Émile Durkheim und seine Soziologie


Hausarbeit, 2001

20 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhalteverzeichnis

1 Die Kindheit des Émile Durkheim
1.1 Familie
1.2 Soziales Umfeld während seiner Kindheit

2 Schulische Ausbildung, Studium und beruflicher Werdegang
2.1 Schule in Epinal
2.2 Antisemitismus
2.3 Ecole Normale Superieur; Studium in Epinal
2.4 Freunde und intellektueller Einfluss
2.5 Lehrer und Professoren

3 Berufliche Weiterentwicklung

4 Durkheim studiert in Deutschland

5 Aufenthalt in Deutschland

6 Comte und Durkheim

7 Durkheim und seine Soziologie

8 L’Année Sociologique

1 Kindheit des Émile Durkheim

1.1 Familie

David Émile Durkheim wurde am 15. April 1858 in Épinal, der Hauptstadt des Vogesen in Lothringen, geboren. Sein Vater, Moise Durkheim war seit 1830 Rabbiner in Épinal und Oberrabbiner der Vogesen und “Haute-Marne”. Sein Großvater Israel David Durkheim, war ebenfalls Rabbiner in Mutzing im Elsaß, genauso wie sein Urgroßvater Simon Simon im Jahre 1784.

Seine Mutter, Melanie née Isidor, war Tochter eines Händlers von Bier oder Pferden. Émile Durkheim wuchs auf in einer Familie, die nah an der Grenze zum orthodoxen und jüdischen Glauben verstrickt war . Seine Familie war Teil einer lang entwickelten jüdischen Gemeinschaft von Elsaß-Lothiringen, die Offiziere und Bedienstete im französischen Militär Ende des 19. Jahrhundert hatten.

Durkheim sollte ebenfalls ein Rabbiner werden, dies stand gemäß der Familientradition fest. Er wurde auch Zeit seines Lebens darauf hin erzogen. Für eine kurze Zeit besuchte Durkheim ein Rabinerschule, doch während dieser Schulzeit entschied sich Durkheim nicht der Familientradition zu folgen.

Die Einnahmen der Familie Durkheim waren sehr bescheiden und mager. Sein Vater verdiente 2.500 französische Francs und seine Mutter ergänzte das Einkommen durch die Tätigkeit in ihrem eigenen Stickereigeschäft, womit sie ebenfalls 2.500 französische Francs verdiente. Als Durkheim zur Welt kam hatte die Familie, die Sticker noch bei sich im Haus wohnen. 1

1.2 Soziales Umfeld während seiner Kindheit

Er wuchs neben seinem älteren Bruder Felix und seinen Schwestern Rosine und Céline auf. In dem Umfeld, indem er aufwuchs, herrschten starke Grundsätze und jeder in dieser Gemeinschaft folgte diesen auch. Es gab keine Ausnahme diese Regeln zu unterlaufen, sie waren für jeden maßgeblich. Diese Art des Lebens gab jedem Mitglied der Gemeinschaft, unabwendbare Richtlinien, welche jedes Mitglied einhalten mußte.

Seit seiner Kindheit hatte Durkheim immer ein starkes Pflichtbewußtsein, eine ernsthafte, strenge und bescheidene Lebenseinstellung. Durkheim konnte niemals etwas genießen ohne dabei Reue zu zeigen. Er hatte in dieser Zeit etwas erlebt, was er später selbst als Einschränkung in der Charakterausprägung beschrieb, dies resultierte daraus, das er in dieser jüdischen Gemeinschaft aufwuchs. Die Einschränkungen, wie sie Durkheim erlebt hatte, waren sehr verbreitet unter religiösen Minderheiten, wie den Juden. Dies war jedoch ein Schutzwall, den sie um sich herum aufbauten, ähnlich einem Elfenbeinturm. In solchen Gruppen sind demzufolge die sozialen Verbindungen stärker, als in anderen Gemeinschaften. Diese starken Verbindungen führten zu einer Erleichterung im täglichen Leben. Das war besonders im Fall der Juden zu beobachten, die sich gegen eine allgemeine Abneigung durchsetzen mußten. Es war schwierig mit dem Rest der Bevölkerung in Interaktion zu treten. Durkheim hat später die typische jüdische Gemeinschaft als eine als kleine, kompakte in sich beständige beschrieben. Ebenfalls hatte diese Gesellschaft eine sehr klare und einheitliche Vorstellung vom Begriff des Selbstbewußtsein und der Einheitlichkeit. Das Judentum, wie alle alte Religionen, besteht aus “Gebräuchen und Sitten”, die alle Aspekte bestimmen und nicht viel Spielraum für individualistische Entscheidungen lassen.

