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Duale Geschlechterrollen und Homoerotik in Franz Kafkas Romanfragment "Der Verschollene"

Title: Duale Geschlechterrollen und Homoerotik in Franz Kafkas Romanfragment "Der Verschollene"

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 17 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Alexandra Oswald (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Ziel der Arbeit ist es, in Kafkas Romanfragment Der Verschollene, die Geschlechterrollen und Präsentation von Sexualität allgemein zu untersuchen. Während ein Schwerpunkt dabei zwar auf der Frauenfigur Brunelda liegt und auch Johanna Brummer und Klara miteinbezogen werden sollen, beschäftigt sich der erste Teil mit den homoerotischen Tendenzen, die sich innerhalb einiger Männerverbindungen, dem male bonding , zwischen jeweils zwei männlichen Romanfiguren ergeben. In beiden Fällen stehen dabei jedes Mal die Rückschlüsse auf den Romanhelden Karl Roßmann und dessen Verkörperung (oder Nicht-Verkörperung) von Männlichkeit im Mittelpunkt . Ausgehend von Karl und dessen Kontakte mit den anderen Figuren des Romans, stellt sich also die Frage, inwiefern Kafka typische Geschlechterrollenbilder seiner Zeit bestätigt, unterläuft oder sogar umkehrt. Leitfaden soll die Annahme sein, dass Kafkas „Amerika“-Roman „ ‚antipatriarchale‘ dekonstruktive“ (Hochreiter 80) Elemente beinhaltet: seine Figuren sind im Stande, die Grenzen damaliger Geschlechterstereotypen zu verwischen und zu verwirren.

Wie es Susanne Hochreiter treffend formuliert, „ist [es] an der Zeit, die Analyse ausgehend von der [festgestellten] Durchlässigkeit und Brüchigkeit der Geschlechterkonzeptionen auf die männlichen Figuren auszudehnen und noch konsequenter abseits von psychologisch-biographischen Bezügen vom Autor zu entwickeln (Hochreiter 167). Aus diesem Grund ist diese Arbeit bewusst rein textanalytisch angelegt und beschäftigt sich auch ausgiebig mit der in der Sekundärliteratur oft ausgesparten männlichen Homoerotik.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Homoerotik und male bonding

2.1 Der Heizer

2.2 Herr Pollunder und der Onkel

3. Dualität der weiblichen Geschlechterrollen

3.1 Verführung und Kampf (Johanna, Klara)

3.2 Die Brunelda-Episode

4. Schlussfolgerung

5. Bibliographie

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Konstruktion und Dekonstruktion von Geschlechterrollen sowie die Darstellung von Sexualität in Franz Kafkas Romanfragment Der Verschollene, wobei insbesondere die Rollenverteilungen zwischen dem Protagonisten Karl Roßmann und den männlichen sowie weiblichen Figuren analysiert werden.

  • Analyse homoerotischer Tendenzen und des Phänomens male bonding zwischen männlichen Romanfiguren.
  • Untersuchung der weiblichen Geschlechterrollen und ihrer hybriden, teils gewaltsamen Präsentation.
  • Hinterfragung binärer Geschlechterkonzeptionen und deren Subversion im Roman.
  • Textanalytische Betrachtung der Beziehungsmuster Karl Roßmanns zu den ihn umgebenden Figuren.
  • Diskussion der kindlichen, passiven und feminisierten Rolle des Protagonisten Karl.

Auszug aus dem Buch

2.1 Der Heizer

Literatur spiegelt zu einem gewissen Grad auch immer das kulturelle Zeitbild der Gesellschaft wieder. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert, war diese, was aktives öffentliches Leben betrifft, klar patriarchalisch dominiert. Dementsprechend behandeln auch die Romane der meist männlichen Autoren die Geschichte eines männlichen Protagonisten und präsentieren sowohl Handlung als auch weitere Figuren (einschließlich der weiblichen) aus einer männlichen Perspektive. Interessanter Weise führt diese zunächst einseitig erscheinende und männlich überladene Ausgangssituation jedoch nicht zwangsweise auch zu Darstellungen prototypischer und heldenhafter Männlichkeit. Es führt im Gegenteil sogar zur Beschreibung von unterschwellig homoerotische Beziehungen und diese sind meist als äußerst „unmännlich“ und „verweichlicht“ konnotiert. Genau dies ist in der „Heizer“-Episode der Fall.

