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Parodie trifft Filmtheorie

'Die Form, die aus dem Rahmen fällt'

Title: Parodie trifft Filmtheorie

Seminar Paper , 2006 , 28 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Sabine Buchholz (Author)

Communications - Theories, Models, Terms and Definitions
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Der ‚Klassiker’ Hot Shots! hat 1991 vorgeführt, wie es geht, mittlerweile gibt es so gut wie kein Genre mehr, dass noch keine parodistische Verarbeitung erfahren hat. Filmparodien haben Konjunktur und locken Millionen von Zuschauern in die Kinos. Es ist offensichtlich, dass die Werke in vielerlei Hinsicht alles andere als niveauvoll sind und meist haufenweise platte und geschmacklose Witzeleien enthalten. Außerdem scheinen sie viele filmische Regeln des klassischen Hollywood-Kinos bewusst zu missachten. Wie kommt es dennoch, dass diese Filme solch enorme Publikumserfolge werden konnten bzw. können, und welche Konsequenzen hat die parodistische Form somit für die Filmrezeption?
Zur Beantwortung dieser Fragen macht sich vorliegende Arbeit zum Ziel, Parodien bezüglich ihrer außergewöhnlichen formalen Eigenarten zu untersuchen. Hierbei wird hauptsächlich interessant sein zu erforschen, wie Parodien mit eingefahrenen Filmkonventionen umgehen. Als theoretischer Ansatz, anhand dessen die Genretechniken untersucht werden können, bieten sich vor allem formal-orientierte Konzepte an. Ein Mann genießt aufgrund derartiger theoretischer Denkanstöße seit einiger Zeit besonders große Popularität: der amerikanische Filmwissenschaftler David Bordwell. Bordwell hat sich im filmtheoretischen Diskussionsraum der 80er Jahre einen Namen als Hauptvertreter des Neoformalismus gemacht. Seine Ansätze sind kognitiv orientiert und versuchen, „das interaktive Verhältnis von Zuschauer und filmischer Textstruktur zu bestimmen und den Prozeß filmischer Textverarbeitung schematheoretisch zu modellieren.“ Der Filmtheoretiker nimmt dabei insbesondere Bezug auf die geschichtliche Poetik des Films, reflektiert also die methodologischen Grundlagen der Ausbildung von filmischen Stilen in ihrer zeitlichen Entwicklung. Seine Überlegungen beschäftigen sich somit nicht nur mit reiner Filmtheorie, sondern auch -analyse und -geschichte. Ziel Bordwells neoformalistischer Ausführungen ist es, eine möglich geschlossene filmische Theorie zu liefern, die das Medium mit all seinen formalen, stilistischen, technischen und rezeptionsästhetischen Details erfasst.
Es gilt nun im Folgenden zu beleuchten, wie sich Bordwells Kategorien und theoretische Entwürfe mit dem Genre der Parodie vertragen. Sind sie auch auf diese Filmform anwendbar? Oder ergeben sich hier vielleicht unvereinbare Widersprüchlichkeiten? Diese Überlegungen stellen den Ausgangspunkt meiner Arbeit dar.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung: Fragestellung und Ziel

2. Die Parodie

2.1 Parodistische Eigenarten

2.2 Parodistische Methoden

2.3 Die untersuchten Parodien

3. Bordwells Filmtheorie

3.1 Kognitive Aspekte

3.2 Das generelle neoformalistische Konzept

3.2.1 Exkurs: Genretheorie

3.2.2 Stilbruch

3.2.3 Bruch mit Normen

3.2.4 Irrealer Einsatz von filmtechnischen Mitteln

3.2.5 Bruch mit Soundkonventionen

3.2.6 Gebrochene Narrativik

3.2.7 Folge-Szenen-Fehler

4. Fazit und weiterführender Ansatz

4.1 Bordwells ‚Bilanz’

4.2 Erfordertes Rezeptionsverhalten

4.3 Abschließender Ausblick: Exemplarische Überprüfung weiterer Filmtheorien

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die formalen Eigenarten von Filmparodien und analysiert, wie diese mit den etablierten Filmkonventionen des klassischen Hollywood-Kinos umgehen. Dabei wird erforscht, warum diese Filme trotz ihrer bewussten Regelbrüche große Publikumserfolge erzielen und welches spezifische Rezeptionsverhalten sie beim Zuschauer voraussetzen.

  • Analyse der Parodie als eigenständiges Filmgenre und ihrer spezifischen Arbeitsweisen.
  • Anwendung der neoformalistischen Filmtheorie von David Bordwell auf parodistische Strukturen.
  • Untersuchung von Erwartungsbrüchen in den Bereichen Stil, Narrativik und Technik.
  • Erörterung des besonderen Rezeptionsverhaltens und der "Metafiktivität" in Filmparodien.

Auszug aus dem Buch

3.2.2 Stilbruch

Zurück zu Bordwells Filmtheorie. Ein weiteres seiner Kapitel befasst sich mit Überlegungen zum Stil. Hierzu zählt der Filmwissenschaftler vor allem die Techniken der mise-en-scene, welche – vereinfacht formuliert – das Darstellerische des Films umfassen: Kostüme, Setting, Beleuchtung, Charakterverhalten. Bordwell geht davon aus, dass für jegliche Bestandteile der mise-en-scene ein elementarerer Grundsatz gilt: Sie müssen realistisch sein. Dieser Realismus ist und war nicht immer gleich. So empfindet der heutige Zuschauer zum Beispiel Spezialeffekt-Techniken, die das Publikum zu Beginn des 20. Jahrhunderts beeindruckt hat, wahrscheinlich nicht mehr als realistisch, und auch durch kulturelle Bestimmungen kann Wirklichkeitsnähe unterschiedlich wahrgenommen werden. Außerdem ist der Realismus in Science-Fiction-Movies natürlich ganz anderer Natur als etwa in Liebesromanzen. Dennoch: Um das filmische Erlebnis zu optimieren, sollte dem fiktiven Werk, wie Bordwell betont, ein möglichst wirklichkeitsnaher und somit illusionswirksamer Rahmen gegeben werden, um die Konstruiertheit des Werkes zu verschleiern. In Parodien wird mit dieser die Filmillusion erhaltenen Regel ständig gebrochen. Ganz und gar nicht auf Realismus angelegt sind die Kulissen in Der Schuh des Manitu. Hier erweist sich der soeben stolz durch die Protagonisten erworbene Saloon bald als flaches Pappmaschee-Gebilde, das beim kleinsten Windstoß nach vorne umkippt.

Ferner hat mit realistischen Kostümen beispielsweise Scary Movie reichlich wenig ‚am Hut’: Während der Serienmörder mit einem potentiellen Opfer telefoniert und sich dabei amüsiert, verwandelt sich der Gesichtsausdruck seiner Plastikmaskierung ständig und auf sehr überzogene, bizarre Weise.

Und auch Hot Shots! ist eine Parodie, die viele Pointen durch absolut irreale exaggeration-Szenen erzielt: Mal laufen die Flieger auf ihren Flugzeugen herum, als sei dies gar keine Problem, mal wird ein Blut spendender Soldat nach und nach zu einer blässlichen Gummipuppe, aus der die Luft entweicht, mal fällt der Händedruck zwischen zwei filmischen Kontrahenten dermaßen stark aus, dass zunächst Qualm aufsteigt und beide Hände daraufhin komplett deformiert werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Fragestellung und Ziel: Die Autorin legt die zentrale Forschungsfrage dar, wie Filmparodien trotz bewusster Regelbrüche als erfolgreiche Filmform funktionieren, und führt den theoretischen Ansatz des Neoformalismus nach David Bordwell ein.

2. Die Parodie: Dieses Kapitel definiert die Eigenarten der Parodie als intertextuelle "Recycling-Textform", stellt Methoden nach Dan Harries vor und gibt einen Überblick über die in der Arbeit untersuchten Filme wie "Scary Movie" oder "Der Schuh des Manitu".

3. Bordwells Filmtheorie: Es wird analysiert, wie Bordwells kognitive Filmtheorie und seine Thesen zu Normen und Konventionen (wie Realismus oder Spannungsaufbau) in der Praxis von Filmparodien gezielt durch Stilbrüche, Irrealität und narrative Brüche außer Kraft gesetzt werden.

4. Fazit und weiterführender Ansatz: Die Arbeit resümiert, dass Parodien ein spezielles Rezeptionsverhalten erfordern, welches das "Suchen nach der Pointe" in den Vordergrund stellt, und zeigt auf, dass auch andere Filmtheorien mit den parodistischen Konventionsbrüchen kollidieren.

Schlüsselwörter

Filmparodie, Neoformalismus, David Bordwell, Filmanalyse, Rezeptionsverhalten, Intertextualität, Erwartungsbruch, Horrorfilm, Genretheorie, Metafiktivität, Stilmittel, Illusionsbruch, Komödie, Narration, Filmtheorie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das Genre der Filmparodie im Kontext filmtheoretischer Modelle, insbesondere in Bezug auf die Regeln des klassischen Hollywood-Kinos.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse parodistischer Techniken, der Anwendung des neoformalistischen Konzepts von David Bordwell und der Erforschung des Zuschauerverhaltens bei der Rezeption von Parodien.

Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?

Das Ziel ist es zu ergründen, warum Filmparodien, die filmische Konventionen bewusst missachten, dennoch große Publikumserfolge erzielen können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt einen formal-orientierten theoretischen Ansatz, primär basierend auf den Modellen von David Bordwell und Kristin Thompson, um parodistische Beispiele zu analysieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden verschiedene Aspekte wie Stilbrüche, der Bruch mit sozialen Normen, der irreale Einsatz technischer Mittel und die gebrochene Narrativik anhand konkreter Filmbeispiele untersucht.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Filmparodie, Neoformalismus, intertextuelle Bezüge, Erwartungsbrüche und Metafiktivität geprägt.

Wie gehen Filmparodien konkret mit dem Konzept des filmischen Realismus um?

Filmparodien brechen aktiv mit dem Gebot zur Illusionserhaltung; sie demaskieren die Fiktion durch bewusste "Fehler", Pappkulissen oder irrationale Spezialeffekte, um komische Effekte zu erzielen.

Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Anwendbarkeit von Bordwells Thesen?

Die Autorin kommt zu dem Ergebnis, dass Bordwells allgemeine Regeln für das klassische Hollywood-Kino nur sehr bedingt auf Parodien anwendbar sind, da diese ein völlig anderes, auf die Pointe ausgerichtetes Rezeptionsverhalten erfordern.

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Details

Title
Parodie trifft Filmtheorie
Subtitle
'Die Form, die aus dem Rahmen fällt'
College
University of Siegen
Course
Filmtheorie
Grade
1,0
Author
Sabine Buchholz (Author)
Publication Year
2006
Pages
28
Catalog Number
V82597
ISBN (eBook)
9783638898218
ISBN (Book)
9783638904551
Language
German
Tags
Parodie Filmtheorie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sabine Buchholz (Author), 2006, Parodie trifft Filmtheorie , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82597
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