Das Thema des Seminars im Grundstudium "Christliche Kirchen nach 1933" beschäftigt sich mit dem Verhältnis der beiden großen christlichen Kirchen, der katholischen, wie auch der evangelischen, mit dem Nationalsozialismus. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 war die mehrheitliche Meinung des deutschen Volkes, wie auch der alliierten Besatzungsmächte, davon überzeugt, daß eigentlich nur die beiden christlichen Kirchen schon von Anfang an den Nationalsozialismus bekämpften. Hier war man der Ansicht, daß sich die Kirchen als Institutionen gegen den nationalsozialistischen Staat stemmten, durch zahlreiche Literatur wurde dies auch bestätigt.
Nun taucht hier schon die erste Frage auf, nämlich inwieweit die Kirchen, in diesem Falle die katholische, nach dem Machtwechsel durch die Nationalsozialisten 1933 ihre Position bezog. Widerstand oder Anpassung der katholischen Kirche gegen den Nationalsozialismus soll unter dem besonderen Aspekt erläutert werden, von dem die Kirche auch und gerade heute wieder konfrontiert wird - Es geht dabei um die Position der katholischen Kirche, die sich selbst als Universalkirche definiert, mit dem Papst an der Spitze, des Klerus und der Laien, der Institution oder der einzelnen Gemeinde zum organisierten nationalsozialistischen Judenmord - zum Holocaust.
Der erste methodische Schritt zur Erläuterung der Fragen wird der Blick in die Geschichte des Christentums, bzw. der katholischen Kirche sein, da festgestellt werden soll, woher und inwieweit der christliche Antijudaismus den Holocaust begünstigte. Die Position der Kirche zu den Juden soll bis zum 20.Jahrhundert in groben Zügen aufgezeigt werden. Der zweite Schritt soll die Haltung und das Verhältnis der Kirche zum Nationalsozialismus erforschen. Im dritten Schritt versucht diese Arbeit an bestimmten Beispielen die katholische Position zum Judenmord herauszustellen.
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Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Ursprünge des christlichen Antijudaismus
1.1. Antijudaismus im neuen Testament
1.2. Antijudaismus in der alten Kirche
1.3. Antijudaismus im Mittelalter und Reformation
1.4. Aufklärung und Emanzipation
1.5. Antijudaismus im 19. Jahrhundert und im Deutschen Kaiserreich
1.6. Antisemitismus in der Weimarer Republik
2. Das Verhältnis der katholischen Kirche zum Nationalsozialismus
2.1. Die katholische Kirche und ihr Verhältnis zur Demokratie (Kaiserreich und Republik)
2.2. Katholische Kirche und Nationalsozialismus vor 1933
2.3. Katholische Kirche und Nationalsozialismus nach 1933
2.4. Das Konkordat zwischen der Hitlerregierung und dem Vatikan
3. Die nationalsozialistische Judenpolitik – Phasen der Vernichtung
4. Haltung der katholischen Kirche zum nationalsozialistischen Judenmord - Holocaust
4.1. Phase 1933-1945
4.1.1. Der Boykott vom 01.04.1933
4.1.2. Das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums und seine Folgen
4.2. Phase 1935-1938
4.2.1. Die Nürnberger Gesetze und ihre Folgen
4.2.2. Die Enzyklika „Mit brennender Sorge“
4.2.3. Die Hilfsvereine
4.2.4. Die unveröffentlichte Enzyklika
4.2.5. Hirtenbrief über religiös – sittliche Irrtümer in der Rassenlehre
4.3. Phase 1938-1941
4.3.1. Die Reichspogromnacht
4.3.2. Die Einführung des Judensterns und seine Folgen
4.4. Phase 1941-1945
4.4.1. Der Protest gegen die Zwangsscheidungen von Mischehen
4.4.2. Bischof Preysings Schreiben und das Hirtenwort „Gottes und Menschenrechte“ – Kehre um zum Herrn, Deinem Gott“
5. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht das Verhältnis der katholischen Kirche zum Nationalsozialismus und ihre Haltung gegenüber dem Holocaust, wobei die Forschungsfrage darauf abzielt, inwieweit die Kirche durch ihre historische Positionierung zum Antijudaismus den Nationalsozialismus beeinflusste oder ihm Widerstand leistete.
