Mit seinem Beitritt zur Europäischen Union am 1. Mai 2004 ist Polens Landwirtschaft in eine neue Dimension vorgedrungen: einerseits ist nun der Zugang zu Fördergeldern, zu technischer und wirtschaftlicher Hilfe wesentlich einfacher möglich als zuvor. Andererseits hat sich die Konkurrenzsituation für die polnischen Betriebe aber nochmals verschärft. Es sind sowohl Chancen, als auch Risiken für den Agrarsektor Polens mit dem EU Beitritt verbunden. Erleichtert wurde die Anpassung an die EU Normen sicherlich durch die umfassende Transformation seit 1990, weshalb innerhalb der vorliegenden Arbeit die historische Entwicklung der Landwirtschaft Polens kritisch dargestellt werden soll, um am Ende ein prägnantes Fazit der genutzten und verpassten Chancen zu erlauben. Fokus der Arbeit soll hierbei die Wojewodschaft Niederschlesien sein. Deshalb wird zu Beginn die Verwaltungsreform von 1990 kurz vorgestellt, um die räumliche Eingrenzung des Untersuchungsraumes zu verdeutlichen.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Eingrenzung des Untersuchungsraumes
III. Natürliche Grundlagen der Agrarproduktion in Polen
1. Klima
2. Böden
3. Relief
4. Bevölkerungsdichte
IV. Historische Entwicklung des Agrarsektors
1. Der Agrarsektor vor der Transformation
2. Der Agrarsektor in der Transformationsphase
3. Veränderungen durch den EU- Beitritt
4. Aktuelle Problemfelder
V. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die gegenwärtige Situation der polnischen Landwirtschaft im Kontext der politischen und wirtschaftlichen Transformation seit 1990 sowie dem EU-Beitritt. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, wie sich die Agrarstrukturen unter dem Einfluss veränderter ökonomischer Rahmenbedingungen gewandelt haben, welche Chancen und Risiken daraus für den Agrarsektor entstanden sind und wie sich die regionale Ausprägung, beispielhaft dargestellt an der Wojewodschaft Niederschlesien, verhält.
- Historische Phasen der polnischen Agrarwirtschaft und der Strukturwandel
- Natürliche Standortfaktoren der landwirtschaftlichen Produktion in Polen
- Auswirkungen der Verwaltungsreform und Bedeutung der regionalen Gliederung
- Herausforderungen der Transformation und Folgen für den Agrarsektor
- Wirtschaftliche Implikationen des EU-Beitritts für die Landwirtschaft
Auszug aus dem Buch
2. Der Agrarsektor in der Transformationsphase
Mit dem Wechsel von der Planwirtschaft zur Marktwirtschaft wurde auch der Agrarsektor in Polen einem radikalen Wandel unterzogen. Jener wurde mit der so genannten „Schocktherapie“ eingeführt, d.h., dass es keine wesentlichen Fristen zur Einführung der Marktwirtschaft gab, sondern alles von einem Tag auf den anderen geändert werden sollte. Verständlicherweise gab es daher in den Jahren 1990 und 1991 für die Betriebe einige Schwierigkeiten zu bewältigen, wobei das vordringlichste eine Revidierung der Verschlechterung der Terms of Trade war. Weil durch die Transformation die Preise im allgemeinen stark anstiegen, aber die Produktionsfaktorenpreise schneller als die Verkaufserlöspreise, ging das Realeinkommen der Landwirte in den beiden Jahren um 60 % zurück.
Hierbei spielte auch eine Rolle, dass die (garantierte) Nachfrage der ehemaligen RGW- Länder zum Großteil wegfiel, und zudem Konkurrenzprodukte aus dem Westen plötzlich auf dem polnischen Markt erhältlich waren. Jene wurden als qualitativ höherwertig angesehen und daher von den Konsumenten bevorzugt erstanden. Um diesem enormen Einschnitt für die Betriebe etwas erträglicher zu gestalten, ging die Regierung dazu über, auf einzelne Produkte Schutzzölle und Subventionsmaßnahmen einzuführen. Dies ist aus marktliberaler Sicht zwar eindeutig ein Nachteil, aber aus dem Wissen um die teilweise enorm protektionistische Haltung der EU in Agrarfragen, nur zu verständlich („Festung Europa“).
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Einführung in das Thema der polnischen Landwirtschaft im Transformationsprozess und im Kontext des EU-Beitritts mit Fokus auf Niederschlesien.
II. Eingrenzung des Untersuchungsraumes: Beschreibung der polnischen Verwaltungsreform von 1999 und der räumlichen Definition der Wojewodschaft Niederschlesien.
III. Natürliche Grundlagen der Agrarproduktion in Polen: Untersuchung der klimatischen, pedologischen, topographischen und demographischen Voraussetzungen für die Agrarwirtschaft.
IV. Historische Entwicklung des Agrarsektors: Analyse der Entwicklung vom sozialistischen Agrarsystem über die Transformationsphase bis hin zu den Folgen der EU-Integration und den aktuellen strukturellen Problemen.
V. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der wirtschaftlichen Bedeutung der Landwirtschaft und der Notwendigkeit eines weiteren Strukturwandels.
Schlüsselwörter
Polen, Agrarwirtschaft, Transformation, Niederschlesien, EU-Beitritt, Landwirtschaft, Agrarstruktur, Strukturwandel, Planwirtschaft, Marktwirtschaft, Verwaltungsreform, regionale Disparitäten, Subsistenzbetriebe, Außenhandel, Agrarpolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung der polnischen Landwirtschaft, insbesondere die Veränderungen durch den Systemwechsel von der Plan- zur Marktwirtschaft sowie den Beitritt Polens zur Europäischen Union.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die natürlichen Standortbedingungen, der historische Wandel der Agrarstrukturen, die Auswirkungen der Verwaltungsreform sowie die wirtschaftlichen Folgen der EU-Integration für die bäuerlichen Betriebe.
Welches Ziel verfolgt die Untersuchung?
Das Ziel ist es, den historischen Transformationsprozess der Landwirtschaft kritisch aufzuarbeiten und die daraus resultierenden Chancen und verpassten Möglichkeiten für die Agrarwirtschaft zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven Analyse von Daten zur Agrarstruktur, unter Einbeziehung geographischer und historischer Perspektiven sowie der Auswertung aktueller Statistiken und Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der natürlichen Produktionsbedingungen, eine historische Einordnung der Agrarentwicklung (vor, während und nach der Transformation) sowie eine Diskussion aktueller struktureller Probleme wie Infrastruktur und Betriebsgrößen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Transformation, Agrarstruktur, Niederschlesien, EU-Beitritt, regionale Disparitäten, Strukturwandel und ökonomische Wettbewerbsfähigkeit.
Warum spielt die Wojewodschaft Niederschlesien eine besondere Rolle?
Niederschlesien wird als Untersuchungsraum genutzt, da es aufgrund seiner klimatischen Bedingungen und seiner historischen Genese eine Sonderstellung in der polnischen Agrarlandschaft einnimmt und als Gewinner der jüngsten Entwicklung gilt.
Welche Rolle spielt der familiäre Kleinbetrieb in Polen?
Der Kleinbetrieb fungierte in allen Transformationsphasen als „soziales Auffangbecken“ und Notlösung, was jedoch die notwendige Konsolidierung und den Strukturwandel erschwert.
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- Johannes Ohnmacht (Author), 2006, Agrarstrukturen in Niederschlesien bzw. Polen im Kontext der Transformation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84285