Innerstaatliche Kriege und Diaspora

Das Fallbeispiel der Türkei


Seminararbeit, 2006
20 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung und Fragestellung

2. Theoretische Vorüberlegungen
2.1 Innerstaatliche Kriege
2.1.1 Ein Einstieg
2.1.2 Regelabbau und Deinstitutionalisierung
2.1.3 Finanzierung
2.1.4 Ziele der Kriege
2.1.5 Eine Zusammenfassung
2.2 Diaspora und Transnationalität
2.2.1 Ein Einstieg
2.2.2 „Diaspora“ – Ein Definitionsversuch
2.2.3 Funktion und Aufgaben von Diasporagemeinschaften
2.2.4 Transnationalität und Diaspora
2.2.5 Eine Zusammenfassung

3. Fallbeispiel Türkei – Der Konflikt zwischen der PKK und dem türkischen Staat
3.1. Ein Einstieg
3.2 Der Konflikt
3.3 Die PKK (Partiya Karkarên Kurdistan)
3.4 Die türkisch-kurdische Diaspora in Europa
3.4.1 Entstehung
3.4.2 Organisation
3.5 Die Finanzierung des bewaffneten Widerstandes
3.6 Eine Zusammenfassung

4. Fazit

5. Literaturangaben

1. Einleitung und Fragestellung

Unser Leben verändert sich gerade im Zuge der rasend voranschreitenden Globalisierung täglich, wenn nicht sogar stündlich. Die mit ihr einhergehende Verbesserungen der Kommunikationsmittel und -wege, des Warenverkehrs und der Informationsflüsse beeinflussen unsere Vorstellungen, unser Denken, unseren Bezugsrahmen und mit ihnen all unsere Beziehungen und Konzepte in einer kaum zu beschreibenden Art und Weise. Entfernungen zwischen verschiedenen Sphären, Menschen und Geschehnissen werden immer kleiner, polemisch ausgedrückt: Die Welt rückt immer näher zusammen.

Im Rahmen jener Entwicklung soll sich diese Hausarbeit bewegen. So richtet sie ihr Augenmerk auf verschiedene, heute (teilweise leider) bereits alltägliche, Aspekte des Lebens und versucht diese zu verbinden und die Verknüpfungspunkte herauszuarbeiten. Im Speziellen sollen zwei (anfangs betrachtet) getrennte Phänomene untersucht werden: innerstaatliche Kriege und Diasporagemeinschaften. Dabei möchte ich mich insbesondere dem Verhältnis dieser beiden zueinander widmen und frage daher direkt nach dem Einfluss und der Rolle von Diasporagemeinschaften in innerstaatlichen Kriegen, die in ihrem Heimatland ausgetragen werden. Dabei möchte ich versuchen, eine Antwort auf meine Fragestellen mittels einer Analyse des Fallbeispiels Türkei zu entwickeln. So soll der Konflikt zwischen Kurden und Türken im Südosten des Staates als Rahmen für die Untersuchung der türkisch-deutschen Diasporagemeinschaft in Europa dienen, was letztendlich zu einer Beurteilung der Rolle und des Einflusses dieser Diaspora auf den türkischen Krieg und vor allem auf die Aufrechterhaltung des Widerstandes durch die PKK führen soll. Da dieser Krieg in den größeren Bezugsrahmen des Kurdenkonflikts und der Diskussion um ein eigenständiges Kurdistan auf dem Gebiet der Türkei, des Iran, des Irak und Syriens eingegliedert ist, ist hier ein hoher Grad an Komplexität fest zustellt. Jener, sowie der Umfang dieser Arbeit zwang mich dazu Schwerpunkte zu setzten. Deshalb entschied ich mich mein Augenmerk auf die türkischen Aspekte des Konfliktes zu legen. Mir ist klar, dass dadurch vielerlei Sphären, Verbindungen und Bezüge vernachlässigt werden und eine starke Vereinfachung der Problematik stattfindet, doch ich hoffe, dass dies entschuldbar ist.

Viele weitere allgemeine Fragen, wie z.B. die nach „Identität“, „Migration“ und „Nationalismus“ (vgl. dazu bezogen auf Kurden Kizilhan 1995 oder Ammann 2000), stellen sich mir zusätzlich. Leider müssen auch dies in meiner Arbeit vernachlässigt werden und können nicht oder kaum thematisiert werden. Trotzdem hoffe ich ein umfangreiches Bild des thematisierten Phänomens darstellen zu können, um auf Basis dieser Darstellungen und des Fallbeispiels der türkischen Dimension der Kurdenfrage, meine Fragestellung nach dem Verhältnis und dem Einfluss der Diaspora auf den innerstaatlichen Krieg beantworten zu können.

