Messemanagement: Erfolg und Misserfolg im Spannungsfeld zwischen betriebswirtschaftlichen und nutzen-kosten-analytischen Indikatoren


Seminararbeit, 2007

59 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen
2.1 Begriffsklärung
2.2 Zielsetzung einer Messeveranstaltung

3 Empirische Datengrundlage
3.1 Übersicht des Entwicklungsstandes der Messelandschaft Deutschlands
3.2 Mögliche Erfolgskennzahlen ausgewählter Messegesellschaften in Deutschland
3.2.1 Hallenflächen
3.2.2 Investitionen in Hallenausstattung und Hallenflächen
3.2.3 Veranstaltungszahlen
3.2.4 Besucherzahlen
3.2.5 Umsatz und Jahresergebnis
3.2.6 Mitarbeiterzahlen
3.2.7 Situation der Besitzverhältnisse
3.2.8 Ökonomische Auswirkungen von Messeveranstaltungen auf das Umland
3.3 Betrachtung der Kennzahlen am Beispiel der Messe Augsburg
3.3.1 Hintergrund und Besitzverhältnisse
3.3.2 Bilanz-Kennzahlen
3.4 Zusammenfassung der sich aus der Empirie ergebenden Fragen

4 Theoretischer Hintergrund
4.1 Erörterung der sich aus der Empirie ergebenen Fragen
4.1.1 Welche Kennzahlen tragen zu einem positiven betriebswirtschaftlichen Ergebnis der Messegesellschaft bei?
4.1.2 Welche Kennzahlen mindern das betriebswirtschaftliche Ergebnis der Messegesellschaft oder stellen eine mögliche Gefährdung des Erfolgs dar?
4.1.3 Welche Kennzahlen stellen einen direkten Nutzen für die Messestadt dar?
4.1.4 Welche Kennzahlen stellen Kosten für die Stadt dar?
4.2 Mögliche Spannungsfelder
4.2.1 Anreize des Messemanagements zu bürokratietheoretischem Verhalten
4.2.2 Primäre Interessen der Gesellschafter

5 Betrachtung der Lage der Messe Augsburg

6 Anforderungen an den Standort bzw. das Umland eines Messeplatzes

7 Fazit und Ausblick

8 Anhang
8.1 Literaturverzeichnis
8.2 Geschäfts- und Beteiligungsberichte:
8.2 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

In den letzten Jahren entstanden zunehmend neue Messezentren und bereits bestehende wurden erweitert. Besonders auffällig ist die Zahl der neu erbauten kleinen, regionalen Messezentren. Städte erhoffen sich von ihnen wirtschaftliche Belebung des Standortes und Aufbesserung des Stadtimages. Jedoch stehen die Hallen oft leer. Welche Leistungen die lokalen Messegesellschaften tatsächlich erbringen, wer von den Messezentren profitiert, und ob sie die an sie gestellten Erwartungen erfüllen, soll in dieser Arbeit näher betrachtet werden.

Ausgehend von einer Einführung in das Wesen der Messewirtschaft und der gegenwärtigen Entwicklung in Deutschland werden mögliche, aus sowohl betriebswirtschaftlicher als auch nutzen-kosten-analytischer Sicht interessante Erfolgsindikatoren vorgestellt und am Beispiel ausgewählter Messegesellschaften Deutschlands dargestellt. Hierzu soll auch die regionale Messe Augsburg in ihrem Erfolg sowie ihre regionale Auswirkung beleuchtet werden. Unter Beachtung aktueller Veröffentlichungen sollen des weiteren die verschiedenen Interessen von Messegesellschaft und Gesellschaftern erörtert werden und die wichtigsten Erfolgsindikatoren aus jeweiliger Sicht benannt werden. Abschließend beschreibt ein kurzer Überblick die zu erwartenden Entwicklungen der Messelandschaft.

