Die Topographie des punischen Karthago


Hausarbeit, 2001

19 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Karthago und seine Gründungsmythen als Kontroverse zum tatsächlichen Gründungsakt
2.1 Die Begrenzungen der karthagischen Halbinsel
2.2 Die Siedlungsweise des punischen Volkes

3. Die Topographie der Stadt Karthago
3.1 Die Stadtteile
3.1.1 Die Hafenanlagen
3.1.2 Die karthagischen Befestigungsanlagen
3.2 Das punische Haus

4. Zusammenfassung

5. Quellen

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der Antike haben viele Städte für Furore gesorgt, jedoch wohl nicht in dem Maße, wie es Karthago tat. Für viele Historiker mag die Brisanz Karthagos im Bilde als Hauptfeind Roms verborgen liegen; darüber hinaus ist Karthago allerdings der Beweis dafür, dass vor allem in der Antike möglich war, auch ohne exzessive, kriegerische Expansionspolitik eine blühende Kultur auf einer handelspolitischen Basis zu errichten.

Wichtig für eine derartige Entwicklung, und damit auch für diese Arbeit, ist jedoch nicht die Analyse handelspolitischer Entwicklungen, die die Phönizier betrieben, sondern vielmehr soll sie sich der Gründung und der Gestalt Karthagos, der zweiten Heimat der Phönizier, widmen. Die Darstellung kontroverser Überlie-ferungen von Gründungsmythos und Gründungszeitpunkt werden in meinen Ausführungen ebenso aufgegriffen wie die tatsächlich anzunehmende Gründung der Stadt. Das topographische Erscheinungsbild der Stadt, also Begrenzungen, Aufteilung der Stadt, die Relevanz und Gestalt der Befestigungsanlagen sowie die Kubatour eines punischen Hauses sollen zentrale Punkte meiner Arbeit bilden. Alle diese Themenkreise sind Voraussetzungen, Wegbereiter und zum Teil Ergebnisse des Aufstieges Karthagos. Meine Untersuchungen richten sich nicht nach signifikanten Eckdaten der karthagischen Geschichte; vielmehr will die Arbeit eine überblickartige „Draufsicht“ der Stadt Karthago vermitteln. Bei meinen Erläuterungen werde ich mich ausschließlich auf die Entwicklungen in punischer Zeit beziehen. Demzufolge sind die Ereignisse während und nach den punischen Kriegen nicht entscheidend.

Die Zahl der Materialien, die mir zur Erstellung der Hausarbeit zur Verfügung standen, war umfangreich, weswegen sich mehr Schwierigkeiten bei der Auswahl der geeigneten Quellen und Literatur Schwierigkeiten einstellten, als sie ausfindig zu machen. Während der Erstellung meiner Arbeit wurde jedoch sehr bald deut-lich, dass die Topographie des punischen Karthago vieles Wissenswertes und Anschauliches birgt, als es zunächst schien. Da auf verschiedene Dinge nicht verzichtetet werden sollte, nahm ich es billigend in Kauf, den zuvor abgesteckten Rahmen etwas zu überschreiten.

Die Arbeit wird im Einführungsteil zunächst die „sagenhafte“ und die anzu-nehmende Gründung Karthagos betrachten, bevor die Frage nach der Begrenzung der karthagischen Halbinsel zu beantworten sein wird. Das ist aus dem Grund wichtig, da nur so zur Lösung der Erstbesiedlungsfrage beigetragen werden kann – Orte sind demzufolge zu identifizieren.

Städte verdanken ihren Ruhm meistens nicht nur ihrer strategisch bzw. geo-graphisch guten Lage, sondern auch ihrer architektonischen Anlage selbst. Aus diesem Grund versucht das Kapitel 3 die Art und Weise der Stadttopographie zu beleuchten. Innerhalb dieses Abschnittes konzentriert sich die Arbeit neben einzelnen Stadtteilen auch auf die Befestigungsanlagen und das punische Haus an sich.

2. Karthago und seine Gründungsmythen als Kontroverse zum tatsächlichen Gründungsakt

Karthago wurde in der antiken Geschichtsschreibung mit mehreren Namen be-dacht, so z.B. mit „[…] Tyros […], Kaine-Polis (Neu-Stadt) […], Oinusa, Kakka-be, [… wobei jedoch …] Qrthdšt (Neu-Stadt) […]“[1] bzw. Qarthadascht, die wohl die gebräuchlichste Form war. Huss beschreibt ausführlich wie aus dem phöni-zischen Qrthdšt durch Assimilation und Dissimilation etwaiger Konsonanten etc. das Wort Carthada, also fast identisch mit Karthago, wurde.[2] Ebenso plausibel erscheint aber auch die Überlegung, dass die neue Heimat Karthago eine Neu-gründung schon durch den Namen impliziert, da die Mutterstadt der Phönizier Tyros (im heutigen Israel) war, und somit der Name Karthagos Qrthdšt (Neu-Stadt) entstand.

