Einführung
Sprache ist ein wichtiges Mittel der Kommunikation. Kinder stehen von Anfang an vor der Aufgabe die sprachlichen Zeichen zu erwerben und sie richtig zu benutzen. Nach dem Organon-Modell von Karl Bühler steht ein sprachliches Zeichen in der direkten Verbindung zwischen Sender und Empfänger und in der indirekten Verbindung zwi-schen Gegenstand und Sachverhalt (Symbol). Die Beziehung zwischen Zeichen und Symbol ist nicht eine zeicheninterne, sondern eine, die in jeder Situation neu vom Sen-der hergestellt wird.
Kinder benutzen zuerst nichtsprachliche Referenzen, d.h. Symbole, die auf etwas Bezug nehmen und erst danach sind sie dazu imstande sprachliche Referenzen richtig zu be-nutzen. Kinder sollen Verständnis über die fortdauernde Existenz eines Objektes, unab-hängig von der eigenen Wahrnehmung, erwerben. Dieses Verständnis ist die erste Stufe auf dem Weg zur Entwicklung der Symbolfunktion.
In dieser Semesterarbeit wird die Aufgabe gestellt den Prozess zu zeigen, wie monolin-guale und bilinguale Kinder Lexikon erwerben. Anschließend wird die Entwicklung des Lexikons bei diesen Kindern verglichen.
Im ersten Kapitel wird beleuchtet, wie das Kind von nichtsprachlichen und vorsprachli-chen Mitteln der Referenz zu den ersten Wörtern kommt.
Ein besonders interessanter Punkt im Lexikonerwerb ist ein sprunghafter Anstieg des Wortschatzwachstums. Forscher bezeichnen diese Phase mit einem englischen Fach-ausdruck dem vocabulary spurt. Es wird die Frage gestellt, ob der vocabulary spurt bei allen Kindern obligatorisch ist. Im dritten Kapitel werden die Beispiele der ersten Wör-ter bei englischsprachigen und deutschsprachigen Kindern angeführt. Es wird auch an-gesprochen wie und in welchem Kontext diese ersten Wörter verwendet werden. Man-chen Wörtern misst das Kind eine andere Bedeutung zu als ihnen tatsächlich zusteht. Das führt zur Entstehung von Überextensionen, Überrestriktionen, Überlappungen und mismatch.
Im vierten Kapitel wird auf den Lexikonerwerb bei bilingualen Kindern eingegangen. Hier werden auch die zwei Theorien zum simultanen Erwerb zweier Erstsprachen er-wähnt. Diese sind Sprachentrennung und Spracheneinfluss. Zum Schluss werden die le-xikalischen Interferenzen erläutert, die besonders häufig bei bilingualen Kindern auftre-ten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Von nichtsprachlichen und vorsprachlichen Mitteln der Referenz zu den ersten Wörtern
3 Wortschatzwachstum und vocabulary spurt
4 Erste Wörter und ihre Bedeutungen
4.1 Überextension und Überrestriktion
5 Der Lexikonerwerb bei bilingualen Kindern
5.1 Spracheneinfluss
5.2 Sprachentrennung
5.3 Interferenzen
6 Schluss
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Semesterarbeit untersucht den Prozess des Lexikonerwerbs bei Kindern, wobei sowohl monolinguale als auch bilinguale Erwerbsverläufe analysiert und miteinander verglichen werden, um Erkenntnisse über die Entwicklung der Symbolfunktion und die Herausforderungen beim simultanen Spracherwerb zu gewinnen.
- Entwicklung von vorsprachlichen Referenzmitteln zu den ersten Wörtern
- Analyse des Wortschatzwachstums und des Phänomens des "vocabulary spurt"
- Untersuchung von Überextensionen und Überrestriktionen im frühen Wortgebrauch
- Vergleich von Spracheneinfluss und Sprachentrennung bei bilingualen Kindern
- Erörterung von Interferenzen und deren Ursachen im lexikalischen Bereich
Auszug aus dem Buch
1 Einführung
Sprache ist ein wichtiges Mittel der Kommunikation. Kinder stehen von Anfang an vor der Aufgabe die sprachlichen Zeichen zu erwerben und sie richtig zu benutzen. Nach dem Organon-Modell von Karl Bühler steht ein sprachliches Zeichen in der direkten Verbindung zwischen Sender und Empfänger und in der indirekten Verbindung zwischen Gegenstand und Sachverhalt (Symbol). Die Beziehung zwischen Zeichen und Symbol ist nicht eine zeicheninterne, sondern eine, die in jeder Situation neu vom Sender hergestellt wird.
Kinder benutzen zuerst nichtsprachliche Referenzen, d.h. Symbole, die auf etwas Bezug nehmen und erst danach sind sie dazu imstande sprachliche Referenzen richtig zu benutzen. Kinder sollen Verständnis über die fortdauernde Existenz eines Objektes, unabhängig von der eigenen Wahrnehmung, erwerben. Dieses Verständnis ist die erste Stufe auf dem Weg zur Entwicklung der Symbolfunktion.