2 Grundlagen

2.1 Begriffsklärung

Es gibt in der Literatur eine Vielzahl sehr ähnlicher Definitionen zu dem Begriff „Messe“. Nach Strothmann (vgl. Strothmann 1992a, S. 15) ist die Funktion einer Messe, „Firmen der Angebotsseite die Präsentation ihrer Produkte und eine begleitende firmen- und produktbezogene Information bzw. Kommunikation mit der Nachfragerseite, repräsentiert durch den Messebesucher“ zu ermöglichen. Wesentlich knapper ist die Definition in der aktuellen Gewerbeordnung [Gewerbeordnung in der Fassung der Bekanntmachung vom 22. Februar 1999 (BGBl. I S. 202), zuletzt geändert durch Artikel 11 des Gesetzes vom 22. August 2006 (BGBl. I S. 1970)]: „Eine Messe ist eine zeitlich begrenzte, im allgemeinen regelmäßig wiederkehrende Veranstaltung, auf der eine Vielzahl von Ausstellern das wesentliche Angebot eines oder mehrerer Wirtschaftszweige ausstellt und überwiegend nach Muster an gewerbliche Wiederverkäufer, gewerbliche Verbraucher oder Großabnehmer vertreibt.“ Wichtig ist hier die Unterscheidung zwischen Messe und Ausstellung: Messen beinhalten das „wesentliche Angebot“ (§ 64 Abs. 1), Ausstellungen hingegen „ein repräsentatives Angebot“ (§ 65) eines oder mehrerer Wirtschaftszweige. Die Messe hat also den Anspruch einer möglichst vollständigen Darstellung des Produktangebotes.

Die Bezeichnungen „Aussteller“ und „Besucher“ werden üblicherweise wie folgt definiert: Als Aussteller wird gezählt, „wer auf einem räumlich abgegrenzten, bezahlte Waren und Leistungen mit eigenem Personal anbietet.“ (vgl. Internetquelle 1). Zu Besuchern zählen Privat- und Fachbesucher. Helmich definiert Fachbesucher als „Mitarbeiter eines Unternehmens, die aus beruflichen Gründen Messen aufsuchen“. Privatbesucher hingegen kämen aus „individuellen, persönlichen Gründen zu Messen“ (Helmich 1988, S. 65f).

Weiter gibt es eine große Zahl an Unterbegriffen, die den Charakter der einzelnen Messeveranstaltung beschreiben (vgl. Möller 1998, S. 51ff; und Franke 2005, S. 6f). Generell kann in Warenmessen (Verkauf der Waren vor Ort) und Mustermessen (Abschlüsse von Kaufverträgen, vor Ort vorhandene Waren dienen nur als Anschauungsobjekte) unterschieden werden. Mustermessen können weiter differenziert werden nach Branchenanzahl (Fachmessen, Mehrbranchenmesse, Universalmesse), Art der angebotenen Güter (Konsumgütermesse, Investitionsgütermesse), Besucherorientierung (reine Fachbesucherveranstaltungen, gemischte Veranstaltungen, reine Verbraucherausstellungen bzw. Publikumsmessen) sowie Marktreichweite (regionale, überregionale, nationale und internationale Veranstaltungen). Der AUMA definiert „regionale Messe“ als eine Messe mit Besuchern überwiegend aus der Region, „überregionale Messe“ als Messe mit überregionalem Einzugsgebiet und „internationale Messe“ als Messe mit regelmässig 10% ausländischen Ausstellern und 5% ausländischen Besuchern. Besonders bei branchenorientierten Messen im Investitionsgüterbereich ist die Informationsvermittlung auf Zusatzveranstaltungen wie Kongressen, Symposien, Seminaren etc. bedeutend (vgl. Möller 1998, S. 49; und Franke 2005, S. 6f), weshalb auch Termini wie Kongressmesse, Informationsmesse oder Kommunikationsmesse verwendet werden (vgl. Tietz 1999, S. 89f). Die drei erwähnten Formen stehen damit im Gegensatz zur klassischen Ordermesse, in deren Fokus der Verkauf von Gütern steht. Alle Messen hingegen können Eigen- oder Gastveranstaltungen sein; bei Eigenveranstaltungen ist die Messegesellschaft für Konzeption, Akquisition und wirtschaftlichen Erfolg selbst verantwortlich. Gastveranstaltungen werden hingegen von externen Veranstaltern durchgeführt, der Flächen und Services vom Besitzer bzw. Pächter des Messegeländes mietet (vgl. Kleinhenz/Svoboda 2003, S. 1013ff).

