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Jenseits von Klasse und Schicht? - Über Armut und Reichtum in der Bundesrepublik

Title: Jenseits von Klasse und Schicht?   -  Über Armut und Reichtum in der Bundesrepublik

Term Paper , 2007 , 16 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Jens Fischbock (Author)

Sociology - Social System and Social Structure
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Seit einigen Jahrzehnten findet in Deutschland eine heftige Debatte in Bezug auf die deutsche Sozialstruktur- und Ungleichheitsforschung statt. Es wird dabei der Frage nachgegangen, ob man heutzutage, im Zuge der Modernisierung der Gesellschaft, noch von einer Klassengesellschaft sprechen kann, die von einer vertikalen Schichtung der Gesellschaft bestimmt wird. Verschiedene soziologische Ansätze liefern dazu interessante Sichtweisen für eine Auseinandersetzung mit dieser Frage. Ein bedeutender Vertreter zu diesem Thema ist Ulrich Beck. Aufgrund der stark veränderten Lebensbedingungen nach dem zweiten Weltkrieg, sah er insgesamt für alle Menschen ein mehr an Bildung, Einkommen und Mobilität, was nach seiner Meinung dazu geführt hat, dass die Klassengesellschaft insgesamt eine Stufe höher rutschte. Durch neue Individualisierungstendenzen der Gesellschaft sah er die festen vertikalen Strukturen der Ungleichheit in der Gesellschaft in Auflösung begriffen (vgl. Beck, 1986, S. 122). Jedoch gab es an dieser Auffassung rege Kritik aus den eigenen Reihen, wie beispielsweise von dem Soziologen Rainer Geißler. Er stimmt dem zu, dass sich die Struktur der modernen Gesellschaft individualisiert und sich eine neue Vielfalt an Soziallagen entwickelt hat. Aber er warnte vor dieser neuen und einseitigen Sichtweise der Sozialstrukturanalyse, weil diese Gefahr laufe, wichtige fortbestehende Ungleichheitsstrukturen zu übersehen, die lebensprägend für die Menschen sind. Er stellt in Frage, ob die zunehmende Vielfalt an Lebensformen wirklich die vertikalen Strukturen auflöst und auch verschwinden lässt (vgl. Geißler, 1996, S. 321). Vielmehr haben sich nach seiner Meinung neue Faktoren herauskristallisiert, die heutzutage stark Schicht bildend sind und sehr von Armut und Reichtum in unserer Gesellschaft bestimmt werden.


Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Begriffliches

3. Jenseits von Klasse und Schicht?

4. Armut und Reichtum – Lebenschancen und -risiken

4.1. Schichtspezifische Bildung

4.2. Einkommens- und Vermögensverteilung

4.3. Soziale Ausgrenzung, Arbeitslosigkeit, Risikogruppen

5. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den aktuellen Status der Klassengesellschaft in Deutschland unter dem Einfluss gesellschaftlicher Modernisierungs- und Individualisierungsprozesse und geht dabei der Forschungsfrage nach, inwieweit neue Faktoren wie Bildungszugang und Einkommensverteilung Armut und Reichtum heute schichtbildend beeinflussen.

  • Debatte um die Auflösung oder den Fortbestand von Klassenstrukturen
  • Rolle der Bildungsexpansion für soziale Aufstiegschancen
  • Analyse der ungleichen Einkommens- und Vermögensverteilung
  • Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit, Armutsrisiko und sozialer Ausgrenzung
  • Einfluss der sozialen Herkunft auf individuelle Lebenschancen

Auszug aus dem Buch

3. Jenseits von Klasse und Schicht?

Zu den Anhängern der Auflösungsthese von Klassen und Schichten gehören u. a. Helmut Schelsky („Bedeutung des Schichtenbegriffes für die Analyse der gegenwärtigen deutschen Gesellschaft“) und Ulrich Beck („Jenseits von Klasse und Schicht“). So hebt Helmut Schelsky in seiner in den 50er Jahren aufgestellten These hervor, dass sich die aus dem alten ständischen Gefüge hervorgegangene schichtungsbestimmte Klassengesellschaft durch die Kräfte der sozialen Mobilität zu einer nivellierten Mittelstandsgesellschaft gewandelt hat. Die zunehmende soziale Mobilität, die durch die Veränderung des Berufes und der beruflichen Stellung charakterisiert ist, lockert die sozialen und räumlichen Bindungen und sorgt dafür, dass die Menschen aus den Unterschichten auf- und aus der Oberschicht abwärts mobil unterwegs sind. Dadurch vergrößert sich der Bevölkerungsanteil der Mittelschicht immer mehr, wodurch eine Abgrenzung nach oben bzw. unten unmöglich wird.

