Die vorliegende Lizentiatsarbeit untersucht die Einstellungen von MigrantInnen zur
Politik und zu ihrer eigenen Partizipation. Mit Hilfe von problemzentrierten Interviews
wurden MigrantInnen in politischen Ämtern darüber befragt, wie sie zum politischen
System in der Schweiz stehen und wie sie ihre eigene politische Partizipation in diesem
System wahrnehmen. Es zeigte sich, dass die MigrantInnen trotz eines teilweise bereits
vorhandenen politischen Bewusstseins zu Beginn ihres Aufenthaltes in der Schweiz die
Politik als etwas Entferntes wahrnehmen und ihre Einflussmöglichkeiten auf die Politik
tief einschätzen. Dies vor allem aufgrund eingeschränkten politischen Rechten, wenig
Sprachkenntnissen und geringem Sozialkapital. Dank positiven Reaktionen ihres
sozialen Umfeldes auf ihr Engagement, mehr politischen Rechten und erhöhtem Humansowie
Sozialkapital verringert sich mit der Zeit die Distanz zur Politik, und die Befragten
glauben vermehrt an ihre Einflussmöglichkeiten auf politische Entscheidungen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung ins Thema der Einstellung von MigrantInnen zur Politik
1.1 Einleitung
1.2 Forschungsfragen
1.3 Definition der Begriffe
a) MigrantIn
b) Politisch aktiv
c) Soziale Einstellung
d) Politik
2. Situation der MigrantInnen in der Schweiz und Forschungsstand
2.1 Die sozio-ökonomische Struktur der MigrantInnen
a) Demographische Merkmale und Herkunftsland
b) Bildungsstand und berufliche Stellung
c) Einwanderungsgrund
2.2 Die politischen Rechte von MigrantInnen
a) Vorhandene politische Rechte und Mitwirkungsmöglichkeiten
b) Beteiligung an Wahlen im Aufnahmeland
2.3 Forschungen über die Beziehung von MigrantInnen zur Politik
a) Studien aus der Schweiz
b) Studien aus anderen Ländern
2.4 Relevanz der Informationen in Bezug auf die Fragestellung
3. Theoretische Ansätze zur Einstellung und zur politischen Sozialisation
3.1 Modelle zur sozialen Einstellung
3.2 Bereiche der Einstellung zur Politik und politischen Partizipation
a) Das Konzept des politischen Vertrauens
b) Subjektive Kompetenzen
c) Motivation der politischen Partizipation
d) Wahrgenommene Erwünschtheit
3.3 Sozialisation als ein lebenslanger Prozess
a) Sozialisation
b) Politische Sozialisation
c) Politische Sozialisationsinstanzen
4. Methodisches Vorgehen
4.1 Wahl der qualitativen Methode
4.2 Ablauf der Datenerhebung
a) Auswahl der InterviewpartnerInnen und Kontaktaufnahme
b) Datenerhebung nach dem problemzentrierten Interview
c) Interviewleitfaden
d) Erhebungssituation und Ablauf des Gesprächs
4.3 Datenauswertung in Anlehnung an Andreas Witzel
a) Datenaufbereitung
b) Bearbeitung der Transkripte mittels einer Satz-für-Satz Analyse
c) Auswertung mittels eines Codierleitfadens
d) Falldarstellung der einzelnen Interviews
e) Verwendung von Memos
4.4 Beurteilung des Forschungsverfahrens
a) Beurteilung des Forschungsverfahrens nach sechs Gütekriterien
b) Grenzen des methodischen Vorgehens
5. Ergebnisse und Interpretation
5.1 Soziodemographische Merkmale der befragten MigrantInnen
5.2 Einstellungen zu Beginn des Aufenthaltes in der Schweiz
a) Bild der Politik und Interesse an politischen Angelegenheiten
b) Subjektive Kompetenzen
5.3 Einstellungen zum Zeitpunkt der Befragung
a) Einstellungen zur Politik und zu den politischen Parteien
b) Subjektive Kompetenzen
c) Motivation der politischen Partizipation
d) Wahrgenommene Erwünschtheit
e) Unterschied zwischen eingebürgerten und nicht eingebürgerten Personen
5.4 Die Sozialisationsinstanzen im Leben der Befragten
a) Zentrale Instanzen der politischen Sozialisation im Herkunftsland
b) Instanzen mit pädagogischer Relevanz im Aufnahmeland
c) Flankierende Sozialisationsinstanzen im Aufnahmeland
d) Elemente des politischen Systems im Aufnahmeland
5.5 Typische Verläufe der Einstellungen der befragten MigrantInnen
a) Typischer Verlauf I: Frau Kaya
b) Typischer Verlauf IV: Frau Medina
6. Schlussfolgerungen
6.1 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse
6.2 Kritische Würdigung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die subjektiven Einstellungen von politisch aktiven MigrantInnen zur Politik in der Schweiz und zu ihrer eigenen politischen Partizipation, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Prozess der Einstellungsbildung und -veränderung seit der Ankunft in der Schweiz liegt.
