Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › History - Miscellaneous

Von der Religionsschule zur liberalen Volksschule im Kanton Bern

Title: Von der Religionsschule zur liberalen Volksschule im Kanton Bern

Seminar Paper , 2005 , 20 Pages , Grade: 5.5 (CH!)

Autor:in: Reto Liniger (Author)

History - Miscellaneous
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

aus der Einleitung...
Die Reformation teilte im 16. Jahrhundert den christlichen Glauben in zwei Konfessionen und führte somit auch eine Wandlung im Bildungswesen herbei, wobei aber die sakrale Komponente im Schulwesen nicht verschwand.
Mit der Glaubensspaltung im 16. Jahrhundert kam es zu zahlreichen Religionskriegen zwischen Protestanten und Katholiken, was die ehemalige religiöse Einheitswelt des Abendlandes in zwei verfeindete Lager spaltete. Die Politik musste erstmals Position beziehen und sich über die Forderungen der streitenden Religionsparteien stellen, um Frieden erwirken zu können. Diese Positionierung der Politik hatte entscheidenden Einfluss auf das beginnende Staatskirchentum. Die Säkularisierung, welche so seinen Anfang nahm, leitete auch die Verstaatlichung des Bildungswesens ein. Doch zunächst übten die Konfessionen noch einen beachtlichen Einfluss auf die Schulen aus, nahmen sie in den Dienst der kirchlichen Bestrebungen und stellten sie unter die Vormundschaft der Kirche und des nach kirchlichen Ideen umgestalteten Staatswesens. Die radikalste Auffassung dieses Ansatzes vertritt Gerald Strauss, der die Unterweisung der Jugend in der Reformationszeit in die Nähe der nationalsozialistischen Beeinflussung der Jugend setzt. Die Beachtung, die die Konfessionskirchen dem Bildungswesen zukommen liessen, erwuchs dem Bedürfnis, qualifiziertes Stabspersonal für die eigene Konfession zu schaffen – wollte man in der Konkurrenzsituation bestehen können. Mit dem Aufstieg der Nationalstaaten zu Beginn des 19. Jahrhunderts kümmerte sich nun zunehmend der Staat um die Zweckbestimmung der Schulen. Die religiöse Volksschule der Konfessionalisierungszeit wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts von der Staatsschule abgelöst.

In meiner Arbeit werde ich nun diese Entwicklung im Kanton Bern zeigen. Den Weg von der religiösen zur liberalen Volksschule der Regeneration will ich unter anderem anhand zweier Quellen zeigen. Der Schulordnung aus dem Ancien Regime von 1720 soll die Schulordnung der Regenerationszeit von 1835 gegenübergestellt werden. Die Analyse und der Vergleich dieser Schulordnungen sollen helfen, diese Entwicklung im bernischen Volksschulwesen zu belegen. Neben der Arbeit an den Quellen sollen in allgemeinen Kapiteln zum Volksschulwesen des 18. Jahrhunderts bzw. der Regenerationszeit weitere Anzeichen für diese Entwicklung angefügt werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Fragestellung

1.2 Forschungsstand

1.3 Aufbau

2. Die politische Situation im Ancien Regime bis zur Regenerationszeit

3. Das Volksschulwesen des Kantons Bern im 18. Jahrhundert

4. Die Schulordnung von 1720

5. Das Volksschulwesen des Kantons Bern ab 1830

6. Gesetz über die öffentlichen Primarschulen von 1835

7. Fazit

8. Bibliographie

8.1 Literaturverzeichnis

8.2 Quellen

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen Wandel des bernischen Volksschulwesens vom Ancien Regime bis in die Regenerationszeit. Ziel ist es, den Übergang von einer kirchlich dominierten Religionsschule hin zu einer liberalen, staatlich organisierten Volksschule anhand spezifischer Schulordnungen (1720 und 1835) nachzuweisen und den Einfluss politischer Umbrüche auf diesen Prozess aufzuzeigen.

  • Historische Entwicklung des bernischen Bildungswesens vom 18. bis 19. Jahrhundert.
  • Analyse und Vergleich der Schulordnungen von 1720 und 1835.
  • Die Rolle der Säkularisierung und des Liberalismus in der Schulreform.
  • Staatliche versus kirchliche Einflussnahme auf die Erziehung der Jugend.
  • Sozialdisziplinierung als einheitliches Ziel in religiösen und liberalen Bildungssystemen.

Auszug aus dem Buch

4. Die Schulordnung von 1720

1720 erliess die Obrigkeit im Kanton Bern die „Erneuerte schulordnung für der statt Bern Teutsche landschaft“. Sie wies einige Neuerungen auf, basierte aber auf ihrer Vorgängerin, der Schulordnung von 1675, und beinhaltete somit mehr oder weniger dieselben Lernziele und Bildungsideale.37

Die Kategorisierung der Schulordnung soll nach folgenden Fragen geschehen: Wie sollte der Schulmeister sein? Wer wurde unterrichtet? Was mussten die Schüler lernen?

