Die Etablierung der Kalmarer Union und die Folgen für die drei skandinavischen Staaten

Mit Ausblick bis zur Gegenwart


Seminararbeit, 2007

25 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Kalmarer Union
1.1 Margarete I. ordnet die unklaren Erbansprüche in Skandinavien
1.2 König Erich etabliert einen neuen Regierungsstil in Skandinavien – Der Weg in eine Zentralregierung?
1.2.1 Das neue „Reichssiegel“ als Bindeglied
1.2.2 Die Verwaltungsstruktur in der Kalmarer Union bringt wirtschaftlichen Aufschwung, außenpolitisches Ansehen und innenpolitische Unruhen
1.2.3 Erichs Herrschaft unterliegt einem Wendepunkt

2. Ein pommerscher Bayer auf dem Unionsthron

3. Die Oldenburger „Dynastie“ in Skandinavien
3.1 Christian I. von Oldenburg
3.2 Johann I

4. Das Blutbad von Stockholm und der letzte Unionskönig

5. Ausblick
5.1 Der Kampf um die Hegemonie im Ostseeraum
5.2 Der Skandinavismus
5.3 Der beginn der Neutralitätspolitik
5.4 Die Zusammenarbeit im 20. Jahrhundert – ein kurzer Überblick

6. Abschlussbetrachtungen

7. Bibliographie

Einleitung

Die wohl bekannteste Union der nordischen Staaten ist die Kalmarer Union (1397). Die Verbindung der Staaten Dänemark, Norwegen und Schweden wurde in einer Personalunion vollzogen. Der Herrscher konnte aus jedem Königshaus der drei Staaten stammen. Die "große Allianz" der skandinavischen Königreiche wurde durch Handels- und Interessenkonflikte mit der Hanse auf eine große Probe gestellt.[1] Letztendlich konnte sich das schwedische Reich unter Gustav Vasa aus der Union befreien und für einige Zeit zu einer europäischen Großmacht avancieren. Es gab aber nicht nur diese bedeutende Union sondern auch später bis in unsere Zeit hinein Verträge und Vereinigungen der skandinavischen Staaten. Schweden und Dänemark unterstützen einander zeitweise im Dreißigjährigen Krieg, erklärten im Ersten Weltkrieg ihre Neutralität, bauten ein Verteidigungsbündnis auf, bildeten den Nordischen Rat und trafen Wirtschaftsabkommen. Die Zusammenarbeit im Norden ist bis heute noch nicht unterbrochen. Einige Krisen und Rückschläge mussten die Bündnispartner hinnehmen und ihre Politik der Gegenwart anpassen. Viele politische und soziale Umbrüche in Nordeuropa wurden Vorbilder für die Politik auf dem europäischen Festland. Erst vor kurzem wurde in Kalmar die 600 Jahrfeier der Kalmarer Union begangen.[2]

Alle drei Länder blicken mit verschiedenen Erinnerungen auf die Union zurück. Die Dänen verbinden mit der Auflösung des Bundes 1532 durch den Aufstand Gustav I. Vasa auch den Verlust des Status einer Großmacht. Für Schweden war das Ende der Union also eher ein Befreiungsschlag und der Schritt zur "politischen Emanzipation". Auch Norwegen konnte erst 1905 die Souveränität gegenüber Dänemark behaupten.

Im 19. Jahrhundert scheinen die Auseinandersetzungen zwischen Dänemark und Schweden eher nebensächlich gewesen sein. Die Schweden unterstützen ihre Nachbarn im Kampf um Schleswig/ Holstein und im 20.Jahrhundert finden sich Vereinigungen wie der Nordische Ministerrat, die Nordische Interparlamentarische Union oder die Nordeuropäische Wirtschaftsorganisation.[3]

Das Ziel dieser Arbeit ist es, die nordische Zusammenarbeit von der Kalmarer Union bis zu ausgewählten gegenwärtigen Ereignissen aufzuzeigen. Dabei geht es um die gegenseitige Einflussnahme bzw. Wechselwirkungen zwischen den skandinavischen Staaten und dem europäischen Festland.

1. Die Kalmarer Union (1397-1523)

1.1 Margarete I. ordnet die unklaren Erbansprüche in Skandinavien

Der erste König der Kalmarer Union war Erich der Pommer. Die Bezeichnung Kalmarer Union entstand durch das gemeinsame Treffen von Repräsentanten in Kalmar zur Beschließung einer politischen Union.[4] Durch Gebietserweiterungen vom 11. bis 13. Jahrhundert gehörten neben Schweden, Dänemark und Norwegen auch die heutigen Gebiete Finnland, Island sowie die Farörinseln zu dem Bund.

