Es galt jahrelang als das Erfolgsmodell, war weltweit beneidet und oft kopiert, und wurde als „Modell Deutschland“ gepriesen: das deutsche Wirtschafssystem. Doch seit vielen Jahren steigt Deutschland, der einstige wirtschaftliche Riese, „mit langsamen, schweren Schritten, wie von Roboterhand gesteuert“ , ab. Erst langsam, dann mit immer größerem Tempo. Der Bewunderung, die Deutschland für sein Wirtschaftswachstum im „goldenen Zeitalter“ der 1950er und 1960er Jahre mit einem ernormen Wirtschaftswachstum, glänzenden Arbeitsmarktzahlen und stetig wachsendem Wohlstand erntete, ist heutzutage Entsetzen über die dramatische Arbeitsmarktlage und die schwächende Wirtschaft gewichen. Betrachtet man die ökonomische Realität und vergleicht man die wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre mit anderen europäischen Nationen oder den USA, dann scheint das deutsche Wirtschaftsmodell kaum noch zukunftsfähig zu sein. Selbst Spanien und Irland, die wirtschaftlich Deutschland immer hinterher hangen, haben mittlerweile deutlich höhere Wachstumsraten – das „Modell Deutschland“ ist zu einem Auslaufmodell geworden.
In meiner Hausarbeit über das Thema „Das deutsche Wirtschaftssystem – Ende eines Erfolgmodells?“ versuche ich einen Einblick in die Geschichte des deutschen Wirtschaftssystem und eine Situationsbeschreibung über die derzeitigen Probleme zu geben. Am Anfang meiner Arbeit werde ich auf die Entstehung, Entwicklung und Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft eingehen, die als nach dem Krieg konzipierte Wirtschaftsordnung trotz miserabler Startbedingungen für die Rückkehr Deutschlands an die Weltwirtschaft und den Wirtschaftsboom in den 1950er und 1960er Jahren sorgte. Danach zeige ich auf, welche wirtschafts- und tarifpolitischen Fehlentwicklungen bereits nach dem Ende des Wirtschaftswunders in den 1970er und 1980er Jahren auftraten, die heute im mit den Problemen der Massenarbeitslosigkeit, der Wachstumskrise und globalen Problemen behaftet sind. Gleichzeitig werde ich aber auch Lösungsvorschläge zur Verbesserung der Situation aufzeigen, um dann unter Berücksichtigung meiner Fragestellung zu einem abschließenden Fazit zu kommen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Soziale Marktwirtschaft
2.1. Definition
2.2. Geschichtlicher Hintergrund
2.3. Entstehung, Entwicklung und Durchsetzung
2.4. Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft
2.4.1. Wettbewerbsordnung
2.4.2. Geldordnung
2.4.3. Sozialordnung
3. Die ersten Probleme des deutschen Wirtschaftssystems
3.1. Stabilisierungskrise (1961-1973)
3.2. Die erste Phase der Beschäftigungskrise (1974-1979)
3.3. Die zweite Phase der Beschäftigungskrise (1980-1989)
4. Gegenwärtige Problemfelder und Lösungsansätze
4.1. (Massen)Arbeitslosigkeit
4.1.1. Gründe
4.1.2. Lösungsansätze
4.2. Wachstumskrise
4.2.1. Gründe
4.2.2. Lösungsansätze
4.3. Globalisierung
4.3.1. Probleme
4.3.2. Lösungsansätze
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die aktuellen strukturellen Probleme des deutschen Wirtschaftssystems, um die Frage zu beantworten, ob das einstige Erfolgsmodell "Soziale Marktwirtschaft" heute an seinem Ende angelangt ist oder ob Reformchancen bestehen.
- Historische Genese und Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft
- Analyse vergangener Krisenphasen (Stabilisierungs- und Beschäftigungskrisen)
- Identifikation aktueller Herausforderungen wie Massenarbeitslosigkeit und Wachstumsschwäche
- Diskussion der Auswirkungen der Globalisierung auf den Wirtschaftsstandort Deutschland
- Entwicklung von Reformansätzen zur Stärkung der ökonomischen Wettbewerbsfähigkeit
Auszug aus dem Buch
4.1. (Massen)Arbeitslosigkeit
Die bereits seit den 1980er Jahren stagnierende Arbeitslosigkeit schwächte gegen Ende dieses Jahrzehnts aufgrund des Einigungsbooms für kurze Zeit ab. Doch danach nahm die Arbeitslosigkeit in den folgenden Jahren wieder kontinuierlich zu. Im Februar 2006 waren erneut über fünf Millionen Menschen arbeitslos. Für den Chef des Berliner Spiegel-Büros, Gabor Steingart, gehört das gesellschaftliche Dauerproblem der Massenarbeitslosigkeit „mittlerweile zu Deutschland wie die Slums zu Kalkutta.“ Die Gründe für das sich auf den Arbeitsmärkten bietende „Bild der Verwüstung“ soll in diesem Abschnitt näher erläutert werden.