„Die Gemeinden sollen die Schulmeister nicht eygen gewahlts und willens annehmen und bestellen, sondern die begaerenden Personen für die amtleut und vorsteher der kirchen, als ihre fuergesetzten, denen solche annemung zusteht, weisen, sich vor ihnen zu stellen.“38 Die Amtleute und Kirchenvorsteher sollen also das Personal rekrutieren und dabei darauf achten, dass „gottesfoerchtige, gott- und tugendliebende personen“39 dieses Amt des Schulmeisters bekleiden. Weiter soll nicht bloss auf „das heymaht, herkommen und fründschaft, sondern vornehmlich und allein auf die tuechtigkeit zu sehen [...]“40 sein. Die Schulmeister sollen auch von Zeit zu Zeit durch die Pfarrer weitergebildet werden, so dass sie „ihren schulkinden ein gut exempel vortragen [...]“.41 Sie sollen die Kinder in Gottes Wort lehren zu lesen, beten und glauben, wobei die Texte auswendig gelernt werden sollen. Den Leseunterricht erhalten die Kinder aus Psalmenbuch, Testament und Bibel. Erst wenn sie darin Sicherheit besitzen, folgt die Erlernung im Katechismus.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Verflechtung von Kirche und Schule und führt in die Fragestellung zur Entwicklung des bernischen Schulwesens ein.

2. Die politische Situation im Ancien Regime bis zur Regenerationszeit: Dieses Kapitel skizziert die politischen Rahmenbedingungen der Schweiz und des Kantons Bern, die maßgeblich den Kontext für schulische Veränderungen bildeten.

3. Das Volksschulwesen des Kantons Bern im 18. Jahrhundert: Es wird die kirchlich geprägte Bildungssituation beschrieben, in der die Schule als Dienerin der Kirche und der Obrigkeit fungierte.

4. Die Schulordnung von 1720: Eine detaillierte Analyse der Schulordnung von 1720, die die Anforderungen an Lehrer und Schüler im Kontext des konfessionellen Dogmatismus aufzeigt.

5. Das Volksschulwesen des Kantons Bern ab 1830: Dieses Kapitel erläutert den Aufbruch in eine liberale Ära, in der Bildung als staatliche Aufgabe zur Mündigmachung der Bürger verstanden wurde.

6. Gesetz über die öffentlichen Primarschulen von 1835: Darstellung der Reformen im Bildungswesen nach 1835, insbesondere der staatlichen Lehrerprüfung und der neuen Lehrplaninhalte.

7. Fazit: Das Fazit fasst die Wandlungsprozesse zusammen und stellt fest, dass beide Schulformen sozialdisziplinierende Züge trugen, wenn auch unter unterschiedlichen ideologischen Vorzeichen.

Schlüsselwörter

Volksschulwesen, Kanton Bern, Reformation, Säkularisierung, Schulordnung 1720, Schulgesetz 1835, Liberalismus, Bildungsgeschichte, Katechismus, Staatskirchentum, Sozialdisziplinierung, Aufklärung, Schulpflicht, Primarschule, Regeneration.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der historischen Transformation des bernischen Volksschulwesens von einer kirchlich dominierten Einrichtung hin zu einem staatlich geführten, liberalen Bildungssystem.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Staat und Kirche, der Wandel der Bildungsideale zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert sowie der Einfluss politischer Umwälzungen auf die Struktur der Schule.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, die Entwicklung zur liberalen Volksschule durch den Vergleich historischer Dokumente wie der Schulordnung von 1720 und dem Gesetz von 1835 nachzuzeichnen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historische Quellenanalyse, die durch den Einbezug der jeweiligen politischen und sozialgeschichtlichen Rahmenbedingungen ergänzt wird.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil behandelt die politische Situation vom Ancien Regime bis zur Regeneration, die Charakteristika der konfessionellen Schule des 18. Jahrhunderts und die nach 1830 eingeleiteten liberalen Schulreformen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Volksschulwesen, Kanton Bern, Säkularisierung, Liberalismus, staatliche Bildung und Sozialdisziplinierung.

Warum war die Katechisation im 18. Jahrhundert oft nur ein formales Frage-und-Antwort-Spiel?

Aufgrund fehlender pädagogischer Ausbildung und profunder Glaubenskenntnisse der damaligen Schulmeister sowie des mangelnden Verständnisses der Schüler blieb der Unterricht häufig oberflächlich.

Welche Rolle spielte der Staat ab 1830 bei der Lehrmittelkontrolle?

Der Staat löste die Kirche ab und übernahm durch das Erziehungsdepartement die exklusive Kontrolle über den Inhalt der Schulbücher, um das Bildungswesen auf die neuen liberalen Staatsideale auszurichten.

Inwiefern blieb die Schule auch nach 1835 ein Disziplinierungsinstrument?

Obwohl sich die Lerninhalte säkularisierten, zielte die Schule weiterhin darauf ab, die Jugend geordnet in die Gesellschaft zu integrieren und Verhaltensnormen zu vermitteln, was in der Arbeit mit Beobachtungen von Stefan Zweig verknüpft wird.

Excerpt out of 20 pages  - scroll top

Details

Title
Von der Religionsschule zur liberalen Volksschule im Kanton Bern
College
University of Bern  (Historisches Insitut)
Grade
5.5 (CH!)
Author
Reto Liniger (Author)
Publication Year
2005
Pages
20
Catalog Number
V84753
ISBN (eBook)
9783638012393
Language
German
Tags
Religionsschule Volksschule Kanton Bern
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Reto Liniger (Author), 2005, Von der Religionsschule zur liberalen Volksschule im Kanton Bern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84753
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  20  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint