Vorwort
In einer Zeit der Moderne, der Individualisierung und des oft in den Medien so beklagten sozialen und politischen Zerfalls der Gesellschaft, rückt die Werteerziehung unserer Kinder und Jugendlichen wieder stärker in den Vordergrund.
Bereits in den Fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts beschäftigte sich einer der bedeutendsten Pädagogen, Lawrence Kohlberg mit der Frage nach der moralischer Entwicklung des Menschen. Er hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht nach einer universellen Moral zu suchen und hat ein Modell entwickelt, dass bis heute von großer Bedeutung für das Verständnis von Erziehung und Schule ist.
Kohlbergs Interesse für Fragen der Moral wird schon zur Schulzeit geweckt, u.a. durch die Lektüre des Buches „Die Brüder Karamasow“, in dem moralische und religiöse Fragen aufgeworfen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Theoretische Vorüberlegungen
2.1 Der Begriff Moral
2.2 Begriffsbestimmung „Moralisches Urteilen“
2.3 Begriffsbestimmung „Moralisches Handeln“
3. Der Begründer des Modells- Lawrence Kohlberg
4. Theoretische Voraussetzungen des Modells
4.1 Modell der kognitiven Entwicklung
4.2 Domäne der Moral
5. Darstellung des Stufenmodells
5.1 Niveaustufe 0 - Vormoralisches Denken
5.2 Niveaustufe 1 - Prä-konventionelle Ebene
5.2.1 Stufe 1- Heteronome Moral
5.2.2 Stufe 2- Individualismus, Zielbewusstsein und Austausch
5.3 Niveaustufe 2 - Konventionelle Ebene
5.3.1 Stufe 3- Wechselseitige Erwartung, Beziehung und interpersonelle Konfirmität
5.3.2 Stufe 4- Soziales System und Gewissen
5.4 Niveaustufe 3 – Postkonventionelle Ebene
5.4.1 Stufe 5- Sozialer Kontrakt und individuelle Rechte
5.4.2 Stufe 6- Universell ethische Prinzipien
6. Arbeit mit Dilemmata als Grundlage für moralische Urteilsbildung
7. Die Just Community
7.1 Entstehungsgeschichte
7.2 Prinzipien einer gerechten Gemeinschaft
7.3 Struktur des Modells
7.4 Schwierigkeiten bei der Realisierung
8. Der Just Community- Ansatz in der Praxis
8.1 Cluster Schule- Die Anfänge einer gerechten Gemeinschaft
8.2 Der Just Community Versuch an einer Schule in der Schweiz
8.3 Die Realschule in Langenfeld- eine Darstellung der Prinzipienumsetzung
8.4 Der Jugendstrafvollzug- Das Modell in der JVA Adelsheim
9. Nachwort
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit gibt einen Überblick über Lawrence Kohlbergs Konzept der „Just Community“ (gerechte Schulgemeinschaft). Das primäre Ziel ist es, die theoretischen Grundlagen des moralischen Stufenmodells zu erläutern und dessen praktische Anwendung sowie die damit verbundenen Chancen und Herausforderungen in verschiedenen pädagogischen Settings, wie Schulen und dem Jugendstrafvollzug, aufzuzeigen.
- Kohlbergs kognitives Stufenmodell der moralischen Entwicklung
- Methodik der Dilemma-Diskussion als erzieherisches Instrument
- Prinzipien und Struktur einer gerechten Gemeinschaft
- Praxisbeispiele: Cluster-Schulen, Schulen in der Schweiz und JVA Adelsheim
- Kritische Auseinandersetzung mit den Umsetzungsschwierigkeiten
Auszug aus dem Buch
7. Die Just Community
Das Modell der Just Community wird auch gerechte Schulgemeinschaft oder demokratische Schulgemeinschaft genannt. In dieser Gemeinschaft geht es um Personen, die in einer sozialen Gemeinschaft nach gemeinsam festgelegten Normen und demokratischen Regeln ein Ziel verfolgen. Das Konzept dieser Just Community ist vielseitig einsetzbar und damit nicht nur für den Schulalltag aktuell. Es kann zum Beispiel auch am Arbeitsplatz, in Gemeinschaftsunterkünften, im Strafvollzug oder in Rehabilitationszentren durchgeführt werden. Im Kern dieses Modells geht es primär um die Erziehung zu demokratisch-moralischem und verantwortungsbewussten Handeln. Das Ziel dieses Modells liegt aber nicht nur in der Verbesserung der moralischen Handlungsfähigkeit, sondern auch in einer Verbesserung der Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit. Das oberste Gebot einer Gerechten Gemeinschaft ist aber der Grundgedanke der Fairness und dem gleichen Mitspracherecht für alle Beteiligten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Einleitende Darstellung der Bedeutung von moralischer Erziehung in der modernen Gesellschaft und Vorstellung des Lebenswerks von Lawrence Kohlberg.
