Basierend auf dem literaturwissenschaftlichen Forschungsstand soll in einem ersten Schritt geklärt werden, welchen Hintergrund das Phänomen Popliteratur hat, wodurch diese literarische Strömung entstanden ist.
Der Begriff Popliteratur wird dabei anhand der wichtigsten Meinungen umrissen und hinsichtlich seiner stilistischen Kernpunkte präzisiert. Die Heterogenität soll dabei aufgelöst, die Programmatik (oder zumindest wesentliche Kennzeichen) entwickelt und aufgezeigt werden. Dabei verfolgt diese Arbeit einen holistischen Ansatz: das Phänomen Popliteratur soll als Ganzes erklärt und definiert werden, sofern dies aufgrund der relativen Unschärfe und der Heterogenität des Genres möglich ist. Es kann und soll nicht auf einzelne Besonderheiten eingegangen werden,
dafür ist die innere Heterogenität zu groß. Es wird sich dabei aber zeigen, dass nicht alles, was unter dem Begriff Popliteratur subsumiert ist, auch tatsächlich diese Bezeichnung zu Recht trägt.
Es soll insbesondere die Frage geklärt werden, welches die besonderen Kennzeichen sind, die einen zeitgenössischen Text von den unzähligen anderen Gegenwartsliteraturen abheben und ihn dem Genre Pop zuordnen lässt. Da der Verfasser dabei die jüngere Popliteratur im Blick hat – aufgrund des beschränkten Rahmens dieser Arbeit kann auf die früheren popliterarischen Ausformungen der 1960er und 1970er Jahre nur kurz eingegangen werden –, sollen die theoretischen Überlegungen und Ergebnisse in einem abschließenden Schritt praktisch zur Anwendung gelangen.
Es schließt sich eine knappe Textanalyse mit dem Ziel an, die theoretisch gewonnenen Erkenntnisse über Popliteratur zu konkretisieren und in der Textarbeit zu belegen. Untersuchungsgegenstand sind dabei die 1999 und 2004 erschienenen Textsammlungen „Remix“ und „Remix 2“ von Benjamin von Stuckrad-Barre. Diese beiden Bücher eignen sich sehr gut für eine textanalytische Spurensuche, da bereits die Titel andeuten, dass hier Kernelemente der Popliteratur (wie etwa die relative thematische Wichtigkeit von Musik) in äußerst dichter Form zu finden sind. Die Textsammlungen bestehen aus sehr heterogenen Textformen und eignen sich m.E. daher besonders gut, die typischen Merkmale eines popliterarischen Genres aufzuzeigen und die theoretischen Vorüberlegungen zu präzisieren, aber auch um einen neuen Aspekt zu beleuchten: das Verhältnis von literarischem und journalistischem Schreiben in der Popliteratur.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Vom Dadaismus zur neuen deutschen Popliteratur – eine literaturhistorische Einordnung
1.1 Dadaismus und Beat-Generation
1.2 Pop-Art und Postmoderne: Leslie Fiedler
1.3 Popliteratur in Deutschland: Neuer Realismus
1.4 Die neue deutsche Popliteratur
1.4.1 Popliteratur im Fokus der popular culture
2. Schreiben am Rande der Oberfläche – Zur Programmatik und Charakteristik der neuen Popliteratur
2.1 Die Oberfläche als Topos
2.2 Stilistisch-ästhetische und formale Aspekte von Popliteratur
3. Remix und Remix 2: typisch Pop? Eine textanalytische Spurensuche
3.1 Zu Inhalt, Form und Stil
3.2 Zur Frage der Oberfläche
Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den diffusen Begriff der Popliteratur, um ein literaturhistorisch fundiertes Paradigma für dieses Genre zu entwerfen und durch die Analyse der Werke von Benjamin von Stuckrad-Barre zu validieren.
- Historische Herleitung der Popliteratur (Dadaismus, Beat-Generation, Postmoderne).
- Differenzierung zwischen früher subversiver Popliteratur und der neuen deutschen Popliteratur.
- Analyse der Bedeutung von "Oberfläche" und "Alltag" als zentrale Topoi.
- Untersuchung formal-ästhetischer Merkmale wie Montage und Medialität.
- Einordnung des Verhältnisses von Literatur, Journalismus und Kulturindustrie.
Auszug aus dem Buch
3.1 Zu Inhalt, Form und Stil
Die beiden Textsammlungen folgen inhaltlich, formal, stilistisch und sprachlich weitestgehend den in Abschnitt 2 dargestellten Prinzipien der neuen deutschen Popliteratur, wobei bewusst die Form der Funktion angepasst worden ist: „Den Ton unterwirft er [der Autor] dem Untersuchungsgegenstand, die Form folgt der Funktion: Reportagen, Duette, Erzählungen, Montagen, Protokolle, Tagebuchtexte, Experimente, Rätsel. Sie bilden ein Prisma, das scheinbar vertraute Wirklichkeit bricht und die Welt neu ausleuchtet“77.