Der Begriff „Messe“ kann je nach Kontext sowohl für die Messegesellschaft, den Messeplatz als auch für die Messeveranstaltung stehen (vgl. Franke 2005, S. 7). Auch die verkürzte Verwendung eines Ortsnamens wie bspw. „Hannover“ soll je nach Kontext sowohl für den Standort des Messegeländes in Hannover, die Messegesellschaft „Deutsche Messe AG“, als auch die Stadt Hannover stehen können.

2.2 Zielsetzung einer Messeveranstaltung

Messeveranstaltungen, das sind laut Auma hauptsächlich Fachmessen (vgl. Internet­quelle 1), haben vielfältigste Zielfunktionen. Grob kann nach überwirt­schaftlichen, gesamtwirtschaftlichen und einzelwirtschaftlichen Funktionen unterschieden werden:

- Zu den überwirtschaftlichen Funktionen gehören die Innovations-, Informations-, Aufmerksamkeits- und Politikfunktion: Besonders in Branchen mit hoher Innovationsfrequenz übernehmen Messen eine Informationsfunktion und spielen eine entscheidende Rolle im Diffusionsprozess (vgl. Möller 1998, S. 310; sowie Tietz 1999, S. 90). Neue und erklärungsbedürftige Technologien können auf Messeveranstaltungen einem großen Publikum sehr ausführlich vorgestellt und erklärt werden, günstiger und leichter als das mit anderen Werbemaßnahmen möglich ist (vgl. Mortsiefer 1999, S. 22). Messen erwecken mit ihrem gebündelten Angebot an neuheitlichen Waren mehr Aufmerksamkeit als es einzelne Firmen können, in ihrer Gesamtheit erhöhen Messen die Popularität von Branchen und ganzen Volkswirtschaften (vgl. Winter/Wengler 1999, S. 129). Strukturpolitisch spielt die durch Messen geförderte Chancengleichheit zwischen kleinen und großen Unternehmen eine Rolle, da die günstigen Hallenmieten auch kleinen Unternehmen ermöglichen, ihre Leistungen einem großen Publikum vorzustellen (vgl. Zitzewitz 2003, S. 259, S. 261). Wirtschaftspolitisch spielen Messen in Bezug auf die Handelsförderung durch das Bereitstellen einer Kommunikationsplattform, aber auch im erheblichen Maße durch die wirtschaftliche Stärkung der Messestandortregion eine Rolle (vgl. Möller 1998, S. 288).
- Gesamtwirtschaftlich haben Messen die Funktion des konzentrierten Zusammen­führens von Angebot und Nachfrage. Dabei sollte das Angebot in Form von Ausstellern den Markt möglichst vollständig darstellen. Nur so entsteht Transparenz und direkter Vergleich wird möglich (vgl. Stiege 1992, S. 3; sowie Strothmann 1992b, S. 28).
- Einzelwirtschaftlich lassen sich Messen als Instrument im Absatzmarketing bzw. Beschaffungsmarketing beschreiben (vgl. Kirchgeorg 2003, S. 57ff). Der verkaufsfördernde Effekt einer Messe unmittelbar und im „sogenannten Nachmesse­geschäft“ (Möller 1998, S. 55), bemerkbar. Neben der besonders im Exportgeschäft hohen Verkaufsförderungfunktion (vgl. Strothmann 1992a, S. 22) ermöglichen Messen gleichzeitig auch das Verfolgen von Marktforschungszielen über Kon­kurrenz­unter­nehmen und ihre Produkte (vgl. Strothmann 1992b, S. 27).

3 Empirische Datengrundlage

3.1 Übersicht des Entwicklungsstandes der Messelandschaft Deutschlands

In Deutschland entwickelten und etablierten sich mehrere Großmesseplätze. Neben diesen findet sich ein dichtes Netz an regionalen Messestandorten. (vgl. Tietz 1999, S. 94; sowie Internetquelle 1). Überwiegend in Deutschland ist die Verbindung von Betrieb und Besitz; d.h. Messehallen sind in Besitz der Messegesellschaften bzw. in Besitz der Kommunen, die diese an die Messegesellschaft verpachten. Die größten deutschen Messegesellschaften wurden kurz nach Kriegsende wieder aufgebaut; die Alliierten versprachen sich vom Messebetrieb doppelte Wirtschaftsförderung: Neben der Kommunikationsplattform für Aussteller und Besucher bewirkte die Förderung von Unternehmen in der Messeregion auch eine Standortstärkung (vgl. Zitzewitz 2003, S. 258).