Der Heizer ist die erste Person, der Karl seit Romanbeginn eher zufällig auf dem Schiff begegnet. Auffallend ist zunächst Karls misstrauische und zurückhaltende Art, während der „riesige[r] Mann“ ihn nicht nur rasch in die Kabine schiebt (8), sondern auch, aus Platzmangel, „gerade zu rauh“ und „gegen die Brust“ in sein Bett stößt (9). Obwohl ein Bett durchaus eine Sitzgelegenheit sein kann und das ultimative (nächtliche) Ruhemöbel ist, so steht es doch auch für Intimität und ist ein Ort der Sexualität, was der Szene von Anfang an einen leichten homo-erotischen Beigeschmack gibt. Im jeden Fall steht das Bett für etwas privates Eigenes, das man nur besonderen Menschen zugänglich macht. Die ganze Beschreibung der Kabine und vor allem des Bettes, kreiert ein intensives Gefühl von Enge und Nähe- als der Heizer seine Beine streckt, muss Karl bereits „mehr an die Wand rücken“ (10)- was die beiden Männer nicht nur räumlich, sondern auch geistig und körperlich zu verbinden scheint.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung legt den Fokus der Untersuchung auf die Analyse der Geschlechterrollen und Sexualität in Kafkas Romanfragment unter Verzicht auf rein biographische Deutungsansätze.

2. Homoerotik und male bonding: Dieses Kapitel untersucht die homoerotischen Züge in den Beziehungen zwischen Karl Roßmann und anderen männlichen Figuren, insbesondere dem Heizer sowie Herrn Pollunder und dem Onkel.

3. Dualität der weiblichen Geschlechterrollen: Der Hauptteil analysiert die komplexen, oft widersprüchlichen Charakterisierungen der Frauenfiguren, die traditionelle Rollenbilder und binäre Zuschreibungen unterwandern.

4. Schlussfolgerung: Das Fazit fasst zusammen, dass Kafka die traditionellen Geschlechterrollen im Roman dynamisch dekonstruiert, indem er sowohl männliche als auch weibliche Figuren jenseits binärer Zuschreibungen agieren lässt.

5. Bibliographie: Das Verzeichnis der verwendeten Sekundär- und Primärliteratur für die Analyse.

Schlüsselwörter

Franz Kafka, Der Verschollene, Geschlechterrollen, Homoerotik, male bonding, Karl Roßmann, Dekonstruktion, Weiblichkeit, Männlichkeit, Sexualität, literarische Analyse, Heteronormativität, Gender Studies, Romanfragment, Machtstrukturen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Darstellung von Geschlechterrollen und Sexualität in Franz Kafkas Romanfragment Der Verschollene mit einem besonderen Augenmerk auf die Beziehungen des Protagonisten Karl Roßmann.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Felder sind die Untersuchung von homoerotischen Tendenzen und male bonding unter Männern sowie die Dekonstruktion weiblicher Geschlechterstereotypen durch hybride Rollenbilder.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, inwiefern Kafka in seinem Roman typische Geschlechterrollenbilder seiner Zeit bestätigt, unterläuft oder umkehrt, und ob er dabei binäre Konzepte dekonstruiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin wählt einen rein textanalytischen Ansatz und verzichtet bewusst auf psychologisch-biographische Bezüge zum Autor.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse männlicher homoerotischer Beziehungen und die Untersuchung der komplexen, oft bedrohlichen oder ambivalenten Rollen der weiblichen Figuren im Roman.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Geschlechterrollen, Homoerotik, male bonding, Dekonstruktion und das Romanfragment Der Verschollene charakterisieren.

Inwieweit wird Karl Roßmann als Figur in der Analyse wahrgenommen?

Karl wird nicht als klassischer Held gesehen, sondern als eine Figur, die durch ihr passives und ängstliches Verhalten oft feminisiert oder infantilisiert dargestellt wird.

Wie werden die Frauenfiguren wie Brunelda oder Klara charakterisiert?

Sie werden als Figuren beschrieben, die traditionelle Rollen überschreiten, indem sie sowohl „männliche“ Gewalt als auch „weibliche“ Verführung in sich vereinen und dadurch binäre Zuschreibungen auflösen.

Warum spielt der Begriff "male bonding" eine so wichtige Rolle?

Der Begriff wird verwendet, um die engen, körperlich und emotional vertrauten Beziehungen zwischen männlichen Figuren zu beschreiben, die Frauen ausschließen und das tradierte Rollenmodell in Frage stellen.

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Details

Title
Duale Geschlechterrollen und Homoerotik in Franz Kafkas Romanfragment "Der Verschollene"
College
Johannes Gutenberg University Mainz
Course
"Franz Kafka:Erzählungen und Texte"
Grade
1,0
Author
Alexandra Oswald (Author)
Publication Year
2007
Pages
17
Catalog Number
V84552
ISBN (eBook)
9783638009522
ISBN (Book)
9783638914949
Language
German
Tags
Duale Geschlechterrollen Homoerotik Franz Kafkas Romanfragment Verschollene Franz Kafka Erzählungen Texte
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Alexandra Oswald (Author), 2007, Duale Geschlechterrollen und Homoerotik in Franz Kafkas Romanfragment "Der Verschollene", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84552
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