Beide Anthologien verknüpfen somit zwangsläufig – im Selbstverständnis des Autors – den Topos der Oberfläche und des Alltäglichen mit der literarischen Form der Montage nach dem Vorbild des sampelns.
Inhaltlich greift der Autor Erlebnisse und Geschehnisse des Alltags auf, wobei es teilweise um reale Alltagsphänomene geht, teilweise fiktive Alltagserlebnisse geschildert werden. Dabei werden bedeutende Ereignisse, wie etwa der Umzug des Bundestages von Bonn nach Berlin78 humoristisch beschrieben, aber auch völlig Belanglosem Platz eingeräumt, wie etwa den Kritzeleien der Fans am Zaun des Trainingsgeländes von Borussia Dortmund79. Letzterer Text besteht dabei e.g. aus einer bloßen, unkommentierten Sammlung von Sprüchen wie „Lars Ricken the best“80 oder „Scheiß Bayern“81. Alle Texte stehen entsprechend gleichberechtigt nebeneinander.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit führt in die Unschärfe des Begriffs Popliteratur ein und formuliert das Ziel, das Genre literaturhistorisch einzuordnen und seine Kernmerkmale zu definieren.
1. Vom Dadaismus zur neuen deutschen Popliteratur – eine literaturhistorische Einordnung: Dieses Kapitel zeichnet die Wurzeln der Popliteratur von den Dadaisten über die US-amerikanische Beat-Generation bis hin zu Leslie Fiedlers Postmoderne-Theorie nach.
2. Schreiben am Rande der Oberfläche – Zur Programmatik und Charakteristik der neuen Popliteratur: Hier wird der Fokus auf die Oberfläche als zentralen Topos sowie auf stilistische und formale Merkmale wie den Medieneinfluss und die Alltagssprache gelegt.
3. Remix und Remix 2: typisch Pop? Eine textanalytische Spurensuche: Anhand der Werke von Benjamin von Stuckrad-Barre wird die theoretische Programmatik in der Praxis analysiert, insbesondere die Montage-Technik und die Rolle des Autors als Beobachter des Alltags.
Schluss: Das Fazit bestätigt, dass die neue Popliteratur trotz ihrer Inhomogenität ein eigenständiges Genre mit einem spezifischen produktionstheoretischen Ansatz darstellt.
Schlüsselwörter
Popliteratur, Benjamin von Stuckrad-Barre, Remix, Oberfläche, Alltag, Postmoderne, Beat-Generation, Montage, Popkultur, Medien, Kulturindustrie, Literaturwissenschaft, Realismus, Medialität, Literaturkritik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den in der Literaturwissenschaft unscharf definierten Begriff der Popliteratur und versucht, eine systematische Einordnung sowie ein Paradigma für dieses Genre zu entwickeln.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die literaturhistorischen Vorläufer, das Verhältnis zur Populärkultur, die ästhetische Gestaltung des Alltags sowie die Verschränkung von Literatur und Medien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, durch eine historische Herleitung und eine textanalytische Untersuchung die spezifischen Merkmale der neuen deutschen Popliteratur greifbar zu machen und von trivialer Literatur abzugrenzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verfolgt einen holistischen, literaturhistorischen Ansatz, der durch eine textanalytische Spurensuche an den Beispielen "Remix" und "Remix 2" von Benjamin von Stuckrad-Barre ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Wurzeln, die theoretische Programmatik (Oberfläche als Topos) sowie die stilistischen und formalen Charakteristika, wie z.B. den "Remix"-Charakter und den Einfluss des Journalismus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Popliteratur, Oberfläche, Alltag, Medialität, Montage und die konkrete Analyse der Werke von Benjamin von Stuckrad-Barre geprägt.
Warum spielt der "Remix"-Gedanke eine so große Rolle für den Autor?
Der Autor nutzt den Begriff "Remix" als Analogie zur Popmusik, um die literarische Montage von Alltagsbeobachtungen zu beschreiben und sich selbst als "Jäger und Sammler" von Alltagserlebnissen zu positionieren.
Inwiefern unterscheidet sich die neue deutsche Popliteratur von den Anfängen der 60er Jahre?
Während die frühe Popliteratur oft einen subversiven oder sozialrevolutionären Anspruch hatte, fungiert die neue Popliteratur eher als Archiv der Medien- und Konsumwelt ohne direkten politischen Revolutionsanspruch.
Was bedeutet der Untertitel "Festwertspeicher der Kontrollgesellschaft" bei "Remix 2"?
Das Bild des Festwertspeichers (ROM) verdeutlicht die Unveränderlichkeit der Realität, die der Autor in seinen Texten lediglich abbilden, archivieren und spiegeln kann, statt sie aktiv zu verändern.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2007, Die Welt als Remix – Neue Popliteratur in Deutschland am Beispiel von Benjamin von Stuckrad-Barres Remix und Remix 2, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83215