Nach Angaben des AUMA (Ausstellungs- und Messeausschuß der deutschen Wirtschaft) finden in Deutschland jährlich rund 150 überregionale Messen und Ausstellungen statt mit etwa 160.000 – 170.000 Ausstellern (davon die Hälfte ausländisch) und 9 – 10 Mio Besuchern (davon etwa ein Fünftel ausländisch). Die vermietete Standfläche beträgt 6 – 7 Mio m². Regionale Fachausstellungen ziehen jährlich ca. 50.000 Aussteller und ca. 7 Mio Besucher an. Die Standfläche liegt bei 1,5 Mio m². Die deutschen Aussteller sind zu mehr als 50% Betriebe mit weniger als 49 Beschäftigten (vgl. Auma 2005a, S. 23). Der Umsatz aller Messegesellschaften betrug 2005 kumuliert 2,35 Mrd €. Dabei wirken sich die Auslandsaktivitäten der Messegesellschaften stabilisierend auf das Ergebnis aus. Anzumerken bleibt, dass 2005 ein turnusmässig schwaches Jahr mit relativ wenig Veranstaltungen war (vgl. Auma 2005c, S. 18). An den Messeveranstaltungen machen Investitionsgütermessen den größten Anteil aus (49% der Aussteller, 43% der Besucher und 50% der Nettofläche). Konsumgütermessen stellen den restlichen Anteil der Veranstaltungen dar. Davon machen fachbezogene Konsumgütermessen 34% der Aussteller und der Nettofläche, jedoch nur 17% der Besucher aus; privatbesucherbezogene Konsumgütermessen hingegen ziehen zwar nur 12% der Aussteller (mit 14% der Nettofläche) an, sind jedoch mit 38% der Besucher ein Publikumsmagnet (vgl. Auma 2005c, S. 17). Zunehmend weist die Entwicklung des deutschen Messemarktes auch eine Verknüpfung von Messen mit Kongressveranstaltungen auf. Jährlich finden etwa 5.000 Kongresse und Tagungen mit 400.000 Teilnehmern statt. Weitere messeunabhängige Veranstaltungen zogen 2005 noch einmal 1,9 Mio Besucher an. Die alternative Nutzung der Messehallen durch Kultur, Sport, Wirtschaft und Politik verzeichnet knapp 4 Mio Besucher auf etwa 1.800 Veranstaltungen (vgl. Auma 2005c, S. 47)

Zu den größten Stärken der deutschen Messewirtschaft gehört
(vgl. auch Internetquelle 1):

- Hohe Internationalität an Besuchern und Ausstellern [2005 kamen rund 50% der Aussteller auf deutschen Messen aus dem Ausland. Laut AUMA ist die Internationalität der wichtigste Pluspunkt deutscher Messen im weltweiten Wettbewerb. Sie resultiert aus der Spitzenposition deutscher Aussteller in vielen Branchen, was weltweit Besucher anzieht. Internationale Besucher ziehen wiederum Aussteller aus aller Welt an, da sie vielfältige Exportmöglichkeiten versprechen (vgl. Ziegler 1999, S. 116, S. 105)]
- quantitativ und qualitativ herausragende Messeinfrastruktur (die deutschen Messestandorte gehören zu den größten der Welt und setzen mit ihrer Ausstattung Weltstandards)
- wettbewerbsorientierten, wirtschaftsnahe Messeveranstaltungen (es gibt keine gesetzlichen Vorgaben über Zahl und Art der Messeveranstaltungen sowie ihre Finanzierung; gleichzeitig entstehen viele Veranstaltungskonzepte in Zusammenarbeit mit Branchenverbänden – von den international führenden Messen der einzelnen Branchen finden rund zwei Drittel in Deutschland statt,
- starke Serviceorientierung und Transparenz der Messeleistung (mittels bspw. Besucherstrukturanalysen durch die FKM (Gesellschaft zur freiwilligen Kontrolle von Messe- und Ausstellungszahlen) (vgl. Ziegler 1999, S. 108).

