Das Hospital im Wandel - Christlicher caritas im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit


Hausarbeit, 2007
16 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung
1.1 Forschungsstand / Quellenlage
1.2 Das Hospital

2 Begriffsbestimmung
2.1 Krank und siech
2.2 Arm(ut)
2.3 Armut und Arbeit

3 Das „multifunktionale“ Hospital

4 Spezialisierung und Professionalisierung

5 Fazit

6 Quellen- und Literaturverzeichnis
6.1 Quellen
6.2 Literatur

1 Einführung

„(...) Seegne auch dieses hohe Hospital und deßen Berg- und Hüttenwerke. Und behüte diejenige, so darinnen arbeiten, vor allem Unfall und Schaden.

Seegne das gantze Haus und eines jeden Hauß.“[1]

Die Hospitäler des Mittelalters und der Frühen Neuzeit waren keine vormoderne Version heutiger Krankenhäuser. Watzka charakterisiert sie vielmehr als die „bei weitem verbreitetste Form einer Unterbringungs- und Versorgungsanstalt“.[2] Es waren „multifunktionale“ Einrichtungen, die eine Vielzahl unterschiedlicher Bedürftiger beherbergten und versorgten, aber keine Heilanstalten. Nichts desto trotz gibt es im Laufe der Jahrhunderte einen Wandel, sowohl was die Funktion, als auch was die Zielsetzung der Hospitäler und der von ihnen abgeleiteten Einrichtungen betrifft. Kann bei diesen Prozessen von einer Entwicklung vom Hospital zum Krankenhaus gesprochen werden?

Diese Arbeit versucht zwei Aspekte des Hospitalwesens näher zu beleuchten. Das ist zum einen die Frage nach der Mulitfunktionalität der Institution Hospital. Wer war überhaupt Adressat dieses Fürsorgeangebots? Zum andern schließt sich direkt daran die Frage nach den grundlegenden gesellschaftlichen Wandlungsprozessen an. Wie ändert sich die Wahrnehmung von Bedürftigkeit und Armut und welche Folgen hat das für das Hospitalwesen?

1.1 Forschungsstand / Quellenlage

Matheus stellt heraus, dass es vor allem die Hospitäler als Institutionen waren, deren Unterlagen und Aufzeichnungen heute als Quellen vorliegen. Ihr Blickwinkel ist mithin sehr organisations- und ablaufzentriert. Daraus ergibt sich eine institutionsbezogene Aufarbeitung der Hospitalsgeschichte und weniger aus Sicht der Bedürftigen und Hospitaliten.[3] So gibt es zum Beispiel umfangreiche Studien zu Fragen der Wirtschaftlichkeit und Ökonomie einzelner Hospitäler,[4] oder vergleichende Studien zur Hospitalsorganisation in Europa. Über das Defizit hinaus, das sich auf Grund der Quellenlage ergibt, war und ist das Hospital aber Untersuchungsgegenstand vieler Disziplinen. „Waren es anfangs eher die Kirchengeschichte, Theologie und Kunstgeschichte, so kamen später die Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Medizingeschichte, Soziologie, Ethnologie, Archäologie, Rechtswissenschaft und Ökonomie hinzu.“[5] In den letzten Jahren kommt, auch auf Tagungen, verstärkt eine politische Dimension hinzu. Der Umbau des modernen Wohlfahrtsstaates und der sozialen Sicherungssysteme in vielen westlichen Demokratien führt zunehmend zu einem Interesse an seinen historischen Hintergründen und Vorläufern sowie zu der Frage, wie sich durch die Jahrhunderte „soziales Engagement“ ausgedrückt hat.[6]

1.2 Das Hospital

Die Gründung und Errichtung der Hospitäler ist vor allem auf zwei Faktoren zurückzuführen. Auf der einen Seite waren sie die direkte Umsetzung des Gedankens christlicher „caritas“, auf der anderen Seite hatten sie aber auch die Funktion, dem Seelenheil des Stifters zugute zu kommen. Im besonderen Fall der Hohen Hospitäler[7] kommt die Funktion, der „Machtdemonstration und der Mehrung des Sozialprestiges“[8] des Landesfürsten hinzu. Einen zusätzlichen Aspekt stellt die „memoria“ dar. Die Stiftungen dienten der Erinnerung und dem Andenken an den Stifter über dessen Tod hinaus. Da auch die Sorge um das Seelenheil mit dem Leben nach dem Tod verknüpft ist, zeigt sich hier die enge Verbindung von „caritas et memoria“.

2 Begriffsbestimmung

Eine Beschäftigung mit Hospitälern und der Frage des Wandels, der in dem Rahmen dieser Einrichtungen getätigten Armen- und Krankenfürsorge, macht vor allem einen Blick auf die „Insassen“ dieser Institutionen, die Hospitaliten, notwendig. Was zeichnet diese Gruppe von Personen aus und hat sich ihre Zusammensetzung im Laufe der Zeit und vor allem zu Beginn der Neuzeit gewandelt? Was ist überhaupt genau unter den Armen und Kranken zu verstehen, die Aufnahme in den Hospitälern gefunden haben?