2.Schulische Ausbildung, Studium und beruflicher Werdegang

2.1 Schule in Epinal

Durkheim besuchte eine ortsansässige Schule, College d’Epenal, wo er ein ausgezeichneter Schüler war. Er übersprang zwei Klassen und schaffte ohne Mühe seinbaccalauréats.Als er in der Schule war, erlebte er eine kurze Krise von Mystizismus, die durch eine alte katholische Schulmeisterin hervorgerufen wurde, die er jedoch rasch schon bald überwunden hatte.

Schon in jungen Jahren stand für Durkheim fest, das er nach der Schule studieren wollte. Sein Vater sagte der Entscheidung zu, jedoch nur unter der Bedingung das Durkheim sein Studium gewissenhaft betreiben sollte. Diese Bedingungen wurden von Durkheim eingehalten und er studierte fortan in Epinal.2

2.2 Antisemitismus

Während des französisch-preußischen Krieges, als Durkheim zwölf Jahre alt war, hatten die Deutschen Epinal besetzt. Die Stadt wurde nach dem Waffenstillstand zum französischen Grenzgebiet. Es gibt Beweise, das Durkheim den Antisemitismus sah und auch selbst erlebte:

“ Antisemitismus war schon im Krieg von 1870 in den östlichen Regionen zu sehen. Da ich jüdischer Herkunft bin konnte ich dies mit eigenen Augen beobachten. Die Juden wurden damals für die Niederlagen beschuldigt.”

Sein Erlebnis der französischen Niederlage könnte zu seinem starken Patriotismus, der sich jedoch nicht militant ausdrückte, beigetragen haben.3 Dieses defensive Haltung über nationale Dekadenz und ein konsequenter Wunsch, der Regeneration Frankreichs beizutragen. Diese Gefühle wurden von den Intellektuellen seiner Generation stark vertreten. Ein Biograph seiner Zeitgenossen, der Historiker Camille Jullian, erinnert sich an den Patriotismus, als eine Haltung der damaligen Generation: “Niederlage in Unordnung, Verstümmelung des ganzen Landes, der beredt Heroismus Gambettas, die improvisierten Armeen des Ostens und des Loires, kämpfend bis zur Erschöpfung, eher im Namen der Ehre als im Namen des Sieges - War all dies nicht ein bleibender Eindruck, auf ein Kind mit großen Phantasien?” Durkheim, wie Jullian, war einer von denen, dessen Aufgabe es war Frankreich neu aufleben zu lassen.

2.3 Ecole Normale Superieur; Studium in Epinal

Nachdem Durkheim sein baccalareat in Literatur und Wissenschaften 1874 gemacht hatte wurde er in der Coucours General bekannt. Dafür mußte er jedoch von Epinal nach Paris ziehen, um sich für die Aufnahme an der Ecole Normale Superieur (- ist eine pädagogische Hochschule für den Gymnasialbereich) vorzubereiten. In dieser Zeit wurde Moise Durkheim, sein Vater krank und Durkheim mußte den Platz des Familienoberhauptes für diese Zeit übernehmen und sich zusätzlich um die Finanzierung seines Studiums kümmern. Er bekam einen Platz in der “Pension” des Institutes Jauffret, welches für Studenten gedacht war, die nicht in Paris wohnten. Anschließend schrieb er über das Gefühl von Leere und Isolation, das allen Studenten die ihr Studium in Paris beenden wollten bekannt war. Täglich verspürte er den Schmerz, teilweise durch die familiären Belastungen und die Unklarheit über seine Zukunft und teilweise wegen der Art, wie die Kurse denen er folgen mußte konzipiert waren und unter welch strengster Disziplin diese abgehalten wurden. Seine Vorliebe lag mehr beim wissenschaftlichen Studium, anstelle des literarischen, wobei seine Schwierigkeiten im Lateinischen und Rhetorischen lagen, und er versuchte diese zu überwinden. Am Ende des Jahres verfehlte er die Aufnahme an der Ecole und besuchte daraufhin die “lycée luis le grand”, um sich auf seine zweite Aufnahmeprüfung vorzubereiten. Der einzige Lichtblick in seinem Leben war Professor Charpeutier, der ohne ihn geistig zu beeinflussen mit seiner Scharfsinnigkeit darauf hinwies seinen Stil beizubehalten und seinen Mut nicht zu verlieren. Charpeutier gab ihm den Rat sich an alltäglichen Dingen zu erfreuen und half ihm bei vielen Vorlesungen. Beim zweiten Versuch die Aufnahme an die Ecole zu schaffen fiel Emile Durkheim wieder durch. Erst beim dritten Versuch im Jahre 1879 schaffte Durkheim die Prüfung. Er war inzwischen 21 Jahre alt.4

2.4 Freunde und intellektueller Einfluß

Durkheim hatte nicht viele Freunde an der Ecole Normale Superieur, ist eine pädagogische Hochschule für den Gymnasialbereich), doch zu denen ihn eine Freundschaft verband hatte er eine offenkundige Hingabe und Loyalität. die Zuneigung zu ihnen war tiefgründig verwurzelt. Durkheim, der eine Freundschaft als heilige Gemeinschaft sah mußte mit ansehen wie einer nach dem anderen aus dem Leben schied.

