Zu Beginn meiner Arbeit befasse ich mich mit der Klärung theoretischer Grundlagen. Im weiteren Verlauf wird die geschichtliche Entwicklung, im
Hinblick auf die Begrifflichkeiten von AD(H)S dargestellt. Anschließend folgen eine ausführliche Beschreibung der typischen Eigenschaften von AD(H)S Kindern sowie ein Kapitel über die neusten Erkenntnisse zur Aufmerksamkeitsstörung. Danach erläutere ich die historisch veränderte Wahrnehmung des Phänomens AD(H)S in der Gesellschaft. Im Hauptteil werde ich die Schwierigkeiten der Orientierung der unterschiedlichen ätiologischen Sicht-weisen und die konkurrierenden multifaktoriellen Ursachen der Entstehung von AD(H)S ausführen. Danach folgen die aktuellen Möglichkeiten der Diagnostik. Im weiteren Verlauf der Arbeit werde ich ausgewählte Interventionsmaßnahmen unter besonderer Berücksichtigung des pädagogischen Blickwinkels vorstellen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG:
2. DEFINITIONS- UND ZUORDNUNGSPROBLEM VON ADD/ADS
3. HYPERAKTIVITÄT UND AUFMERKSAMKEITSSTÖRUNG ALS PROBLEM
4. PHÄNOMENOLOGIEN
4.1. Phänomenologie der ADS
4.2. Phänomenologie der ADHS
4.3. Altersspezifische Phänomenologie
4.3.1. DAS SÄUGLINGSALTER
4.3.2. DAS VORSCHULALTER
4.3.3. DAS SCHULKIND
4.3.4. DER JUGENDLICHE
4.3.5. DER ERWACHSENE
5. NEUESTE ERKENNTNISSE ZUR AUFMERKSAMKEITSSTÖRUNG
6. KOMORBIDITÄTEN
7. FALLBEISPIELE
8. DIE PSYCHOSOZIALE ENTWICKLUNG VON KINDERN MIT AD(H)S
9. POSITIVE VERHALTENSWEISEN VON AD(H)S KINDERN
10. DIFFERENTE ANSÄTZE ZUR VERURSACHUNG DER AD(H)S
10.1. Vor dem Hintergrund unterschiedlicher Sichtweisen
10.2. Einleitung
10.3. Die biologische Betrachtungsweise
10.3.1. NEUROLOGISCHE STÖRUNGEN
10.3.2. NEUROANATOMISCHE STÖRUNGEN
10.3.3. SCHWANGERSCHAFTS- ODER GEBURTSKOMPLIKATIONEN
10.3.4. STÖRUNGEN DES IMMUNSYSTEMS
10.3.5. NEUROCHEMISCHE FAKTOREN
10.3.6. KRITIK AN DER TRANSMITTERHYPOTHESE
10.3.7. GENETISCHE FAKTOREN
10.3.8. DIE GENETISCHE DISPOSITION ANDERS INTERPRETIERT
10.4. Die Neurobiologische Betrachtungsweise
10.4.1. NEUE ERKENNTNISSE AUS DER HIRNFORSCHUNG
10.4.2. DIE KINDLICHE ENTWICKLUNG DES GEHIRNS
10.4.3. DER EINFLUSS FRÜHER BINDUNGSERFAHRUNGEN AUF DIE HIRNENTWICKLUNG
10.4.4. DIE STRUKTURIERUNG DES KINDLICHEN GEHIRNS DURCH ERZIEHUNG UND SOZIALISATION
10.5. Psychosoziale Ursachen
10.6. Sozio- kulturelle Faktoren
10.7. Anthropologische Betrachtungsweise
10.8. Der biographischer Zeitaspekt
10.9. Abschlussbetrachtung zu den Verursachungen einer AD(H)S
11. DAS ERLEBEN AUS DER SICHT BETROFFENER
12. DIE DIAGNOSE VON EINER AD(H)S
12.1. Die Schwierigkeit einer Diagnose
12.2. Diagnostik
12.2.1. ANAMNESE
12.2.2. ENTWICKLUNGS- UND INTELLIGENZTESTS
12.2.3. KONZENTRATIONSTESTS
12.2.4. FRAGEBÖGEN
12.2.5. VERHALTENSBEOBACHTUNG
12.2.6. KINDERNEUROLOGISCHE UNTERSUCHUNGEN
12.2.7. PSYCHOLOGISCHE DIAGNOSTIK
12.2.8. INTERPRETATION VON UNTERSUCHUNGSERGEBNISSEN