Dieser verhältnismäßig einheitliche Lebensstil zeigt sich dann darin, dass alle an den materiellen Gütern teilhaben können und jedermann das Gefühl entwickeln kann, nicht mehr ganz unten zu sein. In der Massenproduktion von Konsumgütern sieht Schelsky die wirksamste Überwindung des Klassenzustandes begründet, da aufgrund der verbesserten Einkommensverhältnisse diese nun von allen konsumiert werden können. Die Steigerung der sozialen Mobilität versteht er nicht mehr als einen Auf- und Abstieg innerhalb sozialer Schichten, sondern viel mehr als einen Abbau der Bedeutung sozialer Schichten sowie ein Abbau der Klassengegensätze. Diese Erkenntnisse veröffentlichte Schelsky in den 50er Jahren, in der Zeit des Nachkriegswirtschaftswunders. Daher kam er auch zu der Überzeugung, dass die sozialen Spannungen, die das gesellschaftliche Leben noch in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts bestimmten, immer mehr verblassen (vgl. Schelsky 1954, S. 393).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Es wird die soziologische Debatte um den Fortbestand von Klassengesellschaften in Deutschland skizziert und die Hausarbeit in den Kontext der Modernisierungsforschung eingeordnet.

2. Begriffliches: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe Schicht, Armut und Reichtum unter Berücksichtigung relativer Einkommensschwellen und soziologischer Kriterien.

3. Jenseits von Klasse und Schicht?: Die Auflösungsthese von Autoren wie Schelsky und Beck wird kritisch beleuchtet, welche die klassische Schichtung aufgrund von Individualisierung und sozialer Mobilität als überholt ansehen.

4. Armut und Reichtum – Lebenschancen und -risiken: Dieser Hauptteil analysiert empirisch die Auswirkungen von Bildung, Einkommen und Arbeitslosigkeit auf die soziale Struktur.

4.1. Schichtspezifische Bildung: Es wird untersucht, wie die soziale Herkunft die Bildungschancen beeinflusst und warum die Bildungsexpansion die Chancenungleichheit nicht beseitigen konnte.

4.2. Einkommens- und Vermögensverteilung: Das Kapitel dokumentiert die zunehmende Kluft zwischen hohen Managergehältern und sinkenden Reallöhnen sowie die ungleiche Verteilung von Vermögen.

4.3. Soziale Ausgrenzung, Arbeitslosigkeit, Risikogruppen: Die Untersuchung zeigt, dass Arbeitslosigkeit ein Haupttreiber für soziale Ausgrenzung ist und die Modernisierung neue Lebensrisiken schafft.

5. Schlussbetrachtung: Das Fazit stellt fest, dass sich Klassen nicht auflösen, sondern dynamischer werden, wobei die soziale Herkunft weiterhin massiv die Lebenschancen bestimmt.

Schlüsselwörter

Sozialstruktur, Ungleichheitsforschung, Klassengesellschaft, Schicht, Modernisierung, Individualisierung, Bildungsexpansion, Lebenschancen, Armutsrisiko, Einkommensverteilung, Vermögensverteilung, Arbeitslosigkeit, soziale Mobilität, soziale Ausgrenzung, soziale Herkunft

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit setzt sich kritisch mit der soziologischen Debatte auseinander, ob die moderne deutsche Gesellschaft aufgrund von Individualisierungstendenzen noch als Klassengesellschaft bezeichnet werden kann.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen die Themenfelder soziale Ungleichheit, Bildungschancen, die Verteilung von Einkommen und Vermögen sowie die Risiken von Arbeitslosigkeit und Armut.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, zu prüfen, ob die soziale Herkunft noch immer eine entscheidende Rolle für den Lebensweg spielt oder ob die „Auflösungsthese“ von Klassenstrukturen zutreffend ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische und deskriptive Analyse, die auf soziologischen Fachliteraturen, empirischen Studien und statistischen Berichten basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung schichtspezifischer Bildungsaspekte, die Analyse der Einkommens- und Vermögensschere sowie die Risiken sozialer Ausgrenzung bei Arbeitslosigkeit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kernbegriffe sind Sozialstruktur, Ungleichheit, Individualisierung, Bildungschancen, Armutsrisiko und Einkommensverteilung.

Was ist der sogenannte „Fahrstuhleffekt“ nach Ulrich Beck?

Beck beschreibt damit die Annahme, dass durch Bildungsexpansion und allgemeinen Wohlstand das gesamte gesellschaftliche Niveau angehoben wurde, wodurch klassenbedingte Unterschiede an Bedeutung verlieren.

Warum konnte die Bildungsexpansion die Chancenungleichheit laut Geißler nicht beheben?

Geißler argumentiert, dass das schichtspezifische Verhalten im Elternhaus weiterhin besteht: Eltern mit hohem Status fördern den Bildungserfolg ihrer Kinder stärker, wodurch die soziale Herkunft trotz formaler Chancengleichheit dominierend bleibt.

Wie hat sich die Kluft zwischen Arm und Reich laut der vorliegenden Arbeit verändert?

Die Arbeit belegt anhand von Daten, dass ein stetiges Auseinanderdriften der Einkommens- und Vermögensverteilung stattfindet, etwa durch die extreme Entwicklung von Managergehältern im Vergleich zu den Nettolöhnen.

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Details

Title
Jenseits von Klasse und Schicht? - Über Armut und Reichtum in der Bundesrepublik
College
Berlin School of Economics
Grade
2,0
Author
Jens Fischbock (Author)
Publication Year
2007
Pages
16
Catalog Number
V79615
ISBN (eBook)
9783638866323
Language
German
Tags
Jenseits Klasse Schicht Armut Reichtum Bundesrepublik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jens Fischbock (Author), 2007, Jenseits von Klasse und Schicht? - Über Armut und Reichtum in der Bundesrepublik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79615
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