Berufliche Erziehung im BDM und Berufswelt der Frauen im Nationalsozialismus


Seminararbeit, 2006

21 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

1. Die erzieherischen Aufgaben des BDM in seiner Entwicklung
1.1. Die Anfänge und „Kampfjahre“ (bis 1933)
1.2. Die Zeitperiode 1933-1936
1.3. Die Zeit von 1936/1937 bis zum Kriegsbeginn 1939
1.4. Die Zeit des BDM-Kriegseinsatzes (1939-1945)

2. Organisationsaufbau des BDM

3. Ausbildung der jungen Frauen
3.1. Ausbildung innerhalb von BDM
3.2. Akademische Ausbildung

4. Berufstätigkeiten von Frauen
4.1. Weibliche Berufswelt im Nationalsozialismus
4.2. Weiblicher Arbeitseinsatz während des Krieges
4.3. „Unweibliche“ bzw. unmenschliche Berufstätigkeiten während des Krieges

Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Internet

Einführung

Heutzutage können die Frauen in Deutschland beliebige Berufe ergreifen, es bestehen normalerweise keine Beschränkungen bei dem Berufserwerb. Die Jugend ist sehr mobil und flexibel, jede junge Frau kann ihren beruflichen Weg selbst bestimmen und ihre Karriere autonom bauen. Dieses Recht mussten die Frauen aber jahrelang erkämpfen, insbesondere das Recht, öffentliche Berufe (z.B. im Bereich des Heilens und Pflegens sowie des Lehrens) erwerben zu dürfen.

Im Laufe der Geschichte bezogen sich die Aufgaben der Frauen auf andere Lebensbereiche als die der Männer. Während sich die Pflichten der Männer für den Staat und die Öffentlichkeit orientierten, besaßen die Frauen traditionell keine öffentlichen Funktionen, sondern waren immer in die Privatsphäre eingeschlossen. Das Zentrum des weiblichen Aufgabenbereichs bildeten hauswirtschaftliche Tätigkeit und Kindererziehung.[1]

Diese geschlechterspezifische Aufteilung wird mit der Zeit langsam gebrochen, und zwar mit der Entwicklung neuer Sozialtechnologien und der Mechanisierungen in der Arbeitswelt (z.B. Entstehung der Sozialarbeit, Erfindung der Schreibmaschine usw.). Durch diese Industrialisierungsprozesse und neue Aufgabenfelder wurden auch Frauen als Arbeitskräftepotential entdeckt. Bedingt dadurch bekamen die Frauen auch ihre öffentlichen Funktionen.

Das Ziel dieser Arbeit ist es, die weibliche Politik im Nationalsozialismus mit dem Akzent auf die berufliche Erziehung im BDM vorzustellen, Ausbildungsmöglichkeiten und übrige Arbeitsstellen von Frauen im Nationalsozialismus zu beschreiben, um dann die Konsequenzen zu ziehen, welche beruflichen Wege Frauen, insbesondere junge Frauen zu damaligen Zeiten auswählen konnten.

Als wesentliche Fragestellungen für diese Arbeit ergeben sich daher:

1. Auf welche Berufsbereiche hat der BDM mit seinen berufserzieherischen Konzeptrichtlinien die Mädchen gelenkt? Wie erfolgreich waren diese Maßnahmen?
2. Ob die Möglichkeit bestand, jeweils eine Berufskarriere für eine junge Frau aufzubauen?

Für eine Analyse dieser Fragestellungen ist es unerlässlich, einen Überblick in die Geschichte des BDM zu machen, um die wichtigsten Konzepte in ihrer Entwicklung darzustellen.

In diesem Zusammenhang ist es wichtig, zur Organisation der Schulungsarbeit zu übergehen, sowie zu den organisatorischen Strukturprinzipien des BDM innerhalb der HJ.

Aus der Geschichte wird es sich ergeben, dass bereits in den ersten Jahren nach der Machteinsetzung von einem neuen nationalsozialistischen Arbeitsethos[2] die Rede war. Aufgrund dieser Tatsache ist zu demonstrieren, wie diese Ideologie im BDM Widerspiegelung fand.

Es wird ein Überblick darüber gegeben, welche Wege in der Ausbildung und der Berufstätigkeit für die Frauen in der NS-Zeit wirklich möglich waren.

