Heutige Sportkarrieren - Exemplarische Analysen


Zwischenprüfungsarbeit, 2005
19 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Wandel der Sportkarrieren von damals zu heute
2.1 Sport im Leben der Kinder der 50er und 60er Jahre
2.2 Veränderter Sportzugang heute

3 Der Zugang zum Sport
3.1 Sportengagement in Abhängigkeit von der Gesellschaft
3.2 Wie stellt sich soziale Ungleichheit im Sport dar?
3.3 Vertikale und horizontale Disparitäten
3.4 Sportliches Engagement in Abhängigkeit sozialer Determinanten in der Kindheit und Jugend
3.4.1 Die soziale Schicht
3.4.2 Das Geschlecht
3.4.3 Das Alter
3.4.4 Die Schulkarriere
3.4.5 Die Siedlungsstruktur
3.5 Zur Kombination einzelner sozialer Determinanten

4 Exemplarische Analysen
4.1 Ergebnisse der Fragebögen
4.2 Vergleich der Ergebnisse
4.3 Auswertung der Ergebnisse im Bezug auf die Übereinstimmung der sozialen Determinanten

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit stellt eine Untersuchung heutiger Sportkarrieren dar. Ich möchte zu Anfang kurz auf die Entwicklung des Sports und seiner Ausübungsformen im Verlauf der Zeit eingehen, um dann einen Überblick über die sportive Karriere von Kindern und Jugendlichen der heutigen Zeit zu geben. Hierbei werde ich mich mit den Unterschieden zwischen damals und heute auseinandersetzen und die Merkmale der heutigen sportiven Kindheit, wie Verfrühung, Drop-Out und Fluktuation kontextgerecht darstellen.

Allgemein ist bekannt, dass die Gesellschaft keine gleichmäßige und sich durch Gleichberechtigung auszeichnende Struktur aufweist, sondern dass diese vielmehr durch Vielfalt, Unterschiedlichkeit, Differenzierung und Mehrdimensionalität geprägt ist. Dieser Zustand bildet sich durch das Aufeinandertreffen verschiedener Menschen aus unterschiedlichen Generationen, verschiedenen Kulturen, variierenden Einstellungen und Meinungen. Die Gesellschaft befindet sich in einer ständigen Entwicklung, unterliegt einem stetigen Wandel. Obwohl sich hierbei die traditionellen Einteilungen „Stand“ und „Klasse“ überwiegend aufgelöst haben, lässt sich dennoch nicht darüber hinwegsehen, dass sich stattdessen „eine Vielfalt von neuen sozialen Milieus und Lebensstilen“[1] gebildet hat, die weiterhin Unterschiedlichkeit ausdrücken, was sich u. a. in neuen sozialen Ungleichheiten äußert. Dass sich dies nicht nur auf die Gesellschaft allgemein bezieht, möchte ich zum Thema meiner Arbeit machen, indem ich die Merkmale sozialer Ungleichheit im Bezug auf den institutionalisierten Sport darstelle. Schwerpunkt ist dabei die Betrachtung des Zugangs von Kindern und Jugendlichen zu Sportvereinen und ihr Engagement in der jeweiligen Institution, denn soziale Ungleichheit macht auch vor den jüngeren Gesellschaftsmitgliedern nicht halt. Determinanten dieser Ungleichheit, wie Sozialschicht, Schulkarriere, Geschlecht und Alter möchte ich anfangs kurz darstellen, um sie daraufhin anhand von mir vorgenommenen Befragungen auszuwerten. Diese Befragungen habe ich mit Interesse auf das Engagement unterer Sozialschichten in einer Kampsportschule durchgeführt und möchte nun anhand dieser exemplarischen Analyse überprüfen inwieweit die durch zahlreiche Untersuchungen aufgestellten Thesen auf das von mir vorgeführte Beispiel zutreffen oder ob sich eventuell gewisse Abweichungen ergeben.

