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Die Entwicklung Erecs vom jungelinc zum wunderære und ihre Bedeutung für die Ausbildung einer idealen Partnerschaft bei Hartmann von Aue

Title: Die Entwicklung Erecs vom jungelinc zum wunderære und ihre Bedeutung für die Ausbildung einer idealen Partnerschaft bei Hartmann von Aue

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 37 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Davina Ruthmann (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Summary Excerpt Details

Robert Braunagel versteht Hartmann von Aues Erstlingsepos Erec als einen Roman, der sich in seinem Kern lediglich auf Erec und seine Entwicklung konzentriere – im Gegensatz zur Romanvorlage Chrétien de Troyes, der einen Roman über ein Paar verfasste. Die Ausgestaltung der Enite-Figur fiele, so Braunagel, im direkten Vergleich zwangsläufig zu Ungunsten Hartmanns aus; Enite sei dem Hauptprotagonisten Erec lediglich „als Epitheton, als elfenhaftes, vollkommenes Wesen beigestellt“ . Einen Hinweis auf diese Verlagerung gibt die Reduzierung des Romantitels von Erec et Enide bei Chrétien zu Hartmanns Erec. Michel Huby hingegen verdeutlicht anhand einer überwiegend quantitierenden Vergleichsanalyse, dass diese angenommene Verdrängung Enitens „höchst fragwürdig“ sei. Nach seinen Ausführungen nehme Hartmanns Enite im Text einen gleichwertigen, wenn nicht sogar bedeutenderen Platz ein als Chrétiens Enide. Ich werde in dieser Arbeit den Standpunkt vertreten, dass die Gestalt Erecs, den Ausführungen Braunagels folgend, tatsächlich die Mitte ist, nach der Hartmann seinen Roman ausgerichtet hat. In erster Linie ist es seine Entwicklung, die in Hartmanns Roman thematisiert wird. Enite ist ihm von Anfang bis Ende untergeordnet und durchläuft keinerlei persönliche Entwicklung; ihre moralische Wertigkeit bleibt konstant.
Dies alles soll aber nicht heißen, dass ihre Rolle im Erec von geringer Bedeutung wäre. Vielmehr erfüllt Enite eine wichtige Funktion für den Fortgang der Handlung im Erec, sie ist also weitaus mehr als ein „Epitheton“. Zwar bekommt sie im Gegensatz zu Erec zweifellos den passiven Teil der Partnerschaft zugesprochen, doch sind es vordergründig ihr Wesen als „Mittlerin zwischen Mann und Umwelt“ und ihre Bereitschaft zur grenzenlosen triuwe, die Erec auf ihrer gemeinsamen Aventiurenfahrt auf den richtigen Weg zur vollkommenen Ehe- und Minnegemeinschaft führen. Der zu erreichenden Idealeigenschaften, die notwendig sind für eben diese Gemeinschaft, ist Enite bereits von Anfang an teilhaftig, doch bezogen auf ihren gesellschaftlichen Status ist ihre eigene Entwicklung zwangsläufig mit der Erecs verbunden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erster Handlungszyklus

2.1. Sperberkampf

2.2. Hochzeit und Hochzeitsturnier

3. Zweiter Handlungszyklus

3.1. Ehrverlust durch verligen in Karnant

3.1.1. Die Schuldproblematik

3.2. Aventiurenfahrt

3.2.1. Verhältnis von Mann und Frau in der frühscholastischen Ehelehre

3.2.2. Trennung von Tisch und Bett

3.2.3. Versöhnung

3.2.4. Joie de la curt

4. Konklusion

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Entwicklung der Titelfigur Erec in Hartmanns von Aue Erstlingsepos und analysiert, inwiefern seine persönliche Reifung die Voraussetzung für eine gelungene, ideale Partnerschaft bildet. Dabei wird kritisch hinterfragt, ob die Krise des Paares als gemeinsame Schuld zu werten ist oder ob sie einseitig aus Erecs Fehlverhalten und seiner falschen Minneauffassung resultiert, wobei Enites Rolle als mustergültige Ehefrau eine zentrale Funktion einnimmt.

  • Entwicklung Erecs vom unvollkommenen Jüngling zum reifen Herrscher
  • Analyse der Minne- und Eheproblematik in Hartmanns Erec
  • Rolle von Enite als "Mittlerin zwischen Mann und Umwelt"
  • Frühscholastische Ehelehre im Kontext ritterlicher Partnerschaften
  • Deutung der Aventiurenfahrt als Prozess der moralischen Bewährung

Auszug aus dem Buch

3.1.1. Die Schuldproblematik

Wie Hans Blosen bemerkt, werde die Erec-Philologie nach wie vor und trotz aller Interpretations-„Lösungen“ von dieser Frage geplagt, von der Frage nach Enitens Schuld bzw. Unschuld. Hugo Kuhn besteht auf der Unschuld der Protagonistin, er geht sogar soweit zu behaupten, dass „Wer sie, entgegen Hartmanns ausdrücklicher Versicherung (6775), auch nur einer Mitschuld zeiht, der versündigt sich an einer der reinsten Frauengestalten in Mittelalter und Neuzeit. Denn sie weiß von Anfang bis Ende nichts anderes als demütigste Liebe: eine Liebe, die ihr Geschick ganz und in jedem Augenblick dem opfert, von dem sie es empfing – ihrem Freund und Mann Erec.“ Kuhn geht lediglich von einer „objektiven Schuld“ Enitens aus, die sich aus ihrem Dasein als Frau ergibt. Dass sie selbst von einer subjektiven Schuld ihrerseits ausgeht, sei als Konsequenz ihrer rührenden Treue aufzufassen.