Erwähnenswert ist das starke Engagement der großen deutschen Messeveranstalter im Ausland, das sich zum einem in der dortigen Etablierung von Messeveranstaltungen nach deutschem Qualitätsstandard äußert, und zum anderen im Unterhalten von Auslandsbüros, die vor Ort Fachbesuchern und Ausstellern bei Besuchs- oder Ausstellabsichten auf deutschen Messen unterstützen. 2006 waren 197 solcher Auslandsmessen deutscher Veranstalter (die AUMA-Mitglied sind) angemeldet, wovon knapp die Hälfte in Asien stattfanden (vgl. auch Schoop 2003, S. 25f; Internetquelle 2; Stiege 1992, S. 9f).

Begünstigt wird die Position der deutschen Messewirtschaft durch die geographische Lage: Zum einen sind allein die große Kaufkraft und die starke Exportorientierung Deutschlands attraktiv, des weiteren liegt Deutschland zentral in Europa und stellt damit das Zentrum der EU und Tor zum Osten dar. Die Infrastruktur in Deutschland ist sehr gut und auf hohem Qualitätsniveau ausgebaut, was sowohl Verkehrsinfrastruktur als auch Hotellerie, Gastronomie und den Freizeitwert deutscher Städte betrifft (vgl. Winter/Wengler 1999, S. 128f; Stiege 1992, S. 9f, Ziegler 1999, S. 108f). Dabei werten sich ein attraktive Messe und eine attraktive Stadt gegenseitig auf.

3.2 Mögliche Erfolgskennzahlen ausgewählter Messegesellschaften in Deutschland

Anhand verschiedener möglicher Erfolgsindikatoren soll hier die finanzielle Situation ausgewählter Messegesellschaften in Deutschland erörtert und verglichen werden. Die Situation der Messe Augsburg findet besondere Beachtung. Die Auswahl der Merkmale stützt sich auf Überlegungen von Stiege, die u.a. Zahl der Veranstaltungen, Zahl der Besucher, vermietete Fläche in m² und Ausstellerzahl als Kennzahlen zur Beschreibung der deutschen Messelandschaft verwendet (vgl. Stiege 1992, S. 12f). Die über das Jahr hinweg vermietete Fläche wiederum ist abhängig von der verfügbaren Hallen- bzw. Freigeländekapazität. Neben quantitativen Merkmalen sollen auch unternehmensspezifische Daten zu Umsatz, Jahresergebnis, Mitarbeiterzahl und Besitzverhältnisse erörtert werden. Aus den Besitzverhältnissen ergeben sich wiederum die große Bedeutung der wirtschaftlichen Effekte für das Umland eines Messeplatzes, die abschließend betrachtet werden sollen. Nicht weiter eingegangen werden soll auf die konkreten Subventionsprogramme der Bundesländer zum Ausbau bzw. Aufbau von Messeinfrastruktur. Abschließend bleibt anzumerken, dass die Vergleichbarkeit der Jahresdaten sehr beeinträchtigt ist durch den mehrjährigen Messeturnus, wodurch es – zusätzlich zur konjunkturellen Entwicklung – zu erheblichen Verzerrungen kommen kann (vgl. Helmich 1998, S. 32; Messe München International 2006, S. 22; sowie Messe Düsseldorf GmbH 2006, S. 10). Um die Aussagekraft der Daten zu erhöhen, sollen hier die Daten der Jahre 2004 und 2005 betrachtet werden.

3.2.1 Hallenflächen

Die Hallenfläche ist das, was Messegesellschaften an Aussteller vermieten können. Die Hallenfläche stellt also den entscheidenden Grenzfaktor für die Mieteinnahmen dar, sie begrenzen auch die Größe der Veranstaltungen, da alle Aussteller gleichzeitig an der Messe teilnehmen. Ausstellern gilt das Hauptinteresse der Besucher, eine große Messe verspricht mehr Besucher. Zuerst sollen also die Ausstellungskapazitäten der deutschen Messegesellschaften betrachtet werden.

3.2.1.1 Ausstellungskapazitäten in Deutschland

Der AUMA veröffentlicht auf seiner Website unter „Messeplatz Deutschland“ die Ausstellungskapazitäten (brutto) deutscher Messestandorte (siehe Abb. 1). Der Standort Hannover hat somit mit Abstand (auch weltweit) die größten Kapazitäten, gefolgt von Frankfurt, Köln, Düsseldorf und München. München sticht durch sein sehr großes Freigelände von 253.000m² (Stand: 1.1.2006) heraus.