In der Zusammenfassung werden alle Ergebnisse und die Antworten auf die Fragen gegeben: Was hatten die Mädchen zwischen 18 und 30 Jahren vor? Welche Karrierenaussichten waren vorstellbar? Wo, auf welchen Gebieten waren die jungen Frauen tätig? Welchen Einfluss machte der Staat zusammen mit den staatlichen Organisationen wie z.B. der BDM? Welche berufliche Erziehung hat der BDM als ein Erziehungsbund gegeben? Welche Berufe waren besonders beachtet und in welchen Berufsrichtungen wurden häufig geschult?

1. Die erzieherischen Aufgaben des BDM in seiner Entwicklung

Aus der Geschichte ergibt es sich, welche Aufgaben der BDM zu erfüllen hatte, und wie sich diese Aufgaben mit der Zeit änderten.

Laut Kipp[3] wird die BDM-Geschichte in vier Perioden[4] untergliedert:

1. die Anfänge und „Kampfjahre“ (bis 1933),
2. die Zeitperiode 1933-1936[5],
3. die Zeit von 1936/1937 bis zum Kriegsbeginn 1939,
4. die Zeit des BDM-Kriegseinsatzes (bis 1945).

1.1. Die Anfänge und „Kampfjahre“ (bis 1933)

Ein genaues Gründungsdatum des BDM ist nicht bekannt. Nach offiziellen Darstellungen schlossen sich 1929 in Sachsen und München die ersten Mädchen zur „Schwesternschaft der NSDAP“ zusammen, später 1930 bildeten sie mit den nachfolgenden Mädchengruppen den „Bund Deutscher Mädchen in der Hitler-Jugend“. Und wenn Hitler in HJ seine „Kampfjugend“ sah, anders gesagt als Instrument zur Eroberung der politischen Macht, dann fiel dem BDM die Aufgabe zu, die „Kämpfer“ zu betreuen und für die „Bewegung“ zu werben.[6]

Die Bedeutung des BDM war um diese Zeit sehr gering. 1932 wurden voraussichtlich die Richtlinien für den BDM herausgegeben. Wie Klaus beschreibt, da wurde deutlich betont, „dass der BDM „keine Frauenemanzipation werden“ wolle […]. In den BDM sollten nun Mädchen […] in den Kükengruppen erfasst sein. Für diese Kükengruppen läge der Schwerpunkt auf der „kulturellen Erziehung“ (Heimatsage, Volkslied, -tanz, Theaterspiel usw.), während die älteren Mädchen politisch und weltanschaulich zu schulen wären. Als Ziel wurde genannt, die Mädchen „in unserem Bunde zu harmonischen Menschen“ heranzubilden; die Ausbildung von „Körper, Seele und Geist“ wurde bereits hier proklamiert“.[7] Zur typischen Ausbildung zählte zum Beispiel die Mithilfe bei der „Linderung der sozialen Not“[8]. Insgesamt war der BDM „eine Kampf-, Arbeits- und Lebensgemeinschaft“[9].

In diesen Richtlinien konnte man schon die späteren Grundzüge des BDM erkennen, wo die Entwicklung hauswirtschaftlicher Fähigkeiten und die zukünftige Mutterfunktion herausragende Betonung fanden. Die praktischen Aufgaben der Mädchen bestanden vorwiegend darin, wie gesagt SA-Männer und HJ-Jungen zu betreuen, Verwundete zu versorgen, Uniformen, Fahnen und Wimpel zu nähen. Die Mädchen halfen auch beim Verteilen von Flugblättern, beim Austragen von Zeitungen und ähnlichen Diensten.[10]

Abschließend lässt sich feststellen, dass sich der BDM im Jahre 1933 in Anfängen seiner Entwicklung befand. Die BDM-Arbeit war völlig von der HJ-Arbeit abhängig, und die wichtigsten Entscheidungen wurden immer noch von Männern getroffen.

1.2. Die Zeitperiode 1933-1936

Nach der Machtergreifung wurden solche pflegerischen und agitatorischen Dienste, die der BDM ausübte, überflüssig. Der BDM musste neue Aufgaben finden, und er hat sie gefunden. Der BDM wurde zu einem Erziehungsbund ausgerufen.[11] Der Schwerpunkt dieser zeitlichen Periode lag auf der inneren Entwicklung des BDM, der Gestaltung der Mädchenarbeit sowie der Werbung möglichst vieler Mädchen.

Innerhalb eines Jahres hatte der BDM sich stark vergrößert (1932 gab es 25.000 Mitglieder, 1933 – 600.000 Mitglieder[12]). Diese Änderung bedingte definitiv einen großen Bedarf an Führerinnen.