Die Notwendigkeit einer politischen Vereinigung der Reiche war das Resultat einer undurchsichtigen Heirats- und Erbschaftspolitik zwischen den Herrscherhäusern Norwegens, Schwedens und Dänemarks.

Waldemar IV. Atterdag war mit Hedwig von Schlesien verheiratet. Aus ihrer Ehe gingen die Töchter Ingeborg von Dänemark und Margarete I. hervor. Waldemar war bis 1375 König von Dänemark. Seine erste Tochter Ingeborg wurde mit Heinrich III. von Mecklenburg vermählt. Ihre Kinder waren Maria und Albrecht von Mecklenburg. Waldemar wählte Albrecht von Mecklenburg zu seinem Nachfolger. Albrecht war aber schon seit 1364 König von Schweden. Waldemars Tochter Margarete wurde mit Hakon VI. Magnusson verheiratet.[5] Dessen Vater Magnus Eriksson war bis 1364 König von Schweden gewesen. Aus der Ehe zwischen Hakon VI. und Margarete I. ging Olav Hakonsson hervor. Nachdem Waldemar IV. verstorben war, versuchte Margarete I. ihre Sohn Olav Hakonsson zum dänischen König zu machen. Sie wollte damit verhindern, dass der Sohn ihrer Schwester Ingeborg, Albrecht von Mecklenburg, den Thron bestieg. Im Alter von 6 Jahren wurde Olav mit Billigung des Adels zum dänischen König ernannt.[6] Er trat 1380 die Nachfolge von Magnus Eriksson an und wurde König von Norwegen. Albrecht von Mecklenburg hingegen regierte danach in Schweden. Die Schweden waren mit der Regierung Albrechts unzufrieden. Zu viele Deutsche nahmen Schlüsselpositionen in der Regierung ein. Man befürchtete, dass die Einheimischen bald unter einer "Fremdverwaltung" stehen würden. Olav Eriksson versuchte Schweden zu unterwerfen doch er verstarb ehe er das Projekt durchsetzen konnte.

An dieser Stelle traten die Mecklenburger auf den Plan. Sie wollten ihre Erbansprüche auf den dänischen und auch auf den norwegischen Thron geltend machen. Eine Stärkung der mecklenburgischen Macht von Schweden über Dänemark und Norwegen war aber unerwünscht. Margarete ergriff die Initiative und reiste 1387 zu den Landesthingen. Dort wurde sie als Königin bestätigt.

Da Albrecht von Mecklenburg aus einem alten norwegischen Königsgeschlecht stammte, hätte ihm die norwegische Krone zugestanden. Die Ablehnung des Mecklenburgers auf dem schwedischen Thron ermöglichte es, dass Margarete bereits 1388 auch in Norwegen als Königin anerkannt wurde.[7] Im gleichen Jahr beriefen die Oppositionsführer in Schweden Margarete als "Schwedens bevollmächtigte Frau und rechte Hausherrin auf Lebenszeit."[8] In der Schlacht von Falköping wurde Albrecht von Margarete gefangen genommen und alle drei skandinavischen Reiche waren zum ersten Mal unter einer Herrscherin vereint.[9] Nach dem Tod ihres Sohnes Olav Hakonsson hatte Margarete keine weiteren leiblichen Nachkommen. In Betracht kamen nur ihr Neffe Albrecht von Mecklenburg, den sie gerade besiegt hatte und der Enkel ihrer Schwester Ingeborg, Erich von Pommern. Auch die Norweger lehnten die Berufung Albrecht kategorisch ab. Sie wollten die eigenen Interessen in Norwegen vertreten sehen. Der norwegische Adel missachtete die strengen bestehenden Erbfolgegesetze und machte Erich zum Nachfolger Margarete I. auf dem norwegischen Thron.[10] Bereits 1389 wurde Erich nach Dänemark gebracht und von Margarete erzogen. Sie blieb in Schweden und Dänemark Reichsvorsteherin, überließ Erich aber schon die Regentschaft.[11] Die eigentliche Thronbesteigung Erich von Pommerns wurde am 13.06.1397 in Kalmar vollzogen. In der Gründungsurkunde steht geschrieben:

Alle diese drei Reiche, Dänemark, Schweden und Norwegen, haben mit rechter Eintracht, Einigkeit, Liebe und gutem Willen [...] unseren hochgeborenen und würdigen Fürsten [...] Herrn König Erich als rechten Herrn und König über alle diese drei Reiche angenommen, gewählt und empfangen sodann [...] hier in Kalmar [...] gekrönt und auf den königlichen Thron über diese drei Königreiche gesetzt [...].[12]

