Datenerhebungstechniken im Vergleich - Befragung, Beobachtung, Inhaltsanalyse


Zwischenprüfungsarbeit, 2007
25 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhalt

0. Einleitung

1. Die Befragung
1.1 Kommunikationsformen
1.1.1 Das wenig strukturierte Interview
1.1.2 Das teilstrukturierte Interview
1.1.3 Das stark strukturierte Interview
1.2 Kommunikationsarten
1.2.1 Das standardisierte Interview
1.2.2 Die schriftliche Befragung
1.2.3 Das Telefoninterview
1.2.4 Die Internetbefragung

2. Die Beobachtung
2.1 Strukturierte vs. unstrukturierte Beobachtung
2.2 Verdeckte vs. offene Beobachtung
2.3 Passive vs. aktiv teilnehmende Beobachtung
2.4 Feld- vs. Laborbeobachtung

3. Die Inhaltsanalyse
3.1 Die Quantitative Inhaltsanalyse
3.1.1. Frequenzanalyse
3.1.2 Dokumentenanalyse
3.1.3. Valenz- und Intensitätsanalyse
3.1.4 Kontingenz- und Bedeutungsfeldanalyse
3.2 Die Qualitative Inhaltsanalyse
3.2.1 Die Zusammenfassung
3.2.2 Die Explikation
3.2.3 Die Strukturierung

4. Vergleich der Datenerhebungstechniken Inhaltsanalyse, Befragung und Beobachtung
4.1 Besonderheiten und Ähnlichkeiten
4.2 Befragung, Beobachtung und Inhaltsanalyse auf dem Prüfstein der Gütekriterien Zuverlässigkeit, Repräsentativität und Gültigkeit
4.2.1 Befragung
4.2.2. Beobachtung
4.2.3 Inhaltsanalyse

5. Schlussbemerkung

6. Bibliographie

0. Einleitung

In den Sozialwissenschaften unterscheidet man zwischen drei Datenerhebungstechniken: Befragung, Beobachtung und Inhaltsanalyse[1].

In dieser Arbeit werde ich die drei Techniken in ihren Grundzügen vorstellen um sie anschließend miteinander zu vergleichen.

Im ersten Kapitel zur Befragung werde ich jeweils drei verschiedene Kommunikationsformen sowie vier Kommunikationsarten vorstellen, wobei die Kommunikationsformen unter dem Aspekt der Strukturiertheit (wenig/teilweise/stark) beleuchtet werden. Die Kommunikationsarten werden in vier verschiedene Felder eingeordnet: mündlich, schriftlich, Telefoninterview sowie die Internetbefragung.

Das nächste Kapitel stellt die Faktoren der Strukturiertheit, der Offenheit und der Teilnahme sowie auch der Bedingungen des Umfeldes in Bezug auf Beobachtungen dar.

Im vierten Kapitel stelle ich beide Formen der Inhaltsanalyse dar (quantitative sowie qualitative Inhaltsanalyse. Die Frequenz-, Dokumenten-, Valenz-, Intensitäts-, Kontingenz-, und Bedeutungsfeldanalyse werden hierbei zur quantitativen Inhaltsanalyse gezählt, wobei die Zusammenfassung, die Explikation und die Strukturierung in den Bereich der qualitativen Inhaltsanalyse fallen.

Das letzte Kapitel stellt die drei Datenerhebungstechniken in Vergleich zueinander, wobei hier Besonderheiten und Ähnlichkeiten diskutiert werden. Abschließend werden die drei Instrumente bezüglich ihrer Zuverlässigkeit, Repräsentativität und Gültigkeit untersucht.