13. THERAPEUTISCHE INTERVENTIONSMÖGLICHKEITEN
13.1. Das medizinische Interventionsmodell
13.1.2. INDIKATIONSSTELLUNG:
13.1.3. MEDIKAMENTÖSE WIRKUNGSWEISE UND EFFEKTE
13.1.4. NEBENWIRKUNGEN
13.1.5. KRITISCHE ASPEKTE UND MÖGLICHE GEFAHREN
13.2. Andere therapeutische Interventionsmodelle
13.2.1. Psychotherapeutische Ansätze
13.2.1.1. TIEFENPSYCHOLOGISCHE VERFAHREN
13.2.1.2. VERHALTENSTHERAPEUTISCHE VERFAHREN
13.2.1.3. COACHING
13.3. Psychomotorische Interventionsmaßnahmen
13.3.1. PSYCHOMOTORISCHER ANSATZ
13.3.2. DIE MUSIKTHERAPIE
13.3.3. WEITERE THERAPIEFORMEN
13.4. Abschließende Bemerkungen zu den medizinischen und anderen therapeutischen Interventionsmaßnahmen
14. PÄDAGOGISCHE INTERVENTIONSMAßNAHMEN
14.1. VORAUSSETZUNGEN FÜR ERFOLGREICHE PÄDAGOGISCHE INTERVENTIONEN
14.1.1. INFORMATIONEN SAMMELN
14.1.2. SYSTEMATISCHE BEOBACHTUNG
14.2. GRUNDREGELN FÜR DAS ARBEITEN MIT AD(H)S- KINDERN IM UNTERRICHT
14. 3. KONKRETE STRATEGIEN IM UNTERRICHT
14.3.1. IGNORIEREN MIT POSITIVEM MODELL
14.3.2. DAS LOBEN
14.3.3. VERSTÄRKERPLÄNE
14.3.4. TIME-OUT
14.4. Abschlussbetrachtung einer pädagogischen Förderung von hyperaktiven Kindern
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die kontrovers diskutierte Ätiologie der Aufmerksamkeits-Defizit-(Hyperaktivitäts)-Störung (AD(H)S) und setzt diese in den Kontext der pädagogischen Praxis. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit AD(H)S als isolierte medizinische Störung zu verstehen ist oder als Ausdruck eines komplexen Wechselspiels zwischen biologischen Veranlagungen, individueller Sozialisationsgeschichte und gesamtgesellschaftlichen Überforderungen.
- Phänomenologie und entwicklungspsychologische Einordnung von AD(H)S
- Kritische Auseinandersetzung mit biologischen und neurochemischen Erklärungsmodellen
- Einfluss sozio-kultureller Faktoren und pädagogischer Rahmenbedingungen
- Bedeutung früher Bindungserfahrungen für die neuronale Entwicklung
- Methoden und Interventionsstrategien im pädagogischen Kontext (u.a. Verstärkerpläne, Coaching)
Auszug aus dem Buch
10.4.1. Neue Erkenntnisse aus der Hirnforschung
Der Neurobiologe Prof. Hüther versucht in seinem Buch „Neues vom Zappelphilipp“ die konkurrierenden, scheinbar widersprüchlichen und gegensätzlichen Vorstellungen über die Ätiologie von einer AD(H)S unter Einbeziehung neuer Erkenntnisse aus der Hirnforschung darzustellen. Er verweist dabei auf die neuen Einsichten der Wissenschaftler, dass das Gehirn zeitlebens zur adaptiven Modifikation und Reorganisation seiner einmal angelegten Nervenzellverschaltungen befähigt ist. Neuronale Verschaltungen und synaptische Verbindungen sind somit nicht unveränderlich, sondern können verkümmern oder sich bei entsprechender Förderung optimal entfalten. Auch können immer wieder neue Verbindungen und Verknüpfungen ausgebildet werden.
