Digitale Wachhunde

Medienkritik dank Weblog


Referat (Ausarbeitung), 2006
15 Seiten, Note: 5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einordnung des Themas

2. Was sind Weblogs?

3. Entstehung und Entwicklung von Weblogs

4. Graswurzel-Journalismus

5. Aktueller Stand: Medienkritik dank Watchblogs
5.1. Der BILDblog.de

6. Blogger vs. Journalisten
6.1.Ungleiche Ausgangslage
6.2. Der Inhalt zählt
6.3. Einfluss von PR und Werbung
6.4. Wer recherchiert besser?
6.5. Einfluss von Vernetzung und Schnelligkeit

7. Gewinner und Verlierer

8. Fazit

9. Selbstkritische Beurteilung der Erarbeitung

10. Literaturliste

11. Thesen für Diskussion

1. Einordnung des Themas

Mitte der 90er Jahre befanden sich die Medien in einem einzigartigem Aufstieg, doch seit dem Jahr 2001 befinden sie sich in einer ebenso einzigartigen Krise. Hohe Verluste und Streichung von Arbeitsplätzen im erhofften Zukunftsmarkt der Online-Inhalte sind keine Seltenheit. Offenbar erhoffte man sich mit kostenpflichtigen Artikeln ein gewinnbringendes Geschäft, was sich im Nachhinein als grosse Illusion herausstellte. Daraus folgt, dass sich der New-Media-Sektor nicht richtig durchsetzen konnte. Trotz des enormen Erfolges des Internets hadern die professionellen Medien mit den Herausforderungen, die dieses neue Medium an sie stellt. Es wurde zwar viel Aufwand und grosse Investitionen in Onlineprojekte gesteckt, aber die meisten von ihnen scheiterten. Bekannte Beispiele sind: Bertelsmann mit Lycos und Springer mit Bild.de. Das flüchtige Wesen des Internetnutzers macht es der althergebrachten Medienbranche auch nicht gerade einfach mit ihren Kunden langfristig zu planen. Aus dieser Not entwickelten sie Portale. Eine Einstiegswebsite, die den User gar nicht auf die Idee kommen lassen sollte, auf andere Angebote im Web zurückzugreifen. Doch die Rechnung ging nicht auf. Die meisten Nutzer ignorierten die Portale oder nahmen bestenfalls die E-Maildienste in Anspruch. Die Ausnahmen von der Regel bilden zum Beispiel Spiegel.de und Heise.de, welche sich im Laufe der Zeit zu richtigen Marken im Internet entwickelten. Was die professionellen Medien deshalb zuletzt gebrauchen können, ist eine neue Konkurrenz. Eine, die schneller ist, bei Google im Ranking ganz vorne steht, sich gegenseitig vernetzt, authentisch ist und sich einem grossen Leserkreis erfreut. All diese Merkmale erfüllt ein Weblog.

In der Vergangenheit hatten die Journalisten das sogenannte Gatekeeper-Monopol, denn Sie entschieden welche Information als relevant galten und welchen Ausschnitte der Wirklichkeit dem Nutzer letztlich präsentiert wurden.[1] Heute ist dies mit den Weblogs nicht mehr ganz so einfach. Amerikanische Journalisten nehmen das Phänomen Blog auch sichtlich ernster als ihre Kollegen im Deutschen Sprachraum. „Mathias Müller von Blumencron, Chefredaktor von Spiegel Online, machte sich im November 2004 nicht gerade zum König der Blogger-Herzen, als er in einem Interview kundtat, 99 Prozent aller Blogs seien `Müll` und nachschob, `oder zumindest nicht journalistisch relevant`.“[2] Dieser Aussage haben Blogger jedoch mehrere Argumente entgegenzuhalten.

Ihr Motto lautet: Don`t hate the media. Become the media.

2. Was sind Weblogs?

Eine genaue, einheitliche Definition von Weblog (oder abgekürzt Blog) gibt es nicht. Deshalb wird hier versucht dieses Phänomen zu erklären.