In dieser Semesterarbeit wird die Aufgabe gestellt den Prozess zu zeigen, wie monolinguale und bilinguale Kinder Lexikon erwerben. Anschließend wird die Entwicklung des Lexikons bei diesen Kindern verglichen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung definiert die Grundvoraussetzungen des Lexikonerwerbs und umreißt die Struktur der Arbeit bezüglich monolingualer und bilingualer Entwicklungsprozesse.
2 Von nichtsprachlichen und vorsprachlichen Mitteln der Referenz zu den ersten Wörtern: Dieses Kapitel beschreibt den Übergang von nonverbalen Ausdrucksformen wie Blickverhalten und Gesten hin zu ersten Vokalisationen und Protowörtern als Vorläufer echter Sprache.
3 Wortschatzwachstum und vocabulary spurt: Hier wird die Dynamik des frühen Wortschatzzuwachses analysiert, wobei besonders auf die interindividuellen Unterschiede und das sprunghafte Phänomen des "vocabulary spurt" eingegangen wird.
4 Erste Wörter und ihre Bedeutungen: Dieses Kapitel behandelt die frühen Versuche von Kindern, das Lautsystem zu meistern, sowie die kindliche Kategorisierung von Weltwissen durch erste Wörter.
4.1 Überextension und Überrestriktion: Hier werden Abweichungen vom erwachsenen Standard-Wortgebrauch, wie Übergeneralisierungen oder kontextuelle Einschränkungen, detailliert erläutert.
5 Der Lexikonerwerb bei bilingualen Kindern: Das Kapitel widmet sich den theoretischen Ansätzen des simultanen Erwerbs zweier Erstsprachen.
5.1 Spracheneinfluss: Es werden die Phasen der bilingualen Entwicklung nach Volterra und Taeschner sowie die gegenseitige Beeinflussung der Sprachsysteme untersucht.
5.2 Sprachentrennung: Hier wird diskutiert, inwiefern Kinder bereits früh separate grammatische Kompetenzen für zwei Sprachen aufbauen können.
5.3 Interferenzen: Dieses Kapitel analysiert gegenseitige lexikalische Beeinflussungen zwischen den beiden Sprachen eines bilingualen Kindes.
6 Schluss: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit weiterer Forschung aufgrund der hohen individuellen Variabilität.
Schlüsselwörter
Lexikonerwerb, Sprachwissenschaft, Monolingualität, Bilingualität, Vocabulary Spurt, Erstspracherwerb, Überextension, Überrestriktion, Symbolfunktion, Sprachentrennung, Spracheneinfluss, Interferenz, Kindersprache, Semantik, Kommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den psycholinguistischen Prozessen, die Kinder beim Erlernen ihres ersten Wortschatzes durchlaufen, unter besonderer Berücksichtigung sowohl monolingualer als auch bilingualer Erwerbskontexte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen der Übergang von der vorsprachlichen Kommunikation zur Symbolfunktion, die Geschwindigkeit des Wortschatzaufbaus, die Bedeutung von Fehlern wie Überextensionen und die spezifischen Dynamiken bei zweisprachig aufwachsenden Kindern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Prozess des Lexikonerwerbs darzustellen und zu vergleichen, wie Kinder von ersten, kontextgebundenen Lauten zu konventionellen, sprachlichen Referenzen gelangen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und dem Vergleich verschiedener entwicklungspsychologischer und sprachwissenschaftlicher Theorien, die durch empirische Studien und Fallbeispiele aus der Fachliteratur gestützt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Vorläuferstufen der Sprache, das Wachstum des Vokabulars, die Bedeutung kindlicher Wortbildungen sowie eine vertiefende Analyse bilingualer Erwerbsprozesse, inklusive Sprachentrennung und Interferenzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Lexikonerwerb, Vocabulary Spurt, Überextension, Sprachentrennung, Interferenzen und Symbolfunktion definiert.
Was unterscheidet Überextension von Überrestriktion?
Bei einer Überextension verwendet das Kind ein Wort in einem zu breiten semantischen Bereich (z.B. "Hund" für alle vierbeinigen Tiere), während es bei einer Überrestriktion in einem zu engen Kontext bleibt (z.B. ein Wort nur für einen spezifischen Gegenstand).
Warum treten bei bilingualen Kindern Interferenzen auf?
Interferenzen entstehen oft durch gegenseitige Beeinflussungen der beiden Sprachen, wenn das Kind in einer "Sprachnot"-Situation auf Strukturmuster oder Wörter der stärkeren Sprache zurückgreift, um Lücken zu füllen.
Ist der "vocabulary spurt" ein obligatorisches Stadium?
Die Forschung ist sich uneinig; während einige Studien einen universellen Anstieg nahelegen, zeigen andere Untersuchungen, dass nicht alle Kinder ein sprunghaftes Wachstum zeigen, sondern manche einen eher graduellen Erwerbsverlauf aufweisen.
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- Antonina Bespalova (Author), 2003, Der Lexikonerwerb bei Kindern , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80812