Daher soll die Arbeit des Weiteren wie folgend gegliedert sein:

Ich möchte mit einem theoretischen Teil beginnen, der eine Art Verüberlegung und Basis für das Folgende darstellt (Kapitel 2). Dabei wird nicht nur versucht werden ein Bild des Phänomens der innerstaatlichen Kriege (Kapitel 2.1) zu entwerfen, sondern auch den Problemkreis „Diaspora“ (Kapitel 2.2) einzuführen und zu erläutern.

Daran anschließend soll das Fallbeispiels Türkei beginne (Kapitel 3). Es wird nach einem kurzen Einstieg (Kapitel 3.1) versucht den Kurdenkonflikt im Rahmen der Türkei darzustellen (Kapitel 3.2). Danach möchte ich mein Augenmerk auf den kurdischen Hauptakteur im Krieg, auf die PKK, legen (Kapitel 3.3). Anschleißend widme ich mich der türkisch-deutschen Diaspora (Kapitel 3.4) um dann auf die Finanzierung der PKK und somit des bewaffneten Widerstandes zu kommen (Kapitel 3.5). Letztendlich soll eine Zusammenfassung das Kapitel abschließen.

Im letzten Teil der Hausarbeit (Kapitel 4) möchte ich nun versuchen eine Antwort auf meine zugrunde liegende Fragestellung zu geben. Dabei sollen die vorangehenden Erläuterungen die Basis dafür darstellen.

Abschließend wird die verwendete Literatur angegeben (Kapitel 5).

2. Theoretische Vorüberlegungen

2.1 Innerstaatliche Kriege

„Je suis la guerre du forum farouche, la guerre des prisons et
des rues, celle du voisin contre le voisin, celle du rival contre
le rival, celle de l’ami contre l’ami. Je suis la Guerre Civile,
je suis la bonne guerre, celle où l’on sait pourquoi l’on tue et
à qui l’on tue...“

(Henry de Montherlant 1965)

2.1.1 Ein Einstieg

Betrachtet man die Konflikt- und Kriegssituation auf unserem Planeten seit dem Ausgang des zweiten Weltkrieges, so ist eine scheinbar neue Dynamik festzustellen. Es gibt immer brutalere und vor allem schwerer zu befriedende Kriege, welche nicht mehr ausreichend mit den Merkmalen der klassischen Form des zwischenstaatlichen Krieges zu beschreiben sind. Oft halten sie über mehrere Jahrzehnte an, ziehen riesige Flüchtlingsströme mit oder nach sich und sind auch mit Hilfe Dritter nur schwer zu beenden. Die Kriegsschauplätze verlagern sich zunehmen in die so genannte „dritte Welt“ und stellen dort, nicht nur aufgrund ihrer langen Dauer, eine schwere Last für den Aufbau und die Etablierung neuer, souveräner und stabiler Staaten dar.

Vor allem werden diese Kriege, wie bereits angedeutet, nicht mehr zwischen-, sondern immer häufiger innerstaatlich ausgetragen und scheinen in Zukunft mit all ihren Problemen, Ursachen und Folgen als eine der schwerwiegendsten Probleme auf diesem Planeten zu lösen zu sein.

Dabei stellt der innerstaatliche Krieg eine spezielle Erscheinung des Phänomens „Krieg“ dar und wird in Abgrenzung zum klassischen zwischenstaatlichen Krieg auch als Bürgerkrieg (Krumwiede/ Waldmann 1998), „kleiner“ Krieg (Daase 1999) oder „neuer“ Krieg (Kaldor 2000) bezeichnet. Auffällig ist, dass man sich wissenschaftlich erst recht kurz mit innerstaatlichen Kriegen beschäftigt, obwohl dieses Phänomen durchaus keine neue Erscheinung darstellt. Daher konzentrieren sich wissenschaftliche Veröffentlichungen zu diesem Themenkomplex zumeist auf verschiedene Teilaspekte, was wohl unter anderem auf die Unmöglichkeit zurückzuführen ist, ein komplettes Bild dieser Erscheinung darzustellen.

In den folgenden Abschnitten soll nun versucht werden einige spezifische Aspekte dieser Art von Krieg zu vorzustellen.

