“Deswegen schubsen sich Kinder auf dem Schulhof rum. Wenn du derjeni-ge bist, der schubst, fällst du nicht hin. Wenn du das Ungeheuer bist, lauert nichts im Schatten, was dich angreifen könnte. Leute tun diese schrecklichen Sachen, weil sie Angst haben.“
..
Selbst wenn die Erforschung von Unterdrückung zur Erscheinungszeit von „Herr der Fliegen“ (1954) noch in wissenschaftlichen Kinderschuhen war, war es wohl schon da-mals ein Thema, welches heute besonders zwischen Kindern und Jugendlichen und so-mit an Schulen unvergleichliche, gar erschreckende Aktualität erfährt.
Gegenüber anderen Begriffen von Unterdrückung wie ‘Mobbing oder Schikanierung’ hat sich international die übergreifende Bezeichnung „Bullying“ durchgesetzt.
Von daher soll der Begriff „Bullying“ auch in dieser Arbeit verwendet werden.
„Bei einer Befragung von 392 deutschen Schülern der Jahrgangstufen 6 und 8 eines Gymnasiums (nach SCHÄFER 1996) gaben 10,5% der Jungen und 2,7% der Mädchen an, häufig (d.h. einmal pro Woche oder häufiger) andere zu schikanieren.“
Weitere Befunde für den deutschsprachigen Raum ergaben Folgendes:
HANEWINKEL & KNAAK 1997a,b; 1999: Schleswig-Holstein, 3.-12.Klasse alle Schulformen; N 14788: 9,1% Täter (9,2% Opfer)
JUGERT et al. 200: Niedersachsen, 5.-10.Klasse kooperative Gesamtschule; N 1353: 8,3% Täter (8,2% Opfer)
LÖSEL et al. 1997, Nürnberg, Erlangen, 7.-8.Klasse Haupt,- Real,- Gymnasium; N 1163: 9,3% Täter verbal (10,7% Opfer), 5,3% Täter physisch (4,9% Opfer).
Fragen werfen sich auf, zum Beispiel warum Piggy unschuldig zum Opfer wird und was Jack bewegt, sich in die Überlegenheit zu begeben und derartig zu handeln. Zweifellos befindet er sich in einer Machtposition, doch warum spielt er diese aus, warum wird er sowohl zum verbalen und physischen Unterdrücker?
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Theorie
2.1 Bullying
2.1.1 Geschichte
2.1.2 Definition
2.1.3 Tätereigenschaften
2.1.4 Altersunterschiede
2.1.5 Auftretenswahrscheinlichkeit und –häufigkeit bezogen auf die Schulart
2.1.6 Gründe
2.1.6.1 Gesellschaft
2.1.6.2 Familie
2.1.6.3 Schule
2.1.6.4 Gründe aus der Sicht der Schüler
2.1.6.5 Instrumentelles Lernen/ Modelllernen
2.1.6.6 Zusammenfassung
2.2 Angst
2.2.1 Definition der Angst mit Blick auf den Zusammenhang der Angst mit Bullying
3. Hypothese
4. Empirie
4.1 Probanden
4.1.1 Berufsschule
4.1.2 Lernbehinderung
4.2 Instrumentarium
4.2.1 Aufbau des Fragebogens
4.2.2 Fragebogenkonstruktion
4.2.2.1 Items zur Erfassung von Angst
4.2.2.2 Items zur Erfassung von Bullyverhalten
4.2.2.3 Items zur Erfassung von Gefühlen
4.3 Ablauf der Untersuchung
4.4 Datenanalyse
4.4.1 Prozeduren
4.4.2 Ergebnisse
4.4.3 Interpretation der Ergebnisse
4.4.3.1 Entstehensbedingungen von Angst
4.4.3.2 Hinzukommende Gefühle
4.4.3.3 Äußerungsformen des Bullying
4.4.3.4 Zusammenfassung der Ergebnisse der Analyse des Zusammenhangs zwischen Angst und Bullying
5. Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Bully-Verhalten und Angst bei lernbehinderten Jugendlichen an einer Berufsschule. Das primäre Ziel ist es, zu erforschen, ob Angst als zugrundeliegender Faktor für aggressives Verhalten fungiert und welche Rolle dabei gesellschaftliche, familiäre und schulische Belastungssituationen spielen.
- Analyse der theoretischen Grundlagen von Bullying und Angst
- Untersuchung der Entstehensbedingungen für Angst im Kontext der Lernbehinderung
- Empirische Überprüfung des Zusammenhangs zwischen Angsterleben und Bully-Verhalten
- Identifikation von Kompensationsmechanismen bei jugendlichen Berufsschülern
- Ableitung von Präventionsmöglichkeiten für die pädagogische Praxis
Auszug aus dem Buch
1. Einführung
„Piggy ging einem auf die Nerven; mit seinen furchtbar vernünftigen Vorschlägen, seinem plumpen Körper und seinem Asthma war er einfach langweilig; aber es war ganz lustig, ihn aufzuziehen (...) Unter den Großen hatte sich stillschweigend die Ansicht durchgesetzt, dass Piggy ein Außenseiter sei, nicht wegen seiner Aussprache, sondern weil er so dick war und Asthma und eine Brille und eine gewisse Abneigung gegen körperliche Arbeit hatte.“ ...