Noch vor einigen Jahren war es undenkbar, dass psychosoziale Einflüsse in der Lage gewesen wären, die Struktur des Gehirns in irgendeiner Weise zu verändern. Heute hat sich bei Hirnforschern die Einsicht durchgesetzt, dass sich die Erfahrungen die ein Mensch im Leben macht strukturell im Gehirn verankern. Das Gehirn, so glaubte man früher, sei ein reines Denkorgan.
Neueste Forschungen haben jedoch zu der Erkenntnis geführt, dass der Bau und die Funktion des Menschen in besonderer Weise für Aufgaben optimiert sind, die man unter dem Begriff psychosoziale Kompetenz zusammenfassen kann. Demnach ist unser Gehirn kein reines Denk- als vielmehr ein Sozialorgan. Hirnforscher verstehen immer mehr die Bedeutung von Gefühlen, nicht nur für die Ausgestaltung von Wahrnehmungs- und Denkprozessen, sondern auch, wie sehr frühe emotionale Erfahrungen im Gehirn verankert und wie dadurch spätere Einstellungen und Überzeugungen bestimmt werden. Auch die Fähigkeit des Menschen zur Anpassung und lebenslanger Lernfähigkeit begründet sich nicht allein durch genetische Programme, sondern wird maßgeblich durch das Denken, Fühlen und Handeln des Individuums beeinflusst. (vgl. Hüther , 2003, S.25-26)
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Das Kapitel führt anhand des literarischen Beispiels des „Zappelphilipp“ in die Thematik der Aufmerksamkeitsstörung ein und skizziert den Anstieg der Diagnosen in der modernen Gesellschaft.
2. DEFINITIONS- UND ZUORDNUNGSPROBLEM VON ADD/ADS: Hier werden die begrifflichen Unterscheidungen zwischen ADS und ADHS sowie deren geschichtliche Entwicklung seit Dr. Heinrich Hoffmann dargelegt.
3. HYPERAKTIVITÄT UND AUFMERKSAMKEITSSTÖRUNG ALS PROBLEM: Dieses Kapitel behandelt die Prävalenzraten, geschlechtsspezifische Unterschiede und die diagnostische Herausforderung bei der Abgrenzung von „schwierigem“ Verhalten.
4. PHÄNOMENOLOGIEN: Es werden die verschiedenen Erscheinungsformen der Störung und deren Ausprägung in unterschiedlichen Altersstufen detailliert beschrieben.
5. NEUESTE ERKENNTNISSE ZUR AUFMERKSAMKEITSSTÖRUNG: Hier wird der Fokus auf die Arbeiten von Russell A. Barkley gelegt, der die Fähigkeit zur Selbststeuerung und Reaktionshemmung als zentrales Kernproblem identifiziert.
6. KOMORBIDITÄTEN: Die häufig begleitenden Auffälligkeiten, wie Bettnässen oder Teilleistungsstörungen, und deren psychologische Hintergründe werden hier beleuchtet.
7. FALLBEISPIELE: Anhand von Berichten über konkrete Kinder wird verdeutlicht, wie ADHS im familiären und schulischen Umfeld erlebt wird.
8. DIE PSYCHOSOZIALE ENTWICKLUNG VON KINDERN MIT AD(H)S: Die Auswirkungen der Diagnose auf die soziale Integration und die psychosoziale Reife werden analysiert.
9. POSITIVE VERHALTENSWEISEN VON AD(H)S KINDERN: Dieses Kapitel stellt einen Perspektivwechsel dar, der die Stärken, Talente und kreativen Potenziale betroffener Kinder in den Mittelpunkt rückt.
10. DIFFERENTE ANSÄTZE ZUR VERURSACHUNG DER AD(H)S: Eine umfassende Analyse konkurrierender Erklärungsmodelle, von biologisch-genetischen Defiziten bis hin zu neurobiologischen und sozio-kulturellen Ursachen.
11. DAS ERLEBEN AUS DER SICHT BETROFFENER: Betroffene Kinder und Jugendliche schildern in eigenen Worten ihren Leidensdruck und ihre Erfahrungen mit Schule und Therapie.