Die intuitiv vorgenommen Bedeutungszuschreibung für die Begriffe arm, krank und Hospital, alles Worte die auch im modernen Sprachgebrauch vorkommen, vermitteln ein falsches Bild von den spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Hospitälern, die so als direkte Vorläufer der heutigen Krankenhäuser erscheinen. Aus diesem Grund ist eine zeithistorische Deutung der verwendeten Begriffe notwendig.

2.1 Krank und siech

Während heute der Begriff „krank“ die Auswirkungen und Symptome einer Krankheit ausdrückt, aber auch Ursachen und vor allem die vorhandenen Behandlungs-möglichkeiten mitdenkt, bedeutet er im Verständnis des Mittelalters und der Frühen Neuzeit nichts anderes als „schwach“ (oder „schwächlich“, „kraftlos“, „leidend“) oder auch „gering“, „schmal“ und „schlecht“. Damit umfasste der Begriff „krank“ eine wesentlich größere Bandbreite als heute. Die Krankheiten im heutigen Sinne fielen eher unter den Begriff „siech“, im Sinne von bettlägerig und pflegebedürftig. Zu den „Kranken“ zählten dagegen auch Personen mit seelischen und psychischen Störungen, sowie körperlichen und geistigen Behinderungen. Aber auch Menschen mit sozial-abweichendem Verhalten, im Sinne von „ethisch schwach“, oder materiell Arme und Obdachlose, im Sinne von zu „schwach“ um für sich selbst zu sorgen, wurden als „krank“ angesehen und waren damit potenziell auf christliche Hilfe und Nächstenliebe angewiesen. Der Begriff zielte damit vor allem auf die Hilfsbedürftigkeit der Betroffenen ab.[9]

2.2 Arm(ut)

Im Mittelalter wurde Armut vor allem als materielles und ökonomisches Phänomen begriffen, dessen ersichtlichste und definierende Auswirkung das Hungern war. Aus der Mittellosigkeit und Ermangelung des Lebensnotwendigsten folgte direkt die Angewiesenheit auf andere. Damit war die mittelalterliche Gesellschaft durch die „Gegenüberstellung des »Armen« (pauper) und des »Starken« (potens)“ geprägt.[10] Aber ebenso wie der Begriff „krank“ wurde auch der Begriff „arm“ weiterführend verwendet, indem er auch Invalide, Kranke und Alte einschloss, eben jene, die nicht durch eine geregelte Arbeit ihren Lebensunterhalt bestreiten konnten. Im „Zedler“ steht unter dem Stichwort „Armuth“[11]:

[...]


[1] Auszug aus dem täglichen Gebet, wie es in den Samthospitalien (hier Haina) gesprochen wurde (Quellen-Signatur: Staatsarchiv Darmstadt, E1, 137, 12).

[2] Watzka, Carlos: Vom Hospital zum Krankenhaus, S. 58.

[3] Matheus: Funktions- und Strukturwandel spätmittelalterlicher Hospitäler im europäischen Vergleich, S. VII.

[4] Vgl. z.B. Stunz, Holger R.: Hospitäler als Unternehmen für die „caritas“, in: Matheus: Funktions- und Strukturwandel spätmittelalterlicher Hospitäler im europäischen Vergleich,S. 129-159.

[5] Knefelkamp, Ulrich: Über die Pflege und medizinische Behandlung von Kranken in Spitälern vom 14. bis 16. Jahrhundert, S. 175.

[6] Vgl. Bulst, Neithard: Zur Geschichte des spätmittelalterlichen Hospitals, S. 302.

[7] Die vier Hohen hessischen Hospitäler (Gronau, Haina, Hofheim, Merxhausen) wurden von Landgraf Philipp in den Jahren 1533 bis 1542 gestiftet. Sie waren zuerst einmal als „Armenhäuser“ konzipiert, wurden dann jedoch schnell zu „multifunktionalen“ Einrichtungen.

[8] Watzka, Carlos: Vom Hospital zum Krankenhaus, S. 59f.

[9] Vgl. Riha, Ortrun: „krank und siech“, S. 191ff.

[10] Oexle, Otto Gerhard: Armut, Armutsbegriff und Armenfürsorge im Mittelalter, S. 78.

[11] Zedler, Johann Heinrich: Grosses vollständiges Universal Lexicon Aller Wissenschaften und Künste, Band 2, S. 799.

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Details

Titel
Das Hospital im Wandel - Christlicher caritas im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit
Hochschule
Universität Kassel  (Gesellschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Armen- und Krankenfürsorge seit der Reformation
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V81195
ISBN (eBook)
9783638880091
Dateigröße
598 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hospital, Wandel, Christlicher, Spätmittelalter, Frühen, Neuzeit, Armen-, Krankenfürsorge, Reformation
Arbeit zitieren
Samuel Greef (Autor), 2007, Das Hospital im Wandel - Christlicher caritas im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81195

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