„Du redest zu viel, Fatty“, sagte Jack, “halt lieber die Klappe“. Es wurde gelacht. „Haha! Fatty! Dicker!“ (...) sogar die Kleinen beteiligten sich an dem allgemeinen Gelächter. Für eine kurze Zeitspanne verband die Jungen der Stromkreis des Einverständnisses, von dem Piggy ausgeschlossen war: er wurde dunkelrot vor Scham, senkte den Kopf und wischte erneut an seiner Brille.“ ...
„Du hättest das Feuer nicht ausgehen lassen dürfen.“ Dieser Vorwurf gerade von Piggy machte Jack rasend. (...) Endlich konnte er an jemandem seine Wut auslassen, zuschlagen. Er trat einen Schritt vor und stieß Piggy die Faust in den Magen. Piggy sackte ächzend zusammen. Jack stand über ihm. (...) Ralph ging einen Schritt auf ihn zu, und Jack schlug Piggy auf den Kopf. Piggys Brille flog davon und klirrte über das Gestein. (...) „Jetzt hab ich nur noch ein Auge. Wart du nur - !“ Jack ahmte das Gewimmer und Gekrabbel nach. Piggy und seine Parodie, das war so lustig, dass die Jäger anfingen zu lachen. Jack fühlte sich ermutigt. Er äffte weiter Piggys Gekrabbel nach, und das Lachen schwoll zu stürmischer Hysterie an..“
Diese Passagen aus William Goldings „Herr der Fliegen“ lösen im Leser unwillkürlich Gefühle aus, die sich unterscheiden, je nachdem, mit wem er sich identifiziert. Sei es im Mitgefühl mit dem gedemütigten, drangsalierten Piggy oder in jener Belustigung, die auch die außenstehenden Jack ermutigenden Jäger empfinden, oder gar in einer Form von Machtgefühl durch die Identifizierung mit dem demütigenden, unterdrückenden, aggressiven Jack.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung führt mittels literarischer Beispiele in die Thematik der Täter-Opfer-Rollen ein und begründet die Aktualität des Bullying-Phänomens.
2. Theorie: Dieser Abschnitt definiert Bullying als spezifische Form der Aggression, beleuchtet Tätereigenschaften sowie Ursachen und betrachtet die Rolle der Angst.
3. Hypothese: Hier werden die theoretischen Annahmen in konkrete Forschungshypothesen überführt, die einen positiven Zusammenhang zwischen Angst und Bullying postulieren.
4. Empirie: Das Kapitel beschreibt das methodische Vorgehen der Untersuchung, die Probandengruppe, den Fragebogenaufbau und die statistische Datenanalyse.
5. Zusammenfassung: Die Ergebnisse werden synthetisiert und bestätigen den Zusammenhang zwischen Ängsten in verschiedenen Lebensbereichen und dem Auftreten von Bully-Verhalten.
Schlüsselwörter
Bullying, Angst, Lernbehinderung, Aggression, Berufsschule, Jugendliche, Machtausübung, Selbstwertgefühl, Zukunftsangst, Leistungsdruck, Kompensation, empirische Untersuchung, Prävention, Täter-Opfer-Dynamik, Sozialverhalten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Magisterarbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Bully-Verhalten und Angst bei lernbehinderten Jugendlichen, die eine Berufsschule besuchen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die verschiedenen Formen des Bullying, die Ursachen für Aggression sowie die Funktion von Angst als auslösender Faktor für unterdrückendes Verhalten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, ob Angst bei Jugendlichen eine spezifische risikoerhöhende Bedingung darstellt, die zu aggressivem Verhalten (Bullying) führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde eine empirische Untersuchung mittels eines selbst konzipierten, schriftlichen Fragebogens bei 54 lernbehinderten Berufsschülern durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen die statistische Datenanalyse, die Ergebnisse der Korrelationen zwischen Angstvariablen und Bully-Items sowie deren Interpretation dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Bullying, Angst, Lernbehinderung, Kompensation und Zukunftsängste.
Wie korreliert Arbeitslosigkeit mit Angst?
Die Studie zeigt, dass Arbeitslosigkeit eine der am stärksten angstauslösenden Bedingungen für die befragten Jugendlichen ist, insbesondere im Hinblick auf ihre eigene berufliche Zukunft.
Welche Rolle spielt der Lehrer im Bully-Kontext?
Der Autor zeigt Zusammenhänge auf, bei denen Ängste vor Lehrern oder schlechter Bewertung durch diese dazu führen können, dass Schüler ihre Frustration an Mitschülern ablassen.
Warum wird gerade eine lernbehinderte Zielgruppe untersucht?
Lernbehinderte Jugendliche gelten als besonders benachteiligte Gruppe in der Leistungsgesellschaft und wurden bisher in diesem Forschungszusammenhang kaum beachtet.
- Quote paper
- Anne-Kathrin Lange (Author), 2006, Der Zusammenhang von Bully-Verhalten und Angst bei lernbehinderten Jugendlichen in der Berufsschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80891