Die Gegenpäpste Theoderich, Albert und Silvester IV. - Versuch einer Einordnung


Hausarbeit, 2007
26 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Einordnung in die Ereignisgeschichte

3. Das Verhältnis zwischen Heinrich IV. , Paschalis II. und den Gegenpäpsten Theoderich und Albert

4. Die Rolle Silvester IV

5. Auf Spurensuche

6. Schlussbetrachtung

7. Literatur und Quellen

1. Einführung

Die Namen der Gegenpäpste Theoderich, Albert und Silvester IV. sind wahrscheinlich nicht sehr bekannt- und doch soll es in dieser Arbeit um die Bedeutung dieser drei Männer in ihrer Zeit gehen. Dass sie eine nur geringe Bedeutung für die Nachwelt hatten, kann man kaum von der Hand weisen.

Doch in ihrer Zeit, also um die Jahrhundertwende vom elften zum zwölften Jahrhundert, waren sie Gegenpäpste und damit die Nachfolger von Clemens III.

Sie unterschieden sich allerdings in einem wichtigen Punkt von ihrem berühmten Vorgänger: weder Theoderich noch Albert wurden von Heinrich IV. unterstützt.

Silvesters Rolle in der Geschichte steht noch unter einem anderen Gesichtspunkt, denn er war Gegenpapst unter Heinrich V. und dem zu Folge ergeben sich hier andere Bewertungsmaßstäbe.

Was soll nun also in dieser Arbeit geleistet werden? Ich werde die drei Gegenpäpste anhand der wenigen vorhandenen Fakten vorstellen, angefangen mit der Zeit kurz vor Clemens III Tod bis hin zu den Verhandlungen zwischen Heinrich V. und Paschalis II 1111.

Dabei werden folgende Probleme auftreten: die Frage nach der Unterstützung des Kaisers, die Motive dafür und die Rolle Silvesters in den Verhandlungen 1111. Ich werde dabei auch untersuchen, welche Rolle der römische Adel spielte, wie das Verhältnis des Kaisers zum legitimen Papst war und einige andere Grundprobleme.

Um ein Bild von den drei Gegenpäpsten zu gewinnen, ist es nötig, sich jede noch so kleine Begebenheit anzuschauen, d.h. wie bei einem Puzzle viele kleine Dinge zu einem Großen zusammenzufügen. Denn es gibt kaum Quellen zu diesen drei Männern. Wenn ihre Namen genannt werden, dann meist im Zusammenhang mit anderen bedeutenderen Persönlichkeiten oder als Randnotiz, so zum Beispiel in der Chronik von Ekkehard von Aura oder in den Werken des Liber Pontificalis oder in der Biblioteca rerum Germanicum. Individuelle Stücke sind selten, so beispielsweise der Abdankungseintrag von Silvester IV. in der MGH Const. I. Erhalten ist weiterhin der Grabstein Theoderichs, in der Abtei zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit La Cava die Tierni bei Salerno.

Auch in der Forschungsliteratur spielen die drei Gegenpäpste eine relativ untergeordnete Rolle, meistens werden sie als erfolgslose Nachfolger Wibert-Clemens betitelt. Interessant ist allerdings dennoch, auf welche Art sie erwähnt werden. Doch dazu möchte ich später noch kommen. Hier soll nur die wichtigste Forschungsliteratur genannt werden, das sind zum einen die Bibliographien über Paschalis II von Carlo Servatius und über Wibert von Ravenna von Jürgen Ziese und zum anderen das Werk über die Salier von Egon Boshof sowie die Biographie Heinrichs IV. von Gerd Althoff.

