12] Charlie Brown mit seinem Allerweltsnamen ist ebenso wie Snoopy eine Identifikationsfigur für jedermann. Die häufige Verwendung dieser zentralen Figuren mag der Grund für die äußerst große Popularität der Serie sein. Weitere Figuren, wie Linus van Pelt, der allen Dingen auf den Grund zu gehen trachtet und in Schmusedecke und großem Kürbis Kompensation vor der Härte alltäglicher Lebenswirklichkeit zu finden sucht, oder Lucy, seine große Schwester, die ihn und die anderen Figuren mit ihrem rücksichtslosen Herrschaftsanspruch plagt,[13] diese Konstellation ungewöhnlicher und teilweise gegenteiliger Charaktere machen die „Peanuts“ zu einem unverwechselbaren ‚Comic’.

Schulz entwickelt den Mikrokosmos seiner Figuren in einer Kinderwelt. Kinder als Hauptfiguren ermöglichen eine klarere Definition und Überschaubarkeit der einzelnen Charaktere und weniger Komplexheit des Wesens, als es bei adulten Figuren der Fall wäre.[14]

Die Kindercharaktere haben jedoch die Denk- und Redeweise von Erwachsenen. Dolle-Weinkauf spricht von einer „ironischen Spannung, die die Peanuts zwischen ihrem Kinderblick auf die Geschäfte der Erwachsenen und zum anderen mit ihrer merkwürdig erwachsenen Struktur“[15] herstellen.

3. Textsortenanalyse „Peanuts“

Abbildung 2

Im Folgenden soll untersucht werden, inwieweit es sich bei den Comicstrips der Peanuts um einen Text mit den textspezifischen Merkmalen Kompletion, Kohärenz, Textthema und Textfunktion handelt.[16] Was den Aspekt der Kompletion betrifft, so werden die einzelnen Strips voneinander durch die fast grundsätzlich im letzten Panel auftretende Pointe inhaltlich voneinander abgetrennt. Die Textgrenzen werden jeweils durch die räumliche, zahlenmäßige Beschränktheit in Bezug auf die Panels in den Strips dargestellt. Die kürzeren Daily-Strips umfassen maximal vier Panels. In deren letztem Panel befindet sich meist das Autorenkürzel „SCHULZ“. Die Sunday-Strips umfassen immer drei Tagesstreifen. Für sie ist charakterisch, dass sich im ersten Panel meist ein Titelbild sowie immer der Serientitel „Peanuts“ befindet. Die Kohärenz bei den Peanuts wird, da es sich um einen Comic handelt, durch das Zusammenspiel von Text und Bild erreicht. Dabei gibt es Strips, die ohne jede Art von Worten auskommen. (Wie beispielsweise viele Strips zwischen Snoopy und Woodstock) Die Kohärenz wird allein durch das Bild entwickelt. Die wohl größte Anzahl an Strips erzielt Kohärenz in Wechselwirkung zwischen Wort und Bild. Viele Strips haben ihren Akzent in ihrer Aussage – in ihrem textlichen Inhalt, und sind vor allem textkohärent. So wird die graphische Komponente eher unwesentlich, wenn zum Beispiel Charlie Brown und Linus eines ihrer lebensphilosophischen Gespräche führen. In den Sprechblasen, den Redeakten einzelner Panels, gibt es meist kohärente Bezüge auf frühere Panels mit der entsprechenden Vorhandlung. Es ist nicht möglich, einzelne Panels aus dem Strip-Kontext herauszureißen und isoliert betrachtet eine Pointe zu erkennen, da sie erst im Gesamtkontext deutlich wird.

Das Ende jedes einzelnen Strips bildet jeweils die Pointe. Meist stehen einzelne Strips isoliert für sich, zuweilen werden sie auch über das pointentragende letzte Panel hinaus miteinander verknüpft, erkennbar durch das Beibehalten der handelnden Figuren und verbales Wiederaufgreifen des Textthemas. Meist wird in diesen Fällen das Vorgeschehen im ersten Panel zusammenfassend wiederholt.[17]

In der Abbildung 2 ist eine Kohärenz durch die Lexemwiederholung „Babu“ im ersten Panel gegeben, bezogen auf das Lexem „Valentinskarte“ fungiert die Anapher „sie“ im zweiten Panel. Schließlich wird der „Valentinstag“ im dritten Panel durch die im Folgesatz verwendete Anapher „Er“ aufgegriffen. Durch die Verwendung des Lexems „Valentinstag“ im dritten Panel wird der Anlass für das Überreichen von Sallys Valentinskarte, gewissermaßen der semantische Überbau des Strips, gegeben.