Über die Gründung Karthagos berichten viele antike Autoren wie Polybios, Appian, Strabon oder auch Diodorus. So berichtet Appian von Alexandria von einer tyrischen Prinzessin namens Dido (anderen Orts auch Elissa[3]), der die Gründung Karthagos zuzuschreiben sei, weil sie eine Rindshaut in einen sehr schmalen Streifen geschnitten haben soll und mit ihm den Ort umspannt hat, an welchem sie die Festung Byrsa errichten ließ.[4] Um diese herum soll später die Stadt entstanden sein. Der Grund, warum Dido sich in Nordafrika niederließ, wird mit ihrer Flucht vor ihrem Bruder Pygmalion, der ihren Mann und Onkel Acerbas, Priester des Melqart, umbringen ließ, begründet.[5] Karthago soll aber auch von einem gewissen Karchedon und seinem Gefährten Xoros gegründet worden sein,[6] wobei Karchedon der griechische Name von Karthago ist, und der Name Xoros in anderer Literatur als Azoros bzw. Zoros genannt wird[7].

Nicht nur die Meinungen der Umstände der Besiedlung des karthagischen Gebietes sind aufgrund verschiedener Quellen umstritten, sondern auch die Festlegung des genauen Gründungsjahres differiert laut antiker Autoren erheblich. Werner Huss filtert in seinem Werk über die Karthager drei verschiedene Theo-rien der Antike diesbezüglich heraus, und überprüft sie auf mögliche Authentizi-tät. Demzufolge ist nach Philistos das angebliche Gründungsjahr 1215 v. Chr. „[…] – historisch gesehen – ohne Belang, […] da dieses Datum […] sicherlich dem Bestreben, legendäre Zeitangaben zu systematisieren […]“[8] unterlegen ist. Die Auffassung Timaios’, die Gründung Karthagos in das 38. Jahr vor der ersten Olympiade zu projizieren, also um die Jahre 814/813 bzw. 813/812 v. Chr. „[…] bei exklusiver Rechnungsweise [… bzw. …] bei inklusiver Zählweise, […] ist weder zu beweisen noch zu leugnen […]“[9]. Jedoch erscheint mir gerade aus diesem Fakt heraus, dieser Zeitraum nicht als der unbedingt glaubwürdigste. Eng verbunden mit dem timaiischen Gründungsdatum ist dasjenige nach Menan-dros von Ephesos[10], der die Besiedlung ins siebte Jahr des tyrischen Königs Pygmalion, demzufolge in den Zeitraum von 825-820 v. Chr. festlegt, wobei Menandros sich zwar auf biblische, aber auch auf assyrische und tyrische Dokumente beruft, deren Glaubwürdigkeit zumindest nicht in diesem Rahmen in Frage zu stellten sind.[11]

Die bislang auf archäologischen Funden beruhenden Kenntnisse konnten weder das menandrische noch das timaiische Gründungsdatum als unumstößlich manifestieren. Jedoch gilt eines als gesichert: die „ […] Gründung der ‚Stadt’ [ist] nicht [als] Akt der Installierung einer im vollem Umfang funktionsfähigen städtischen Siedlung zu verstehen, sondern nur die Errichtung eines tyrischen Stützpunktes“[12] gewesen. Dass es nur ein tyrischer Stützpunkt war, zumindest so, wie es Huss benennt, verleit der Stadt Karthago meines Erachtens eine Negativ-konnotation, die den eigentlichen Glanz und die rühmliche Erhabenheit erheblich verharmlost. Denn schließlich ist Karthago diejenige Stadt gewesen, von der aus fast der gesamte Handel des Mittelmeerraumes bestimmt wurde; von hier aus wurden Inseln besiedelt und in die Handelspolitik der Karthager eingebunden, wie z.B. einige afrikanische Stämme oder die Bewohner Siziliens, Korsikas und Sardiniens. Aber auch die Boier profitierten vom Handel mit Karthago. Grund für diese Errungenschaften ist eindeutig in der herausragenden Lage des anfänglichen phönizischen Kontors Karthago am Golf von Tunis zu sehen: „Karthago konnte eine Klammerfunktion zwischen dem levantinischen Osten und dem Fernen Westen ausüben.“[13] Ob Karthago von den tyrischen Flüchtlingen Dido und Acer-bas gegründet worden ist, um eine neue Heimat oder Zuflucht zu haben, wird wohl immer ein Mythos bleiben. Vielmehr gilt es doch als sicher, dass sich die Stadt aus einem Handelsstützpunkt zum Inbegriff einer Mittelmeermacht entwi-ckelt hatte. Die Phönizier waren kein Volk, deren Macht auf außerordentlicher kriegerischer Expansionspolitik basierte, sondern darauf, dass es dieses Volk vermochte, ihren Einfluss bis zur weit entfernten Iberischen Halbinsel durch handelspolitische Agilität geltend zu machen.