1. Die Befragung

Die Befragung gilt als das meist verwendete Instrument der Datenerhebungstechnik in der empirischen Sozialforschung. Laut Kromrey gilt das Interview zwar nicht mehr als „ `Königsweg´ unter den Verfahren der Datensammlung“, hat jedoch trotzdem „seine dominierende Position in der Forschungspraxis bewahrt.“[2]

Von „der Befragung schlechthin“[3] kann laut Stier sowieso „[…] nicht gesprochen werden“[4], da diese in verschiedenen Formen durchgeführt werden kann. Atteslander unterscheidet hierbei zwei unterschiedliche „Kommunikationsarten“[5]: Zum Einen die mündliche und zum Anderen die schriftliche Form, wobei das Telefoninterview ein Spezialfall darstellt. Für alle drei Bereiche wurden ausführliche Kunstlehren entwickelt.

Abbildung 1 zeigt die verschiedenen Typen der Befragung. Neben der Kommunikationsarten nach Atteslander können Befragungen weiter in drei „Kommunikationsformen“[6] unterteilt werden: wenig-, teil-, und stark strukturiert. In der Literatur findet man jeweils auch andere Bezeichnungen für diese Kommunikationsformen[7].

Im weiteren Verlauf werde ich zunächst die drei Arten der (mündlichen) Kommunikationsform näher betrachten und im Anschluss auf die Kommunikationsarten näher eingehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Typen der Befragung (Atteslander 1995, S. 159)

1.1 Kommunikationsformen

1.1.1 Das wenig strukturierte Interview

Das wenig strukturierte Interview stellt für den Interviewer eine anspruchsvolle Aufgabe dar, da er ohne Vorlage, das heißt ohne Fragebogen arbeitet. Dieser „hohe[…] Freiheitsspielraum“[8] bietet dem Interviewer die Möglichkeit, das Gespräch selbst zu lenken. Mit einem gewissen Maß an Sensibilität sollte es dem Interviewer gelingen, die Reihenfolge und die Formulierung seiner Fragen dem Befragten individuell anzupassen. Erscheinen ihm gewisse Aspekte besonders interessant, besitzt er die Freiheit, das Gespräch in die gewünschte Richtung lenken zu können. Atteslander beschreibt das Ziel des Gespräches wie folgt:

„Das Gespräch folgt nicht den Fragen des Interviewers, sondern die jeweils nächste Frage ergibt sich aus den Aussagen des Befragten.“[9] Das bedeutet also, dass die zentrale Rolle des Interviewers die des Zuhörers ist, der auch Hinweise des Befragten aufnimmt. Des weiteren muss er das Gespräch aufrechterhalten und sinnvolle Zusammenhänge zwischen zuletzt gegebenen Antworten und neuen Fragestellungen herstellen.“ Das Ziel wenig strukturierter Befragungen ist, Sinnzusammenhänge, also die Meinungsstruktur des Befragten zu erfassen.“[10].

Zur Durchführung eines wenig strukturierten Interviews bedarf es einer sorgfältigen Schulung des Interviewers, damit dieser den hohen Anforderungen dieser Kommunikationsform gerecht werden kann. Der Interviewer muss sowohl die gesamte Umgebung der Interviewsituation beobachten als auch Hinweise auf der Sprachebene erkennen , Bedeutungszusammenhänge erkennen und natürlich genau zuhören können.[11]

1.1.2 Das teilstrukturierte Interview

Das teilstrukturierte Interview kann zwischen dem wenig strukturieren und dem stark strukturierten Interview angesiedelt werden. Der Interviewer verfügt zwar über eine Vorlage an Fragen, muss sich jedoch nicht an die Reihenfolge dieser Fragen halten. Alle Fragen werden in einem Gesprächsleitfaden zusammengefasst und strukturiert. Wie auch beim wenig strukturieren Interview hat der Interviewer die Möglichkeit, interessante Themen, die während des Gespräches aufkommen, weiter zu vertiefen. Der Gesprächsleitfaden muss also nicht Punkt für Punkt abgearbeitet werden, da es sich nicht um die Gesprächsform ´Frage-Antwort´ handelt. Vielmehr soll der Befragte die Freiheit haben, so viel wie möglich von sich aus zu erzählen.[12]

1.1.3 Das stark strukturierte Interview

Anders als beim wenig- und teilstrukturierten Interview, setzt das stark strukturierte Interview die Entwicklung eines Fragebogens voraus. Sowohl Interviewer als auch Befragter verfügen nicht mehr über so viel Freiheit, was wiederum eine gute Ausarbeitung des Fragebogens voraussetzt, um Missverständnisse zu vermeiden. Währen der Erhebungsphase darf der Befragte in der Regel keine Verständnisfragen stellen, um eine Beeinflussung seitens des Interviewer zu vermeiden.