3.2.1.2 Entwicklung von Hallenkapazität und Nettofläche (vermietete Fläche) in Deutschland

Die Hallenfläche ist durch den Dienstleistungscharakter von Messen hohen Spitzenbelastungen ausgesetzt, während zwischen den (Messe-)Veranstaltungen die Hallenfläche ungenutzt bleibt. Die über das Jahr hinweg vermietete Fläche („Nettofläche“) sagt aus, welche Fläche tatsächlich im wirtschaftlichen Sinne genutzt wurde um Umsatz zu generieren. Das Maximum der Nettofläche lässt sich aus folgenden Gründen nicht in „Hallenfläche x 365 Tage pro Jahr“ berechnen: Zum einen sind Hallenflächen durch Auf- und Abbau vor und nach Messeveranstaltungen nicht nutzbar, ebenso wie Freigeländeflächen nur saisonal nutzbar sind. Zum anderen werden je Messe unterschiedlich viel Fläche für Wege zwischen den Ständen und für diverse Serviceeinrichtungen gebraucht. Die Nettofläche inklusive dieser Flächen wird in der Größe „Bruttofläche“ ausgedrückt. Da jedoch unvermietete Flächen bei intelligenter Aufstellung der Stände komplett in den Faktor „Bruttofläche“ einbezogen werden könnten, ist diese Größe leicht durch die Messegesellschaft beeinflussbar. Die Bestimmung des Maximums der Nettofläche ist also sehr vielen Einflussfaktoren unterworfen und soll daher hier keine weitere Berücksichtigung finden.

Die Entwicklung der Hallenkapazität deutscher Messestandorte steht der Entwicklung der Nettofläche konträr gegenüber (siehe Abb. 2): Laut AUMA ist die vermietete Fläche (in Mio m²) von 8,911 auf 7,731 gesunken (2005, regionale + überregionale Veranstaltungen). Diese Tendenz hält seit 2001 an, mit Ausnahme von 2004. Gleichzeitig ist die Hallenkapazität kontinuierlich gewachsen (zwischen 0,5% und 2,3% jährlich) (vgl. Auma 2005c, S. 201ff).

3.2.1.3 Umschlaghäufigkeit

Daten zu der Auslastung der Hallen, gemessen in Belegtagen pro Jahr, wird von keiner der großen Messegesellschaften veröffentlicht. Groth sieht als Indikator für die Auslastung bzw. den Nutzungsgrad der Hallen die Umschlaghäufigkeit, also Anzahl der Vermietung der kompletten Hallenfläche jährlich (vgl. Groth 1992, S. 171f). Da in den veröffentlichten Daten (vgl. Geschäftsberichte und Beteiligungsberichte der jeweiligen Messegesellschaften) zur Nettofläche nicht vermerkt ist, zu welchem Anteil die vermieteten Quadratmeter im Freigeländebereich generiert wurden, soll als Nenner zum einen die Hallenkapazität exklusive Freigelände und zum anderen die Hallenkapazität inklusive Freigelände betrachtet werden. Des weiteren sind etwaige Hallen-/Freigeländeerweiterungen im Erfassungszeitraum entsprechend der vorliegenden Daten berücksichtigt. Bei Betrachtung der Umschlaghäufigkeit (siehe Abb. 3) ist deutlich, dass Düsseldorf mit einer reinen Hallen-Umschlaghäufigkeit von 5,24 (2004) bzw. 4,13 (2005) [Berechnung inklusive Freigelände: 4,64 (2004) bzw. 3,66 (2005)] an der Spitze liegt, gefolgt von Frankfurt mit ähnlichen Ergebnissen [nur Hallen: 4,4 (2004) bzw. 4,45 (2005); inkl. Freigelände: 3,5 (2004) bzw. 3,54 (2005)]. Hannover, mit Abstand größter Messestandort, liegt im Mittelfeld mit einem Hallennutzungsquotienten von 2,31 (2004) bzw. 3,07 (2005), inkl. Freigelände 2,07 (2004) bzw. 2,75 (2005). München schneidet auf Grund seines sehr großen Freigeländes nur unter Nichtbeachtung der Freigeländeflächen gut ab [nur Hallen: 5,12 (2004) bzw. 3,76 (2005), inkl. Freigelände: 2,12 (2004) bzw. 1,74 (2005)]. Man darf davon ausgehen, dass München seine großen Freigeländeflächen auch nutzt und daher die Angabe der vermieteten Fläche zu großen Teilen aus vermietetem Freigelände besteht. Somit ist die Betrachtung des Quotienten exkl. Freigelände bei München in seiner Aussagekraft fraglich. Deutlich abgeschlagen lag 2004 der kleinste der fünf Messestandorte, Berlin, mit 1,75 (1,65 inkl. Freigelände). Mangels veröffentlichter Daten kann keine Aussage über 2005 getroffen werden.