Die genauen Umstände der punischen Erstansiedlung auf der karthagischen Halbinsel sowie die Art und Weise, sollen in den nun folgenden zwei Unterkapi-teln erläutert werden. Zuvor gilt es aber, die geographischen Begrenzungen der Halbinsel genauer beleuchten, damit die topographische Gestalt des karthagischen Umlandes die Erläuterungen zur Siedlungsweise des punischen Volkes unter-stützt.

2.1 Die Begrenzungen der karthagischen Halbinsel

Polybios und Strabon äußern sich über die topographische Gestalt des karthagischen Umlandes dahingehend, dass sie es als eine Halbinsel beschreiben, wobei Strabon noch einen Schritt weiter geht und der Halbinsel einen Umfang von 360 Stadien zumisst.[14] Bei Polybios’ Ausführungen erfahren wir aller-dings detaillierte Angaben über das Erstrecken der gesamten an einem Meerbusen gelegenen Halbinsel: so ist Karthago „[…] fast überall von Wasser, auf der einen Seite vom Meer, auf der anderen von einer Lagune, umschlossen […]“.[15] Im Laufe der Jahrhunderte haben sich die Umrisse der Halbinsel erheblich geändert. Der Grund hierfür ist die zunehmende Verlandung, die „[…] vor allem im Nor-den, wo der Bagradas, der heutige Medjerda und größte Fluss Tunesiens, gewalti-ge Erdmassen aus dem Landesinneren herbeiführt, und dabei sein Mündungsbett immer weiter...verschoben hat“[16]. Dieser nördliche Teil des karthagischen Umlan-des wird vom Kap Gamarth[17] sowie durch das 30 Kilometer entfernte „[…] Sieti Ali el Mekki, […] ein riesiges, nur durch zwei größere Salzseen durchbrochenes Sumpfgebiet […]“[18] begrenzt. Das Meer, von dem Polybios berichtet, entspricht der östlichsten Begrenzung durch das Mittelmeer am Inselvorsprung bei Sidi Bou Saïd[19]. Vom Kap Gamarth über Sidi Bou Saïd, bis hinunter zu Baie du Kram er-streckt sich eine Hügelkette, deren Höhe und steiler Abfall zum Meer nach Süden hin zunehmend sinkt.[20] An diese flach auslaufenden Hügel schließt sich im Süden die See von Tunis (El-Bahira) an, die gleichzeitig mit einer Breite von 25 Stadi-en[21] die südliche Grenze der Landenge zu Libyen (El-Aouina)[22] bildet. Im Wes-ten ist das Umland von Karthago durch die Sebkhet er-Ariana eingeschlossen[23].

[...]


[1] Huss, W.: Die Karthager, München 1990, S. 16.

[2] Vgl. ebd.

[3] Vgl. hierzu die Aussagen von Elliger, W.: Karthago: Stadt der Punier, Römer, Christen, Stuttgart u.a. 1990, S. 32.

[4] Vgl. App. VIII, 1-2.

[5] Elliger: Karthago, S. 32.

[6] Vgl. App. VIII, 1-2.

[7] Vgl. Huss: Karthager, S. 16 und Elliger: Karthago, S. 33.

[8] Huss: Karthager, S. 17.

[9] Ebd., und Bunnens, G.: Chronologie, in: Karthago, hrsg. v. Werner Huss, (=Wege der Forschung; Bd. 654), Darmstadt 1992, S. 26-45, hier S. 32f.

[10] Vgl. ebd. S. 17, und Elliger: Karthago, S. 34.

[11] Vgl. Huss, Karthager, S. 17f.

[12] Ebd., S. 18.

[13] Ebd., S. 18.

[14] Pol. I, 73, und Strab. XVII, 3, 14.

[15] Pol. I, 73.

[16] Elliger: Karthago, S. 35.

[17] Vgl. Huss: Karthager, S. 18.

[18] Elliger: Karthago, S. 35.

[19] Vgl. Huss: Karthager, S. 19f.

[20] Vgl. ebd. S. 18, und vgl. die Aussagen von Elliger über das Erscheinungsbild dieser Bergkette, in: Karthago, S. 35.

[21] Pol. I, 73.

[22] Vgl. Huss: Karthago, S. 19f.

[23] Vgl. ebd.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Topographie des punischen Karthago
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Veranstaltung
Proseminar: Karthago
Note
2,7
Autor
Jahr
2001
Seiten
19
Katalognummer
V81458
ISBN (eBook)
9783638858342
ISBN (Buch)
9783638861069
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Topographie, Karthago, Proseminar
Arbeit zitieren
Johannes Henning (Autor), 2001, Die Topographie des punischen Karthago, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81458

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