„Der Verteidigungsminister ist kein Wirtschaftsförderungsminister.“ – Mit dieser Äusserung antwortete Bundesverteidigungsminister Dr. Peter Struck in einem Interview am 24. April 2003 auf die Frage, ob weitere Standortschließungen geplant seien.
Kurz zuvor war die Schließung des Marinefliegerhorstes in Eggebek/Tarp (MFG2), dem zweitgrößten Bundeswehrstandort in Schleswig-Holstein, bekannt gegeben worden.
Eine ganze Region bangt um ihre Zukunft: Was wird aus uns ohne die Bundeswehr?
Schließlich blühte die Region erst richtig auf, nachdem die Bundeswehr sich dort ansiedelte.
Dieses Buch stellt anhand einer ausführlichen standort- und strukturpolitischen Analyse dar, wie sich die Gemeinde Tarp (Kreis Schleswig-Flensburg) durch die Bundeswehransiedlung von einem unscheinbaren Bauerndorf zu einem zentralen Ort entwickelte.
Während dieser Analyse wird die Frage beantwortet, ob und inwieweit ein Zusammenhang zwischen der kommunalen Strukturpolitik und der Standortpolitik der Bundeswehr besteht – ein Zusammenhang, der von Organisationen der Bundeswehr noch immer dementiert wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichte der Bundeswehr
3. Standortpolitik der Bundeswehr in Schleswig-Holstein
3.1. Geschichte der Marine
3.2. Bundeswehrstandorte in Schleswig-Holstein
3.3. Standortpolitische Kriterien für den Bundeswehrstandort Eggebek/Tarp
3.4. Probleme bei der Standorteröffnung Eggebek/Tarp
3.5. Die Schließung des Standortes Eggebek/Tarp steht bevor
4. Strukturpolitik in Schleswig-Holstein
4.1. Strukturpolitik und regionale Konversion
4.2. Strukturpolitik in Eggebek und Tarp vor der Bundeswehrstationierung (Mitte der 1950er bis Mitte der 1960er Jahre)
4.3. Strukturpolitik in Eggebek und Tarp während der Bundeswehrstationierung (seit Mitte der 1960er Jahre)
4.3.1. Baumaßnahmen in Tarp seit Anfang der 1960er Jahre
4.3.2. Die Veränderung der Gewerbestruktur Tarps in den 1960er Jahren
4.3.3. Die Entwicklung Eggebeks seit der Stationierung der Marineflieger
4.3.4. Die Entwicklung der gewerblichen Struktur und der Einwohnerzahlen Tarps und Eggebeks im Vergleich
5. Zusammenhang zwischen der Standortpolitik der Bundeswehr und der regionalen Strukturpolitik am Beispiel Tarps
5.1. Die Bedeutung der Bundeswehr als Wirtschaftsfaktor
5.1.1. Die Bedeutung der Soldaten und zivilen Bundeswehrbediensteten für die Standorte
5.1.2. Personalabbau der Bundeswehr als regional-ökonomisches Problem
5.1.3. Maßnahmen der Landesregierung nach Veröffentlichung der Personalabbaupläne der Bundeswehr Anfang der 1990er Jahre
5.2. Die Bundeswehr als Katalysator der regionalen Strukturpolitik am Beispiel Tarps
6. Die Folgen der Schließung des Standortes Eggebek/Tarp – Perspektiven für die Region
7. Zusammenfassende Betrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Standortpolitik der Bundeswehr und der regionalen Strukturpolitik, exemplarisch am Beispiel des Bundeswehrstandortes Eggebek/Tarp. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob und wie die Ansiedlung und die spätere Schließung des Standortes als Katalysator für die gewerbliche Entwicklung der Standortgemeinden fungierten.
- Standortpolitik der Bundeswehr in Schleswig-Holstein
- Strukturelle Entwicklung der Gemeinde Tarp seit den 1960er Jahren
- Bundeswehr als regionaler Wirtschaftsfaktor und ihre Bedeutung für die Infrastruktur
- Konsequenzen des Personalabbaus und der Standortschließungen für die Region
Auszug aus dem Buch
Die Bedeutung der Soldaten und zivilen Bundeswehrbediensteten für die Standorte
Ähnlich wie in Kapitel 3.2. werden hier Zahlen aus den Jahren 1990/1991 genannt, weil diese den Zustand vor Inkrafttreten der neuen Zielvorstellungen der Marine darstellen. In seiner Analyse aus dem Jahre 1994 betont GRUNDMANN, dass die relative Bedeutung der Soldaten für die regionale Beschäftigung in der Region Schleswig besonders groß sei. Der Anteil der Soldaten „[…] an der Gesamtbevölkerung ist mit 8,2% mehr als doppelt so hoch wie im Landesdurchschnitt“. Die Region Schleswig wies 1990 mit 38,9 % die höchste Soldatendichte im gesamten Bundesland auf. Daher stellt sie einen Beschäftigungsschwerpunkt für Soldaten dar, die in wenigen Standorten stationiert sind. Auch die relative Bedeutung der Zivilbeschäftigten ist in der Region Schleswig besonders hoch. GRUNDMANN betont, dass der Region Schleswig bei Truppenabbaumaßnahmen daher besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden müsse.
