Geschichte, Baulichkeiten und Ausstellungsstücke des Franziskanerklosters St. Katharinen zu Lübeck


Hausarbeit, 2006

18 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Geschichte des Klosters

3. Die Klostergebäude

4. Die Katharinenkirche
4.1. Innen- und Außenbau
4.2. Chor
4.3. Langhaus
4.4. Grabkapellen

5. Ausstellungsstücke
5.1. Chorgestühl
5.2. Triumphkreuzgruppe
5.3. Gemälde und Epitaphien
5.4. Grabplatten

6. Schlusswort

7. Literaturverzeichnis

8. Abbildungsverzeichnis

1. Einführung

Der Orden der Franziskaner wurde zwischen 1206 und 1209 vom Heiligen Franziskus gegründet, er lebte von 1182 bis 1226 und war der Sohn eines italienischen Kaufmanns in Assisi. Nach einem Bekehrungserlebnis beschloss er, ein Leben in Armut zu führen, zunächst allein, schließlich mit einer kleinen Zahl von Anhängern. Es entstand der Bettelorden der Franziskaner, dessen Regeln 1210 vom Papst anerkannt wurden.

Von Italien aus, wo der Hauptwirkungsbereich dieses Ordens lag, fand er in ganz Europa Ausbreitung. Seine Brüder siedelten vor allem in den Randbereichen der mittelalterlichen Städte, aufgrund der Tatsache, das hier genügend Baugrund für ihre Klosterbauten vorhanden war. Sie übernahmen vor allem seelsorgerische Aufgaben und Aufgaben der Schulbildung, woran ihre Hauptmerkmale fest gemacht werden können, der Verzicht auf Besitz und das Eintreten für Arme und Schwache. Für ihre Kirchenbauten favorisierten sie meist als Hallen angelegte, querhauslose Predigträume, mit Verzicht auf Wölbungen, was später jedoch nicht mehr eingehalten wurde, und Türme. Die Mönchschöre schlossen polygonal und waren durch einen Lettner vom Langhaus abgetrennt.

1221 traten die Franziskaner zum ersten Mal in Deutschland auf, drei Jahre später in Lübeck, wo sie bald begannen ihre Klosteranlage aufzubauen. Die Katharinenkirche, die heute noch einzig erhaltene Klosterkirche in Lübeck, zählt zu den bedeutendsten Zeugnissen norddeutscher Backsteinarchitektur und gehört zu den beeindruckendsten Kirchen Lübecks. Aufgrund ihrer eigenwilligen Gestaltung und Baulichkeit, hebt sie sich deutlich unter den Bettelordenskirchen hervor. Besonders hervorzuheben ist hier die Anlage eines Querhauses, was seit der Mitte des 13. Jahrhunderts in deutschen Bettelordenskirchen nicht mehr vorkommt.1) Sie ist die einzige Kirche der einstigen vier Klöster in Lübeck, die die Jahrhunderte ohne große Schäden überstanden hat und durch Eingriffe der Neuzeit kaum verändert wurde.

Die Klostergebäude haben in der Neuzeit viele Veränderungen erfahren, in ihnen wurde mit der Durchführung der Reformation das heutige Katharineum, Lübecks ältestes Gymnasium, eingerichtet. Mit der Zusammenlegung der Bibliotheken der vier Lübecker Hauptkirchen im 17. Jahrhundert, in den Klosteranlagen, fand die Stadtbibliothek neue Räumlichkeiten.

2. Geschichte des Klosters

Im Jahre 1225, noch zu Lebzeiten des Heiligen Franz von Assisi, erhielten die Franziskaner Land vom Rat der Stadt Lübeck, nach einer chronikalischen Notiz aus dem letzten Viertel des 14. Jahrhunderts zu schließen. „In deme vorbenomden jare do ward ghegheven den broderen van sunte Katherinen de stede to Lubeke in deme sulven jare dat closter, en jar vor deme dode sancti Francisci, also de privilegia utwisen, de dar up de vryheit der stede sint ghegeheven.“2) Im selben Jahr begannen die Franziskaner mit dem Bau ihres Klosters in Lübeck. Über das Aussehen dieser in den nächsten Jahren entstandenen Klosteranlage ist nichts bekannt. Wahrscheinlich stand dieser Bau ganz im Zeichen der spätromanischen Backsteinarchitektur Ostholsteins, wie es auch beim Burgkloster der Dominikaner in Lübeck der Fall war.3) Erst 1256 wird das Katharinenkloster wieder erwähnt. Kloster und Kirche sind fertig gestellt, da erwerben die Mönche des Klosters ein östlich an die Kirche angrenzendes Grundstück, wahrscheinlich im Hinblick auf eine geplante Erweiterung des Klosters.4) Die erste Klosteranlage wurde ab 1300 beginnend mit der Kirche erneuert. 1335 wurde mit dem Bau des neuen Langhauses begonnen, dies beweist eine Tafel in seiner Westfassade.