2. Einordnung in die Ereignisgeschichte

Die Jahre 1080 bis 1100 wurden von dem Verhältnis zwischen Kaiser Heinrich IV, Clemens III und den legitimen[1] Päpsten Georg VII., Viktor III., Urban II. und Paschalis II bestimmt.[2]

Clemens III war laut Jürgen Ziese „…der erfolgreichste kaiserliche Gegenpapst der mittelalterlichen Geschichte“.[3]

Die einzelnen Ereignisse in dieser Zeit sollen hier nicht erwähnt werden, für die darauf folgenden zehn Jahre sind jedoch zwei entscheidene Dinge zu bemerken. Zum Einen unterstütze Heinrich IV. Wibert von Ravenna bis zu dessen Tod, nicht einmal rückte er von ihm ab. Zum Zweiten ist festzuhalten, dass Wiberts Position sich anscheinend zum Ende hin etwas abschwächte, da uns bekannt ist, dass er kurz vor seinem Tode nach Civita Castelana flüchtete.[4]

Mit Clemens Tod am 08.09.1100 beginnt die Zeit von Theoderich, Albert und Silvester, denn die Wibertiner, also die Anhänger Clemens III., dachten nicht daran, das Schisma zu beenden. Mit der Unterstützung italienscher Adelsfamilien wählten sie insgesamt drei Männer als Nachfolger Wiberts von Ravenna.[5]

Der direkte Nachfolger wurde der Kardinalsbischof von Albano[6], Theoderich. Dieser war laut P. Kehr und Rudolf Hüls vorher Kardinalsdiakon von S. Maria in Via Lata.[7]

Viel ist nicht bekannt über diesen Mann, er scheint jedoch ein enger Vertrauter von Wibert von Ravenna gewesen zu sein. Dieser hatte ihn im Jahr 1098 zum Leiter einer Gesandtschaft nach Deutschland benannt. Ziel dieser Legation war es, den deutschen Bischöfen, insbesondere Ruthard von Mainz, den Besuch einer von Clemens III. geplanten Synode nahe zu legen.[8]

Im Jahre 1099, am 18. Oktober, unterzeichnet Theoderich als einer von dreizehn Kardinälen ein Diplom für den Kardinalspriester Romanus von S. Ciriaco nelle Terme, was erkennen lässt, dass Wibert von Ravenna in diesen Tagen seine Anhänger um sich gesammelt hatte. Diesen Gedankengang verfolgt Jürgen Ziese[9], der weiter überlegt, ob Theoderich vielleicht schon in diesen Tagen zu Wiberts Nachfolger auserkoren wurde, da er das Diplom an hoher Stelle unterzeichnet, nämlich an Dritter. Ein knappes Jahr später, in der Nacht vom neunten auf den zehnten September wurde Theoderich dann in der Petersbasilika gekrönt. Diese Krönung verlief ohne bekannte Schwierigkeiten, was wahrscheinlich auch daran lag, dass Papst Paschalis II gerade nicht in Rom weilte. Theoderich behielt seinen weltlichen Namen bei.

Sein Pontifikat dauerte jedoch nur dreieinhalb Monate, im Januar 1101 wurde er auf dem Weg nach Deutschland zum Kaiser Heinrich IV. gefangen genommen und von Papst Paschalis II als Mönch in die Abtei zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit La Cava di Tirreni bei Salerno verbannt. Diese Abtei lag in normannischem Herrschaftsbereich, sie wurde von papsttreuen Benediktiner geführt und Theoderich war nicht der einzige Gegenpapst der dort untergebracht wurde.[10] Gestorben ist Theoderich dort 1102, erhalten ist eine Grabplatte, auf der steht: Theodoricus in pace MCII. Über die Echtheit dieser Platte gibt es keine weiteren Aussagen, bis auf die des Bautzlexikons, welches die Echtheit bezweifelt, jedoch keine Gründe dafür angibt.[11]

Nach Theoderichs Tod wurde sogleich sein Nachfolger gewählt, das genaue Datum ist jedoch unbekannt. Sein Name war Albert (Alberich, Albertus), er war Kardinalsbischof von Silva Candida/ St. Rufina.

