Können wir über unser Leben selbst bestimmen?

Am Beispiel der sophokleischen Tragödie "König Ödipus"


Hausarbeit, 2007

10 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Einleitung

Der griechische Tragödiendichter Sophokles gibt in seiner berühmten Tragödie „König Ödipus“ eine negative Antwort auf die Frage nach der absoluten Selbstbestimmung des Lebens. Obwohl Ödipus über sein Schicksal früh aufgeklärt wird und genau weiß, was er vermeiden sollte, damit die schreckliche Offenbarung des Orakels nicht in Erfüllung geht, gerät er trotz aller Vorsicht dennoch in die Falle. Diese Falle besteht darin, dass er seinen Vater umbringt und seine Mutter heiratet.

Man könnte an dieser Stelle das Argument bringen, dass es sich bei „König Ödipus“ sowie bei vielen anderen Werken wie z. B. „Homo Faber“ von Max Frisch um eine Fiktion handelt. Und man die fatalistische Betrachtungsweise in diesen Werken aus dem Grund nicht ernst nehmen sollte. Dieser Gedanke verflüchtigt sich sehr schnell, wenn man hinter die Fassade der sophokleischen Tragödie blickt und sich fragt, ob es zu unserer Wirklichkeit Parallelen gibt.

In diesem Essay werde ich nicht auf den Ödipus-Komplex eingehen, mich interessieren vor allem folgende Fragen: Wann sind wir unserem Schicksal völlig ausgeliefert? Und sind wir in der Lage, Schicksal zu spielen, d. h. selbst Regie über unser Leben zu übernehmen?

Der innere Kerker

Die Tatsache, dass die ersten Jahre unseres Lebens uns sehr prägen, kann heute nicht mehr geleugnet werden. Das genetische „Bouquet“ und das Milieu, in dem jedes Kind aufwächst, wird nicht von diesem selbst ausgewählt.

Zu diesem persönlichen Hintergrund eines jeden Menschen kommt noch die Kindheitsamnesie hinzu – d. h. genau die Zeit, die für die Entwicklung der Strukturen unserer Persönlichkeit verantwortlich ist, bleibt für viele erwachsene Menschen das ganze Leben lang im Verborgenen.

Kinder nehmen ihre Umwelt wie ein Schwamm in sich auf. Nicht verwunderlich ist es, dass die Seele dieser Kinder, wenn ihr Bewusstsein erwacht und sie selber zu denken und zu urteilen beginnen, schon mit viel Information beladen ist.

Hat das Kind eher eine schlechte Karte für seine ersten Jahre gezogen, wird es als Erwachsener es nicht gerade leicht im Leben haben. Es wird ständig von seinen traumatischen Erlebnissen, verdrängten Gefühlen und sonstigen unbequemen inneren Wegbegleitern heim gesucht und gelenkt, an die es sich nicht einmal richtig erinnern kann.

Wenn das Kind Glück hat, wird es als Erwachsener sich mit Hilfe von Psychotherapeuten in einer Psychoanalyse mit seinen „Quälgeistern“ genau auseinander setzen und womöglich eine Art „Säuberungsaktion“ seines Unbewussten durchführen. Die sogenannten „Quälgeister“ haben jedoch meistens eines gemeinsam: Sie würden am liebsten bleiben, kommen dementsprechend in verwandelter Form gerne wieder.

Ein ziemlich düsteres Szenarium zeichnet sich ab: Geprägt durch unsere vererbten Anlagen, die an der Formung unseres Charakters mitbeteiligt sind, beladen mit etlichen Kindheits-Traumata gehen wir wie an Ketten angebunden durch das Leben. Können wir uns aus diesem inneren Kerker, der uns determiniert, befreien?

[...]

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Können wir über unser Leben selbst bestimmen?
Untertitel
Am Beispiel der sophokleischen Tragödie "König Ödipus"
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Schreibkurs
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
10
Katalognummer
V82562
ISBN (eBook)
9783638888165
ISBN (Buch)
9783638935210
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Können, Leben, Schreibkurs
Arbeit zitieren
Julia Kies (Autor:in), 2007, Können wir über unser Leben selbst bestimmen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82562

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