Die vorliegende Arbeit stellt eine Untersuchung heutiger Sportkarrieren dar. Ich möchte zu Anfang kurz auf die Entwicklung des Sports und seiner Ausübungsformen im Verlauf der Zeit eingehen, um dann einen Überblick über die sportive Karriere von Kindern und Jugendlichen der heutigen Zeit zu geben. Hierbei werde ich mich mit den Unterschieden zwschen damals und heute auseinandersetzen und die Merkmale der heutigen sportiven Kindheit, wie Verfrühung, Drop-Out und Fluktuation kontextgerecht darstellen.
Allgemein ist bekannt, dass die Gesellschaft keine gleichmäßige und sich durch Gleichberechtigung auszeichnende Struktur aufweist, sondern dass diese vielmehr durch Vielfalt, Unterschiedlichkeit, Differenzierung und Mehrdimensionalität geprägt ist. Dieser Zustand bildet sich durch das Aufeinandertreffen verschiedener Menschen aus unterschiedlichen Generationen, verschiedenen Kulturen, variierenden Einstellungen und Meinungen. Die Gesellschaft befindet sich in einer ständigen Entwicklung, unterliegt einem stetigen Wandel. Obwohl sich hierbei die traditionellen Einteilungen „Stand“ und „Klasse“ überwiegend aufgelöst haben, lässt sich dennoch nicht darüber hinwegsehen, dass sich stattdessen „eine Vielfalt von neuen sozialen Milieus und Lebensstilen“ gebildet hat, die weiterhin Unterschiedlichkeit ausdrücken, was sich u. a. in neuen sozialen Ungleichheiten äußert. Dass sich dies nicht nur auf die Gesellschaft allgemein bezieht, möchte ich zum Thema meiner Arbeit machen, indem ich die Merkmale sozialer Ungleichheit im Bezug auf den institutionalisierten Sport darstelle. Schwerpunkt ist dabei die Betrachtung des Zugangs von Kindern und Jugendlichen zu Sportvereinen und ihr Engagement in der jeweiligen Institution, denn soziale Ungleichheit macht auch vor den jüngeren Gesellschaftsmitgliedern nicht halt. Determinanten dieser Ungleichheit, wie Sozialschicht, Schulkarriere, Geschlecht und Alter möchte ich anfangs kurz darstellen, um sie daraufhin anhand von mir vorgenommenen Befragungen auszuwerten. Diese Befragungen habe ich mit Interesse auf das Engagement unterer Sozialschichten in einer Kampsportschule durchgeführt und möchte nun anhand dieser exemplarischen Analyse überprüfen inwieweit die durch zahlreiche Untersuchungen aufgestellten Thesen auf das von mir vorgeführte Beispiel zutreffen oder ob sich eventuell gewisse Abweichungen ergeben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Wandel der Sportkarrieren von damals zu heute
2.1 Sport im Leben der Kinder der 50er und 60er Jahre
2.2 Veränderter Sportzugang heute
3 Der Zugang zum Sport
3.1 Sportengagement in Abhängigkeit von der Gesellschaft
3.2 Wie stellt sich soziale Ungleichheit im Sport dar?
3.3 Vertikale und horizontale Disparitäten
3.4 Sportliches Engagement in Abhängigkeit sozialer Determinanten in der Kindheit und Jugend
3.4.1 Die soziale Schicht
3.4.2 Das Geschlecht
3.4.3 Das Alter
3.4.4 Die Schulkarriere
3.4.5 Die Siedlungsstruktur
3.5 Zur Kombination einzelner sozialer Determinanten
4 Exemplarische Analysen
4.1 Ergebnisse der Fragebögen
4.2 Vergleich der Ergebnisse
4.3 Auswertung der Ergebnisse im Bezug auf die Übereinstimmung der sozialen Determinanten
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Einfluss sozialer Determinanten auf den Zugang von Kindern und Jugendlichen zum organisierten Sport, wobei durch eine exemplarische Befragung in einer Kampfsportschule überprüft wird, inwieweit allgemeine wissenschaftliche Thesen zur sozialen Ungleichheit auf diesen speziellen Fall zutreffen.
- Wandel der Sportkarrieren im Vergleich zwischen den 50er Jahren und heute
- Soziale Determinanten wie Schichtzugehörigkeit, Geschlecht und Schulbildung
- Die Bedeutung von vertikalen und horizontalen Disparitäten für das Sportengagement
- Exemplarische Auswertung von Sportbiografien durch Experteninterviews
Auszug aus dem Buch
3.4.1 Die soziale Schicht
Allgemein lässt sich sagen, dass die soziale Schicht ein Faktor ist, der einen erheblichen Einfluss auf die Art und Weise der Sportteilnahme nimmt. Hierbei lässt sich zum einen die Mitgliedschaft in Vereinen, aber auch die Bevorzugung verschiedener Sportarten betrachten. Bezogen auf die Quote der Vereinsmitgliedschaft lässt sich eine Dominanz der mittleren und oberen Schicht erkennen, das heißt „je privilegierter die Schichtzugehörigkeit ist, desto wahrscheinlicher ist auch die Mitgliedschaft in einem Sportverein.“ Einer Vereinsmitgliedschaftsquote von 51,6% der hohen Schicht steht demnach eine Quote von 25,6% der unteren Schicht entgegen.