Über ihn ist so gut wie nichts bekannt, nur die Unterzeichnung einer Urkunde vom 04.11.1084 und seine zweimalige Anwesenheit in Rom. Genauer am 8.1. 1089 und am 7.8. 1098.[12] Über seine Wahl ist der Ort überliefert (die Apostelkirche) und das Aufkommen von Unruhen nach der Wahl. Albert musste während dieser Unruhen in das Haus eines Wibertiners flüchten. Er wurde jedoch verraten, ausgeliefert und gefangen genommen und starb in einem Kloster in Aversa.

Am 18.11. 1105 wurde dann sein Nachfolger gewählt, Maginulf, welcher Erzpriester von St. Angelo war. Über ihn wissen wir wieder ein wenig mehr, bzw. wissen wir, dass er schon damals recht unbekannt war. Meyer von Knonau sagt über ihn: „ Ein gewisser Erzpriester von San Angelo, nach gegnerischen Aussagen ein in Rom fremder- Paschalis II. äußert sich über ihn, er wisse nicht, wo und von wem er ordiniert worden sei- wurde nunmehr herangezogen.“[13]

Zu dem wissen wir auch, dass Maginulf seinen Namen in Silvester IV. ändert und er unterstützt wurde von dem Markgrafen Werner von Ancona.

Werner von Ancona war ein schwäbischer Graf, der Gebiete am adriatischen Meer besaß. Von Heinrich IV. bekam er weitere Gebiete, die Reichslehen Spoleto und Camerino.[14]

Auch Silvester IV. wurde während der Abwesenheit von Paschalis in Rom erhoben. Als dieser in die Stadt zurückkehrte, kam es zu Kämpfen zwischen den jeweiligen Anhängern.[15] Auch wenn Silvester zu erst die Oberhand behielt, musste er, nachdem ihm das Geld ausging die Stadt verlassen und zu seinem Gönner, dem Markgrafen, nach Osimo fliehen. Silvester IV. trat jedoch erst im Jahre 1111 ab, nachdem es zu Verhandlungen zwischen Heinrich V. und dem legitimen Papst Paschalis gekommen war.

Gussone schreibt, dass nach der Wahl Silvester IV. Papst Paschalis einen Brief an die Gläubigen schreibt, indem er vor dem neuen Gegenpapst warnt.[16] Daraus könnte man ableiten, dass er –trotzdem die Vorgänger Silvesters wenig Erfolg hatten- immer noch Gefahrenpotenzial in einem neuen Gegenpapst sah. Meyer von Knonau schreibt in den Jahrbüchern, dass sich unter den Wählern Maginulfs auch ehemalige Anhänger Gregors VII und Urbans II befanden, so schreibt es auch Haller.[17] Dies wird aber von der neueren Forschung nicht mehr unterstützt. Diese Anhänger unterstellten Paschalis II Simonie, als Urheber dieser Vorwürfe wird Werner von Ancona genannt.[18] Paschalis soll die Anerkennung durch die Tuskulaner buchstäblich erkauft haben, dazu habe er Kirchenbesitz wie die Orte Tivera, Ninfa und Ariccia verpfändet.[19]

[...]