2 Wandel der Sportkarrieren von damals zu heute

2.1 Sport im Leben der Kinder der 50er und 60er Jahre

Ein Vergleich der Sportkarrieren aus den 50er und 60er Jahren mit den heutigen, verdeutlicht einen enormen Gegensatz, der sich aus der Entwicklung der etwa letzten 40 Jahre ergeben hat.

Die sportive Komponente der früheren Kindheit spielte sich zum größten Teil auf der Straße ab, wo sich Kinder jeder Altersgruppe trafen und zu Gruppen zusammenschlossen. Sie wuchsen also „wie von selbst je nach Alter, Geschlecht und sportlichem Können in eine natürliche Spiel- und Sportspiel-„Kultur“ hinein[…].“[2] Dieses Spielen stand für Freiheit und Selbstorganisation jenseits der Kontrolle der Erwachsenen oder institutionellen Verbänden. Die Kinder waren dementsprechend auf sich selbst angewiesen und machten durch die Auseinandersetzung mit der Gruppe vielseitige und wichtige Erfahrungen, die sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung unterstützten. Aus sportpädagogischer Sicht lassen sich heute aus dieser Straßenkultur verschiedene positive Funktionen im Hinblick auf die motorische, soziale und kognitive Entwicklung der Kinder feststellen.[3]

Institutionalisierte Sportmöglichkeiten bildeten in den 50er Jahren zuerst die Ausnahme. Der Eintritt in den Turnverein stellte die erste Möglichkeit dar, sich einem institutionellen Verband anzuschließen. Dies geschah in der Regel mit 6 bis 8 Jahren, wobei man hier nicht von einem Training im heutigen Sinne reden kann. Vielmehr wurde den Kindern dabei einmal wöchentlich die Gelegenheit zu einem „vielfältige[n] Tummeln, Spielen und sich Bewegen an Geräten“[4] geboten. Der sportartspezifische Zugang zu den damals noch auf circa 5 begrenzten Sportarten wurde für die Jugend erst im Alter von 11 bis 12 Jahren möglich. Die starke Vorherrschaft der Jungen ist hierbei deutlich erkennbar, wobei zu erwähnen ist, dass sich die sportlichen Möglichkeiten der Mädchen größtenteils weiterhin auf das Turnen beschränkten, während die Jungen hauptsächlich Fußball, Feldhandball, Leichtathletik oder Tischtennis für sich einnahmen.

In den 50er Jahren gehörten sportive Praxen noch zum Privileg junger Männer. Sie waren, je älter die Jugendlichen wurden, umso mehr männlich geprägt und dienten, zumal als Kampfspiel, männlicher Identität und Gruppenkultur. Sport war unbestritten „Männersache“.[5]

Gesellschaftliche Einflüsse auf den Sport lassen sich demnach auch in den 50er Jahren nachweisen. Werden sie doch vor allem im Bezug auf geschlechtsspezifische Differenzen, sowie auf die „monopolartige Dominanz der Werte `Leistung und Konkurrenz`“[6] sichtbar.

2.2 Veränderter Sportzugang heute

Im heutigen Sportzugang zeichnet sich eine extreme Veränderung im Vergleich zu dem der 50er Jahre ab. Anstatt dass sich die sportive Bewegungswelt der Kinder auf der Straße abspielt, ist sie heute weitgehend in institutionelle Bahnen gelenkt worden. Dies hängt u. a. auch mit den veränderten Umweltbedingungen der heutigen Zeit zusammen. Dass sportliche Betätigung bei den Kindern im Laufe der Zeit trotzdem immer mehr an Bedeutung gewonnen hat und heute einen großen Raum in ihrer Freizeitgestaltung einnimmt, stellen zahlreiche Untersuchungen dar.