Das Pestjahr 1350, in welchem die Lübecker Bürger dem Kloster reichliche Zuwendungen für das Lesen der Seelenmessen und für Hilfe in der Notzeit zukommen ließen, ermöglichte ab 1351 einen schnellen Bauablauf für denn Umbau der Klosteranlage.

Zwei Jahre später müssen bereits große Teile der Klosteranlage fertig gestellt gewesen sein, was eine Bauinschrift im westlichen Flügel des großen Kreuzganges beweist. Das 1356 abgehaltene Ordenskapitel der Franziskaner in Lübeck beweist im Wesentlichen den Abschluss der Bauarbeiten am Kloster. Aufgrund der großen Beteiligung an diesem Kapitel, hätten die Franziskaner wohl kaum ein solches in einem halbfertigen Kloster veranstaltet, da es nicht über die entsprechenden Kapazitäten verfügt hätte, eine so große Zahl von Mönchen aufzunehmen.5) Über die folgenden Jahre finden sich zahlreiche Berichte über den Ausbau der

Klosterkirche, ihre Kapellen und ihre Ausstattungsstücke. 1499 brannte das zum Kloster gehörende Brauhaus ab, welches aber ein Jahr später wieder neu errichtet wurde.

Innerhalb des Franziskanerordens hatte das Lübecker Kloster eine beachtliche Stellung. Es war der Hauptsitz der Kustodie Lübeck, zu welcher die Klöster Lübeck, Rostock, Wismar, Stralsund, Greifswald, Parchim, Schwerin und Riga gehörten. Zum Kloster gehörte auch eine Ausbildungsstätte für junge Kleriker, der ein lector oder Lesemeister vorstand.

Mit dem Einzug der Reformation, endete auch die Geschichte der Franziskaner in Lübeck. Der Reformator Johann Bugenhagen wurde 1531 vom Rat der Stadt mit der Durchführung der Reformation in Lübeck beauftragt. Er wandelte das Franziskanerkloster in eine städtische Lateinschule um. Die Mönche verließen es oder traten zum neuen Glauben über. Der letzte von ihnen, Gerhard von Utrecht, verließ 1542 das Kloster. Die Klosterkirche wurde jedoch weiter als Gotteshaus genutzt, was die zahlreichen Grabplatten und die erst im 18. Jahrhundert zum Teil zu prächtigen Grabstätten ausgebauten Kapellen am südlichen Seitenschiff beweisen. Sie blieb bis 1806 in Benutzung.

In den Jahren 1617-1620 wurde das ehemalige Dormitorium zur Stadtbibliothek ausgebaut, in welcher die Klosterbibliothek und die Bestände der Bibliotheken der vier Lübecker Hauptkirchen vereinigt wurden.

Während der napoleonischen Besatzung zwischen 1806 und 1813 wurden die Kirche und die Schulräume als Lazarett benutzt. Nach Abzug der Franzosen wurde die Kirche als Lagerhaus genutzt. 1920 wurde sie als Museum für Abgüsse lübischer Plastiken, die sich an Standorten außerhalb der Stadt befanden, verwendet.

Die Klostergebäude durchliefen in der nachmittelalterlichen Zeit zahlreiche Veränderungen, sie wichen 1880 teilweise einem Neubau der Schule, dem Katharineum, und der Bibliothek.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Klostergebäude wurden ab 1351 neu errichtet. Noch heute existieren bedeutende Bauteile, die heute das Schulgebäude des Katharineums und die Stadtbibliothek beherbergen.