- Historische Analyse des christlichen Antijudaismus von den Ursprüngen bis zur Weimarer Republik
- Untersuchung der ideologischen Spannungen und Annäherungen zwischen katholischer Kirche und Nationalsozialismus
- Bewertung des Reichskonkordats und der politischen Neutralität des Klerus
- Analyse der kirchlichen Reaktionen auf antijüdische Maßnahmen wie die Nürnberger Gesetze und die Reichspogromnacht
Auszug aus dem Buch
Die Nürnberger Gesetze und ihre Folgen
Zugleich mit der Entrechtung wurde die Entfernung der Juden aus Hitlerdeutschland betrieben. Von den etwa 65 Millionen Einwohner Deutschlands, waren nur etwa 0,77 % oder 500000 jüdischen Glaubens. Bis Ende 1937 hatten etwa 150000 Juden Deutschland verlassen.
Für die Emigration der Juden aus Deutschland gab es einen handfesten, rechtlich abgesicherten Grund: Die Nürnberger Gesetze, die auf dem Reichsparteitag der NSDAP in Nürnberg verabschiedet wurden. Durch das „Reichsbürgergesetz“ wurden die Juden nicht mehr als loyale Reichsbürger angesehen, sondern als Bürger zweiter Klasse. Nach der Rassentheorie der Nationalsozialisten konnten die Juden laut Paragraph 2.1. des Gesetzes keine Reichsbürger mehr sein.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik des Verhältnisses der christlichen Kirchen zum Nationalsozialismus und der methodische Ansatz der Untersuchung.
1. Die Ursprünge des christlichen Antijudaismus: Historischer Überblick über die Entwicklung antijüdischer Tendenzen innerhalb des Christentums bis in die Weimarer Zeit.
2. Das Verhältnis der katholischen Kirche zum Nationalsozialismus: Analyse der kirchlichen Position gegenüber dem Nationalsozialismus vor und nach 1933 sowie der Rolle des Konkordats.
3. Die nationalsozialistische Judenpolitik – Phasen der Vernichtung: Einordnung der verschiedenen Stufen der staatlichen Judenverfolgung im Dritten Reich.
4. Haltung der katholischen Kirche zum nationalsozialistischen Judenmord - Holocaust: Untersuchung konkreter kirchlicher Reaktionen und Unterlassungen während der verschiedenen Phasen des Holocausts.
5. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung der Rolle der katholischen Kirche und ihrer moralischen Verantwortung während des Nationalsozialismus.
Schlüsselwörter
Katholische Kirche, Nationalsozialismus, Antijudaismus, Antisemitismus, Holocaust, Reichskonkordat, Widerstand, Anpassung, Rassenlehre, Judenverfolgung, Bischofskonferenz, Pius XI., Pius XII., Judentum, Minderheitenschutz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle und der Haltung der katholischen Kirche während der Zeit des Nationalsozialismus, insbesondere in Bezug auf die Judenverfolgung und den Holocaust.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der historische christliche Antijudaismus, die politische Anpassung der Kirche an das NS-Regime, das Konkordat sowie der begrenzte kirchliche Widerstand gegen die Vernichtungspolitik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu analysieren, wie die katholische Kirche auf die antijüdische Politik reagierte und inwieweit sie durch ihre Theologie und Tradition den Boden für den Nationalsozialismus mitbereitete oder ihm widersprach.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor verwendet eine historisch-analytische Methode, die auf der Auswertung von Primärdokumenten, zeitgenössischen Briefen, Enzykliken und wissenschaftlicher Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung der ideologischen Grundlagen, die politische Annäherung der Kirche an den NS-Staat und die detaillierte chronologische Untersuchung der kirchlichen Haltung zu spezifischen antijüdischen Phasen zwischen 1933 und 1945.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Katholische Kirche, Nationalsozialismus, Antijudaismus, Holocaust, Reichskonkordat und moralisches Wächteramt.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Vatikans während des Holocausts?
Der Autor stellt fest, dass die offizielle Kirchenleitung unter Pius XII. eine Politik der Zurückhaltung und Neutralität verfolgte und es an einem entschiedenen, öffentlichen Protest gegen den organisierten Judenmord fehlte.
Welche Bedeutung hatte das Reichskonkordat für das Verhalten der Kirche?
Das Konkordat von 1933 führte nach Einschätzung des Autors dazu, dass sich die katholische Kirche zu einer politischen Neutralität verpflichtete, was den offiziellen Widerstand gegen staatliche Verbrechen schwächte und die Unterstützung für bedrohte Juden erschwerte.
- Quote paper
- Thorsten Hübner (Author), 1998, Die Haltung der katholischen Kirche zum nationalsozialistischen Judenmord - Holocaust, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8197