2. Theoretische Vorüberlegungen: Definition der zentralen Begriffe Moral, moralisches Urteilen und moralisches Handeln zur theoretischen Fundierung der Arbeit.
3. Der Begründer des Modells- Lawrence Kohlberg: Biografischer Abriss über Lawrence Kohlberg und seine akademische Laufbahn.
4. Theoretische Voraussetzungen des Modells: Erläuterung des kognitiven Entwicklungsansatzes nach Kohlberg und dessen Verständnis der Domäne der Moral.
5. Darstellung des Stufenmodells: Detaillierte Beschreibung der moralischen Niveaustufen von der vormoralischen bis zur postkonventionellen Ebene.
6. Arbeit mit Dilemmata als Grundlage für moralische Urteilsbildung: Einführung in die methodische Nutzung von Dilemma-Diskussionen zur Förderung moralischer Urteilskompetenz.
7. Die Just Community: Vorstellung des Modells der gerechten Schulgemeinschaft, dessen Entstehungsgeschichte, Prinzipien und Strukturen.
8. Der Just Community- Ansatz in der Praxis: Fallbeispiele zur Umsetzung des Ansatzes in Schulen und im Jugendstrafvollzug.
9. Nachwort: Zusammenfassende Reflexion und kritische Betrachtung der Anwendbarkeit des Modells im Schulalltag.
Schlüsselwörter
Lawrence Kohlberg, Just Community, moralische Erziehung, Stufenmodell, Dilemma-Diskussion, Gerechtigkeit, soziale Gemeinschaft, kognitive Entwicklung, Rollenübernahme, demokratische Erziehung, Schulreform, Werturteile, Normen, Fairness, soziale Selbstwirksamkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen Überblick über das von Lawrence Kohlberg entwickelte Konzept der „Just Community“ und dessen theoretische Fundierung in der moralischen Entwicklungspsychologie.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind Kohlbergs Stufenmodell der moralischen Entwicklung, die Methode der Dilemma-Diskussion sowie die praktische Umsetzung einer gerechten Gemeinschaft in Bildungseinrichtungen und Strafvollzugsanstalten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch demokratische Teilhabe und moralische Urteilsbildung eine gerechte Schulgemeinschaft geschaffen werden kann, die sowohl die moralische Entwicklung als auch das soziale Miteinander fördert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Theorieanalyse der Ansätze von Lawrence Kohlberg sowie der Auswertung von Fallbeispielen zur pädagogischen Praxis.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen (Stufenmodell, Moralverständnis), die methodische Arbeit mit Dilemmata und die konkrete Ausgestaltung des „Just Community“-Modells in verschiedenen Institutionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Just Community, moralische Erziehung, Stufenmodell, Dilemma-Diskussion, soziale Gerechtigkeit und demokratische Erziehung.
Wie unterscheidet sich die Umsetzung in den USA von der in der Schweiz?
Während die US-Versuche oft Kursprogramme innerhalb von Schulen waren, integrierten die Schweizer Modelle teilweise die gesamte Schülerschaft institutionell, stießen jedoch an rechtliche Grenzen bei der vollumfänglichen Umsetzung.
Warum wird das Projekt in der JVA Adelsheim als erfolgreich bezeichnet?
Erste empirische Daten deuten darauf hin, dass die Beteiligung an der gerechten Gemeinschaft die moralische Urteilsfähigkeit der Insassen steigerte und das soziale Klima durch demokratische Konfliktlösungen verbesserte.
- Quote paper
- Milena Höppner (Author), 2007, Kohlbergs Konzept der Just Community - ein Überblick, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83037