Inhaltlich wurden wie geplant die Änderungen vollzogen. Den Anordnungen des Reichsjugendführers nach sollte die BDM-Ausbildung zu einem Drittel der Zeit „geistiger Schulung“ und zu zwei Drittel „körperlicher Ertüchtigung“ gelten[13].

1934 wurde der BDM zur Mitarbeit am „Landjahr“ und am „hauswirtschaftlichen Jahr“ herangezogen; es wurden Mädellanddienstgruppen eingeführt, die Ernte- und Landhilfe intensiviert und Mädelumschulungslager errichtet. 1935 wurde für Jungen neben der Wehrpflicht auch Arbeitsdienstpflicht eingeführt; das Erziehungssystem hatte den Mädchen, die schon über 18 Jahre alt waren, dagegen noch die Freiräume gelassen. Seit 1936 fand auch eine gesteigerte Einbeziehung der Mädchen in den BDM statt.[14]

Die Institutionalisierung des HJ- und BDM-Aufbaus wurde im Dezember 1936 durch das HJ-Gesetz abgeschlossen. Diesem Gesetz nach lag die gesamte körperliche, geistige und sittliche Erziehung der Jugend außerhalb von Schule und Elternhaus allein bei der HJ.[15]

1.3. Die Zeit von 1936/1937 bis zum Kriegsbeginn 1939

Diese Periode wird durch den Ausbau der Ausbildungsanstalten für Führungspersonal gekennzeichnet. 1937 wurde das Führerschulungswerk der HJ eingerichtet. Errichtet wurden Reichsführerschulen, HJ-Akademie, Adolf-Hitler-Schulen. Innerhalb der BDM-Arbeit nahm die „hauswirtschaftliche Ertüchtigung“ neben Sport- und Kulturarbeit immer breiteren Raum ein. Von 1936 bis 1938 wurden die 14 BDM-Haushaltungsschulen auf 27 fast verdoppelt. Diese Maßnahmen standen im engen Zusammenhang mit der Einführung des „Hauswirtschaftlichen Pflichtjahres“ 1938 (wobei alle Angehörigen des BDM möglichst für 1 Jahr zur hauswirtschaftlichen Arbeit verpflichtet wurden), und der Realisierung des RAD für weibliche Jugend, die eine Behebung des Arbeitskräftemangels im haus- und landwirtschaftlichen Sektor bewirken sollten.[16]

[...]


[1] Vgl. die Geschlechterstudie von Leonie Wagner, in: Wagner, Leonie (1996): Nationalsozialistische Frauenansichten: Vorstellungen von Weiblichkeit und Politik führender Frauen im Nationalsozialismus. Frankfurt am Main.

[2] Vgl. Klaus, Martin (1998): Mädchen im Dritten Reich: der Bund Deutscher Mädel. Köln. S.63.

[3] Kipp, Martin (1995): Erkundungen im Halbdunkel: einundzwanzig Studien zur Berufserziehung in Pädagogik im Nationalsozialismus. Frankfurt am Main.

[4] Autorenkommentar: die ähnliche Untergliederung der „HJ-Historie“ findet man bei Martin Klaus in: Klaus, Martin (1998): Mädchen im Dritten Reich: der Bund Deutscher Mädel. Köln. S.81.

[5] Klaus bezeichnet diese Zeitperiode wie „die Zeit der Machtdarstellung von der „Machtergreifung“ 1933 bis zum Erlass des HJ-Gesetzes im Dezember 1936“, vgl. Klaus (1998), S.81.

[6] Vgl. Kipp (1995), S.157-158.

[7] Klaus (1998), S.86.

[8] Ebenda, S.86.

[9] Ebenda, S.86.

[10] Vgl. ebenda, S.87.

[11] Vgl. Kipp (1995), S.158.

[12] Vgl. Klaus (1998), S.95.

[13] Vgl. Kipp (1995), S.159.

[14] Vgl. Klaus (1998), S.97.

[15] Vgl. ebenda, S.98.

[16] Vgl. ebenda, S.99.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Berufliche Erziehung im BDM und Berufswelt der Frauen im Nationalsozialismus
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Veranstaltung
„Auch Du gehörst dem Führer“ – Mädchen im Nationalsozialismus
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
21
Katalognummer
V83954
ISBN (eBook)
9783638004374
ISBN (Buch)
9783638914079
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Berufliche, Erziehung, Berufswelt, Frauen, Nationalsozialismus, Führer“, Mädchen, Nationalsozialismus
Arbeit zitieren
Alexandra Reichel (Autor), 2006, Berufliche Erziehung im BDM und Berufswelt der Frauen im Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83954

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