Der Fragebogen ist somit ähnlich einem `Regelwerk´, an das sich sowohl Interviewer als auch Befragter während der Erhebungsphase halten müssen. Er beinhaltet nicht nur „[…] den Inhalt, die Anzahl und die Reihenfolge der Fragen[…]“, sondern auch die „[…] sprachliche Formulierung der Fragen und die Verwendungsweise von Antwortkategorien.“[13] Der Umfang eines Fragebogens ist durch die theoretische Problemstellung bestimmt. Jedoch sollte die Befragung anhand des Fragebogens den zeitlichen Rahmen von 30- 60 Minuten nicht überschreiten, da sowohl die Konzentration des Befragten, als auch seine Bereitschaft die Fragen zu beantworten, mit der Zeit abnehmen. Daher sollte der Fragebogen keine unnötigen Fragen beinhalten, um das gewünschte Ziel in der vorhandenen Zeit zu erreichen.

1.2 Kommunikationsarten

Bei den Kommunikationsarten unterscheidet man zwischen mündlich, schriftlich, Telefoninterview und der Internetbefragung.

Die Kommunikationsarten können auch als Arten/ Formen der Durchführung eines Interviews verstanden werden. Eine mündliche Befragung setzt immer die Anwesenheit eines Interviewers voraus und somit auch die direkte Kommunikation mit dem Befragten.

Die schriftliche Befragung dagegen wird von den Befragten in Anwesenheit eines Interviewers selbst ausgefüllt oder der Fragebogen wird ihnen postalisch zugesandt.

Eine Ausnahmestellung unter den Befragungsarten stellt das Telefoninterview dar, da es sich zwar um eine mündliche Befragung handelt, ein Interviewer jedoch nicht anwesend ist. Auch die Internetbefragung hat eine solche Sonderstellung. Auch wenn sie am ehesten der schriftlichen Befragung zugeordnet werden kann, gibt es dennoch Unterschiede, was die Auswahl der Befragten und die Repräsentativität betrifft.

1.2.1 Das standardisierte Interview

Die wichtigsten Merkmale eines standardisierten Interviews sind zum Einen die Standardisierung und zum Anderen die weitgehende Neutralität des Interviewers.

„Die Befragung von Einzelpersonen unter den Bedingungen einer so strukturierten

Interviewsituation (´ standardisiertes Einzelinterview´) stellt die hauptsächliche

Erhebungsform in der empirischen Sozialforschung dar […] und steht wie kein

Anderes Datenerhebungsinstrument im Mittelpunkt der intensiven Methoden-

Forschung.“[14]

Grundsätzlich stellt jede Befragung (besonders das mündliche Interview) eine soziale Situation dar. Der Interviewer nimmt während der Befragung direkten Einfluss auf den Gesprächsverlauf und stellt somit neben Kontroll- und Steuerungsinstanz gleichzeitig einen Verzerrungsfaktor dar.

Durch das standardisierte Interview wird „[…] durch die Vorgabe festgelegter Fragen (und in aller Regel auch festgelegter Antwortvorgaben) eine Gleichheit der Interviewsituation […] erziel[t].“[15]

Gäbe es Variationen innerhalb der Fragestellungen, könnte nicht mehr unterschieden werden, ob es sich bei den Antworten um Reaktionen auf die unterschiedlichen Fragestellungen oder doch um Unterschiede der tatsächlichen Meinung handelt.