[1] In der vorliegenden Arbeit richte ich mich mit den Begriffen Gegenpapstum und legitimen Papsttum nach den Ansichten der heutigen Zeit. Im Laufe der Geschichte war es nicht immer eindeutig wer der legitime Papst ist -und wer der Gegenpapst. Gerade Wibert von Ravenna war ein sehr erfolgreicher Gegenpapst. Nicht nur, dass er sich über 20 Jahre lang hielt und drei Päpste überlebte- teilweise wurde er sogar im Ausland anerkannt, so zum Beispiel in Ungarn. In seinen Schriften äußert sich Wibert auch zu der Frage, wer der rechtmäßige Papst sei. Nur er kann es sein, denn Gregor VII. hätte seine Papstwürde durch Mord, Sakrileg und Eidbruch verwirkt. Er, Wibert, jedoch wäre vom Kaiser eingesetzt und demzufolge der legitime Papst. (vgl. Jordan ,Karl: Die Stellung Wiberts von Ravenna in der Publizistik des Investiturstreites, S. 161). Bei Theoderich, Albert und Silvester IV. scheint die Situation eindeutiger, keiner von ihnen erreichte die Stellung Clemens III. Die Frage, die sich mir jedoch stellt ist folgende: Wenn Wibert von Ravenna der rechtmäßige Papst war (seine Vorwürfe an Georg VII. sind nicht unberechtigt), so sind Theoderich und Albert ebenfalls legitime Päpste, da sie als die Nachfolger von Wibert gewählt und inthronisiert wurden. Problematisch ist an dieser Stelle aber, dass Heinrich IV. weder Theoderich noch Albert unterstütze.

[2] Natürlich war das nicht alles, was in diesen zwanzig Jahren passierte, aber für das Thema welches hier behandelt wird, ist dieses Verhältnis ausschlaggebend.

[3] Ziese, Jürgen,Wibert von Ravenna, S. 275

[4] Wobei Ziese betont, dass Wibert zwar die Stadt verlassen hat, aber es nicht bewiesen werden kann, dass er im eigentlichen Sinne vertrieben worden ist. Der Grund für das Verlassen der Stadt wird die Bedrohung durch einen möglichen Normanneneinfall gewesen sein, so Ziese, S. 264.

[5] „Their (der Gegenpäpste) election was the work of the cardinals of Clement III, assisted by the proimperial nobility of Rome and central Italy, especialley the Romab families of the Corsi and Baruncci(…). “ Robinson, IS, Henry IV, S. 309

[6] Dies liegt bei Castel Gondolfo und war zeitweilig die Residenz von Clemens III.

[7] Hüls, Rudolf, Kardinäle, S. 92

[8] Vgl. Schuhmann, Otto, Die päpstlichen Legaten, S. 63

[9] Ziese, Jürgen: Wibert von Ravenna, S. 265

[10] Im Jahre 1118 wurde z.B. Gregor VIII. dort aufgenommen.

[11] Bautzlexikon, Eintrag zu Theoderich unter www.bautz.de

[12] Vgl. Hüls, Rudolf, Kardinäle, S. 137.

[13] Meyer von Knonau, Jahresbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich IV. und Heinrich V, S. 275

[14] Vgl. Gregorovius, Ferdinand, Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter, 8. Buch

[15] Zum Verlauf der Kämpfe und die Quellenangaben vgl. Meyer-Knonau, Jahrbücher, S. 277, Anm. 96

[16] Gussonne, Nikolaus, Thron und Inthronisierung, S. 260. Er zitiert den Codex Udalrici, in dem es heißt: ..Hanc personam…in Lateranesem eclesiam induxerunt et, congregatis Wibertinae fecis reliquiis, in episcopi nomen pernitiosissime illeverunt.

[17] Vgl. Haller, Johannes, Papsttum, S. 444

[18] Meyer von Knonau, Jahrbücher, S. 247, Anm. 90

[19] Dies steht in einem Brief Werner von Anconas an Heinrich V., vgl. dazu Servatius, Carlo, Paschalis II, S, 73

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Die Gegenpäpste Theoderich, Albert und Silvester IV. - Versuch einer Einordnung
Hochschule
Universität Leipzig  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Hauptseminar
Note
2,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
26
Katalognummer
V78130
ISBN (eBook)
9783638827706
ISBN (Buch)
9783638832106
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gegenpäpste, Theoderich, Albert, Silvester, Versuch, Einordnung, Hauptseminar
Arbeit zitieren
Maxi Sohnekind (Autor), 2007, Die Gegenpäpste Theoderich, Albert und Silvester IV. - Versuch einer Einordnung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78130

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