Augustus - Herrscherkult und Divinisierung


Hausarbeit, 1997

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Geschichte des Herrscherkultes
1. Allgemein
2. Mesopotamien
3. Ägypten
4. Griechenland
a) Heroenkult
b) Vergöttlichung Sterblicher

III. Herrscherkult unter Augustus
1. Allgemein
2. Herrscherkult in den Provinzen
3. Kulte in Rom
a) Allgemein
b) Genius Augusti

IV. Forschungskontroverse: Divinisierung des Augustus?

Anhang
1. Quellen
2. Abbildungen
3. Literaturverzeichnis

Augustus – Herrscherkult und Divinisierung[1]

I. Einleitung

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, den Herrscherkult unter Augustus näher darzustellen, um mit Hilfe dieser Ergebnisse die Frage zu diskutieren, ob Augustus den Herrscherkult bewusst als Mittel zu seiner Divinisierung eingesetzt hat.

Zuvor möchte ich einleitend einen kurzen Überblick über die Geschichte der Herrscherverehrung von den alten Hochkulturen[2] bis zum Beginn der römischen Kaiserzeit geben.

Anschließend folgt eine allgemeine Darstellung der augusteischen Kulte, sowie gesondert die der Kulte in den Provinzen und der in Rom praktizierten. Dabei werde ich ausführlicher auf den Kult des Genius Augusti eingehen.

Nachdem ich so einen Überblick über den Herrscherkult allgemein und im speziellen bei Augustus gegeben habe, werde ich abschließend anhand gegensätzlicher Forschermeinungen auf die Frage eingehen, ob Augustus sich im Gebrauch bzw. Missbrauch des Herrscherkultes zurückhielt, oder diesen zu seinen Gunsten, d.h. zur Divinisierung seiner Person, eingesetzt und ausgenutzt hat. Dabei wird auch die Frage erörtert, von wem die Initiative zur Verehrung des Augustus ausging. Dazu werde ich u.a. auf die schriftlichen Quellen Suetons und Augustus´ (Kaiserviten, Res Gestae) sowie auf einige Münzabbildungen eingehen, um so zu versuchen, anhand dieser Primärquellen die Ergebnisse verschiedener Forscher nachzuvollziehen und zu einem eigenen Ergebnis zu kommen.

II. Geschichte des Herrscherkultes

1. Allgemein

Herrscherkult wird von J. R Fears als „die Praxis, lebenden oder toten Herrschern Opfer oder andere Formen kultischer Verehrung zuteil werden zu lassen“[3], definiert.

Die Grundlage für den Herrscherkult ist im Polytheismus zu suchen, der es den Menschen erlaubt, in – vor allem für sie unerklärlichen – Mächten und Kräften[4] oder in bedeutenden Persönlichkeiten neue, bisher unbekannte Gottheiten zu erkennen. Im Polytheismus erkennen wir also, dass im Altertum eine Bereitschaft und wahrscheinlich auch das Verlangen bestanden, die Welt der Götter immer weiter auszudehnen und wachsen zu lassen, um die Welt des Unerklärlichen dem Menschen verständlich erscheinen zu lassen. Das erreichte man dadurch, dass alles Unerklärliche dem Wirken bestimmter Götter zugeschrieben wurde.[5]

Ebenso konnte man auch Menschen, die Bedeutendes geleistet hatten oder durch ihre Stellung bedeutend waren (hier: Herrscher) in die Sphäre des Göttlichen erheben.

Schon in den frühen Hochkulturen Ägyptens und Mesopotamiens kannte man laut Fears Formen des Herrscherkultes. Diese unterschieden sich jedoch vom „traditionellen“ Herrscherkult Griechenlands und Roms deutlich und beeinflussten ihn in keiner Weise.[6] Auch besaß der Herrscherkult der alten Hochkulturen nie die Bedeutung und Ausprägung, die ihm in der griechisch-römischen Welt zukam.[7] Entscheidender Unterschied ist m. E. die „Vernachlässigung“ des Göttlichen im Hinblick auf den Herrscher.

2. Mesopotamien

Die Herrscher im Zweistromland wurden nie als Götter an sich angesehen. Sie galten als von den Göttern eingesetzte Stellvertreter.[8] Dadurch erkennt man als einzige Funktion des in den Hochkulturen Mesopotamiens praktizierten Herrscherkultes die Konsolidierung der bestehenden politischen Machtstrukturen. Kultische Verehrung der Herrscher trat nur zeitweise und in sehr begrenztem Rahmen auf.

3. Ägypten

In Ägypten galt der Pharao als ein göttliches Wesen.[9] Es gab viele regionale Kulte, doch zeugten sie meist nur vom Dank der Bevölkerung gegenüber Wohltaten des Herrschers. Trotz der ihnen zugesprochenen Göttlichkeit wurden nur sehr wenige Pharaonen – sei es zu Lebzeiten oder nach dem Tod – durch Kulte wirklich als Gott verehrt.[10] Laut Fears gab es wohl z. Z. Ramses II. (ca. 1290-1224 v. Chr.) ein zeitweiliges Aufblühen des Herrscherkultes, doch dies war eine der wenigen Erscheinungen des Herrscherkultes im alten Ägypten.