Nach Kuhn ergäbe sich die Notwendigkeit der anschließenden Aventiurenfahrt weder aus einer Probe auf Enitens Treue, noch aus einer Probe auf Erecs Rittertüchtigkeit (da beides ohnehin unbezweifelt sei), auch nicht aus einem mixtum compositum aus beidem, sondern einzig und allein aus der Probe ihrer Minnegemeinschaft. Auch wenn diese Überzeugung zunächst dadurch begründet erscheint, dass im Erec der Ehe- und Minnethematik ein hoher Stellenwert zugeschrieben wird, so provoziert diese Deutung doch verschiedene Fragen: Wie kann eine Minnegemeinschaft erprobt werden, wenn sie gerade durch die Trennung von Tisch und Bett aufgehoben wurde? Und wieso tadelt und bestraft Erec Enite, die ihm zwar nicht gehorcht, aber gerade deshalb „als Warnerin in vollkommener Weise ihre Pflichten innerhalb der Minnegemeinschaft erfüllt hat?“ Welcher Schuld entsprechen die Bestrafungen und Demütigungen, die Enite während des Aventiurenzuges auferlegt werden?

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung diskutiert die Rolle Enites und Erecs und vertritt den Standpunkt, dass Hartmanns Roman primär die Entwicklung Erecs thematisiert, während Enite von Beginn an als konstante, ideale Figur fungiert.

2. Erster Handlungszyklus: Dieses Kapitel behandelt Erecs Jugend und seine ritterlichen Anfänge sowie die Hochzeit, wobei Hartmann bereits Erecs Unvollkommenheit und seine noch unreife Minneauffassung andeutet.

3. Zweiter Handlungszyklus: Der Fokus liegt auf der Krise in Karnant, der anschließenden Aventiurenfahrt und der schrittweisen Reifung Erecs zu einem verantwortungsbewussten Herrscher, der die Integration von Ehe und Gesellschaft vollzieht.

4. Konklusion: Das Fazit stellt fest, dass der Roman keine Entwicklung eines Paares im Sinne einer beidseitigen Evolution darstellt, sondern die notwendige Reifung Erecs fokussiert, um die vollkommene, christlich geprägte Ehe mit der idealen Enite zu verwirklichen.

Schlüsselwörter

Erec, Enite, Hartmann von Aue, Minne, Ehe, Mittelalter, Aventiurenfahrt, Rittertum, Schuldproblematik, Triuwe, Partnerschaft, höfische Epik, frühscholastische Ehelehre, Identitätsentwicklung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Charakterentwicklung von Erec in Hartmanns von Aue Roman und untersucht, wie er durch verschiedene Bewährungsproben zu einer reifen Persönlichkeit und einer idealen Eheform gelangt.

Welche Themenfelder stehen im Zentrum?

Die Arbeit fokussiert sich auf die ritterliche Ethik, die mittelalterliche Ehekonzeption, das Verhältnis von Mann und Frau sowie die Bedeutung der Minne im Kontext gesellschaftlicher Verpflichtungen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu belegen, dass die Handlung primär die Entwicklung der Zentralgestalt Erec abbildet, dessen Fehlverhalten die Krise verursacht, und dass Enite bereits von Anfang an als moralisch konstantes Ideal fungiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text chronologisch auswertet und unter Einbeziehung relevanter Forschungsliteratur interpretiert.

Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der initialen Übermutsphase, die Krisenzeit in Karnant, die Aventiurenfahrt als Prozess der moralischen Läuterung und die finale Integration in die höfische Gesellschaft.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem "Minne", "Triuwe", "Aventiure", "Ehelehre", "Rittertüchtigkeit" und "Selbsterkenntnis".

Wie bewertet der Autor Enites Verhalten in Karnant?

Der Autor argumentiert, dass Enite keine subjektive Schuld trifft; ihr Verhalten wird als typisch weiblich und gehorsam gegenüber dem Ehemann interpretiert, während die eigentliche Verantwortung bei Erec liegt.

Warum ist die "Joie de la curt"-Episode so wichtig für Erec?

Sie gilt als das endgültige Bewährungsabenteuer, in dem Erec seine Reife beweist und seine soziale Integrität wiederherstellt, indem er sein Handeln nicht mehr aus privater Sinnlichkeit, sondern aus gesellschaftlicher Verantwortung leitet.

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Details

Title
Die Entwicklung Erecs vom jungelinc zum wunderære und ihre Bedeutung für die Ausbildung einer idealen Partnerschaft bei Hartmann von Aue
College
University of Wuppertal
Course
Familienstrukturen im höfischen Roman des Mittelalters
Grade
1,3
Author
Davina Ruthmann (Author)
Publication Year
2007
Pages
37
Catalog Number
V79351
ISBN (eBook)
9783638861199
Language
German
Tags
Entwicklung Erecs Bedeutung Ausbildung Partnerschaft Hartmann Familienstrukturen Roman Mittelalters
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Davina Ruthmann (Author), 2007, Die Entwicklung Erecs vom jungelinc zum wunderære und ihre Bedeutung für die Ausbildung einer idealen Partnerschaft bei Hartmann von Aue, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79351
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