Bei der Frage nach der liebsten Freizeitbeschäftigung im Wochenrhythmus geben 79% der 10- bis 14-jährigen Kinder (Schmidt, 2003, […]) bzw. 78% der 10- bis 13-jährigen (vgl. Strzoda & Zinnecker, 1996; Hasenberg & Zinnecker, 1996) sportlich bezogene Hobbies an […].[7]

Die bedeutsame Rolle des Sportvereins wird dadurch ersichtlich, dass sich die Anzahl der Kinder seit den 50er Jahren mehr als verdoppelt hat.[8] Man geht davon aus, dass ca. 52,4% der Kinder Mitglied in einem Sportverein sind, wobei hier immer noch geschlechtliche Unterschiede deutlich werden: Der Jungenanteil erfasst 60%, während nur etwa 40% der Mädchen in einem Sportverein tätig sind.[9]

Auch der Zeitpunkt des Sportvereinzugangs hat sich im Laufe der Zeit verändert und stellt sich in einer deutlichen Verfrühung dar. Kinder beginnen heute häufig schon mit 5 oder 6 Jahren ihre Vereinskarriere, verlassen ihn aber oft schon wieder dementsprechend früh. Eine starke lebenslange Bindung an den Verein ist heute nicht mehr üblich. Gründe für diese Tatsache lassen sich zahlreich finden. Diese so genannte Fluktuation wird häufig bedingt durch die Enttäuschung angestrebter Erwartungen: Kinder kommen mit den Leistungs- und Wettkampfansprüchen nicht zurecht und erfahren keinen Erfolg, gewinnen vor allem in der Pubertät mehr Interesse an Freunden und ihrem sozialen Umfeld oder stimmen in ihrer Meinung nicht mit der des Trainers überein.

Aber auch „die explosionsartige Vermehrung der von Kindern betriebenen Sportarten“[10] stellt einen Grund für die mangelnde Bindung an Verein und Sportart dar. Man spricht hier häufig von der „Versportung der Kindheit“[11], denn vor allem die Kinder sind es, die bei Vereinen und bei kommerziellen Anbietern im Mittelpunkt des Interesses stehen und allseitig umworben werden. Daraus ergibt sich,

dass bis zum Alter von 10 Jahren bereits 71% die Sportart bzw. 67% mindestens einmal den Verein gewechselt haben. Unsere Daten (Schmidt, 2003) gehen neuerdings von einer (55%), zwei (28,2%), drei (11,6%) und sogar vier (4,6%) ehemals betriebenen Sportarten aus.[12]

Das als „Drop-Out“ bezeichnete Phänomen zeigt, dass der Zeitpunkt des Austritts der Kinder aus ihrem Verein immer früher wird und somit „bereits im 12. Lebensjahr mehr Kinder aus dem Verein aus als in ihn hineingehen.“[13] Hier wird deutlich, dass der Sport in der Kindheit eine enorme Position einnimmt, allerdings in der Jugendphase immer weiter an Bedeutung verliert.

Mit zunehmendem Alter steigt im Sinne des harten Sportbegriffs […] das Sportengagement von 15,6% […], 36, 7% (7 Schuljahr) an; doch bereits hier ist der Kulminationspunkt erreicht und mit zunehmendem Alter […] läßt das Sportengagement erheblich nach […].[14]

3 Der Zugang zum Sport

3.1 Sportengagement in Abhängigkeit von der Gesellschaft

Der Bewegungsdrang von Kindern und Jugendlichen ist also im Verlauf der Jahrzehnte unverändert geblieben, vielmehr ist Sport „für nahezu alle Kinder und Jugendliche[n] ein wichtiges – nicht mehr wegzudenkendes – Element ihrer Freizeitgestaltung“[15] geworden. Allein die Formen der Ausführung weichen von damals zu heute erheblich voneinander ab. Die Entwicklung von der Straßenkultur zum Sport im Verein wird durch den enormen Zulauf an Mitgliedern verdeutlicht, den die sportlichen Institutionen erfahren haben. Doch trotz der großen Zahl von Kindern in Sportvereinen und der Vielfalt an Angeboten lässt sich doch erkennen, dass der Zugang zu den genannten Institutionen nicht für alle gleich ist. Stattdessen bestehen von der Gesellschaft bedingte soziale Determinanten, welche den Eintritt in einen bestimmten Verein begünstigen oder erschweren. Betroffen davon sind nicht nur Erwachsene, sondern gleichermaßen auch Kinder. Es scheint schwer zu sein eine Gleichberechtigung im organisierten Sport zu schaffen, obwohl der Breitensport eigentlich die Zielsetzung hat, möglichst alle Mitglieder der Gesellschaft in sich aufzunehmen und „sich durch die Übernahme von Gesundheits-, Sozial-, und Freizeitmotiven als für die Gesellschaft unverzichtbar zu legitimieren.“[16] Diese „soziale Öffnung“[17] des Sports zu einer Aktivität für alle Gesellschaftsmitglieder sollte durch gesellschaftliche Wandlungsprozesse ermöglicht werden. In der modernen Gesellschaft lassen sich Begriffe wie „`Klasse` und `Schicht`“[18] nicht mehr unbedingt bedeutungsgerecht anwenden, dennoch kann von einer allgemeinen Gleichberechtigung nicht die Rede sein. Vielmehr existiert heute eine „Vielfalt von neuen sozialen Milieus und Lebensstilen“[19], die neue Ungleichheiten zu Tage bringt.