12. DIE DIAGNOSE VON EINER AD(H)S: Ein methodischer Überblick über Anamnese, Tests und die Schwierigkeiten bei der objektiven Interpretation von Untersuchungsergebnissen.
13. THERAPEUTISCHE INTERVENTIONSMÖGLICHKEITEN: Die Kategorisierung therapeutischer Ansätze, insbesondere der Vergleich zwischen medizinischer Pharmakotherapie und psychosozialen sowie bewegungsorientierten Verfahren.
14. PÄDAGOGISCHE INTERVENTIONSMAßNAHMEN: Dieses Kapitel bietet konkrete Handlungsstrategien für den Schulalltag, wie das Ignorieren mit positivem Modell, Lob und den Einsatz von Verstärkerplänen.
Schlüsselwörter
ADHS, ADS, Aufmerksamkeitsstörung, Hyperaktivität, Impulsivität, Neurobiologie, Neurotransmitter, Dopamin, Bindungstheorie, Sozialisation, Pädagogische Intervention, Verhaltenstherapie, Ritalin, Selbststeuerung, Frühkindliche Entwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Thema dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Aufmerksamkeits-Defizit-(Hyperaktivitäts)-Störung (AD(H)S), wobei der Fokus insbesondere auf der kritischen Auseinandersetzung mit der Ursachenforschung und der Vorstellung pädagogischer Interventionsstrategien liegt.
Welche unterschiedlichen Betrachtungsweisen zur Entstehung von AD(H)S werden diskutiert?
Das Werk beleuchtet sowohl die medizinisch-biologische Sichtweise (genetische Defekte, Transmitterstörungen) als auch neurobiologische und psychosoziale Ansätze, die den Einfluss der Umwelt und die Reorganisation des Gehirns durch Erfahrungen hervorheben.
Welches primäre Ziel verfolgt die Kandidatin in dieser Arbeit?
Das Ziel ist es, eine interdisziplinäre Perspektive auf AD(H)S einzunehmen, um die einseitige, oft rein medizinische Betrachtung zu hinterfragen und ganzheitliche, pädagogisch wertvolle Unterstützungsangebote aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methodik wird primär verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse beruht, verschiedene medizinische und psychologische Studien gegenüberstellt und diese kritisch im Hinblick auf den pädagogischen Alltag bewertet.
Was deckt der Hauptteil der Arbeit ab?
Der Hauptteil behandelt die Phänomenologie, den aktuellen Stand der Hirnforschung, die Problematik der Diagnosestellung, die Rolle von Komorbiditäten sowie spezifische medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapieformen.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind unter anderem AD(H)S, Dopamin, Selbststeuerung, Bindungstheorie, soziale Prägung, Pädagogik, Verhaltenstherapie und die kritische Distanz zur ausschließlichen Psychologisierung.
Wie bewertet die Autorin die medikamentöse Behandlung mit Ritalin?
Sie betrachtet die medikamentöse Therapie als kontroverses Thema. Während sie die Chancen für eine kurzfristige Entlastung anerkennt, warnt sie eindringlich vor der Gefahr der „Medikalisierung“ sozialer Probleme und fordert, dass Medikamente nur in ein ganzheitliches pädagogisch-therapeutisches Konzept eingebettet sein sollten.
Warum spielt die Bindungstheorie in dieser Arbeit eine Rolle?
Die Autorin führt die Bindungstheorie an, um zu verdeutlichen, wie frühe emotionale Erfahrungen die neuronale Struktur des Gehirns formen und somit die Entwicklung eines Kindes – auch hinsichtlich der Ausprägung von AD(H)S-Symptomen – maßgeblich beeinflussen.
Was ist das „Positive Modell“ bei der pädagogischen Arbeit mit hyperaktiven Kindern?
Dies ist eine Methode, bei der Lehrkräfte gezielt das erwünschte Verhalten anderer Kinder loben, anstatt das Fehlverhalten des betroffenen Kindes durch Kritik in den Mittelpunkt zu rücken, um so einen Anreiz zur Nachahmung zu schaffen.
- Quote paper
- Ute Völker (Author), 2005, Vergleich differenter Ansätze zur Verursachung von Attention Deficit Disorder einschließlich ausgewählter Interventionsmaßnahmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84774