Selbstverletzendes Verhalten junger Frauen


Seminararbeit, 2006

21 Seiten, Note: 1,2


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmung

3. Kategorisierung selbstverletzenden Verhaltens

4. Diagnose der Selbstverletzung

5. Selbstverletzendes Verhalten junger Frauen
5.1 Erscheinungsformen und Schweregrade
5.2 Entstehungszusammenhänge
5.3 Psychische Funktionen
5.3.1 Selbstregulation
5.3.2 Bewältigung von belastenden Lebensereignissen
5.3.3 Soziale Funktionen

6. Selbstverletzung und Weiblichkeit
6.1 Emotionale Sozialisation der Frau
6.2 Der weibliche Körper
6.2.1 Die symbolische Bedeutung von Blut und Haut
6.2.2 Die symbolische Bedeutung der Haut bei Selbstverletzung

7. Interventionsmöglichkeiten bei selbstverletzendem Verhalten
7.1 Psychotherapeutische Behandlung
7.2 Aufgaben der Sozialen Arbeit

8. Schlussbemerkung

1. Einleitung

Mit selbstverletzendem Verhalten bin ich persönlich noch nie direkt in Berührung gekommen. Hin und wieder sind mir Jugendliche aufgefallen, die Schnittwunden und Narben an den Armen hatten, dass dies allerdings auf selbstverletzendes Verhalten zurückgeführt werden kann ist mir erst im Laufe meines Studiums bewusst geworden.

Selbstverletzendes Verhalten ist ein Störungsbild, das erst in der letzen Zeit in der Öffentlichkeit und auch in Fachkreisen bewusster wahrgenommen wird. Gerade deshalb und auch, weil viele Menschen, auch Sozialarbeiter, mit Unverständnis und Ablehnung auf ein solches Verhalten reagieren, hat mich die intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema sehr interessiert. Ich hoffe es ist mir gelungen eine umfassende Beschreibung den selbstverletzenden Verhaltens seiner Ursachen, Funktionen und den Möglichkeiten einen therapeutischen Umgang damit zu finden.

Ich werde mich in der vorliegenden Arbeit zunächst auf der Ebene der Begriffsbestimmung an die Thematik der Selbstverletzung annähern und einen Definitionsversuch geben. Bei der Kategorisierung selbstverletzenden Verhaltens orientiere ich mich an der Untersuchung von Walsh et al. (1988)[1], der pathologisches selbstverletzendes Verhalten hinsichtlich des Verletzungsgrades, der psychischen Verfassung des Betroffenen und der sozialen Akzeptanz in von nicht pathologischen Verhaltensweisen abgrenzt. Es gibt bisher keine eigenständige Diagnose selbstverletzenden Verhaltens, auf diese Problematik und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Handlungszusammenhänge der sozialen Arbeit werde ich in Kapitel 4 eingehen. Im Folgenden wende ich mich der Thematik des selbstverletzenden Verhaltens bei jungen Frauen zu. Ich gehe zunächst auf die Erscheinungsformen und Schweregrade selbstverletzender Verhaltensweisen ein, um anschließend die Entstehungszusammenhänge von Selbstverletzung näher zu beleuchten. Ausführlich befasse ich mich in Abschnitt 5.3 mit den psychischen Funktionen selbstverletzenden Verhaltens für die Betroffenen. Ich gehe hier besonders auf die Funktionen der Selbstregulation, der Bewältigung von belastenden Lebensereignissen und die sozialen Funktionen selbstverletzenden Verhaltens ein. Da Selbstverletzung ein Phänomen ist, das sehr gehäuft bei Frauen auftritt beschäftige ich mich im Folgenden mit den denkbaren Zusammenhängen der weiblichen Sozialisation mit dem Verhalten der Selbstverletzung. Hierbei gehe ich näher auf die Rolle des weiblichen Körpers ein und setze mich in diesem Zusammenhang mit der symbolischen Bedeutung von Haut und Blut als Objekte selbstverletzenden Verhaltens auseinander. Anschließend gebe ich einen kurzen Überblick über die therapeutischen Ansätze in der Behandlung der von selbstverletzendem Verhalten und gehe dann auf die Aufgaben der Sozialen Arbeit näher ein Betroffenen.

2. Begriffsbestimmung

Scharfetter[2] setzt in seiner Definition selbstverletzendes Verhalten gleich mit der sogenannten Automutilation [griech. „autos“ – „eigen, selbst“; lat. „mutilare“ – „ein Stück abschneiden von etwas, verkleinern, verstümmeln“]. Automutilation ist „…eine selbstzugefügte und eigenaktive, direkt, unmittelbare und konkrete, funktionell-final motivierte – ob bewusst oder unbewusst – oder eher als Automatismus ablaufende Schädigung und Deformation des eigenen Körpers, welche kulturell nicht sanktioniert wird und nicht direkt lebensbedrohlich ist.“ (Hänsli 1996, S.23)

Wichtig ist eine Abgrenzung selbstverletzenden Verhaltens gegenüber artifiziellen Störungen, bei denen Krankheiten und ihre Symptome absichtlich erzeugt und aufrechterhalten werden und der Selbstverletzung, die in offener Form geschieht. Hierbei meint Selbstverletzung in „offener Form“ nicht etwa, dass diese freiwillig, öffentlich oder bewusst geschieht, sondern, dass der Betroffene, z.B. bei der Erstversorgung der Wunden, dazu steht sich die Verletzungen selbst zugefügt zu haben.

Des weiteren ist eine Abgrenzung gegenüber suizidalem Verhalten notwendig. Selbstverletzendes Verhalten kann lebensbedrohlich werden, es bezweckt allerdings nicht die direkte oder indirekte Herbeiführung des Todes. Bei selbstverletzendem Verhalten handelt es sich also um eine absichtliche Schädigung des eigenen Körpers, die jedoch nicht suizidal motiviert ist.

Folgende Definition, die diesen Aspekt mit einbezieht geben Petermann/Winkel[3]:

„Selbstverletzendes Verhalten ist gleichbedeutend mit einer funktionell motivierten, direkten und offenen Verletzung oder Beschädigung des eigenen Körpers, die nicht sozial akzeptiert und die nicht mit suizidalen Absichten einhergeht.“ (Petermann/Winkel 2005, S.23)

3. Kategorisierung selbstverletzenden Verhaltens

Um von selbstverletzendem Verhalten sprechen zu können ist wichtig Abgrenzungen gegenüber verschiedenen Formen von Veränderungen am eigenen Körper vorzunehmen. Es gibt pathologische Formen von Selbstverletzung, auf die in Abschnitt 4. näher eingegangen wird und nicht-pathologische Formen von Selbstverletzung, die sich in relativ alltäglichen Verhaltensweisen wie z.B. Fingernägel schneiden, Augenbrauen auszupfen, Piercing stechen lassen, Tätowierungen usw. ausdrücken.

[...]


[1] In: Hänsli 1996, S.23

[2] In: Hänsli 1996, S.23

[3] Petermann/Winkel 2005, S.23

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Selbstverletzendes Verhalten junger Frauen
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
1,2
Autor
Jahr
2006
Seiten
21
Katalognummer
V79671
ISBN (eBook)
9783638860291
ISBN (Buch)
9783638859721
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Selbstverletzendes, Verhalten, Frauen
Arbeit zitieren
Stefanie Sieber (Autor), 2006, Selbstverletzendes Verhalten junger Frauen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79671

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