Das größte Problem stellen in Deutschland die ungünstigen Angebotsbedingungen dar, die auf Grund wachstumshemmender staatlicher Regulierungsversuche und der Macht bestimmter Interessensgruppen (insbesondere der Gewerkschaften) gestört sind.
Diese Interventionen sorgen dafür, dass die Lohnnebenkosten in Form von Steuerabgaben und Sozialleistungen für die Unternehmer zu hoch und die Löhne nach unten weitestgehend starr sind. In der Industrie etwa fallen für jeden Beschäftigen pro 100 Euro Direktentgelt zusätzlich 77 Euro Personalzusatzkosten an. Besonders betroffen sind die handwerklichen und personenbezogenen Leistungen. Denn bei vielen Dienstleistungen ist eine Rationalisierung durch den Einsatz von Maschinen nicht möglich, ebenso wenig eine Verlagerung der Produktion ins Ausland. Die Folge ist der Ausbau der Schwarzarbeit – dem einzigen Sektor, der heute noch sprunghaft wächst.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert den Abstieg des deutschen Wirtschaftsmodells vom weltweit beneideten Erfolgsmodell zum krisengeplagten "Auslaufmodell" und steckt den Rahmen der Untersuchung ab.
2. Die Soziale Marktwirtschaft: Dieses Kapitel erläutert den Begriff, den geschichtlichen Hintergrund sowie die ordnungspolitischen Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft als Basis der deutschen Wirtschaftsordnung.
3. Die ersten Probleme des deutschen Wirtschaftssystems: Hier werden die wirtschaftlichen Schwierigkeiten ab den 1960er Jahren analysiert, insbesondere die Stabilisierungskrise und die ersten Phasen der Beschäftigungskrise bis in die 1980er Jahre.
4. Gegenwärtige Problemfelder und Lösungsansätze: Dieses Kapitel untersucht detailliert die aktuellen Krisenphänomene Arbeitslosigkeit, Wachstumsschwäche und Globalisierungsdruck sowie konkrete wirtschaftspolitische Lösungsstrategien.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Reformnotwendigkeit des deutschen Wirtschaftssystems als Chance zur Rückkehr zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit.
Schlüsselwörter
Soziale Marktwirtschaft, Modell Deutschland, Arbeitslosigkeit, Wirtschaftswachstum, Globalisierung, Standortkrise, Angebotsorientierung, Lohnnebenkosten, Strukturwandel, Reformen, Wettbewerbsfähigkeit, Innovationspolitik, Tarifsystem, Steuerrecht, Beschäftigungspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das deutsche Wirtschaftssystem und untersucht, warum das ehemals erfolgreiche "Modell Deutschland" in eine wirtschaftliche Krise geraten ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die Soziale Marktwirtschaft, die historischen Krisenphasen seit den 1960er Jahren sowie die gegenwärtigen Probleme wie Massenarbeitslosigkeit und Wachstumsschwäche.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, ob das deutsche Wirtschaftssystem am Ende eines Erfolgsmodells steht oder ob durch gezielte Reformen die Zukunftsfähigkeit wiederhergestellt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine theoretische Analyse durch, die auf der Auswertung ökonomischer Literatur und aktueller wirtschaftspolitischer Studien basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Sozialen Marktwirtschaft, eine historische Aufarbeitung der Krisenphasen sowie eine detaillierte Ursachen- und Lösungsanalyse zu Arbeitslosigkeit, Wachstum und Globalisierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Soziale Marktwirtschaft, Massenarbeitslosigkeit, Standortkrise, Globalisierung und angebotsorientierte Wirtschaftspolitik.
Wie bewertet der Autor die Rolle der Globalisierung?
Der Autor sieht in der Globalisierung sowohl eine Herausforderung, die die Krisenbewältigung erschwert, als auch ausgezeichnete Chancen für die exportorientierte deutsche Wirtschaft.
Welche konkreten Reformen schlägt der Autor vor?
Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen gehören unter anderem die Senkung der Lohnnebenkosten, eine Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, Deregulierung und eine investitionsfreundliche Umgestaltung des Steuersystems.
- Quote paper
- Frederik Böckmann (Author), 2006, Das deutsche Wirtschaftssystem - Ende eines Erfolgmodells?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80676