Die Gebäude sind um zwei rechteckige Höfe (Abb. 1, Nr. 3 und 5) geordnet. Der große Hof ist von einem zweigeschossigen Kreuzgang umgeben. Seine drei Flügel im Osten, Westen und Süden werden von quadratischen Kreuzrippengewölben auf einfachen Konsolen umschlossen, sie sind zum Teil mit runden, laubwerks-geschmückten Schlusssteinen versehen. Der kleine Hof hat zwei schmale Kreuzgänge im Osten und Norden, der nördliche schließt sich direkt an den südlichen des großen Hofes an.

Im Westflügel blieb das Obergeschoss in seiner alten Form bestehen. Im Ostflügel wurde hier ein durchgehendes Segmenttonnengewölbe eingezogen, indessen es im Südflügel völlig umgebaut wurde.

Die Hoffronten sind zwischen den Strebepfeilern mit spitzbogigen Fenstern ausgestattet, die besonders in den Obergeschossen neuzeitliche Veränderungen erfahren haben.

Um die Kreuzgänge sind die Klosterbauten angeordnet, von denen der gesamte Ostflügel erhalten geblieben ist. In seinem Untergeschoss lag der Kapitelsaal (Abb. 1, Nr. 2), der in ein gleich neben der Kirche sich befindenden, einjochigen Raum, die Sakristei; drei quadratische Einzelräume mit Kreuzrippengewölben über runden Mittelstützen und einen Durchgang zum äußeren Hof gegliedert ist. Das Obergeschoß des Ostflügels, in welchem von 1616 bis 1620 die Stadtbibliothek eingerichtet wurde, diente ursprünglich als Dormitorium, ein neunjochiger Raum, der mit einem Kreuzrippengewölbe überspannt ist.

Um den kleinen Hof gliedert sich südlich im Untergeschoss das ehemalige Refektorium (Abb. 1, Nr. 6), das zu Schulzwecken einmal unterteilt wurde. Heute wird der zweischiffige, aus fünf Jochen bestehende Raum als Musiksaal genutzt, das Kreuzgewölbe des Raumes wird von schlanken runden Stützen mit Knollenkapitellen getragen. Im Westflügel befindet sich ein zum Wirtschaftsteil gehörender gewölbter zweijochiger Saal (Abb. 1, Nr. 7), dessen Mittelstützen teilweise in neuere Zwischenwände vermauert sind.

4. Die Katharinenkirche

4.1 Innen- und Außenbau

Über das Aussehen des spätromanischen Vorgängerbaus der Katharinenkirche ist so gut wie nichts bekannt. Ihren Platz nahm die heute noch vorhandene gotische Kirche ein. Diese ist eine dreischiffige, mit neun Jochen versehene gewölbte Backsteinbasilika. Ihr Chor schließt im Osten mit einem 5/8 Polygon. Sie nimmt unter den Bettelordenskirchen der Hochgotik eine besondere Stellung ein, zum einen durch ihre edle Formgebung, zum anderen durch ihre eigenwillige Raumgestaltung.6) Ihr zweischiffiges Querhaus ist eine Besonderheit und einzigartig unter den Bettelordenskirchen.

[...]


1)Böker, Die Mittelalterliche Backsteinarchitektur Norddeutschlands, S. 123

2) Jaacks, St. Katharinen zu Lübeck Baugeschichte einer Franziskanerkirche (1968), S. 10

3) Wilde, Die Katharinenkirche in Lübeck, S. 2

4) Wilde, Die Katharinenkirche in Lübeck, S. 4

5) Jaacks, St. Katharinen zu Lübeck Baugeschichte einer Franziskanerkirche (1968), S. 14

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Geschichte, Baulichkeiten und Ausstellungsstücke des Franziskanerklosters St. Katharinen zu Lübeck
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Caspar-David-Friedrich Institut Bereich Kunstgeschichte)
Veranstaltung
Mittelalterliche Architektur der Bettelorden in den Norddeutschen Backsteingebieten
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
18
Katalognummer
V84387
ISBN (eBook)
9783638005487
Dateigröße
1120 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Franziskanerkloster, Lübeck, Backsteinbaukunst
Arbeit zitieren
Marcel Fidelak (Autor), 2006, Geschichte, Baulichkeiten und Ausstellungsstücke des Franziskanerklosters St. Katharinen zu Lübeck, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84387

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