Eine Ersterschließung des Mediums Buchreiseführer aus ethnologischer Perspektive. Was exakt sind die Funktionen eines Buchreiseführers - z.B. im Vergleich mit einem Führer vor Ort (Guide)? Wie beeinflussen die involvierten Instanzen - die Buchautoren, die Rezipienten, die Verlage und nicht zuletzt die Bereisten selbst - die Ansprüche von Reiseführerkonzepten an authentische und kritische Kulturdarstellung?
Inhaltsverzeichnis
1. Einstieg
Themeneingrenzung und Quellenlage — Eine Arbeitsdefinition des Reiseführers
2. Das moderierte Erleben
Der "Instant-Reiseleiter": Funktionen des modernen Reiseführers — Reiseführer vs. Guides
3.Culture™ — Einige Aspekte des Reiseführermarktes
Zwänge der Marktbehauptung — Image- & Nischenwerbung — Touristische Klischees — Qualitative Kriterien der Kulturbeschreibung
4.Ausblick
Reiseführer als Mediatoren: Möglichkeiten & Probleme
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Rolle des zeitgenössischen Reiseführers als Vermittler zwischen Reisenden und fremden Kulturen unter Berücksichtigung marktwirtschaftlicher Zwänge und der spezifischen Erwartungshaltung der Rezipienten.
- Analyse der Funktionen und Konzeptionen moderner Reiseführer
- Untersuchung der Einflussfaktoren der Reiseführerindustrie auf die Inhaltsgestaltung
- Bewertung des Reiseführers als Mediatoreninstrument im Vergleich zu lokalen Guides
- Hinterfragung der Authentizität und Kulturvermittlung in der touristischen Gebrauchsliteratur
Auszug aus dem Buch
3.Culture™ — Einige Aspekte des Reiseführermarktes
Aufgrund der in den letzten Jahren stetig angestiegenen Zahl miteinander konkurrierender Reiseführerreihen10 ist der Druck, sich durch bestimmte charakteristische Konzepte voneinander abzugrenzen, stark angestiegen. Zugleich sind "neue" Arten des Reisens, die früher eher Sonderfälle darstellten, so populär geworden, daß sie neue potentielle Käufergruppen geschaffen haben (z.B. Trekking-, Interrail- bzw. Bahn-, Campingreisen etc.).
Auf dieses durch steigende Konkurrenz bedingte Engerwerden des Marktes haben in den letzten Jahren die Hersteller von Reiseführern im wesentlichen auf zwei Arten reagiert: Erschließung neuer Konzepte von Reiseführern, orientiert an neu aufgetretenen oder noch zu etablierenden Formen des Reisens. So zögerten nach der Einführung des Interrail 1972 die Reiseführerhersteller vergleichsweise lange, bevor sie in dieser neuen Form des Jugendtourismus einen Markt für spezielle Reiseführer zu sehen bereit waren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einstieg: Dieses Kapitel definiert den Reiseführer als Medium zur Moderation von Fremderfahrungen und steckt den theoretischen Rahmen sowie die Quellenlage der Arbeit ab.
2. Das moderierte Erleben: Hier wird der Reiseführer als "Instant-Reiseleiter" charakterisiert und seine spezifischen Funktionen bei der Reisevorbereitung und -durchführung im Vergleich zu persönlichen Guides analysiert.
3.Culture™ — Einige Aspekte des Reiseführermarktes: Das Kapitel beleuchtet den Konkurrenzdruck und die ökonomischen Rahmenbedingungen, unter denen Reiseführer entstehen, und wie diese die inhaltliche Qualität beeinflussen.
4.Ausblick: Die abschließenden Überlegungen reflektieren die Möglichkeiten und Probleme von Reiseführern als Mediatoren und betonen die Verantwortung der Rezipienten bei der Auswahl und Nutzung dieser Informationsmedien.
Schlüsselwörter
Reiseführer, Tourismusforschung, Kulturvermittlung, Reiseliteratur, Massentourismus, Marktbehauptung, Reiseziel, Medienanalyse, Instant-Reiseleiter, Kulturbeschreibung, Fremderfahrung, Reisende, Tourismusindustrie, Authentizität, Gebrauchsliteratur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht kritisch, wie zeitgenössische Reiseführer als Vermittler fremder Kulturen fungieren und welche Rolle sie im modernen Tourismus einnehmen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Funktionen von Reiseführern, der Einfluss der Buchmarktindustrie auf die Konzeption und die Erwartungshaltung der Touristen gegenüber der Kulturvermittlung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sehr Reiseführer durch marktwirtschaftliche Interessen gesteuert werden und ob sie tatsächlich in der Lage sind, ein adäquates Bild fremder Kulturen zu vermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine kulturanthropologische Analyse, die Sekundärliteratur mit den praktischen Beobachtungen des Autors aus der Buchhandelsbranche kombiniert.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte liegen im Hauptteil?
Der Hauptteil analysiert die Konkurrenz auf dem Reiseführermarkt, die Anpassung an spezielle Reisestile wie Trekking oder Esoterik-Reisen sowie die Rolle als Mediatoren im Vergleich zu menschlichen Reiseführern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Reiseführer, Kulturvermittlung, Tourismusindustrie, Authentizität und die kritische Auseinandersetzung mit der medialen Darstellung des Fremden.
Wie unterscheidet sich der Reiseführer von einem persönlichen "Guide"?
Der Reiseführer ist ein statisches Medium, das vor und nach der Reise genutzt werden kann, während der Guide durch seine physische Präsenz vor Ort flexibler auf Situationen reagieren kann.
Was bedeutet der Titel "Die Fremde in Pillenform"?
Die Metapher deutet darauf hin, dass Reiseführer oft vorgefertigte, "konsumierbare" Informationen liefern, die den Reisenden eine Auseinandersetzung mit der wirklichen Fremde ersparen können – ähnlich einem Placebo.
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- Hendrik Schulthe (Author), 2000, Die Fremde in Pillenform - Zu einigen Inhalten und Problemen zeitgenössischer Reiseführer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83829