Durch die Umstrukturierungen innerhalb der Bundeswehr änderte sich auch der Anteil der in Schleswig-Holstein stationierten Soldaten an der Gesamtstärke der Bundeswehr. Bislang waren in Schleswig-Holstein gemäß dem Personalstrukturmodell von 1984 13 % aller Soldaten stationiert. Ab 1991 sollten es lediglich noch 11 % sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle der Bundeswehr als Wirtschaftsfaktor und stellt die zentrale Forschungsfrage nach dem Zusammenhang zwischen Standort- und Strukturpolitik anhand des Fallbeispiels Eggebek/Tarp.
2. Geschichte der Bundeswehr: Dieses Kapitel gibt einen historischen Überblick über die Entstehung der Bundeswehr, ihre sicherheitspolitische Einbettung in die NATO und ihre Entwicklung vom Kalten Krieg bis in die Gegenwart.
3. Standortpolitik der Bundeswehr in Schleswig-Holstein: Hier wird die geostrategische Bedeutung Schleswig-Holsteins für die Marine sowie die Standortwahl für den Fliegerhorst Eggebek/Tarp analysiert.
4. Strukturpolitik in Schleswig-Holstein: Dieses Kapitel erörtert die theoretischen Grundlagen regionaler Strukturpolitik und dokumentiert den Wandel der Gemeinden Eggebek und Tarp durch die Ansiedlung der Bundeswehr.
5. Zusammenhang zwischen der Standortpolitik der Bundeswehr und der regionalen Strukturpolitik am Beispiel Tarps: Das Hauptkapitel untersucht die Rolle der Bundeswehr als Wirtschaftsfaktor, ihre Bedeutung für die regionale Entwicklung und den Prozess der regionalen Konversion.
6. Die Folgen der Schließung des Standortes Eggebek/Tarp – Perspektiven für die Region: Hier werden die existentiellen Herausforderungen und die schwierige Suche nach Alternativen für die Region nach der Schließung des Standortes analysiert.
7. Zusammenfassende Betrachtung: Das Fazit fasst die Kernergebnisse zusammen und bestätigt die These, dass die Bundeswehr als Katalysator für die gewerbliche Entwicklung in Tarp gewirkt hat.
Schlüsselwörter
Bundeswehr, Standortpolitik, Strukturpolitik, Tarp, Eggebek, Konversion, Marine, Wirtschaftsfaktor, Regionalentwicklung, Stationierung, Truppenabbau, Infrastruktur, Demografischer Wandel, Schleswig-Holstein, Arbeitsmarkt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die wechselseitigen Beziehungen zwischen den Standortentscheidungen der Bundeswehr und der regionalen Strukturpolitik in den betroffenen Gemeinden Eggebek und Tarp.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung der Bundeswehr, der Standortpolitik der Marine in Schleswig-Holstein sowie den ökonomischen und infrastrukturellen Auswirkungen einer Stationierung auf kleine ländliche Gemeinden.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen der Ansiedlung von Bundeswehrstandorten und der regionalen Strukturpolitik zu belegen und zu untersuchen, wie diese Standorte als Katalysatoren für die lokale wirtschaftliche Entwicklung fungierten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine Kombination aus Literaturanalyse, Auswertung von Archivalien der Gemeinde Tarp (Niederschriften, Briefwechsel) und einer quantitativen Analyse von Bevölkerungs- und Beschäftigungsdaten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Standortpolitik der Marine, die konkrete Bauentwicklung in Tarp durch die Bundeswehransiedlung, die ökonomische Bedeutung für die Region und die Perspektiven nach der angekündigten Schließung des Standortes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Bundeswehrstandort, Strukturwandel, Konversion, regionale Wirtschaftsförderung, Tarp und Eggebek.
Welche Rolle spielte der Tarper Bürgermeister bei der Ansiedlung?
Der damalige Bürgermeister von Tarp war ein entscheidender Akteur, der sich aktiv und erfolgreich um die Stationierung der Bundeswehr in seiner Gemeinde bemühte, um einen wirtschaftlichen Aufschwung für den Ort zu erreichen.
Warum war die Bundeswehr so wichtig für das Dorf Tarp?
Tarp entwickelte sich von einem landwirtschaftlich geprägten „Geest-Bauerndorf“ zu einem zentralen Ort mit einer stark ausgebauten Gewerbestruktur, da die Bundeswehr als bedeutender Konsument auftrat und die Ansiedlung von Zuwanderern sowie infrastrukturelle Investitionen auslöste.
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- Stefan Andresen (Author), 2005, Standortpolitik der Bundeswehr und regionale Strukturpolitik im Landesteil Schleswig von den 1950er Jahren bis zur Gegenwart, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81855