Um 1968 wurden zahlreiche Entwürfe für Möbeldesign und Wohngestaltung mit Kunststoffen verwirklicht. Anhand unterschiedlicher Beispiele aus Möbeldesign und Kunst wird gezeigt, dass Kunststoff als Material in diesen Gestaltungslösungen eigenständig präsent ist. Seine plastische Eigenschaft, die freie Formbarkeit, wurde kreativ genutzt. Kunststoffe eroberten die gesamte Wohnung. In den fünfziger Jahren zog Kunststoff wegen seiner praktischen Aspekte in die Haushalte ein. Eimer, Schüsseln und Oberflächen aus Plastik waren leicht, unzerbrechlich und abwaschbar. Repräsentativ waren diese alltäglichen Haushaltsgegenstände jedoch nicht. Sie wurden vielmehr in den Küchenschränken und in der Besenkammer versteckt. Um 1968 hatte sich das Bild gewandelt. Das Material Kunststoff wurde für Möbel und Designobjekte neu entdeckt. Es war noch unberührt. Daher bot es sich zur Gestaltung von Möbeln an, die eine veränderte, freiere Lebensauffassung vermitteln sollten. Ein Bedeutungswandel der Stoffe, den Jean Baudrillard mit dem Begriff »Polymorphismus« umschrieben hat, war für das Material Kunststoff möglich. Die Entwürfe wurden dem Material Kunststoff gerecht. Sie gaben ihm einen neuen Sinn, das Material selbst wurde mit neuer Bedeutung aufgeladen. Vom künstlichen Stoff, der den natürlichen imitierte, avancierte Plastik in den sechziger Jahren zum eigenständigen Material in Möbeldesign und Wohngestaltung.
Abstract in english:
Around 1968 several ideas for furniture design and interior design were made out of plastics. The text gives exampels to show, that the material was used in an creative and new way in the field of design especially in the sixties and seventies of the 20th Century.
dt. Titel:
Kunststoff - Material der Stunde?! Möbeldesign und Wohngestaltung mit Kunststoffen um 1968
Verfasser: Elke Beilfuß
Englischer Titel:
Plastics - Material of the time?! Furniture Design and Interior Design with Plastics around 1968
Autor: Elke Beilfuß
Schlagworte
Design, Formgebung, Industriedesign, Industriedesigner, Kunststoff, Kunststoffe, Plastics, Möbel, Möbeldesign, Innenarchitektur, 1968er, 68er-Bewegung, Studentenbewegung, Material
Schlagworte engl.:
Pastics, Design, Industrial Design
Abstract:
Um 1968 wurden zahlreiche Entwürfe für Möbeldesign und Wohngestaltung mit Kunststoffen verwirklicht. Anhand unterschiedlicher Beispiele aus Möbeldesign und Kunst wird gezeigt, dass Kunststoff als Material in diesen Gestaltungslösungen eigenständig präsent ist. Seine plastische Eigenschaft, die freie Formbarkeit, wurde kreativ genutzt. Kunststoffe eroberten die gesamte Wohnung. In den fünfziger Jahren zog Kunststoff wegen seiner praktischen Aspekte in die Haushalte ein. Eimer, Schüsseln und Oberflächen aus Plastik waren leicht, unzerbrechlich und abwaschbar. Repräsentativ waren diese alltäglichen Haushaltsgegenstände jedoch nicht. Sie wurden vielmehr in den Küchenschränken und in der Besenkammer versteckt. Um 1968 hatte sich das Bild gewandelt. Das Material Kunststoff wurde für Möbel und Designobjekte neu entdeckt. Es war noch unberührt. Daher bot es sich zur Gestaltung von Möbeln an, die eine veränderte, freiere Lebensauffassung vermitteln sollten. Ein Bedeutungswandel der Stoffe, den Jean Baudrillard mit dem Begriff »Polymorphismus« umschrieben hat, war für das Material Kunststoff möglich. Die Entwürfe wurden dem Material Kunststoff gerecht. Sie gaben ihm einen neuen Sinn, das Material selbst wurde mit neuer Bedeutung aufgeladen. Vom künstlichen Stoff, der den natürlichen imitierte, avancierte Plastik in den sechziger Jahren zum eigenständigen Material in Möbeldesign und Wohngestaltung.
Abstract in english:
Around 1968 several ideas for furniture design and interior design were made out of plastics. The text gives exampels to show, that the material was used in an creative and new way in the field of design especially in the sixties and seventies of the 20th Century.
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Häufig gestellte Fragen
Warum wurde Kunststoff um 1968 im Design so populär?
Kunststoff bot neue gestalterische Freiheiten (Formbarkeit) und vermittelte eine moderne, freiere Lebensauffassung, die zur gesellschaftlichen Aufbruchstimmung passte.
Wie unterschied sich die Nutzung von Plastik in den 50ern von den 60ern?
In den 50ern war Plastik eher ein praktisches Ersatzmaterial für Haushaltswaren, während es in den 60ern zum eigenständigen, repräsentativen Designmaterial avancierte.
Was bedeutet "Polymorphismus" bei Jean Baudrillard?
Baudrillard beschreibt damit den Bedeutungswandel von Stoffen, bei dem Kunststoff nicht mehr Naturmaterialien imitiert, sondern eine eigene ästhetische Sprache entwickelt.
Welche Designobjekte waren typisch für die 68er-Ära?
Typisch waren organisch geformte Möbel und bunte Einrichtungsgegenstände, die die technologischen Möglichkeiten der Kunststoffverarbeitung voll ausschöpften.
Gilt Kunststoff heute noch als "Material der Stunde"?
Die Arbeit reflektiert den historischen Kontext von 1968, als Kunststoff als Symbol für Fortschritt und Freiheit galt, im Kontrast zur heutigen ökologischen Debatte.
- Arbeit zitieren
- M.A. Elke Beilfuß (Autor:in), 2001, Kunststoff – Material der Stunde?!, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84660