- Analyse der Einstellungen zu Politik und Partizipation zu zwei Zeitpunkten
- Untersuchung des Prozesses der Einstellungsänderung und politischer Sozialisation
- Einfluss von Kapitalformen (Humankapital, Sozialkapital, politisches Kapital) auf subjektive Kompetenzen
- Bedeutung von sozialen Rahmenbedingungen und Integrationsinstanzen für das politische Engagement
Auszug aus dem Buch
a) Bild der Politik und Interesse an politischen Angelegenheiten
Viele der interviewten Personen antworten auf die Frage nach ihrem Bild der Politik, sie hätten zu Beginn kein wirkliches Bild von der Politik in der Schweiz gehabt. Vor allem bei Personen, welche in ihrem Herkunftsland nicht politisch aktiv waren und aus wirtschaftlichen oder familiären Gründen in die Schweiz kamen, ist ein gewisses Desinteresse an der Politik zu beobachten. Diese Personen waren meist relativ jung und hatten auch aufgrund ihres Alters keinen Bezug zur Politik. So sagt zum Beispiel Frau K: „Politik war mir ein bisschen… weg, entfernt, weg, bis ich ein bisschen die Sprache gelernt habe, und ich habe auch das Gefühl mit dem Alter hat man auch andere Interessen, oder. Als Junge, finde ich... ich glaube Politik hat mir wenig gesagt.“
Frau K spricht zwei Dinge an: Einerseits war sie nicht interessiert an der Politik, da sie sich als Jugendliche mit anderen Dingen beschäftigt hat, andererseits verfügte sie über sehr wenig Deutschkenntnisse. Das heisst ihr Interesse war nicht vorhanden und aufgrund der tiefen Deutschkenntnisse kamen ihr auch durch die Medien keine Informationen über politische Angelegenheiten zu. Daher erschien ihr Politik als etwas, das weit entfernt ist.
Viele der Personen, deren erste Reaktion war, sie hätten zu Beginn kein wirkliches Bild der schweizerischen Politik gehabt, erwähnen gleich anschliessend, dass sie bereits damals einige Informationen über das politische System in der Schweiz hatten. Dabei prägen wenige, jedoch meist positive Informationen ihr Bild des politischen Systems der Schweiz. Folgende Aussagen kamen oft in den Interviews vor:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung ins Thema der Einstellung von MigrantInnen zur Politik: Hinführung zum Thema, Erläuterung des Aufbaus der Arbeit sowie Definition der zentralen Begriffe.
2. Situation der MigrantInnen in der Schweiz und Forschungsstand: Überblick über die soziodemographische Struktur, rechtliche Rahmenbedingungen und bisherige Forschungsergebnisse zur politischen Partizipation.
3. Theoretische Ansätze zur Einstellung und zur politischen Sozialisation: Interdisziplinäre theoretische Herleitung der Konzepte wie soziales Vertrauen, subjektive Kompetenzen und Sozialisation.
4. Methodisches Vorgehen: Begründung und Beschreibung der qualitativen Forschungsmethode, Datenerhebung mittels problemzentrierter Interviews sowie Auswertungsstrategie.
5. Ergebnisse und Interpretation: Darstellung der empirischen Ergebnisse bezüglich der Einstellungsverläufe, der Rolle von Sozialisationsinstanzen und spezifischer Fallbeispiele.
6. Schlussfolgerungen: Zusammenfassende Diskussion der zentralen Ergebnisse, Beantwortung der Forschungsfragen sowie Reflexion über Möglichkeiten und Grenzen der politischen Integration.
Schlüsselwörter
MigrantInnen, politische Partizipation, Einstellung, Schweiz, politische Sozialisation, Integration, politisches Vertrauen, subjektive Kompetenzen, Sozialkapital, Humankapital, Einbürgerung, qualitative Untersuchung, problemzentriertes Interview, Partizipationschancen, politische Rechte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Lizentiatsarbeit untersucht die Einstellungen von politisch aktiven MigrantInnen in der Schweiz in Bezug auf das politische System und ihre eigene Teilhabe daran.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die politische Einstellung, der Einstellungsverlauf seit der Einwanderung, die Auswirkungen der politischen Rechte auf die Partizipation sowie die Rolle von Sozialisationsinstanzen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Hauptfrage lautet: Welches sind die Einstellungen von politisch aktiven MigrantInnen zur Politik und zu ihrer eigenen politischen Partizipation, und wie haben sich diese Einstellungen seit der Ankunft in der Schweiz verändert?
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde ein qualitativer Ansatz gewählt, konkret das problemzentrierte Interview nach Andreas Witzel, um subjektive Wahrnehmungen und biographische Verläufe detailliert erfassen zu können.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, methodisches Vorgehen sowie eine detaillierte Auswertung der erhobenen Interviews inklusive der Analyse von Sozialisationsinstanzen und typischen Einstellungsverläufen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie politische Partizipation, Integration, subjektive Kompetenzen, Sozialisation, MigrantInnen und politisches Vertrauen beschreiben.
Welche Rolle spielt die Einbürgerung für die Einstellungen der Befragten?
Die Einbürgerung beeinflusst maßgeblich das institutionelle Kapital und die wahrgenommene externe politische Effektivität; eingebürgerte Personen schätzen ihre Einflussmöglichkeiten oft höher ein als nicht eingebürgerte.
Warum ist die Unterscheidung zwischen politisch aktiven und nicht aktiven MigrantInnen wichtig?
Die Arbeit beschränkt sich auf politisch aktive MigrantInnen, da diese sich bereits mit dem System auseinandergesetzt haben und fundierte Auskunft über ihre Einstellungsveränderungen geben können.
- Quote paper
- Corinne Widmer (Author), 2006, MigrantInnen in der Politik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83198