Bilanzierend bleibt festzuhalten, daß im Zuge gesamtgesellschaftlicher Differenzierungs- und Individualisierungsprozesse durchaus nachweisbare Entschichtungstendenzen zu beobachten sind, die aber nicht zwangsläufig zur Auflösung der Schichten geführt hat. Die Schichten werden […] wesentlich vielschichtiger.[20]

[...]


[1] Brinkhoff, Klaus-Peter: Soziale Ungleichheit und Sportengagement im Kindes- und Jugendalter. In: Cachay, Klaus & Hartmann-Tews, Ilse (Hrsg.): Sport und soziale Ungleichheit. Theoretische Überlegungen und empirische Befunde (S. 63-81). Stuttgart: Naglschmidt, 1998a. S. 66.

[2] Schmidt, Werner (Hrsg.): Kindheit und Sport – gestern und heute. Hamburg: Czwalina, 1996. S. 19.

[3] Schmidt, Werner: Kindersport im Wandel der Zeit. In: Schmidt, Werner, Hartmann-Tews, Ilse & Brettschneider, Wolf-Dietrich (Hrsg.): Erster deutscher Kinder- und Jugendsportbericht. Schorndorf: Hofmann, 2003. S. 109-126. S. 110.

[4] Schmidt, W. (Hrsg.): Sportpädagogik des Kindesalters (2. überarb. Aufl.). Hamburg: Czwalina, 2002. S. 86.

[5] Schmidt, W.: Sportpädagogik des Kindesalters. S. 87.

[6] Ebd. S.87.

[7] Ebd. S. 89.

[8] Vgl. Schmidt, Werner: Kindersport im Wandel der Zeit. S. 113.

[9] Vgl. Schmidt, W.: Sportpädagogik des Kindesalters. S. 91.

[10] Schmidt, W.: Kindersport im Wandel der Zeit. S. 115.

[11] Ebd. S. 117.

[12] Ebd. S. 115.

[13] Ebd. S. 115.

[14] Brinkhoff, K.-P.: Soziale Ungleichheit und Sportengagement im Kindes- und Jugendalter. S. 71.

[15] Brinkhoff, Klaus-Peter: Sport und Sozialisation im Jugendalter. Entwicklung, soziale Unterstützung und Gesundheit. Weinheim/ München: Juventa, 1998. S. 129.

[16] Cachay, Klaus & Thiel, Ansgar: Soziologie des Sports. Zur Ausdifferenzierung und Entwicklungsdynamik des Sports in der modernen Gesellschaft. Weinheim/ München: Juventa, 2000. S. 116.

[17] Ebd. S. 116.

[18] Brinkhoff, K.-P.: Soziale Ungleichheit und Sportengagement im Kindes- und Jugendalter. S.66.

[19] Ebd. S. 66.

[20] Ebd. S. 67.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Heutige Sportkarrieren - Exemplarische Analysen
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
19
Katalognummer
V80340
ISBN (eBook)
9783638870405
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heutige, Sportkarrieren, Exemplarische, Analysen
Arbeit zitieren
Dana Schulz (Autor), 2005, Heutige Sportkarrieren - Exemplarische Analysen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80340

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