3.2.2 Investitionen in Hallenausstattung und Hallenflächen

Investitionen in die Messeinfrastruktur wurden 2004 und 2005 in verschiedenem Ausmaß getätigt von allen beobachteten Messegesellschaften. Dabei reichen die Investitionen in unterschiedlichem Ausmass von Hallenkapazitätserweiterung (München), reinen Instandhaltungsmaßnahmen (München, Düsseldorf) bis hin zu allgemeiner Verbesserung der Messeinfrastruktur (Hannover, Düsseldorf, Frankfurt, Berlin) auf dem Messegelände. Bezweckt werden sollen damit u. a. Verbesserungen des Vermietungsgeschäfts (Berlin), Notwendigkeit für den Erhalt des Betriebes (Hannover), Verbesserung des Service (Frankfurt), Verbesserungen des Kongresszentrums (Düsseldorf) (vgl. Geschäftsberichte und Beteiligungsberichte der jeweiligen Messegesellschaften). Die jährlichen investierten Summen schwanken abhängig von der Art der Projekte stark und reichten von 5 Mio € (Berlin, 2004), rund 10 Mio € (Hannover, 2004 und 2005) bis zu 64 Mio € (Frankfurt, 2005). Da Investitionen in ihren Auswirkungen auf den Erfolg von Messeveranstaltungen nur schwer zu messen sind, soll ein Vergleich der Investitionsmaßnahmen und ihre Bedeutsamkeit für den Messebetrieb nicht vorgenommen werden.

3.2.3 Veranstaltungszahlen

3.2.3.1 Nach Reichweite unterschiedene Veranstaltungen

Die Reichweite der Veranstaltung bestimmt im hohen Maße die Attraktivität für potentielle Aussteller und Besucher und damit die Größe der Messe: Je internationaler, desto mehr Unternehmen sind an einer Teilnahme interessiert. Gleichzeitig wird durch die Reichweite die Anzahl der Besucher bestimmt, die zumindest für eine Nacht regionale Hotellerie sowie Gastronomie und Verkehrsunternehmen beanspruchen oder an touristischen Zusatzangeboten interessiert sind. Unter dem Vorbehalt, dass die internationalen Messeveranstaltungen, die dem AUMA gemeldet wurden (siehe Abb. 4; vgl. Internetquelle 1), nur einen Teil der tatsächlich stattfindenden Veranstaltungen darstellen und somit nicht als Auslastungskennzahl zu verstehen sind, liegt Düsseldorf mit 23 (2004) bzw. 17 (2005) internationalen Veranstaltungen vor Frankfurt (18 internationale Veranstaltungen in 2004, 16 in 2005) und Hannover (14 in 2004, 20 in 2005), gefolgt von München (2004 und 2005 jeweils 16 internationale Veranstaltungen), Nürnberg (17 in 2004 und 13 in 2005) und Köln (12 in 2004 und 14 in 2005). Berlin hatte 7 (2004) bzw. 8 (2005) internationale Veranstaltungen.

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Ende der Leseprobe aus 59 Seiten

Details

Titel
Messemanagement: Erfolg und Misserfolg im Spannungsfeld zwischen betriebswirtschaftlichen und nutzen-kosten-analytischen Indikatoren
Hochschule
Universität Augsburg
Veranstaltung
Public Sector Management
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
59
Katalognummer
V81722
ISBN (eBook)
9783638880442
Dateigröße
1616 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Messemanagement, Erfolg, Misserfolg, Spannungsfeld, Indikatoren, Public, Sector, Management
Arbeit zitieren
Astrid Giebel (Autor), 2007, Messemanagement: Erfolg und Misserfolg im Spannungsfeld zwischen betriebswirtschaftlichen und nutzen-kosten-analytischen Indikatoren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81722

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