Die Textfunktion der Peanuts-Strips ist als (erheiternde) Unterhaltung zu bezeichnen. Über das Moment der Belustigung hinaus konstruierte Schulz zudem in viele seiner Strips auch eine subtil philosophische Ebene, die auf hintersinnige Weise die Alltagswelt hinterfragt.

Jeder einzelne Strip wird von einem Thema bestimmt, das teilweise auch über die Grenzen einzelner Daily-Strips hinaus fortgeführt wird, womit eine von einem bestimmten Thema bestimmte Stripserie erzeugt wird.

In der Abbildung 2 ist das Thema die Übergabe von Sallys Valentinskarte an Linus. In den etwas längeren Sunday-Strips kann das Thema entsprechend weiter ausgeführt und vertieft dargestellt werden. Aufgrund der Beschränktheit an Panels ist in den Daily-Strips das Thema ebenso nur entsprechend kurz.

Die Textsortenkriterien sind in den Peanutsstrips weitgehend erfüllt. Zwar lassen sich die Peanuts selten als komplexer Text lesen (nämlich nur, wenn mehrere Daily-Strips thematisch miteinander verbunden sind). Bei einzelnen, isoliert auftretenden Kurzstrips handelt es sich jedoch nur um jeweils einen Kurztext.

[...]


[1] Patrick Bahners: Der Kürbis spricht, Ich muss träumen: Das gelobte Land der „Peanuts“. In: Peanuts. Klassiker der Comic-Literatur in zwanzig Bänden. Band 2, Frankfurt am Main 2005, S.5.

[2] Wolfgang J. Fuchs; Reinhold C. Reitberger: Comics. Anatomie eines Massenmediums, München 1971, S. 54

[3] Bahners: Der Kürbis spricht, Ich muss träumen, S.5.

[4] vgl.: Bernd Dolle-Weinkauf: Comics. Geschichte einer populären Literaturform in Deutschland seit 1945. Weinheim/ Basel 1990, S.210.

[5] Vgl.: Ricarda Strobel: Die „Peanuts“ – Verbreitung und ästhetische Formen. Ein Comic Bestseller im Medienverbund, Heidelberg 1987, S.19.

[6] Charlie Brown zum Beispiel besitzt eine für ihn charakteristische und in der Comicwelt vielleicht einmalige „Rundkopfform“, die an den Kopf eines Babykopfes erinnert.

Ricarda Strobel hält neben der Kopfform die Form der Rümpfe der Peanutsfiguren für ein wesentliches Kennzeichen der Peanutsfiguren. Vgl.: Ebd., S.20.

[7] Vgl.: Ebd., S.22f.

[8] Vgl.: Ebd., S.23.

[9] Vgl.: Dolle-Weinkauf, S.210. Aufgrund seines sparsamen Zeichenstils gelingt es Schulz, seine Strips selbstständig relativ schnell zu produzieren: Er braucht für einen Sonntagsstrip etwa einen Tag, die sechs Wochenstrips schafft er an einem Nachmittag. Vgl.: Fuchs; Reitberger, S.54.

[10] Strobel, S.26.

[11] D.h. der entsprechende handschriftliche Schreibstil, (bei Snoopy) die Schreibmaschinen-Typographie, selbst die Notenzeilen, aus denen die Beethoven-Stücke Schröders bestehen, werden auf unterschiedliche Weise realisiert.

[12] Vgl. u.a.: Dolle-Weinkauf, S. 210.

[13] Ebd., S.211.

[14] Fuchs; Reitberger, S.54.

[15] Dolle-Weinkauf, S.210.

[16] Nach Karl Heinz Best handelt es sich bei diesen vier Merkmalen um die notwendigen, eine Textsorte hinreichend charakterisierenden Kriterien. Vgl.: Karl Heinz Best: LinK. Linguistik in Kürze, Göttingen 2002, S.75f.

[17] Dadurch macht Schulz in den Daily-Strips, die meist in der Zeitung stehen, auch dem Leser ohne entsprechendes Wissen der Vorgängerstrips die konkrete Situation deutlich.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Die Peanuts - Linguistische Analyse ausgewählter Comicstrips um Sally Brown
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Seminar für deutsche Philologie)
Veranstaltung
Linguistische Analyse von Witzen
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
26
Katalognummer
V77783
ISBN (eBook)
9783638823173
ISBN (Buch)
9783638824811
Dateigröße
3246 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Peanuts, Linguistische, Analyse, Comicstrips, Sally, Brown, Witzen
Arbeit zitieren
David Wieblitz (Autor), 2006, Die Peanuts - Linguistische Analyse ausgewählter Comicstrips um Sally Brown, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77783

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