Klassenkamerad Hommay war einer der innigsten Freunde von Emile Durkheim an der Ecole Normale Dieser starb ein paar Jahre nach dem Schulabschluss. Ein anderer Freund Durkheims: Jauvés, der ein Jahr vor ihm an die Ecole Normale kam. Jauvés wurde ein großer Sozialistenführer und wurde zu Beginn des 1.Weltkrieges ermordet. Durkheim änderte seine Meinung entgegen der formalistischen und hohlen Philosophie der Radikalen. Hamelin, er war ein Kollege von Durkheim. er starb bei den Bemühungen anderen das Leben zu retten. Alle drei Freunde starben sehr früh und Durkheim nahm durch seine innerliche sensible Art den Kummer noch mehr in sich auf. Er war ein Beispiel dafür wie sehr ihn andere beschäftigten. Dies machte er zum essentiellen Kennzeichen seines ethischen Systems. Seine soziologischen “Kumpel” ließen ihm bei seinen Gefühlen keinen freien Lauf, dadurch wirkte er sehr introvertiert. Er mochte dennoch das soziale Leben und sich bei festlichen Gelegenheiten “unter die Leute zu mischen”. Ein weiteres Interesse legte er auf seriöse Gesprächskreise und ausgeprägte Dialekte. Daneben gab es aber auch Dinge die er überhaupt nicht mochte. Dies waren flacher Sarkasmus, der von vielen seiner “normalen” Kollegen praktiziert wurde und jegliche Art von Künsteleien und Fluchthaftigkeiten.5

2.5 Lehrer und Professoren

Es gab nur wenige unter seinen Lehrern, die Durkheim beeindruckten. Einer von ihnen war Fustel de Coulanges ein großer Historiker. Dieser wurde im Jahre 1880 Direktor der Ecole Normale. Ein weiterer was Emile Boutroux ein hervorragender Philosoph von dem heute (1934) noch fränzösiche Philosophen herrühren. Neben diesen Lehrkräften nahmen noch drei weitere Personen und zwar Autoren Einfluss auf Durkheim. Renovier, Kant und Comte waren zu der Zeit als die Ecole Normale besuchte seine bevorzugte Lektüre. Bei Comte kann nicht genau gesagt werden ob er ihn noch während der engeren Bekanntschaft mit Boutroux anfing zu lesen oder erst später. Anhand von einer Aussage von Durkheim kann jedoch gesagt werden, das Boutroux im wesentlichen dazu beitrug: “ Ich wurde gestärkt durch das Lesen von Comte.” Und Boutrouxs Prinzip des sozialen Gebiets baute darauf auf. In weiteren Arbeiten von Durkheim läßt sich auch erkennen, wie sehr Boutroux durch seine Art zu Lehren Einfluss auf Durkheim nahm. Dies zeigt sich in seiner Dissertation über Moutesquien, ”Les Régles de la methodesociloqique” und ganz besonders in seiner Widmung in “De la Division: A mon cher maitre M. Emile Boutroux: Hommage respectueux et reconnaisant”.6

[...]


1 Lukes: Émile Durkheim, 1973; Alpert: Émile Durkheim and his Sociology, 1939

2 Lukes: Émile Durkheim, 1973; Alpert: Émile Durkheim and his Sociology, 1939

3 Lukes: Émile Durkheim, 1973

4 Lukes: Émile Durkheim, 1973; Alpert: Émile Durkheim and his Sociology, 1939

5 Lukes: Émile Durkheim, 1973; Alpert: Émile Durkheim and his Sociology, 1939

6 Alpert, Emile Durkheim and His Sociology, 1939, S. 23, 24, 26, 27, 28

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Émile Durkheim und seine Soziologie
Hochschule
Universität Konstanz
Note
1
Autor
Jahr
2001
Seiten
20
Katalognummer
V78906
ISBN (eBook)
9783638830904
ISBN (Buch)
9783638832632
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Durkheim, Soziologie
Arbeit zitieren
Marco Kaiser (Autor), 2001, Émile Durkheim und seine Soziologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/78906

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