Die Krönung von König Erich wurde von 67 Adeligen in einem Krönungsbrief bestätigt, in dem sie ihm auch völlige Treue schwören. Des weiteren wurde der Gründungsbrief verfasst. In ihm wird die Verbindung der drei Reiche unter einer Königsmacht besiegelt.[13]

Ziel der Union war das friedliche Zusammenleben der drei Völker und die Möglichkeit des Herrschers innen- und außenpolitisch freie Hand zu haben:

Hiermit soll aller Fehde und Zwietracht, die zwischen den reichen hier seit langen Zeiten bestanden, niedergelegt und nie mehr aufgenommen oder hervorgebracht werden, nie wieder ein Reich gegen das eine oder andere Krieg führen und nichts hervorkommen, woraus Krieg oder Uneinigkeit entstehen könnte.[14]

Der König war nun das gewählte Bindeglied zwischen den drei skandinavischen Nationen. Die Vertreter aus allen drei Ländern beschlossen, dass „erstens diese drei Reiche diesen König haben, das ist König Erich zu seinen Lebzeiten; danach und auf ewig sollen diese drei Reiche einen König – und nicht mehrere – über diese drei Reiche haben.“[15]

1.2 König Erich etabliert einen neuen Regierungsstil in Skandinavien – Der Weg in eine Zentralregierung?

1.2.1 Das neue „Reichssiegel“ als Bindeglied

Um Verfügungen und amtliche Vorgänge offiziell zu machen ist es vor allem im Mittelalter Gang und Gebe ein Siegel zu nutzen. Erst die Anbringung eines Siegels an einem Schriftstück beweist die Vollziehung oder Beglaubigung.

„Das Siegel ist also ein Erkennungs- und Beglaubigungszeichen. Um als solches verwendet werden zu können, bedarf es zweier Vorraussetzungen: einmal, dass das Siegelbild eine ganz bestimmte Persönlichkeit (den Siegelinhaber) zweifelsfrei bezeichnet, mithin eine einmalige Formgebung zeigt, zum andern, dass es ausschließlich von jenem Inhaber gebraucht wird. Dagegen verstoßen die beiden Siegelverbrechen der „Siegelfälschung“ und der „Siegelanmaßung“. Ihre besonders strenge Ahnung ist also notwendig, um dem Siegel die hohe rechtliche Qualität zu sichern, die es seit dem Mittelalter bis heute besitzt.“[16]

Jedes der Reiche besaß ein eigenes Siegel, dass von König und Reichsrat genutzt wurde um staatliche Verfügungen zu bestätigen. Nebenher besaßen die Könige mehr oder weniger private Siegel, um Privilegien oder Erlässe ihres eigenständigen Bestimmungsbereiches zu beurkunden. Zum ersten Mal in der skandinavischen Geschichte war es notwendig geworden, ein „gesamtterritoriales“ Siegel einzusetzen. Auf der einen Seite war Erich pommerscher Herkunft und musste um sich auszuweisen, sein Stammland in seinem Siegel vereinigen. Auf der anderen Seite war er der König, der in allen drei nordischen Reichen die Insignien der Macht in der Hand hielt. So war es nur logisch, dass er die für die Länder typischen Wappenelemente in sein Siegel aufnahm. Die Schaffung eines einzigen Siegels war zudem auch ökonomisch sinnvoll. Da die neuen Gesetze zumeist gleichzeitig in allen drei Reichen Gültigkeit besitzen sollten, der König aber nicht ständig durch seine Länder reiste, um mit den dortigen Kronräten die Gesetze zu beglaubigen, nutze Erich sein Privatsiegel. Auf diese Weise stärkte er seine Rolle als mächtiger Herrscher und erhöhte seine Privilegierung und Legitimation.

Erich vereinigte in seinem königlichen Siegel seine vier Hoheitsgebiete. In einem kreuzgeteilten Schild sind im ersten Feld Dänemarks drei Löwen abgebildet, im zweiten Feld drei Kronen für die drei Reiche Dänemark, Norwegen und Schweden, im dritten Feld der Folkunger Löwe und im Vierten Feld der pommersche Greif. Im Herzschild der Siegel ist der norwegische Löwe abgebildet.[17] Das Majestätssiegel bzw. das persönliche Siegel Erichs von Pommern wurde für fast jede königliche oder amtliche Urkunde in den drei Reichen verwendet und gilt als das Symbol für das Bestreben eine Zentralgewalt zu errichten.[18]

[...]