Dies zeigt, „dass die niedrigste Schichtkategorie im Vergleich zu den beiden höchsten Sozialschichten bereits bei jugendlichen Sportvereinsmitgliedern prozentual nur halb so stark vertreten ist.“ Eine Ursache für diese Entwicklung ist, dass die oberen Schichten „mit den vom Sport repräsentierten Werten und Normen eher übereinstimmen als die deutlich anders gelagerten Wertorientierungen der unteren sozialen Schichten.“ Diese Tatsache stellt sich auch in der Bevorzugung der verschiedenen Sportarten dar, in der man deutlich eine Differenzierung bezüglich der verschiedenen Schichten erkennen kann.
Sportarten wie Tennis, Golf, Hockey, Schwimmen, Reiten und Leichtathletik werden von den höheren Schichten, Fußball, Kampfsport und Bodybuilding werden von den niedrigeren Schichten präferiert. Auch dieses hängt von den „schicht- und klassenspezifisch variierenden Einstellungen zum eigenen Körper“, „von psycho-physischer Gesundheitsfürsorge und möglicher Funktionsbereiche und Wirkungsweisen des Sports“ ab. Sozial höher gestellte Schichten bevorzugen Sportarten, in denen die individuelle Leistung hervorsticht und es zu geringem Körperkontakt kommt. Außerdem scheint die Aktualität der Sportart eine große Attraktivität für die Schicht zu haben. Währenddessen favorisieren Mitglieder der unteren Schichten eher Sportarten in denen es direkten Körperkontakt gibt und die gemeinschaftliche Komponente eine Rolle spielt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der heutigen Sportkarrieren ein und definiert soziale Ungleichheit als zentralen Forschungsgegenstand hinsichtlich des Zugangs zum institutionalisierten Sport.
2 Wandel der Sportkarrieren von damals zu heute: Dieses Kapitel kontrastiert die informelle Straßenkultur der 50er Jahre mit dem heutigen, durch Institutionen und Vereine geprägten Sportalltag von Kindern.
3 Der Zugang zum Sport: Es werden die theoretischen Grundlagen sozialer Ungleichheit im Sport erläutert und verschiedene Determinanten wie Schicht, Geschlecht, Alter und Wohnort analysiert.
4 Exemplarische Analysen: Basierend auf Interviews mit Jugendlichen einer Kampfsportschule werden die theoretischen Thesen zur sozialen Selektion im Sport praxisnah überprüft.
5 Fazit: Das Fazit bestätigt, dass das Sportengagement zwar gesellschaftlich geprägt ist, jedoch auch durch individuelle Entscheidungen und subjektive Lebensgestaltungen beeinflusst wird.
Schlüsselwörter
Sportkarriere, soziale Ungleichheit, Sportverein, Kindersport, Jugendsport, soziale Determinanten, Sozialschicht, Vereinsmitgliedschaft, Drop-Out, Fluktuation, Kampfsport, Sportengagement, Bildungskarriere, Geschlechtsspezifik, Individualisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung heutiger Sportkarrieren und der Frage, inwiefern soziale Ungleichheit den Zugang von Kindern und Jugendlichen zu Sportvereinen beeinflusst.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen der Wandel der Sportausübung von den 50er Jahren bis heute sowie die Auswirkungen sozialer Faktoren wie Schichtzugehörigkeit, Bildung und Geschlecht auf das sportliche Engagement.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen dem Ideal des "Sports für alle" und der realen sozialen Selektion durch eine Kombination aus Literaturanalyse und empirischer Befragung zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung bestehender Studien sowie eine exemplarische qualitative Analyse durch Interviews mit Jugendlichen einer Kampfsportschule.
Was umfasst der inhaltliche Hauptteil?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Determinanten sozialer Ungleichheit (vertikale und horizontale Disparitäten) und setzt diese in Bezug zur tatsächlichen Teilhabe an organisierten Sportangeboten.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind soziale Ungleichheit, Sportkarriere, institutionelles Engagement, Sozialschicht und die Verfrühung sowie Fluktuation im Kindersport.
Warum wurde für die exemplarische Analyse eine Kampfsportschule gewählt?
Die Kampfsportschule dient als Fallbeispiel, um die These zu prüfen, dass bestimmte Sportarten – aufgrund ihrer Merkmale wie Körperkontakt – eher von Mitgliedern aus unteren sozialen Schichten bevorzugt werden.
Welche Rolle spielt die Schulkarriere für das Sportengagement laut der Arbeit?
Die Arbeit zeigt auf, dass der Besuch höherer Schulformen oft mit einer höheren Wahrscheinlichkeit der Vereinsmitgliedschaft korreliert, was eine Selektionsfunktion des Bildungssystems im Sportbereich nahelegt.
Lässt sich eine allgemeine Schlussfolgerung aus den Ergebnissen ziehen?
Ja, die Arbeit schlussfolgert, dass trotz gesellschaftlicher Bemühungen um soziale Integration weiterhin soziale Barrieren existieren, individuelle Präferenzen jedoch auch Ausnahmen von der Regel ermöglichen.
- Arbeit zitieren
- Dana Schulz (Autor:in), 2005, Heutige Sportkarrieren - Exemplarische Analysen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80340