„Ein Weblog [ein Kunstwort aus Web und Logbuch] ist eine regelmäßig aktualisierte Webseite, die aus datierten Einträgen in anachronistischer Reihenfolge besteht. Der Text wird oft mit Bildern oder Links angereichert. Blogs haben den Charakter eines halböffentlichen, aktuellen Journals, der an ein Tage- oder Notizbuch erinnert und zur Kommunikation einlädt: Andere Blogger kommentieren, diskutieren und verlinken interessante Einträge. Zur Nutzung eines Blogs sind generell keine Online-Fachkenntnisse notwendig. Im Gegensatz zu Deutschland werden in den USA, Frankreich und Großbritannien Blogger bereits als publizistische Macht wahrgenommen.“[3]

„Weblog-Autoren werden Blogger genannt, das können z.B. Privatpersonen, Berufsverbände, Parteien, Interessengruppen und auch Journalisten sein. Generell gilt, dass, gerade in Abgrenzung zu etablierten Medien, keine Qualifikationen notwendig sind und keine Kontrollorgane, wie z.B. der Chefredakteur, existieren.“[4]

Mit Weblogs verbreiten sich Themen und Ideen rasend schnell, doch[5] „sind es mehrere Aspekte, die Weblogs ganz erheblich von anderen Mischformen aus Kommunikation und Information im Internet wie Foren und Mailinglisten unterscheiden: Zum Einen ermöglichen RSS[6] [...] und Trackbacks[7] ein hohes Verbreitungstempo bwz. Rückkopplungseffekte zwischen Beiträgen und verschiedenen Blogs. Andererseits ist der Autor weit weniger Anonym als zum Beispiel in grossen Mailinglisten und kann deutlich besser eingeschätzt werden. Ein Beitrag steht im Kontext zu anderen Informationen über Autor sowie anderen Beiträgen von ihm. Anstatt dass die Menschen sich zuerst miteinander in Verbindung setzen, vernetzen sie zuerst ihre Themen und Gesprächsfäden. [...] Oft mutet das Ergebnis an wie eine interaktive Mindmap.“[8] „Es ist hilfreich, die formalen und technischen Aspekte unter dem Begriff „Weblogs“ zusammenzufassen und im Gegensatz dazu die inhaltlichen und sozialen Auswirkungen als `Blogospäre` zu benennen. Letztere machen das Wesen der Blogs aus, denn die Lebendigkeit besteht im Vernetzen von Informationen und Gesprächfäden.“[9] Unbestritten ist, dass Weblogs ein Massenphänomen darstellen. Ihre Relevanz ist schwer einschätzbar, zumal viele Blogs über Monate nicht aktualisiert werden.[10] Trotzdem „trägt die Blogosphäre mittlerweile einen gewissen Anteil daran, aus einem Haufen Informationen im Netz einen Haufen vernetztes Wissen zu machen.“[11]

3. Entstehung und Entwicklung von Weblogs

In den frühen 90er Jahren richtete Tim Berners-Lee, der Erfinder des WWW, eine erste Art von Weblog ein. Auf http://info.cern.ch entstand eine aktuelle und chronologisch angeordnete Liste von den neusten Websites. Auch ein Vorläufer der heutigen Weblogs war die Whats’ New Page von Netscape. Zwischen 1993 und 1996 wurden dort interessante Links mit kurzen Inhaltsangaben veröffentlicht. 1997 begann mit den ersten übersichtlichen Communitys die eigentliche Weblogära.

Um einen Weblog erstellen und pflegen zu können, musste man damals entsprechende Vorkenntnisse Im erstellen von Websites haben. Dies änderte sich im Jahre 1999 als die ersten Weblog-Systeme auf dem Markt kamen. Nun war es auch für HTML-Anfänger möglich, einen eigenen Weblog zu starten und unterhalten. Zu den bekanntesten Softwarelösungen gehört blogger.com, welche vor kurzem von Google aufgekauft wurde. Durch diese neue Einfachheit vermehrten sich die Weblogs explosionsartig.