4. Griechenland

Am Beispiel Griechenlands können wir sehr gut erkennen, inwiefern der Polytheismus die Voraussetzung für den Herrscherkult ist. Grundlage für Göttlichkeit ist die Macht zu übernatürlichen Taten oder Wohltaten. Also konnten die Menschen in allen Mächten und Kräften der Natur aber auch in besonderen Fähigkeiten herausragender Persönlichkeiten immer neue Götter erkennen. Daher gab es bei den Griechen eine Fülle verschiedener Götter mit den unterschiedlichsten Aufgabenbereichen.

Im Bezug auf den Herrscherkult in Griechenland unterscheidet Fears nun zwischen dem Heroenkult und der Vergöttlichung Sterblicher.[11]

a) Heroenkult

Ein ήρως war eine Art spezieller Schutzpatron. Seine Aufgabenfelder waren Bereiche, die durch die bekannten Götter nicht abgedeckt wurden. Da häufig historische Personen als Heroen verehrt wurden, hatten die Kulte meist regionalen Charakter. So wurden Stadtgründer, Wohltäter und Kriegshelden zu Heroen erhoben. Ein Heros galt zwar als göttliches Wesen, doch hatte er nicht die Stellung der olympischen Götter inne. Daher glich auch der Kult zu seinen Ehren nicht dem der übrigen Götter, sondern eher dem Totenkult.[12]

b) Vergöttlichung Sterblicher

Im vorhergehenden Abschnitt sagte ich, dass Menschen durch besondere Taten und Leistungen einen gewissen „Grad“ an Göttlichkeit erlangen konnten. Fears schreibt nun, dass man gegen Ende des 5. Jh. v. Chr. während einer Phase des geistigen und politischen Umbruchs dazu überging, Menschen schon zu ihren Lebzeiten als göttliches Wesen zu verehren. Auch konnten solche Menschen – wie wir es durch das Beispiel Lysanders[13] wissen – nicht mehr nur zu einem ήρως, sondern sogar zu einem θεος erhoben werde.

5. Römische Republik

Mit dem Herrscherkult, wie wir ihn bei den Griechen vorgefunden haben, kamen die Römer erstmals in Berührung, als sie ihren Einflussbereich in den östlichen Mittelmeerraum ausdehnten. Sie praktizierten zwar schon länger des Kult des Genius Publicus / Genius Populi Romani zur Verehrung der Gemeinschaft des römischen Volkes, Verehrung einzelner Personen jedoch war dem römischen Staatskult fremd.[14] Römische Statthalter und Feldherren wurden in griechischen Städten durch Kulte verehrt, doch dies hatte keine Auswirkungen auf Rom und die dortigen Kulte selbst. „Solange Rom Republik blieb, war die Vergöttlichung der Gemeinschaft des röm. Volkes das einzige Element der Herrscherverehrung im Staatskult“.[15]

[...]


[1] Vergöttlichung

[2] J. R. Fears schreibt vom Herrscherkult in Mesopotamien und Ägypten. In dem u. g. Artikel geht er allerdings nur sehr oberflächlich auf die alten Hochkulturen ein, so dass mir eine genauere Bewertung, ob die dort ausgeübten Praktiken wirklich Herrscherkult waren, nicht möglich ist. Zumindest kann ich erkennen, dass der Herrscherkult in Griechenland und in Rom völlig anders gestaltet war.

[3] Fears, J.R.: s. v. Herrscherkult, in: RAC Bd. 14, Stuttgart 1988, Sp. 1047.

[4] Gemeint sind vor allem Naturgewalten, die sich die Menschen nicht erklären konnten und worin sie das Wirken von Göttern sahen, aber auch abstrakte Begriffe.

[5] Daher gab es die verschiedenen Naturgottheiten, die stellvertretend für eine jeweilige Naturgewalt eingesetzt wurden.

[6] Nilsson: Rel.³ 2,136.

[7] Fears, J.R.: s. v. Herrscherkult, in: RAC Bd. 14, Stuttgart 1988, Sp. 1048.

[8] Ebd.

[9] Ebd.

[10] Ebd.

[11] Ebd. Sp. 1049 f.

[12] Ebd. Sp. 1050.

[13] Spartanischer Staatsmann und Feldherr, † 395 v. Chr.

[14] Fears, J.R.: a. a. O. Sp. 1057.

[15] Ebd. Sp. 1058.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Augustus - Herrscherkult und Divinisierung
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Veranstaltung
Augustus
Note
1,0
Autor
Jahr
1997
Seiten
17
Katalognummer
V81766
ISBN (eBook)
9783638897952
ISBN (Buch)
9783638911986
Dateigröße
1121 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Augustus, Herrscherkult, Divinisierung, Münzen, Vergöttlichung, Caesar
Arbeit zitieren
Andreas Fuhrmanski (Autor), 1997, Augustus - Herrscherkult und Divinisierung , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81766

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