2.1.2 Regelabbau und Deinstitutionalisierung

„anything goes“ (Waldemann 1998. 29)

Als ein Phänomen dieser Kriege, ist eine gewisse Regellosigkeit zu konstatieren. Dies bezieht sich vor allem darauf, dass traditionell in zwischenstaatlichen Kriegen von Anfang bis Ende ein relativ hoher Grad an Verregelung vorherrscht (z.B. Kriegserklärung und Friedensschluss). Diese ist bei innerstaatlichen Kriegen kaum noch vorzufinden (Rabehl/ Schreiber 2001: 37).

So verliert der Staat insbesondere das Monopol der staatlichen und militärischen Kriegsführung, d.h. neue nicht-staatliche oder sub-staatliche Konfliktparteien und –akteure treten auf, wobei nicht nur lokalansässige Milizen, sondern auch nichtansässige Sicherheitsunternehmen und/oder Spezialtruppen zu nennen sind. Insbesondere ist daher als durchaus relevantes Spezifikum des innerstaatlichen Krieges eine gewisse Akteursasymmetrie zu konstatieren, welche darauf zurückzuführen ist, dass die Konflikte häufig (aber nicht immer) mit einer gewaltsamen Auflehnung gegen die etablierte Staatsmacht beginnen (Waldmann 1998: 20).

Des Weiteren lässt sich feststellen, dass Zivilisten immer mehr ins Blickfeld der kämpfenden Parteien geraten. Somit verwischen qualitativ andere Kampfstrategien (wie Guerillakriegsführung), welche durch die neu auftretenden Akteure bedingt sind, die Grenzen zwischen Kämpfenden und Zivilisten. Daher werden letztere nicht nur zu potenziellen Anhängern oder Unterstützern, sondern auch Feinden (Waldmann 1998: 21 f.). Letztendlich scheint dadurch der Grad der Gewalttätigkeit zu steigen und es lässt sich feststellen, dass traditionelle Rechte bzgl. der Behandlung von Kriegsgefangenen und Zivilisten seltener eingehalten werden.

So lässt sich abschließend sagen, dass der Grad der Verregelung vom zwischenstaatlichen hin zum innerstaatlichen Krieg abnimmt und somit eine Vermischung von Kombattanten und Zivilisten stattfindet, die zumeist zu einer Zunahme und Entartung der Gewalt führt, welche letztendlich die Kontrolle über die Bevölkerung sichern soll.

2.1.3 Finanzierung

Auch bei diesem Punkt lässt sich eine deutliche Veränderung im Vergleich zu den klassischen zwischenstaatlichen Kriegen feststellen. So ist die Finanzierung in innerstaatlichen Kriegen häufig dezentral geregelt, d.h. die Kriegsparteien finanzieren sich selber, seit einiger Zeit jedoch häufig mit einer Abhängigkeit von Unterstützung aus dem Ausland. Dies gilt nicht nur für private Akteure, sondern zumeist auch für beteiligte staatliche Armeen, die neben der staatlichen Finanzierung zusätzliche Einnahmequellen besitzen.

So erfolgt die Finanzierung über Diaspora-Spenden, Unterstützung durch andere Staaten, durch kriminelle Tätigkeiten (insbesondere Drogen- und Diamantenhandel) und Ausbeutung der Zivilgesellschaft bzw. Hilfsorganisationen (vgl. Rufin 1999).

Abschließend lässt sich festhalten, dass es, obwohl die Formen des Wirtschaftens in innerstaatlichen Kriegen sehr verschieden und stark durch lokale Bedingungen und Umstände geprägt sind, doch ähnliche Grundmuster bezüglich der Finanzierung gibt. So herrscht zumeist eine Kriegsökonomie vor, welche durch offene Gewaltmärkte geprägt und hohe Kriminalität charakterisiert ist. Die Instrumentarien reichen von Raubzügen, über legale oder illegale (teilweise sogar grenzüberschreitende) Aktivitäten, bis hin zu organisierter Kriminalität. Eine weitere Einnahmequelle stellen ausländische Bündnispartner oder Diasporagemeinschaften dar, welche bereit sind für die jeweilige Konfliktpartei zu spenden oder dieses auf eine andere Art zu unterstützen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Innerstaatliche Kriege und Diaspora
Untertitel
Das Fallbeispiel der Türkei
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Kriege der Gegenwart - Einführung in die Kriegs- und Konfliktforschung
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
20
Katalognummer
V82127
ISBN (eBook)
9783638891486
Dateigröße
409 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Innerstaatliche, Kriege, Diaspora, Gegenwart, Einführung, Kriegs-, Konfliktforschung
Arbeit zitieren
Patricia Piberger (Autor), 2006, Innerstaatliche Kriege und Diaspora, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82127

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