1.2.2 Die schriftliche Befragung

Der Grund für eine schriftliche Befragung ist oft finanzieller Art, da eine mündliche Befragung meist kostenintensiver ist. Hinzu kommt, dass mit geringerem Personalaufwand ein größerer Personenkreis angesprochen werden kann. Im Gegensatz zum mündlichen Interview ist jedoch kein Interviewer anwesend, somit auch kein möglicher Verzerrungsfaktor.

Ein Nachteil der schriftlichen Befragung ist aber gleichzeitig, dass die gesamte Befragungssituation keiner Kontrolle unterliegt. Das bedeutet also, dass nicht beurteilt werden kann, wer den Fragebogen tatsächlich ausfüllt oder ob die Antworten durch den Einfluss anderer Personen verändert worden sind. Des Weiteren besteht für den Befragten nicht die Möglichkeit, Rückfragen zu stellen, falls dieser die Fragen beispielsweise nicht versteht. Daraus ergibt sich wiederum das Risiko, dass manche Fragen gar nicht, beziehungsweise nur unvollständig ausgefüllt werden.

„Die Repräsentativität der schriftlichen Befragung wird vor allem dadurch in Frage

gestellt, dass die Zahl der Ausfälle, also jener Befragten, die den Fragebogen nicht

beantworten, meist erheblich ist.“[16]

Somit eignet sich die schriftliche Befragung eher für Erfassung einfacher Tatbestände. Von den Befragten können keine spontanen Antworten erwartet werden, da diese genügend Zeit haben, über die Fragen nachzudenken.

Die Organisation für den Versand der Fragebögen muss gut geplant werden. Dem Fragebogen muss ein Informationsschreiben beileigen, der die ausgewählten Personen über folgende Dinge informiert: den Zweck der Befragung, gegebenenfalls das Institut, das die Befragung durchführt und den Grund, warum der Befragte für die Untersuchung ausgewählt wurde.

Zudem muss der Fragebogen leicht verständlich sein und es muss auf die anonyme Auswertung der Daten verwiesen werden. Ein frankierter Rückumschlag kann die Rücksendung des Fragebogens um einiges erleichtern. Sollten Befragte auch nach längerer Zeit den Fragebogen nicht zurückgeschickt haben, kann ein Erinnerungsschreiben an diese gesandt werden. Abschließend muss das Verhältnis von versandten und ausgefüllten Fragebögen ausgewertet werden, um die Repräsentativität beurteilen zu können.[17]

[...]


[1] vgl. Schnell/ Hill/Esser 1999,

[2] Kromrey 1994, S. 267.

[3] Stier 1999,

[4] ebd.

[5] Atteslander 1995, S.163

[6] ebd.

[7] vgl. z.B Schnell/Hill/Esser 1999, Stier 1999: Hier wird zwischen nicht- standardisiertes, teil-standardisiertes und standardisiertes Interview unterschieden.

[8] Atteslander 1995, S. 161.

[9] Ebd.

[10] Ebd.

[11] Ebd.

[12] Vgl. Atteslander 1995, S. 162; Schnell/Hill/Esser 1999, S. 300.

[13] Atteslander 1995,

[14] Schnell/Hill/ Esser 1999, S.300f.

[15] ebd.

[16] Atteslander 1995, S. 168.

[17] Vgl. ebd.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Datenerhebungstechniken im Vergleich - Befragung, Beobachtung, Inhaltsanalyse
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Institut für Soziologie)
Note
2
Autor
Jahr
2007
Seiten
25
Katalognummer
V81426
ISBN (eBook)
9783638862011
ISBN (Buch)
9783638862080
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Datenerhebungstechniken, Vergleich, Befragung, Beobachtung, Inhaltsanalyse
Arbeit zitieren
Valentin Marquardt (Autor), 2007, Datenerhebungstechniken im Vergleich - Befragung, Beobachtung, Inhaltsanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81426

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