Richtig bekannt wurden Blogs jedoch mit dem 11. September 2001, als die ersten Auswirkungen der Anschläge auf das World Trade Center in New York sichtbar wurden. Blogger berichteten schneller und authentischer als die herkömmlichen Medien. Auch im Afghanistan-Krieg im Winter 2001/2002 berichteten die Blogger, was wirklich geschah. Die amerikanischen Medien berichteten dagegen sehr regierungsfreundlich und patriotisch.[12]

„Mittlerweile haben sich Weblogs zu einem bedeutenden Hype innerhalb des Internets entwickelt.“[13] Vieles deutet darauf hin, dass dieser Boom noch anhält.[14]

4. Graswurzel-Journalismus

Im Zusammenhang mit Weblogs und Medienkritik stösst man immer wieder auf den Begriff des Graswurzel-Journalismus. Weblogs werden oft als neuer Graswurzel-Journalismus bezeichnet.

„Graswurzel-Journalismus (auch partizipativer Journalismus genannt) wird meist im Zusammenhang mit den neuen Formen von Publikationen im Internet, z.B. den Weblogs, erwähnt. [...]

Die Herkunft des Wortes Graswurzel-Journalismus selbst, das aus dem Bereich der Publizistik stammt, geht auf ein Konzept für einen friedensfördernden Journalismus zurück. Der norwegische Friedensforscher Johan Galtung hat ein Konzept eines solchen Journalismus entwickelt.

Eine gängige Definition für partizipativen Journalismus von Shayne Bowman und Chris Willis lautet übersetzt:

`Partizipativer Journalismus ist die Tätigkeit eines Bürgers oder einer Gruppe von Bürgern, die eine aktive Rolle im Prozess der Recherche, des Berichtens, des Analysierens, sowie des Verbreitens von Nachrichten und Informationen einnehmen. Ziel dieser Partizipation ist die Bereitstellung von unabhängigen, verlässlichen, genauen, ausführlichen und relevanten Informationen, die eine Demokratie benötigt.“[15]

[...]


[1] Vgl. Alphonso, Blogs!, S.24ff.

[2] Lohmöller, Blogs sind? Blogs sind!, S.222.

[3] http://www.recherchehilfen.de/recherche%20online_blog_a.htm (06.01.2006).

[4] http://www.recherchehilfen.de/recherche%20online_blog_a.htm (06.01.2006).

[5] Vgl. Lohmöller, Blogs sind? Blogs sind!, S.222.

[6] RSS (Abkürzung für Really Simple Syndication) ist eine Technologie, die es dem Nutzer ermöglicht, die Inhalte einer Webseite – oder Teile davon – zu abonnieren.

[7] Als Trackback bezeichnet man eine Funktion, mit der Weblogs Informationen über Reaktionen bzw. Kommentare durch einen automatischen Benachrichtigungsdienst untereinander austauschen können.

[8] Lohmöller, Blogs sind? Blogs sind!, S.222f.

[9] Lohmöller, Blogs sind? Blogs sind!, S.223.

[10] Vgl. Lohmöller, Blogs sind? Blogs sind!, S.223.

[11] Lohmöller, Blogs sind? Blogs sind!, S.224.

[12] Vgl. http://www.tzwaen.com/publikationen/weblogs-einfuehrung (06.01.2006).

[13] http://www.tzwaen.com/publikationen/weblogs-einfuehrung (06.01.2006).

[14] Vgl. http://www.tzwaen.com/publikationen/weblogs-einfuehrung (06.01.2006).

[15] http://de.wikipedia.org/wiki/Graswurzel-Journalismus (06.01.2006).

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Digitale Wachhunde
Untertitel
Medienkritik dank Weblog
Hochschule
Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur  (HTW Chur)
Note
5
Autor
Jahr
2006
Seiten
15
Katalognummer
V77861
ISBN (eBook)
9783638846110
ISBN (Buch)
9783638845144
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Digitale, Wachhunde
Arbeit zitieren
Isabelle Walther (Autor), 2006, Digitale Wachhunde, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77861

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