[1] Krüger, Kerstin: Die Unionsakten der Jahre 1397, 1436 und 1438, In: huru thet war talet j kalmarn. 600 Jahre Kalmarer Union, hrsg. v. H. Wernicke/ D. Kattinger/ D. Putensen, Hamburg 1992², S. 153.

[2] Putensen, Dörte: Nordische Zusammenarbeitsbestrebungen im 19. und 20. Jahrhundert: In: huru thet war talet j kalmarn. 600 Jahre Kalmarer Union, hrsg. v. H. Wernicke/ D. Kattinger/ D. Putensen, Hamburg 1992², S. 392ff.

[3] Ebenda, S. 403f.

[4] Kattinger, Detlef: Schweden am Vorabend der Kalmarer Union: In: huru thet war talet j kalmarn. 600 Jahre Kalmarer Union, hrsg. v. H. Wernicke/ D. Kattinger/ D. Putensen, Hamburg 1992², S.49.

[5] Ebenda, S. 54.

[6] Opahl, Erik: Norwegen 1319-1397: ein „willenloser Trabant“ der Nachbarländer?: In: huru thet war talet j kalmarn. 600 Jahre Kalmarer Union, hrsg. v. H. Wernicke/ D. Kattinger/ D. Putensen, Hamburg 1992², S. 83.

[7] Kattinger, Detlef: Schweden am Vorabend der Kalmarer Union: In: huru thet war talet j kalmarn. 600 Jahre Kalmarer Union, hrsg. v. H. Wernicke/ D. Kattinger/ D. Putensen, Hamburg 1992², S.79.

[8] Linton, S. 168

[9] Kattinger, Detlef: Schweden am Vorabend der Kalmarer Union: In: huru thet war talet j kalmarn. 600 Jahre Kalmarer Union, hrsg. v. H. Wernicke/ D. Kattinger/ D. Putensen, Hamburg 1992², S. 71.

[10] Opahl, Erik: Norwegen 1319-1397: ein „willenloser Trabant“ der Nachbarländer?: In: huru thet war talet j kalmarn. 600 Jahre Kalmarer Union, hrsg. v. H. Wernicke/ D. Kattinger/ D. Putensen, Hamburg 1992², S. 149ff.

[11] Krüger, Kerstin: Die Unionsakten der Jahre 1397, 1436 und 1438, In: huru thet war talet j kalmarn. 600 Jahre Kalmarer Union, hrsg. v. H. Wernicke/ D. Kattinger/ D. Putensen, Hamburg 1992², S. 154.

[12] Ebenda, S. 154.

[13] Ebenda, S. 153f.

[14] Ebenda, S. 156f.

[15] Krüger, Kerstin: Die Unionsakten der Jahre 1397, 1436 und 1438, In: huru thet war talet j kalmarn. 600 Jahre Kalmarer Union, hrsg. v. H. Wernicke/ D. Kattinger/ D. Putensen, Hamburg 1992², S. 154f.

[16] Brandt, Ahasver von: Werkzeug des Historikers. Eine Einführung in die Historischen Hilfswissenschaften, Stuttgart 200717, S. 133.

[17] Bartholdy, Georg: Der macht- und dynastiepolitische Inhalt der dänischen Königswappen, In: Internationaler Kongreß für Genealogie und Heraldik, Staaten, Wappen, Dynastien, XVIII. Internationaler Kongreß für Genealogie und Heraldik in Innsbruck vom 5.-9. September 1988, Innsbruck 1988, S. 93ff.

[18] Olesen, Jens E.: Erich von Pommerns Alleinherrschaft 1412-1439/40: In: huru thet war talet j kalmarn. 600 Jahre Kalmarer Union, hrsg. v. H. Wernicke/ D. Kattinger/ D. Putensen, Hamburg 1992², S. 210.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die Etablierung der Kalmarer Union und die Folgen für die drei skandinavischen Staaten
Untertitel
Mit Ausblick bis zur Gegenwart
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Historisches Institut - Nordische Geschichte)
Veranstaltung
Nordische Unionen 1319-1905
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
25
Katalognummer
V84047
ISBN (eBook)
9783638004602
ISBN (Buch)
9783638912334
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Etablierung, Kalmarer, Union, Folgen, Staaten, Nordische, Unionen
Arbeit zitieren
Sebastian Putzier (Autor), 2007, Die Etablierung der Kalmarer Union und die Folgen für die drei skandinavischen Staaten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84047

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